Gedankenflug

Fünf Spiele ... - die leider nie kommerziell erfolgreich waren

Geschrieben von Haschbeutel am 28. Februar 2011 um 20:56 Uhr


Für einen Entwickler gibt es wohl nichts schlimmeres, als ein Spiel zu entwickeln, das von Fans und Presse geliebt, aber von dem größten Spielerteil gemieden wird und somit wie Blei in den Regalen der Händler liegt. Leider trifft dieses Schicksal überwiegend viele tolle Spiele - wie, um ein neueres Beispiel zu nennen, das grandiose Enslaved, das bis heute nicht einmal die Millionenmarke geknackt hat. Zum Vergleich dazu schaue man sich die Verkaufszahlen des drölfzillionsten Call of Duty Aufgusses an: 5,6 Millionen verkaufte Exemplare innerhalb der ersten 24 Stunden nach Release - nur in den USA und UK! Zu Ehren von Titeln, die um ein vielfaches besser und innovativer, aber weniger erfolgreich waren, widmet sich meine heutige "5 Spiele" Reihe einer kleinen Auswahl an Titeln, die zu Unrecht nie die Kassen der Entwickler klingeln ließen.


Ja, die gute Cate tauchte tatsächlich schonmal in einer "Fünf Spiele" Liste auf, allerdings komme ich bei finanziell erfolglosen Titeln nicht drumrum, sie abermals aufzuführen. Obwohl die Abenteuer von Cate bei der Presse und den Spielern in höchsten Tönen gelobt wurden, konnte die Reihe finanziell nie großen Gewinn einfahren. Wahrscheinlich war (und ist) das 60er Jahre Setting mit seinen skurrilen Charakteren und den poppigen Farben ein Dorn im Auge eines jeden "klassischen" Shooterfans. Zwar hat man versucht, mit dem Add-On 'Contract Jack' eher die stumpfe Ballerschiene zu fahren, doch auch hier war der Zug abgefahren und selbiger Titel lag (zu Recht!) in den Regalen und verstaubte. Obwohl nie Verkaufszahlen offen gelegt wurden, hat man das NOLF-Universum begraben, zumal die Rechte bei mehreren Firmen verteilt in den Schubladen liegen. Ein NOLF 3 und eine Rückkehr von Cate Archer ist daher mehr als unwahrscheinlich. Leider. Aber man soll die Hoffnung ja bekanntlich nie aufgeben.


Ein Titel, der bei uns allen im Team für lange Gesichter sorgt, wenn man die geringe Spielerzahl erblickt, die sich online tummelt - blur. Obwohl die Konkurrenz mit ModNation Racers und vor allem Split/Second: Velocity stark war, gefiel uns die erwachsene Mario Kart Version von allen Funracern am besten. Bereits in der Beta gingen ganze Nächte für die Punkte- und Gegnerjagd drauf und auch zu Release tat dies der Freude keinen Abbruch. Leider sahen die meisten Spieler das anders. Während S/S:V sich wochenlang in den Verkaufscharts halten konnte und in der US-Startwoche mit knapp 86.000 Einheiten einen "guten" Start hinlegte, ging Blur (mehr oder weniger gnadenlos) mit gerade einmal 31.000 verkauften Einheiten baden. Auch außerhalb Amerikas lief es nicht besser, was man auch an den Spielerzahlen merkte. Zu Spitzenzeiten waren gerade mal an die 5000 Spieler online, mittlerweile sind wir im Hunderterbereich angelangt. Sehr schade, wie wir finden. Vor allem deshalb, weil dieser Misserfolg auch dafür gesorgt hat, dass das Studio geschlossen wurde.


Massive Entertainment, die erste. Zeitgleich mein erster Kontakt mit einem "fast-paced real-time strategy game", also ein hektisches Echtzeit-Strategiespiel. Warum hektisch? Ähnlich wie der inoffizielle Nachfolger World in Conflict (dazu später noch mehr) verzichtet die Ground Control Reihe komplett auf Ressourcen und Basisbau im klassischen Sinne. Es gibt kein Erz, kein Tiberium und kein Hauptquartier, sondern nur Geld, das sich bis zu einem festgelegten Kontingent immer wieder selbst erneuert und eine Hand voll Einheiten, die man davon kaufen kann. Es entscheidet nicht, wer zuerst welches Mineralfeld erschließt oder wer die Shortcuts am besten beherrscht, sondern es gewinnt der, der die Taktik seinen Gegners vorhersieht und sein Geld in entsprechende Einheiten investiert. Knallhartes Schere-Stein-Papier-Prinzip, bei dem man ständig noch durch geschickten Einsatz von Spezialfertigkeiten das Blatt wenden oder gnadenlos untergehen konnte. Obwohl ich die klassische Echtzeitstrategie mit Basisbau und Ressourcen liebe, bin ich ebenfalls ein Riesenan dieser Art von Strategie. Rein ins Spiel, Taktik ausdenken und dann geht's schon los. Knackige, schnelle Runden, bei der man immer am Ball bleiben und reagieren muss. Auch der Presse gefiel, was Massive Entertainment hier mit der Ground Control Serie auf die Beine gestellt hat (frei dreh-, zoom- und schwenkbare Kamera!), doch die Spieler sahen das abermals anders. Ob das Sci-Fi-Setting, das ungewöhnlich schnelle Gameplay oder beides in der Konstellation schuld waren, weiß niemand - aber GC2 lag wie Blei in den Regalen und - glaubt man diversen Berichten - unterbietet sogar noch die Verkaufszahlen von Ground Control, die ebenfalls schon nicht berauschend waren. Die Rechte am Ground Control Franchise liegen mittlerweile beim britischen Entwickler Rebellion - die planen zwar, Ground Control irgendwann wiederzubeleben, aber eilig haben sie es damit leider nicht.



Massive Entertainment, die Zweite. Der Misserfolg von World in Conflict ist für Michi, Kith und mich besonders traurig, da wir mit dem damaligen Betrieb einer Fansite quasi von Geburt an WiC miterlebt haben und auch engen Kontakt mit Vivendi und Massive hatten. Egal, ob Alpha-Tests mit ausgiebigem Probespielen in München oder das Betreuen auf der Games Convention in Leipzig (Gott habe sie selig) - World in Conflict hat uns vollkommen überzeugt gehabt. Vor allem mich, da ich ja schon den Quasi-Vorgänger Ground Control II bis zum Umfallen gespielt hatte. World in Conflict war auf der Games Convention ein optischer und spielerischer Renner, die Stände waren gut besucht und die ersten Events mit der ESL waren ein voller Erfolg. Leider sollte dieser Erfolg nur in der Beta- und Demophase anhalten, denn kaum war Release, sollte das Blatt sich wenden. In der Releasewoche weltweit in die Charts geschossen, war eine Woche danach schon wieder Schicht. Massive bemühte sich zwar ausgiebig, die Spieler zu erreichen und veranstaltete viele Events und auch der Patchsupport war erstklassig. Schnell kristallisierte sich aber der eiserne Kern heraus und es war klar, dass WiC - wohl auch wegen ähnlichem Konzept - das gleiche Schicksal ereilen sollte, wie das oben stehende Ground Control II. Der Rest ist bekannt. Activision zückte die schwarze Kreditkarte, kaufte Vivendi, Massive wurde größtenteils aufgelöst und das, was übrig blieb, an Ubisoft verschachert, wo jetzt anscheinend an einem MMO gebastelt wird. Ich nehme hiermit stillen Abschied von Massive Entertainment. Amen.


In der letzten Folge von "Fünf Spiele" nannte ich F.E.A.R. die für mich angsteinflößendste Spielerfahrung aller Zeiten. Leider stimmt das nicht so ganz - habe ich doch glatt Clive Barker's Undying vergessen. Der Horrorshooter um den Fluch, der auf einer irischen Familie lastet und in den 20er Jahren spielt, war 2001 für mich mein erster Kontakt mit richtig abgefuckten Szenarios. Die Level, durch die euch der Shooter geschickt hat, waren an Morbidität kaum zu überbieten. Ich erinnere mich mit Wohlwollen an eine Szene, bei der man einer lebendigen Statue den Brustkorb aufschneiden und das Herz herausholen musste. Daraufhin füllte sich der Raum mit dem Blut der Statue und man konnte eine höher gelegene Ebene erreichen. Ich meine ... really? Mit Sense und Magie bewaffnet, schnetzelte man sich ansonsten klassisch durch Katakomben, trennte Gliedmaßen von Dämonenkörpern und löste nach und nach das Rätsel um den mysteriösen Fluch der Familie Covenant. Zwischen literweise Blutvergießen und kleineren Knobeleien wurde sich ebenfalls immens gegruselt. Schockeffekte, eine (damals) brandaktuelle Version der Unreal Action und geniale Sounduntermalung sorgten für Gänsehaut. Leider verkaufte sich der Titel nur knapp 25.000 Mal. Weltweit, wohlgemerkt. Das ist nicht nur absolut unverdient, sondern sorgte auch dafür, dass das Franchise komplett begraben wurde. Geplante Konsolenumsetzungen wurden gecancelt, die Patchentwicklung sofort eingestellt und der schon begonnene Multiplayermodus landete im Papierkorb - genauso wie die Pläne eines geplanten zweiten Teils. Und den hätte ich wirklich mehr als gerne gespielt.

Cui honorem honorem

Natürlich ist das nur eine kleine Liste an Titeln, die man hier nennen könnte und es gibt freilich noch haufenweise anderer Spiele, die hier gelistet werden müssten. Das bereits letztes Mal genannte MDK gehört hier ebenso rein wie Shadow Man, das einleitend genannte Enslaved, das großartige Mirror's Edge oder das (Achtung, jetzt kommt von mir ein Wii-Titel und das schmerzt mich sehr) wirklich ganz cool gemachte MadWorld. Welche Titel hättet ihr in diese Liste gepackt? Bei welchem Spiel hat euch das Herz geblutet, weil es niemand gespielt hat, obwohl es euch Stunde um Stunde gezeigt hat, warum Spielen mehr als nur ein bescheuertes Hobby ist? Ich bin auf eure Meinung gespannt und freue mich auf viele Titel, die ich hier vergessen habe.








5 Kommentar(e):
und folgendem User gefällt der Beitrag: Haschbeutel,

 





#1
Geschrieben am 28. Februar 2011 um 21:08 Uhr

Tim meint ...

Hotel Dusk, Silent Hill: Shattered Memories, Metroid: Other M, MadWorld, Enslaved, blur, ParaWorld.. da gibt es so viele. Besonders schade finde ich es aber für CING. Ihre Adventures waren einfach etwas Besonderes. Etwas, das man nur selten findet.


          
 





#2
Geschrieben am 28. Februar 2011 um 22:01 Uhr

Nico meint ...

Ihr habt Mirror's Edge vergessen... Eines der besten Spiele, die ich je gespielt habe... Spiele wie ME zeigen uns, warum es sich lohnt ein Gamer zu sein. Ich hoffe, dass EA schnell einen 2. Teil rausbringt   


        
 





#3
Geschrieben am 28. Februar 2011 um 22:03 Uhr

Sascha meint ...

Undying und Enslaved hab ich gespielt und fand die großartig. Hat sich letzteres wirklich so schlecht verkauft? Echt schade, ich fand die Beziehung der beiden Charaktere echt super gelungen. Und es gibt noch so viele andere Beispiele von ko...mmerziell erfolglosen, aber meist gut bewerteten Spielen: Beyond Good & Evil (den es ja auch bald auf Xbox Live Arcade in HD nochmal gibt und ich die Fortsetzung so lange herbeisehne), Thief (was eigentlich lustig ist, da es noch 2 Fortsetzungen gab, trotz schlechter Verkaufszahlen).

Ich denke einfach, es gibt zu viele Spiele auf dem Markt, dass solche Kleinode wie auch Tim Schafers geniales "Psychonauts" untergehen, weil sie zu anders sind und die Leute keine Experimente wagen. Find es daher umso beachtlicher, dass "Heavy Rain" sich so gut durchgesetzt hat.

"Mirror's Edge" war übrigens auch erste Sahne!


        
 





#4
Geschrieben am 28. Februar 2011 um 22:10 Uhr

Haschbeutel meint ...

@Nico - vergessen nicht. Niemals! Allerdings war ME schon in meiner Liste mit Spielen, die unbedingt(!) fortgesetzt werden müssen ([Interner Link]) und da ich bereits NOLF aufgelistet habe, wollte ich nicht auch nochmal Mirror's Edge auflisten. Warum NOLF wiederholt wird und nicht ME? Nun, weil NOLF für mich den Nostalgiebonus hat *hehe* - ich habe es aber nochmal in die Fußnoten mit dazu gepackt.   


          
 





#5
Geschrieben am 1. März 2011 um 00:55 Uhr

Markys meint ...

Um Blur tut es mir da am meisten Leid, völlige Ratlosigkeit warum, bei den anderen kann ich es wenigstens zum Teil nachvollziehen.


          



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