Gedankenflug

Mehrspielermodus!? Darf ich mal ihren Online-Pass sehen?

Geschrieben von DerBene am 21. April 2011 um 18:56 Uhr


Wer das kürzlich erschienene Need for Speed: Shift 2 Unleashed gebraucht kauft und es anschließend mit seinen Freunden online spielen möchte, darf sich freuen: Hat der Verkäufer den beiliegenden Online-Pass schon eingelöst, darf man als neuer Besitzer nochmal 800 MS-Points oder 10€ latzen - nur um das gekaufte Spiel auch online spielen zu können. Und EA ist inzwischen nicht mehr der einzige Publisher, der sich auf diese Art und Weise auch ein Stück vom dicken Kuchen des Gebrauchtmarkts sichern möchte. Höchste Zeit für ein Pamphlet gegen das Online-Pass-System.

Waren das noch schöne Zeiten, als man ein neues Spiel einfach in die Konsole gelegt hat - und man konnte einfach direkt zocken. Das man heute schon am Releasetag einen Patch runterladen muss, der durchaus auch mal etwas größer sein kann (PS3-Nutzer mit langsamen Internetverbindungen können davon ein Lied singen), ist eigentlich schon ärgerlich genug. Aber wir haben uns ja schon fast dran gewöhnt. Kaum ein Spiel kommt ohne Bugs aus dem Presswerk und die Titel, die nicht direkt am ersten Tag (oder innerhalb der ersten Woche) gepatcht werden müssen, kann man wohl an einer Hand abzählen. Das man nun aber selbst für Konsolenspiele einen Schlüssel eingeben muss, um den Titel in seinem vollen Umfang nutzen zu können, ist neu. Schon 2008 kam EA (ja, das ist die Firma, die wir alle ganz doll lieb haben) auf die Idee, man müsse ein neues Geschäftsmodell entwicklen. Der doofe Gebrauchtspielemarkt machte nämlich den ganzen schönen Umsatz kaputt. Knapp zwei Jahre später war es dann soweit. Electronic Arts führte den EA Sports Onlinepass ein.

Ein einsamer Gebrauchtversion-Käufer von Hot Pursuit...


"Nutze das volle Potenzial deines Spiels" ist der Slogan, mit dem der teure Spaß für Gebrauchtkäufer angepriesen wird. Das erste Spiel mit dem tollen Feature wird Tiger Woods PGA Tour 11, als Schmankerl bekommen Nutzer die den Code einlösen "einen neuen Schläger für das Online-Spiel von Tiger Woods PGA Tour 11". Seriously? Damit kann EA aber wohl nicht den Preis von rund 10 US-Dollar (bei uns natürlich 10€) rechtfertigen, oder? Was sagt EA dazu: "Bei Tiger Woods PGA TOUR 11 enthält der Onlinepass beispielsweise einen modernen Schläger, wie er auf der PGA TOUR eingesetzt wurde. Unser Ziel ist es, dem Kunden einen echten Gegenwert zu geben, und der Onlinepass ist ein Teil dieser Philosophie." Will man dem Nutzer einen virtuellen Golfschläger als Gegenwert für 10€ verkaufen? Na hoffentlich nicht. Zunächst mal stellt man klar: "Wer als Kunde das Spiel zum vollen Preis neu kauft, erhält damit Zugriff auf die Online-Dienste und -Inhalte sowie auf Bonusinhalte; andere Kunden sind für 10 US-$ ebenfalls dabei." Auf gut deutsch: Kauft das Spiel bitte neu, wer den Titel dann für wenig Geld gebraucht kauft, muss eben dafür bezahlen.

Publisher und ihre Angst vor dem Gebrauchtspielemarkt

Klingt alles nach einer Anti-Gebrauchtmarkt-Kampagne? Finde ich auch. Aber das sieht EA zumindest offiziell ganz anders. "Soll das ein Instrument gegen den Gebrauchtverkauf sein? Antwort: Nein, wir sehen den Gebrauchtverkaufsmarkt eher als Gelegenheit, direkten Kontakt mit unseren Kunden herzustellen, und mit dem Onlinepass erhält jeder Spieler Zugriff auf dieselben erstklassigen Online-Dienste und -Inhalte, völlig unabhängig davon, wie und wo er das Spiel gekauft hat." Direkter Kontakt mit dem Kunden? Beim Gebrauchtkauf? Seriously? Nicht mal beim Kauf im Laden gibt es einen direkten Kontakt zwischen EA und dem Kunden. Direkten Kontakt hat der Kunde erst durch den Online-Pass, wo er für eine eigentlich bereits gekaufte Funktion nochmal ordentlich Kohle bei EA lassen darf. Wenn ich ein gebrauchtes Auto kaufe, muss ich mir das Recht den Kofferraum zu nutzen, auch nicht extra kaufen. Und als Bonus werden die Seitenairbags freigeschaltet... Yeah!

Natürlich argumentiert EA mit den Kosten, die man bei der Entwicklung für den Onlinemarkt hat. Und natürlich sind die gestiegen. Wo sind sie das nicht? Und dann heißt es da so schön: "Wir möchten die Online-Dienste von EA SPORTS für die Leute reservieren, die EA für den Zugriff darauf auch bezahlen." Aber hat das nicht bereits der Erstkäufer, als er das Spiel im Laden bezahlt hat? Sind die Kosten für "den Onlinemarkt" in den rund 60 bis 70 Euro, die ein Konsolenspiel heute kostet nicht enthalten? Der Erstkäufer hat sie scheinbar damit bereits gezahlt, für ihn liegt der Online-Pass gratis in der Packung. Nun passiert folgendes: Der Erstnutzer verkauft das Spiel. Er gibt es weiter. Er verschenkt es - was auch immer, er hat es ja gekauft und will es nicht mehr. Kurzer Hinweis für die Leute bei EA: Der Erstkäufer hat das Spiel ab diesem Moment nicht mehr. Er kann es weder online noch offline nutzen. D.h. ihr dürft im Kopf mal eine Person von den Kosten für euren Onlinemarkt abziehen. Der Nutzer war da, hat gezahlt, geht jetzt wieder raus. Soweit alles klar? Und nun nutzt statt (!) dem Erstkäufer eine andere Person sein (!) Spiel. Warum nicht auch seinen Online-Pass? Der Slot dürfte doch jetzt frei sein? Aber natürlich schadet ein bisschen Geld in den Kassen nie.

Das dachte sich EA auch bei Mass Effect 2. Hier liegt jeder neuen Version des Spiels ein Code bei, der dem Spieler Zutritt zum Cerberus-Netzwerk gewährt. Wer seinen Code einlöst, bekommt Zugang zu ein paar Bonus-Missionen, neuen Waffen, Panzerungen und einem neuen Fahrzeug. Natürlich exklusiv im Cerberus-Netzwerk. Zudem diente das Netzwerk auch als Nachrichten-Zentrale für Neuigkeiten zum Spiel (inzwischen konzentriert man sich auf die Entwicklung des dritten Teils und hat diese Funktion deaktivert). Gebrauchtkäufer gucken auch hier in die Röhre. Saftige 15€ (1.200 MS-Points) möchte EA für den Freischaltcode haben. Und hier kann EA nun wirklich nicht mit Entwicklungskosten für den Onlinemarkt argumentieren. Mass Effect ist nämlich ein reines Singleplayer-RPG.

Mitläufer und Nachahmer

Nach der ganzen Hetze gegen EA darf ich aber nicht vergessen zwei weiteren Publishern ans Bein zu pinkeln, die das Ganze nämlich prompt nachgemacht habent. THQ und Warner Bros. Interactive fallen mir da spontan ein. Ersterer dachte sich: Wenn wir von Activision Call of Duty kopieren, dürfen wir auch von EA den Online-Pass nachmachen. Prompt legte man Homefront selbigen bei. Nennen wir es "Battle Code" und es fällt nicht auf! Während bei den EA-Sports-Titeln der Online-Modus für User ohne Online-Pass auf sieben Tage beschränkt ist, darf man bei Homefront beliebig lange online spielen. Bis man Level fünf erreicht hat. Je nach Skill kann das auch länger als sieben Tage dauern. Wer anschließend auf der XBOX360 den Kampf-Code kaufen wollte (es scheint tatsächlich Nutzer zu geben, die das machen!) bekam man die Mitteilung, dass man dafür nicht genügend MS-Points besitzen würde. Es sei denn man hatte 4.294.967.295 Points auf dem Konto. Das entspricht übrigens etwa 51.130.563€ - ein Schnäppchen. Der Fehler wurde einige Tage nach Release behoben, inzwischen ist man mit 800 MS Points (entspricht rund 10€) dabei. Ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass das Vorgehen des Publishers schlicht unverschämt ist. Denn auch hier ist ein verkauftes Spiel für den Erstkäufer natürlich nicht mehr nutzbar.


Auf dem Marktplatz kann der Online-Pass nachträglich erworben werden


Neuster im Bunde der Online-Pass-Gang unter den Publishern ist Warner Bros. Interactive. Für das kommende Mortal Kombat will man ebenfalls Gebrauchtkäufer nochmals zu Kasse bitten. Und an dieser Stelle ergibt sich ein Problem, welches bislang noch gar nicht angesprochen wurde. Waren bislang nur die Gamer betroffen, die Spiele in der Videothek ausleihen oder gebraucht kaufen, trifft es diesmal auch die treuen Erstkäufer, die den Titel zum vollen Preis im Laden kaufen. Denn Mortal Kombat ist brutal. Und erscheint daher nicht in Deutschland. Fans des Beat'em Up's bleibt damit nur der Import. Doch spätestens beim Versuch ein Online-Match auszutragen, dürfte den deutschen Zocker vor dem Fernseher das gleiche Schicksal ereilen wie bei anderen bösen Spielen, die in Deutschland nicht offiziell erschienen sind: Der Online-Pass kann auf dem deutschen Marktplatz nicht eingelöst werden. Wer als Käufer des Titels online spielen möchte, braucht einen ausländischen XBL-Account. Und verstößt damit gegen die Nutzungsbedingungen von XBOX Live.

Alles halb so schlimm?

Natürlich kann ich auch die Publisher verstehen. Die Produktion der Spiele wird immer teurer, die Preise für neue Titel fallen schneller als je zuvor - inzwischen sind aktuelle Toptitel in wenigen Wochen durchaus um 50% im Preis gefallen. Das da auf kurz oder lang die Entwickler und Publisher auf Kosten sitzen bleiben, dürfte klar sein. Und da haben wir die vielen Menschen, die Spiele illegal über das Internet beziehen noch gar nicht eingerechnet. Auch hier gehen zumindest einige potentielle Käufer verloren. Und nun dürfen eben die draufzahlen, die bislang legal und günstig an Spiele gekommen sind: Die Gebrauchtkäufer. Fair? Nicht unbedingt. Die Alternative: Download-Spiele. Woran denkt man da zuerst: An Steam. Oder bei den Konsolen an die Marktplätze. Da ist ein Weiterverkauf von vornherein ausgeschlossen. Also ist der Online-Pass meckern auf hohem Niveau? Sicherlich. Aber in meinen Augen dennoch zu Recht: Wer einen physischen Datenträger samt Hülle und Anleitung (oder das was davon heute noch übrig ist) kauft, sollte auch die Möglichkeit haben, den Titel komplett zu nutzten. Ohne Zusatzkosten. Egal ob er das Spiel neu oder gebraucht kauft.






4 Kommentar(e):
und folgenden Usern gefällt der Beitrag: Haschbeutel, Tim, Markys, Hardcora, Michi, André, ... und 3 Gästen.

 





#1
Geschrieben am 23. April 2011 um 05:13 Uhr

Kithaitaa meint ...

Hast natürlich recht, dass der Erstkäufer nach dem Verkauf des Spiels auch mit seinem Pass nix mehr anfangen kann, klingt auch alles voll fies, aber im Endeffekt stellt sich mir jedoch die Frage - wer ist davon betroffen? Wenn ich mich kurz umblicke: bei uns im Team verkauft keiner seine Spiele und kauft auch keine Gebrauchten - und auch sonst kenne ich nur genau einen der seine Games ab und an verkauft -> Manu *g*. Gebrauchtkauf-Ausnahmen bieten hier wohl nur ältere Klassiker wobei man hier vor allem für den PC/Mac eher die Schnäppchen bei Steam nutzt.

Wenn Games teils schon 2-3 Wochen nach (oder bei ausgesuchten Aktionen direkt zum) Release nur noch einen Bruchteil vom oft zitierten "60 Euro Vollpreis" kosten, besteht glaube auch wenig Bedarf sich ein Gebrauchtes zu kaufen - von den ständigen Aktionspreisen & Co. mal ganz abgesehen. Daher werd ich wohl auch nie Gamestop-Kunden verstehen, die dort die überteuerten Gebrauchten kaufen (die die selbst topaktuelle Games für einen Hungerlohn dort abliefern noch weniger). Vielleicht ist das ja auch genau die Zielgruppe von EA, THQ, Warner & Co. ?! Die scheinen zumindest genug Geld zu haben ...
     


          
 





#2
Geschrieben am 23. April 2011 um 14:46 Uhr

DarkRaziel meint ...

Sehr schöner Artikel, welche auch teils meine Gedankenzüge wieder spiegelt.

Ich würde ja verstehen wenn Erstkäufer mit Bonusmaps, Autos usw. versorgt werden die Gebrauchtkäufer nie zu Gesicht bekommen.
Doch was nicht im Artikel nicht steht ist das man ja quasi schon um Online Spielen zu können auf der Xbox360 Xbox-Live Gold haben muss was UVP 59,99 Euro im Jahr kostet.

Daher ist der Online Pass der Hersteller ein Hohn gegenüber Xbox360 Gamer. Wie auf der PS3 würde ich es verstehen da dort Online spielen kostenlos ist.

Somit zahlen Xbox360 Gamer doppelt um Online spielen zu können egal ob Erstkäufer, welcher den Vollpreis bezahlt und der Gebrauchtkäufer.
Dieser spart zwar etwas (Außer er kauft bei GameStop) und muss zusätzlich zu seinen Goldabo noch einen Online-Pass kaufen um Online spielen zu können.

Die Publisher sind langsam wie Politiker und lassen sich immer wieder neue Wege einfallen um an noch mehr Kohle zu kommen.




          
 





#3
Geschrieben am 4. Mai 2011 um 13:48 Uhr

Robert meint ...

   Guter Artikel! Stimme dir da voll und ganz zu!
Ist doch mit den DLC´s genauso, siehe Fallout 3 (ca 20 €). es gibt 5 DLC´s und jedes (ps3) kostet 9,99€ sind wir insgesammt schon bei 70€.   


        
 





#4
Geschrieben am 23. Juni 2011 um 00:11 Uhr

neozero meint ...

Das ganze dürfen wir auch den Raubkopien verdanken  


        



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