Gedankenflug

Power Armor is for Pussies - Ein Plädoyer für alte Actionhelden

Geschrieben von Haschbeutel am 14. Mai 2012 um 21:22 Uhr


Schluss. Aus. Vorbei. Ich kann es nicht mehr ertragen. Namenlose Soldaten, die sich durch den x-ten Aufguss von einer langweiligen Spielereihe ballern. Realistische Waffen und IronSight, regeneratives Health-System. Wann zum Henker haben Spiele eigentlich ihre Eier abgelegt und sie gegen Wattebausch und Political Correctness getauscht? Es wird Zeit, dass die Entwickler endlich wieder bewusstseinserweiternde Substanzen zu sich nehmen und uns Helden bescheren, die sich um das Wesentliche kümmern. Möglichst viele Gegner in literweise Blut ertränken, möglichst viele durchgeknallte Waffen haben, haufenweise willige Weiber und dazwischen coole Sprüche abrotzen. Kurz gesagt: wir brauchen mehr "Stirb Langsam" und weniger "Twilight". Es ist Zeit, dass Action wieder 80er wird!

Früher war ja sowieso alles besser!

Vor langer Zeit habe ich auf meinem Lieblings-Filmportal einen interessanten Artikel gelesen. Die Frage war simpel: "Wo sind die jungen Actionhelden?" Welcher Star unter 30 vertritt unsere bald in Rente gehenden Action-Ikonen der 80er und 90er Jahre? Wer tritt in die Fußstapfen von Bruce Willis, Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger? Die Antwort war ernüchternd: es gibt schlichtweg niemanden. Alle aktuellen Nachfolger wie Jason Statham oder Dwayne "The Rock" Johnson sind ebenfalls im fortgeschrittenen Alter. An der Stelle übrigens noch Gratulation an den "Fels", der vor kurzem seinen 40. Geburtstag gefeiert hat. Aber zurück zum Thema: Zumindest im Punkt "Alter" haben es unsere digitalen Helden einfacher, denn sie altern nicht. Sie werden schlimmstenfalls nur von den Entwicklern in Rente geschickt oder - noch schlimmer - weichgespült.

Aber gibt es überhaupt noch richtige Actionhelden der alten Schule in der digitalen Welt? Diese Art von Held, die fehlende Intelligenz mit Bizeps und Waffen wieder wett macht? Die Art von Held, die keinen bösen Russen benötigt, damit sie mal wieder die Welt retten muss? Die Art von Held, die politisch absolut unkorrekt ist und einfach nur ihren Job tut, weil es ja sonst niemand macht? Nun, das habe ich mich auch gefragt und tatsächlich: Es gibt diese Helden noch. Doch können die heute noch begeistern? Ist so etwas überhaupt noch zeitgemäß?


Hail to the king, baby. Der Duke unter den Dukes


Fangen wir doch mal beim Inbegriff des Actionhelden an: der Duke. Der Mann, der sein 14-jähriges Entwicklungsdebakel erstmal so eröffnet, wie es sich für einen testosterongetränkten Frauenschwarm gehört: Pinkelnd mit seinem Mini-Duke in der Hand und beim Start vom eigentlichen "Spiel" in der Umgebung von attraktiven Zwillingen, die sich die ... "Reste" ... ihrer oralen Arbeit noch kurz aus den Mundwinkeln wischen. Wenn da nicht die Trashfans Tränen in den Augen haben, weiß ich auch nicht. Dennoch wurde sein letztes Abenteuer von vielen Spielern und Magazinen überwiegend negativ aufgenommen. Zu altbacken war das Gameplay, zu morbide die Technik, zu chauvinistisch sein Verhalten und überhaupt war der Duke ja noch total altmodisch und in einer Zeit stecken geblieben, als Spiele noch ganz simpel gestrickt waren. Also so ca. vor 14 Jahren.

Das stimmt auch alles. Trotzdem, oder gerade deshalb, empfand ich Duke Nukem Forever als eine der besten Spaß-Granaten der letzten Dekade. Unendlich viele Eiertritte an die Genrekollegen (Halo, Call of Duty, ja sogar Donkey Kong!), haufenweise politisch unkorrekte Sprüche und genau das, was der Duke schon immer geboten hat: stupides Ballern, stupide Gegnerhorden, stupides Leveldesign, stupide Brüste. Brüste? Ja, aber hallo! Richtig dicke, pralle Möpse und dazwischen der Duke, der auf Dildojagd geht und in Glibber eingepackten, natürlich nackten Frauen die Rübe von den Schultern pustet, da die Damen von Alien-Sperma schwanger wurden. Das stößt den verwöhnten Fans von bis-ins-kleinste-Detail-gescripteten-Actionsequenzen natürlich übel auf, dass da so etwas pubertär-frauenfeindliches auf der Mattscheibe flimmert. Das ist ja politisch ganz unkorrekt und überhaupt nicht mehr vertretbar. Achja? Ich wette, dass es genau das verlogenen Pack ist, das damals heimlich Duke 3D als Erwachsenenunterhaltung für die Schwarzenegger-Generation zelebriert hat und es für den bitterbösen Humor und die respektlose Haltung des Duke gegen den Rest der Welt gelobt hat. Aber es ist ja nicht mehr legitim, sich mit einem Macho-Arschloch zu identifizieren, das ständig damit angibt, dass es Eier wie Stahl hat.

Mal Hand auf die Eier: Wer in drei Teufels Namen hat ernsthaft von einem Duke Nukem a) eine Story, b) political correctness oder c) ausgefeiltes Gameplay erwartet? Das ist, als würde man ein Remake von Rambo drehen und sich beschweren, dass die Dialoge hölzern sind. Ganz im ernst? Drauf geschissen. Der Duke hat mehr Charakter in seinem linken Hodensack, als alle Weltkriegs-Schießbudenfiguren zusammen, die die letzten Jahre in regelmäßigen Abständen auf den Markt geschissen wurden. Ich würde sogar noch einen Hoden drauflegen, nur um in regelmäßigen Abständen mit solchen Titel gefüttert zu werden.


Why so serious, Sam?


Wenn es jemanden gibt, der dem Duke alle Ehre gemacht hat, dann war es Sam "Serious" Stone, der im gleichnamigen Titel das Duke-Prinzip noch weiter reduziert hat. Weniger Babes, dafür mehr Waffen. Weniger Story, dafür mehr Waffen. Weniger Hirn, dafür mehr Waffen. Und weil wir jetzt so viele Waffen haben, gibt's eben so viele Gegner auf einmal, dass man irgendwie immer noch nicht genug Waffen hat. Daraus macht man dann ein ganzes Spiel und fertig. Geschaffen in einer Zeit, in der mit Half-Life das erste Mal so etwas wie menschliche KI, intensives Storytelling und komplexe Welten etabliert wurden, tat Sam genau das Gegenteil: Masse statt Klasse, gigantische Areale statt detaillierter Gebäudekomplexe, haufenweise abgedrehter Waffen an Stelle von Realismus. Serious Sam ist DER Inbegriff einer trashigen Spaßgranate und macht auch keinerlei Hehl daraus, was es ist: eine herzhafte Hommage an alte Actiontage, in denen Bizeps und Sonnenbrille über Sieg und Niederlage entschieden haben.

Richtig zelebriert wurde der Stumpfsinn dann im Multiplayer, als man mit zig Freunden nur noch wild ballernd durch die Araele stürmte und gigantische Skorpione, haushohe Aliens sowie kopflose Kamikaze-Bomber reihenweise niedergemäht hat. Für Menschen mit friedlichem Gemüt haben die Entwickler dann noch die Option eingebaut, statt Blut überall Blümchen zu vergießen. Weltfrieden mal anders. Gleichzeitig ist Serious Sam aber auch ein Beispiel, wie man eine Serie nicht werden lassen darf, wie erst kürzlich im dritten Teil geschehen. Ein überdrehtes Actionspiel, welches plötzlich versucht die ernsten Genre-Kollegen zu kopieren, statt zu parodieren kann nur scheitern. Oder könnt ihr euch vorstellen, wie der Terminator über Kant philosophiert? Eben.


Blut, Bräute, Brüste und Bizeps - der Anti-Gott


Cool sein geht aber auch ohne Ballern, Explosionen oder Superkräfte. Schon damals im antiken Griechenland wurde ein rabiater Action-Held geboren, dessen epische dreiteilige Geschichte bis heute fest im Gedächtnis der Fans verankert ist - und das nicht etwa nur wegen toller Dialoge und spannender Inszenierung, sondern schlicht und ergreifend darum, weil Kriegsgott Kratos seinem Namen alle Ehre macht. Wenn Kratos in seiner geballten Wut Titanen aufschlitzt, Köpfe abreißt und Kiefer bricht, dass die Blutfontänen den halben Bildschirm bedecken, dann bleibt kein Auge trocken. Was God of War aber gerade so genial macht, ist nicht etwa die Gewaltdarstellung alleine, sondern das blutig-brachiale Gesamterlebnis (Kith war ja auch begeistert) und das Gefühl, einen wirklichen Badass der Antike zu spielen - wo sonst erklimmt man schon wolkenkratzer-hohe Götter, um ihr Herz freizulegen und es dann nach allen Regeln der Kunst zu zerfetzen?

Ich kann mich beim besten Willen an keinen Charakter außer Kratos erinnern, der sich so schnell und markant ins Gedächtnis eingebrannt hat. Er ist sich auch nicht zu schade, mal barmherzig zu sein: Die Guten rettet er, aber die Götter werden nach und nach geschlachtet wie Schweine beim Metzger, ganz zu schweigen von den Zwischengegnern, die sich seinem Zorn in den Weg stellen. Kratos kennt keine Gnade. Nichts und niemand kann ihn auf seinem Rachefeldzug stoppen - außer Aphrodite, für einen kleinen Quickie ist ja immer mal Zeit. Oder für zwei. Oder drei. Oder vier. Sex, Gewalt und göttliche Unterhaltung - Kratos hier nicht zu erwähnen, wäre ein Verbrechen gewesen! Dante, Asura & Gabriel wirken im Vergleich wie unschuldige Kinder beim Spielen ...


Von Blut, Freundschaft und weil es sonst niemand macht


Dass es auch abseits von Dildojagd, Balla-Balla-Action und antikem Gewalt-Gelage Platz für alte Actionhasen gibt, die trotz frischer Technik auf moderne Gameplay-Regeln scheissen, hat EPIC Games mit ihrer Gears of War Reihe eindrucksvoll bewiesen. Im Prinzip könnte das Script zu Gears auch aus den Händen von Arnie persönlich kommen: Bösewichte tauchen aus dem Nichts auf, töten die Menschen und eine Hand voll testosterongetränkter Haudrauftypen (und natürlich auch knallharter Kampflesben) kämpfen jetzt als letzte Hoffnung der Menschheit gegen die Invasoren und schlachten einfach alles ab, was nicht bei drei freiwillig unter der Erde liegt. Fertig. Dass man daraus dann glatt noch drei umfangreiche Teile plus DLC machen kann, macht vermutlich selbst Michael Bay neidisch.

Schlecht ist das aber bei Leibe nicht, denn die Gears of War Reihe erfreut sich nicht nur bei uns großer Beliebtheit. Die temporeiche Brachialaction mit der Extraportion Blut und Stückchen ist inszenatorisch nach wie vor ein Sahnestück mit Kirsche drauf. EPIC Games hat aber auch bedacht, dass es trotz der Non-Stop Action wichtig ist, sympathische Helden in den Mittelpunkt zu stellen, die vor allem eines zusammenhält: Freundschaft. Und coole Sprüche. Und auch wenn bei Gears of War nie die ganz großen Krokodilstränen fließen, gibt es hochgradig emotionale Momente, die selbst das härteste Herz kurz weich werden lassen, bevor man sich erneut mit der Säge in das Fleisch eines Locust verfängt. Der Trupp um Marcus Fenix bietet vielleicht nicht die tiefgreifendste Story, die pädagogisch wertvollsten Spielstunden oder die liebenswertesten Charaktere der Spielegeschichte, aber sie bieten dem Spieler greifbare Helden, die ihre Freundschaft selbst die größten Gegnermassen niedermachen lässt - selbst, wenn man dafür Opfer bringen muss. Ich würde sogar so weit gehen, Gears of War als das "ehrlichste" 80er-Action-Spiel zu bezeichnen, das bis dato auf dem Markt erschienen ist. Wo sonst haben Männer heutzutage noch Oberarme wie andere Leute Unterschenkel und werden nicht an der Art gemessen, wie sie im Wald glitzern?


Das Ende der Fahnenstange?


Natürlich gibt es noch weitere Helden am Firmament, die im Herzen in der Vergangenheit stecken geblieben sind. Auch die Anti-Helden aus Prototype, die schicke Rubi Malone, die etwas anders "käuflich" ist oder der Glatzkopf aus Butcher Bay waren nah dran, in der Liste zu landen. Hier scheiterte es aber dann meist an der Motivation des Protagonisten oder einfach an einem Problem, das heutige Helden immer haben: sie töten nicht, weil sie müssen, sondern weil wir es so wollen. Meist ist auch die einzige Motivation der Verlust des geliebten Menschen, der jegliche Handlungsarten rechtfertig - am Besten noch mit einem markerschütternden Brüllen, bevor man seine Opfer zerlegt. Ist es das, was die Entwickler in Zukunft unter einem Helden verstehen? Ein gewissenloser Quoten-[irgendwas], der brüllend und mordend durch die Welt zieht? Kollege Bart Wux wird sich diesem Thema bald noch einmal gesondert annähern. Vielleicht werden wir hin und wieder ja doch erneut mit Helden beglückt, die das tun, was sie tun, weil sie es müssen. Weil es einfach sonst niemand macht. Oder weil sie gerade zur falschen Zeit am richtigen Ort sind. Dann werden wir vor gigantischen Aliens, Babes-entführenden Schweinen, durchgeknallten Göttern und hässlichen Maden gerettet und auch noch prima unterhalten. Ich bin gespannt, was in Zukunft an "alten" Helden in's Rennen geschickt wird.







2 Kommentar(e):
und folgenden Usern gefällt der Beitrag: Michi, Tim, ... und 2 Gästen.

 





#1
Geschrieben am 14. Mai 2012 um 23:04 Uhr

Kithaitaa meint ...

Stirb Langsam Bruce Willis mag ich in Filmen supergerne, in Videospielen wäre er mir persönlich zu plump. Ich weiß, da konfrontieren wir hier und da, aber ich mag da eher so Softiekram, so Nathan Drakes, Nolans, gern auch mal einen Kratos, aber nicht, weil ich mit ihm so mächtig viel zerkloppen und zerfleischen konnte, sondern weil mich die Story und deren Inszenierung unheimlich gepackt hat.

Deine Definition, wo sich leicht- oder gar nicht bekleidete Schlampen in Cutscenes noch die Spermareste aus den Mundwinkeln wischen, nachdem sie dem Superhelden einen geblasen haben, sowas will doch die Gameindustrie ständig bringen, weils Quote bringt - siehe Dummyfernsehn. Aber anderer Dummy bringt bei den Nerds mehr Cash: Shooter+Multiplayer+DU bist der Held   

Den Rest holt sich die Zielgruppe aus youp0rn & co. BallerP0rn.com gibt's noch nicht.



          
 





#2
Geschrieben am 15. Mai 2012 um 21:16 Uhr

DarkRaziel meint ...

Da es mir zuviel Text war zum Lesen, habe ich es mir von meinem iMac vorlesen lassen   
Ich musste so lachen beim Duke das selbst normale Wörter wie "Schwarzenegger" rassistisch rüber gekommen sind. Sollten Wörter zu Apple gesendet werden stände das BKA schnell vor der Tür      

Ja auch ich habe mich schon öfters gefragt was wäre wenn die Actionstars aus unserer Kindheit in Ruhestand gehen, denn bei "The Expendables 2" wird alles Aufgefahren was uns mir Action, Blut, Gewalt und kultigen Sprüchen großgezogen hat.


          



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