Gedankenflug

Das Spiel hat keinen Multiplayer? Das können wir nicht verkaufen!

Geschrieben von Tim am 3. Mai 2012 um 15:27 Uhr


Was haben Biowares Mass Effect, Sonys Uncharted, 2Ks BioShock und Tecmos Ninja Gaiden gemeinsam? Richtig: Sie alle haben Zeichen gesetzt und die Messlatte für kommende Spiele höher gelegt - und das völlig ohne Multiplayer. Niemand hat je einem Mehrspielermodus in diesen Serien verlangt. Jeder war zufrieden mit dem grandiosen Einzelspieler-Erlebnis, das man geboten bekam. Und was ist heute? Heute ist ein Multiplayer Pflicht; Spiele, die keinen haben, verkaufen sich angeblich schlechter und scheinen ja geradezu minderwertig zu sein. Heute muss jede Serie irgendwann auf den Mehrspielerzug springen - sei es nun ein Dead Space, ein Uncharted, ein Ninja Gaiden oder sogar ein God of War. Selbst die Spiele, die sich in all den Jahren konsequent mit siebenstelligen Verkaufszahlen in den Charts behauptet haben, kommen nicht um einen Multiplayermodus herum. Wo sind wir hier nur gelandet, woher kommt diese Multiplayer-Manie?

Die Liste an Serien, die urplötzlich einen Multiplayermodus aufgezwungen bekommen, ist lang - und in den letzten Monaten ist sie um zahlreiche Namen gewachsen. Dead Space, BioShock, Mass Effect, Ninja Gaiden, Uncharted, God of War, Assassin's Creed, F.E.A.R. und so weiter und so fort: Sie alle bieten in ihren neuesten Ablegern irgendwelche Multiplayer-Features, nach denen keine Sau gefragt und die nie jemand wirklich gewollt hat. Auch wenn das Ergebnis hier und da überraschend gut und unterhaltsam ausgefallen ist - Beispiele sind unter anderem Assassin's Creed: Brotherhood, Ratchet & Clank: All 4 One und Uncharted 2 -, so wird man doch das Gefühl nicht los, dass der Multiplayer nie wirklich so geplant war, sondern eher spontan eingebaut wurde - sei es nun, weil der Publisher ihn gefordert hat, oder weil man sich einfach dachte: "Hey, heutzutage will doch jeder mit seinen Freunden zocken. Lass uns einen Mehrspieler-Modus einbauen. Ob er passt oder nicht, ist dabei ja egal, irgendwie muss er rein. Notfalls eben mit Gewalt!". Und diese Gewalt merkt man den meisten Spielen richtig an. Leider.


Multiplayer in God of War? Mag man kaum glauben, wird in Ascension aber wahr.


Versteht mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen einen gut gemachten, wunderbar spielbaren, motivierend aufgebauten Multiplayer - alleine mit dem von Uncharted 2 habe ich viele lange Stunden verbracht und mich Level für Level hochgearbeitet. Aber die Frage ist doch berechtigt, warum mittlerweile so gut wie jedes Spiel mit einem solchen Spielmodus aufwarten muss. Dass Sony ausgerechnet dem neuen God of War: Ascension einen Online-Multiplayer verpasst, ist für mich der momentane Tiefpunkt der Spieleindustrie. Sicher, das kann durchaus spaßig sein, vielleicht entpuppt es sich ja als eine faustdicke Überraschung, womöglich komme ich gar nicht mehr vom Controller los, weil mich der Multiplayer dermaßen fesselt. Aber ich schätze diese Chance sehr gering ein. Ich bezweifle sogar, dass ich den Modus überhaupt ein einziges Mal anrühren werde. Denn das, was ich bisher gesehen habe, wirkt auf mich nicht gerade wie ein Geistesblitz der Entwickler, sondern eher wie ein aufgesetztes, zwanghaft implementiertes Spielelement, das Sony mehr Käufer bescheren soll. Aber: Wer zur Hölle kauft sich ein God of War wegen eines neuen Multiplayers? Und mal ehrlich: Wer spielt das, wer freut sich darauf, wer wollte das überhaupt haben? God of War ist neben Assassin's Creed, Dead Space & Co. eine dieser Serien, die mich durch ihre grandiosen Kampagnen, ihre tollen Einzelspieler-Erfahrungen, ihre packenden Stories geflasht haben. Dinge, die zu Zeiten des x-tausendsten Call of Duty nicht mehr selbstverständlich, teilweise sogar sehr rar geworden sind.

Und man sieht ja in den Verkaufscharts, dass die Leute damit zufrieden sind, dass sie so etwas haben wollen - Call of Duty und Battlefield stehen zwar ganz oben, aber auch ein God of War III hat sich millionenfach verkauft. Wir erleben zwar gerade eine Blütezeit des Social Gamings und des Multiplayer-Zocks, allerdings wirken die aktuellen Entwicklungen auf mich wie brutale Vergewaltigungen von Serien, die sich gerade dadurch ausgezeichnet haben, dass sie auf das epische Erlebnis, die einzigartige Erfahrung des Moments ausgelegt sind - kein einziges Multiplayer-Match, sei es auch mit 29 Kills und 85% Headshots, wird mir je so viel Adrenalin ins Blut pumpen wie der pompöse Kampf gegen Kronos in God of War III. Natürlich wird das auch God of War: Ascension bieten können und ich bin zu 100% überzeugt, dass Sony Santa Monica wieder ein Meisterwerk erschaffen wird. Aber fühlt ihr euch nicht in letzter Zeit auch so, als ob die Kampagne neben dem Multiplayer eine immer geringere Rolle spielt? Das traurigste Beispiel ist für mich Mass Effect 3. Es ist kein schlechtes Spiel, bei weitem nicht, es macht auch eine Menge Spaß, es hat seine Gänsehaut-Momente, es hat mich auch nach den Credits noch beschäftigt - aber niemand hier wird mir widersprechen wollen, wenn ich behaupte, dass es keine qualitative Steigerung zu seinem Vorgänger war. Dabei hätte ich Bioware locker zugetraut, dass sie das schaffen können. Ob der Multiplayer daran Schuld trägt? Ich antworte mit einem klaren: Ja.


Wer hätte je gedacht, dass man in einem Ninja Gaiden mal gegen seine Freunde kämpfen kann?


Wir haben einen Punkt erreicht, an dem viele Spiele einfach alles auf einmal sein wollen: Kunst, Multiplayer-Granate, Singleplayer-Epos, Dauerbrenner, Evergreen. Ein Grand Theft Auto, ein Max Payne, ein Assassin's Creed und nun auch ein God of War: Man gibt sich nicht mehr zufrieden damit, nur einen Bereich abzudecken. Es reicht nicht. Der Hersteller will mehr. Mehr verkaufen, mehr verdienen, bessere Wertungen einsacken, DLCs nach dem Launch an die Leute bringen, das Produkt monatelang in den Charts halten. Natürlich bietet sich ein Multiplayer hervorragend dafür an, auch im Nachhinein noch Unmengen an Download-Inhalten abzusetzen - man werfe zum Beispiel einen Blick auf das kommende Rockstar-Highlight Max Payne 3, bei dem bereits satte sieben Download-Pakete für den Mehrspielermodus angekündigt sind, die man im Bundle für 30€ erwerben kann. Dazu kommt der Online-Pass, der ebenfalls etwas Kohle einbringt - auch wenn ich mir nach wie vor nicht erklären kann, warum manche Leute freiwillig dafür bezahlen. Ist der Multiplayer denn dann nur noch Mittel zum Zweck, eine Verkaufsplattform für zusätzliche Pakete, an denen die Hersteller noch mal extra verdienen? Man könnte es mittlerweile annehmen. Viel zu häufig wirkt der Modus fehl am Platz, uninspiriert oder einfach überflüssig, weil gerade einmal zwei Spielmodi und vier Karten enthalten sind. Wer mehr will, muss eben zahlen. Denkt Sony sich das auch bei God of War? Ich hoffe, dass die Qualität nicht darunter leidet.

Was meint ihr - Ja oder Nein zu Multiplayer in God of War? Zockt ihr Uncharted, Dead Space, Ninja Gaiden & Co. überhaupt online? Wie findet ihr den aktuellen Trend weg vom Einzelspieler-Epos zum All-in-One-Paket?








4 Kommentar(e):
und folgenden Usern gefällt der Beitrag: Haschbeutel, ... und einem Gast.

 





#1
Geschrieben am 3. Mai 2012 um 16:08 Uhr

Bomber meint ...

Gegen ein Multiplayer in god of war hab ich eigentlich nix,so lange die kampange und die story nicht darunter leiden.Doch irgendwie hab ich agst das die story drunter leidet.Die Entwikler sagen zwar das zwei verschiedene teams am spiel arbeiten aber trotzem


        
 





#2
Geschrieben am 3. Mai 2012 um 16:47 Uhr

Kithaitaa meint ...

Da ich sowieso eher ein Multiplayer-Muffel bin, ist es mir im Prinzip auch ziemlich egal, habe bisher auch immer den jeweiligen MP-Part, zum Beispiel in Uncharted 2, einfach komplett ausgelassen. Was natürlich nicht so prall wäre, wenn die jeweilige Storykampagne eines Spiels unter zwanghaftem MP-Zusatz leiden würde.

Man fragt sich zwar bei einigen Spielen "wer braucht da einen Multiplayer?", aber scheinbar gibt es ja für alles eine Zielgruppe, bestimmt auch für den Max Payne 3 Seasonpass ... da ist es mir persönlich sogar fast lieber, man baut einen MP ein und verlangt dann pro Mappack einen Betrag X, als wenn man ihn weglassen würde und dann für Story-DLCs zur Kasse bittet. Die Variante gibt es ja leider auch.



          
 





#3
Geschrieben am 3. Mai 2012 um 23:04 Uhr

CookieMonster meint ...

Ich persönlich bin jemand der bevorzugt im Multiplayer spielt, aber natürlich habe auch ich meine Spiele, die ich nur zu gerne und fast ausschließlich für den Singleplayer kaufe. Ob God of War nun einen solchen Multiplayer nötig gehabt hätte wage ich zu bezweifeln, allerdings sehe ich darin dennoch ein gewisses Potenzial, denn die Videos und Previews machen einen erstaunlich teamlastigen Eindruck und das spricht mich bei Multiplayer-Titeln besonders an.

Ich möchte daher nicht einmal pauschal sagen, dass Entwickler nicht auch für typische Singleplayerpsiele einfach einmal einen Multiplayer ausprobieren sollten, denn ggf. (so zeigte ja auch die Vergangenheit) kann dabei ja durchaus etwas ganz Brauchbares herauskommen. Der MP von Uncharted 2 hat mich damals z.B. regelrecht begeistern können, zählte zunächst aber definitiv nicht zu meinem Kaufgrund für das Spiel. Natürlich ist die Skepsis an dem MP zunächst recht groß, aber ich werde ihm definitiv eine Chance geben und ihn zumindest anspielen.

Ein Problem in dieser Entwicklung sehe ich persönlich viel mehr darin, dass manche Entwickler sich das Ziel setzen einen MP in das Spiel zu integrieren und dieses Ziel selbst dann weiterverfolgen, wenn es sich bereits früh abzeichnet, dass Erwartungen damit nicht wirklich erfüllt werden können. Das ist dann leider entsprechende Verschwendung von Ressourcen, die man dann in den ggf. besseren Singleplayer hätte investieren können.


          
 





#4
Geschrieben am 9. Mai 2012 um 13:35 Uhr

Tim meint ...

Aus gegebenem Anlass: Dead Space 3 wird in der Kampagne voll auf Coop ausgelegt sein und ist für mich damit ein neuer Tiefpunkt. Damit hat EA wohl eine der besten Horror-Serien da draußen ruiniert. Klar, das könnte immer noch gut werden, aber wo die Spannung und Atmosphäre der Isolation bleiben soll, ist fraglich. Schade, sehr schade - und sehr unnötig.

Quelle: [Externer Link]


          



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