Dies & Das

Wahlk(r)ampf. Ohne Worte.

Geschrieben von Haschbeutel am 28. Mai 2009 um 21:10 Uhr


Erinnert ihr euch daran? Auch daran, dass das Event "definitiv stattfinden wird"? Ja? Gut, leider wird da nichts draus. Turtle Entertainment hat das für den 5. Juni angekündigte Intel Friday Night Game in Karlsruhe abgesagt und beugt sich damit Forderungen der CDU und der Grünen. Grund waren Vorwürfe, bei der Veranstaltung sei die Einhaltung des Jugendschutzes nicht gewährleistet. Stimmt eigentlich nicht, aber wen interessiert das. Nach allem Druck der Politiker, die sogar die Messebetreiber dazu "Überreden" wollten, den Vertrag mit Turtle Entertainment aufzulösen, gab Turtle nun klein bei.

"Wir haben den Eindruck im Karlsruher Kommunalwahlkampf instrumentalisiert zu werden. Mit viel Engagement haben wir den Dialog mit der Karlsruher Politik gesucht und Gespräche geführt. Jeder konstruktiven Diskussion über den Umgang mit Computerspielen und neuen Medien wird allerdings die Grundlage entzogen, wenn von demokratischen Parteien öffentlich die Kündigung rechtsgültiger Verträge angeregt wird. In einem abschließenden Gespräch haben wir uns deshalb gestern mit Oberbürgermeister Heinz Fenrich darauf verständigt, von unserem Vertragsrecht Abstand zu nehmen und die Veranstaltung abzusagen. In der technologiefreundlichen Stadt Karlsruhe, in welcher auch das Bundesverfassungsgericht seinen Sitz hat, hätten wir einen solchen Umgang nicht erwartet", sagt Ralf Reichert, Geschäftsführer der Turtle Entertainment GmbH. "Wir bedauern, dass eine Veranstaltung, die seit Jahren Ausdruck zeitgenössischer Jugendkultur ist, regelmäßig in 16 deutschen Großstädten gastiert und selbstverständlich unter Beachtung des ohnehin europaweit schärfsten deutschen Jugendschutzes durchgeführt wird, die Karlsruher Kommunalpolitik mit anhaltenden Diskussionen bestimmt. Es wird deutlich, dass die große Distanz zu unserer Jugend und den neuen Medien einen schweren Generationskonflikt offen legt."

Teil der politischen Auseinandersetzung und der daraus folgenden Konsequenzen ist auch die Absage der Eltern-LAN in Karlsruhe. Diese öffentliche Informationsveranstaltung wird seit 2008 im Rahmen der Intel Friday Night Games durchgeführt. Die Eltern-LAN ist ein gemeinsames Projekt von Turtle Entertainment, spielbar.de, dem interaktiven Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Spieleratgeber-NRW vom ComputerProjekt Köln e.V. und dem Institut Spielraum der Fachhochschule Köln. Ziel dieser Veranstaltung ist es, Eltern und Lehrern unter pädagogischer Anleitung den Einstieg in die Medienwelt ihrer Kinder und Schüler zu erleichtern. Die Schirmherrschaft der Eltern-LAN übernimmt der nordrhein-westfälische Kinder- und Jugendminister Armin Laschet.


Obwohl der Oberbürgermeister (er ist selbst Mitglied der CDU!) und der Stadtrat immer noch überzeugt sind, dass so ein Event von Vorteil für alle wäre, vor allem um Aufzuklären statt zu Hetzen, wollten die restlichen CDU/Grüne-Wahlkampfkandidaten nicht darauf hören und pochten auf eine Kündigung des Veranstaltungsvertrages. Ohne Rücksicht darauf, dass in diesem Falle eine sechs-stellige Schadensersatzsumme an Turtle hätte gezahlt werden müssen - zu lasten der Steuerzahler. Aus Rücksicht auf den OB und die Stadt trat Turtle Entertainment daher freiwillig vom Vertrag zurück. Sehr zum Ärgernis der Teams und Spieler. Apropos Ärgernis. Hier die Reaktion von Gabriele Luczak-Schwarz, Fraktionsvorsitzende der CDU:

Wir freuen uns, dass dieses von uns geforderte Ergebnis in Gesprächen zwischen Stadtverwaltung und Veranstalter doch noch erreicht werden konnte. Zudem wird sich die CDU weiter dafür einsetzen, dass die rechtlichen Grundlagen für ein Verbot von Killerspielen und Veranstaltungen, bei denen solche Spiele angeboten werden, geschaffen werden. Eine Veranstaltung, bei der "Killerspiele" den Schwerpunkt bilden, hat in einer städtischen Halle nichts zu suchen. Solche Spiele sind mit dem Werteverständnis der CDU nicht vereinbar. Die Absage ist deshalb die einzig mögliche und richtige Konsequenz.


Na dann. Ohne Worte. Mein Kreuz wandert woanders hin.





6 Kommentar(e):
und folgendem User gefällt der Beitrag: Haschbeutel,

 





#1
Geschrieben am 29. Mai 2009 um 00:13 Uhr

DHI meint ...

Ich hoffe wirklich das viele Menschen vernünftig werden und solchen Parteien keine Chance mehr lassen. Man kann von "Killerspielen" (was eine Bezeichnung ...) halten was man will aber ein wenig Toleranz und gesunder Menschenverstand würde den Politikern nicht schaden.

Langsam gehen einem nur die Parteien aus welche man ohne das Gefühl der Seelenverpfändung wählen kann.


        
 





#2
Geschrieben am 29. Mai 2009 um 00:15 Uhr

Der Gnom meint ...

Meine Güte, dieser Artikel macht mich sauer. Nicht nur dass TE hier Courage zeigt und "freundlicherweise" das Event absagt obwohl der Bürgermeister und so dafür sind. Die Großkotzige ANtwort von diesen CDU-Flachzangen ist ja absolut ekelerregend.

Wenn man halt keine Ahnung hat von Esport, dann ...         


        
 





#3
Geschrieben am 29. Mai 2009 um 16:37 Uhr

endoflevelboss meint ...

Und zum wiederholten Male in Folge frage ich mich, wohin mein Kreuz eigentlich noch wandern soll? Nichtwählen wird ja gemeinhin verteufelt und trägt ja tatsächlich nicht zu Änderungen bei, aber wen hätte ich denn bei der letzten Bundestagswahl ruhigen Gewissens wählen sollen? Und bei der nächsten scheint es sogar noch schwieriger.


          
 





#4
Geschrieben am 29. Mai 2009 um 17:31 Uhr

Haschbeutel meint ...

Piratenpartei! Piratenpartei!   


          
 





#5
Geschrieben am 29. Mai 2009 um 19:48 Uhr

SpielerZwei meint ...

Ich halte inzwischen alle großen Parteien in Deutschland für unwählbar. Alles Lügner und Knechte der Lobbyisten.




        
 





#6
Geschrieben am 31. Mai 2009 um 17:51 Uhr

DarkRaziel meint ...

Ich würde auch keine größere Partei in Deutschland mehr wählen, denn in meinen Augen machen sie doch eh alles ohne das ganze Volk zu fragen.
Oder wolltet ihr den Euro haben und frei Grenzen damit noch mehr Gesin.... und ....
ungehindert nach Deutschland kommen.
Ich jedenfalls nicht, denn der ganze Euro und die freien Grenzen mach in meinen Augen die Wirtschaft kaputt , wenn man sieht wie viele Firmen ihren Sitz ins Ausland verlagern um in billig Lohnländern wie Rumänien fette Kohle zu machen.

Nokia soll pleite mit ihren Werk da unten, die Ganzen Handy's sehen nur noch billig aus.

Will auch nicht weiter groß darauf eingehen, denn in diesem sogenannten Rechtsstatt läuft doch eh alles falsch was nur gehen kann.

Mörder bekommen Lebenslang und Kinderschänder nur 3 bis 4 Jahre und kommen danach auch noch bei guter Führung wieder frei.   
Das ganze Systeme hier ist für Arsch.   
Allen wird das Leben nur noch Schwerer gemacht als es ohnehin schon ist.
Abgaben über Abgaben bei dem Geringverdienern und die Reichen werden immer Reicher.
Und ob die ganzen EU Parlament Vertreter und Politiker in Deutschland ihre Gehälter gerecht sind stelle ich mal Stark in Frage.

Fürs rumsitzen und voreilige Gesetze verabschieden noch Unsummen an Geld zu Bekommen grenzt schon an Betrug am Volk.   


          



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