Gedankenflug

Anekdoten eines Zockerweibchens #2: Millennium der Solisten

Geschrieben von Hardcora am 20. Juni 2010 um 21:00 Uhr


2000 - 2010 aus Sicht eines Zockerweibchens. Ich denke, selbst ihr werdet Probleme haben, eine solch gigantische Zeitspanne "mal kurz" zusammenzufassen. Klar, da gibt es die Super-Lieblingsspiele, die Woah-Lieblingsspiele, die Liebhab-Lieblingsspiele und mehr - aber wie soll man das denn alles in einen Artikel bekommen?! Gar nicht, korrekt. Wie also die Hürde umgehen? Ganz einfach: Wir splitten die zehn Jährchen einfach in Single- und Multiplayer-Titel. Wie ich das letzte Jahrzehnt von Revolutionen im Jahr 2000, über den Falloutorgasmus 2008 bis ins heutige Jahr aus Sicht des Soloweibchens erlebt habe, versuche ich euch einfach mal halbwegs vollendet aus dem Spielegedächtnis wiederzugeben.


Freudvoll und leidvoll, gedankenvoll sein - hangen und bangen in schwebender Pein
himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt - glücklich allein ist die Seele, die SPIELT.






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In eigener Sache:
Als besonderes Schmankerl, und weil der
Text wieder viel zu lang geworden ist,
gibts den Artikel diesmal auch als MP3
für unterwegs oder zum nebenbei Lauschen.

So, oder so ähnlich sah angeblich schon Goethe das erste Spielejahrzehnt der 2000er voraus - und tatsächlich dürften wohl viele Spieler genauso empfunden haben. Ob Überraschungshits wie Mafia, langerwartete Spiele wie der dritte Teil des nuklearen Fallouts, wenig beachtete Hits wie Still Life oder zu Tode gehypte Titel wie Söldner. Für die Spieler von Welt war eben alles dabei. Auch ich habe bei eben diesen Titeln, und natürlich noch einigen anderen, meine ganz eigenen Erfahrungen gemacht.


Neue Entdeckungen ..














Apropos Fallout - wer mich kennt, wird sich gewundert haben, wieso ich diese bezaubernde Spieleserie nicht bereits als Perle meiner 90er erwähnt habe? Nun, ich muss zugeben, dass ich diese Glanzstücke tatsächlich erst gegen 2000 entdeckt hatte. Ich, als eigentliche WiSim-Strategie-Adventure-Spielerin-mit-Angst-vor-Sterbesequenzen installierte damals tatsächlich ein Endzeit-Rollenspiel, in dem man eigentlich an jeder Ecke irgendwie verrecken konnte. Ja - und es hat mich geprägt! Bis heute denke ich an meine ersten Stunden im Ödland zurück, bis heute träume ich von Arroyo und dem GEEK (Garten-Eden-Erstellungs-Kit). Und bis heute gibt es für mich kein vergleichbar intensives Spielgefühl. Als irgendwann von Interplay verkündet wurde, dass es einen dritten Teil geben sollte, war die Vorfreude dementsprechend extrem - als Interplay dann Konkurs anmelden musste, die Enttäuschung logischerweise groß. Als Bethesda sich die Rechte sicherte und einen neuen dritten Teil ankündigte, war ich dann doch etwas hin und her gerissen. Fallout 3 im 3D-Gewand? Mit Schießen und so? Ohne wirkliche Rundenstrategie? Und das soll funktionieren? Nach fast 10 Jahren Wartezeit sollte ich mich schließlich davon überzeugen lassen - das Intro begann, die Worte "Krieg. Krieg bleibt immer gleich." sorgen bei mir für den Höhepunkt des Jahrzehnts und auch ein Anruf einer Freundin MITTEN IM INTRO DES MEISTERWARTETSTEN SPIELES MEINES LEBENS konnte die Euphorie nicht brechen. Als ich das erste Mal meinen Bunker verließ, vom ersten Sonnenlicht meines Lebens geblendet, war der lang erwartete Zustand endlich wieder da: vollkommene Zufriedenheit ob eines gelungenen Spiels. Danke.

Natürlich war das Solo-Jahrzehnt nicht nur von Fallout geprägt. Nein, erstmals in meiner Zockerkarriere wurden Shooter mit einer gelungenen Story ein Highlight meines täglichen Lebens. Ob nun das bezaubernde No one lives forever 2, das mich durch die Selbstironie immer wieder verzückte oder der bis heute wohl leider viel zu wenig wahrgenommene Titel Vampire: Bloodlines, den eigentlich jeder Shooterfan mal gespielt haben sollte - all die wunderbaren Geschichten waren Meilensteine, die man heutzutage eher selten antrifft. Zwei Titel möchte ich noch besonders herausheben: Mafia und Max Payne 2. Mafia: direkt bei Release gespielt, direkt begeistert und im Vergleich zum damals parallel erschienenen GTA3 für mich eine Offenbarung, was "Open World" anging. Zwar hatte ich damals auch GTA2 gespielt, doch war GTA3 für mich irgendwie nicht wirklich interessant, auch wenn ich ein blühender Fan der Nachfolger Vice City (80er OMG!) und San Andreas bin. Ein Held der nicht spricht? Dann doch lieber ein bisschen Mafiosi spielen und einfach mal in die Straßenbahn einsteigen, um die Stadt zu bewundern. Ein Traum.

Warum aber Max Payne 2? Nun, ich muss zugeben, den ersten Teil bis heute nicht wirklich gespielt zu haben, umso krasser eigentlich, dass mich der zweite Teil ohne Vorwissen so in den Bann gezogen hat. Eigentlich an Gradlinigkeit der Levels kaum zu überbieten, schafft es Max Payne 2, nach Mafia, mich dermaßen am Spiel teilnehmen zu lassen, dass ich mit gesenkter Kinnlade sogar die Credits schaue. Des Weiteren - für mich eher untypisch - spiele ich das Spiel extra drei Mal durch, um das alternative Ende sehen zu können. Wer immernoch nicht überzeugt ist, braucht eigentlich nur einen Grund um den zweiten Teil zu spielen: Mona. Arrr!


.. und alte Spielprinzipe ..
Abseits der neuen Shootererfahrungen blieb ich natürlich meinem Lieblingsgenre treu: den Adventures. Während zu Beginn der 2000er der Tod der Adventures vorausgesagt wurde, sollte dieser Umstand Ende der 2000er in eine wahre Adventureflut übergehen. Im Vergleich zu den 90ern gab es für mich allerdings eher wenige Highlights, die mich tatsächlich überzeugen konnten. Gegen 1999, kurz vor der Eröffnung des Millenniums also, erreichte mich das letzte großartige Adventure meiner persönlichen Göttin Jane Jensen: Gabriel Knight 3. Obwohl ich damals nichts mehr verabscheute, als diese "seltsame neue 3D-Grafik" riss mich das Spiel in seinen Bann und bis heute hoffe ich auf einen vierten Teil.

Neben den alten Spieleklassikern konnten im Laufe der Zeit aber auch neue Titel überraschen - wie beispielsweise im Jahre 2005, als das geniale Still Life veröffentlicht wurde. Der Adventurekrise zum Trotz brillierte Still Life mit einer interessanten Geschichte und versetzte mich sogar ab und an in einen Schockzustand - fürs Protokoll: ihr verfolgt einen Serienmörder, was auch ab und an in entsprechende Szenen mündet - für Kinder also definitiv nicht geeignet. Apropos Schockzustand: Auch das im letzten Jahr erschienene Lost Crown zählt inzwischen zu meinen Adventurehighlights. Grusel, Grauen, Gänsehaut deluxe - ich und "Horrorspiele"? Ein wiedermal ganz neues Spielgefühl.

Das Jahrzehnt konnte aber auch mit anderen Neuheiten trumpfen - Fahrenheit oder Heavy Rain sollten das Genre revolutionieren, wenn auch beide Titel nicht wirklich klassische Adventures sind und eher an einen interaktiven Film erinnern. Als Fan neuer Spielgefühle musste ich natürlich beide Spiele testen und war bereits von Fahrenheit (im positiven Sinne) total benommen. Für Heavy Rain brach ich meinen Keine-Adventures-auf-Konsole-Eid und war erst wieder anwesend, als der Abspann über den Fernseher flimmerte. Ich will mehr davon - aber schnell!


.. treffen aufeinander.
Was ist denn inzwischen aus den anderen Genres geworden? Neben Shootern und Adventures testete ich auch weiterhin eifrig Wirtschaftssimulationen, was mir später dann immerhin eine gute BWL-Note einbrachte ;). Ob ich nun meinen Bananenstaat in Tropico als herrschsüchtiger Diktator zum Weltenruhm brachte, als Wirt in der Gilde die Pest überstand, zigtausend Achterbahnen und Supererlebnisparks in allen Rollercoaster Tycoons baute, meinen Patienten in Theme Hospital lustige Krankheiten austrieb oder aber endlose Filme in The Movies drehte - abwechslungsreicher konnte das Genre kaum ausfallen.

Wie sollte es auch anders sein, traf klischeebehafteter Weise auch mich die Sims-Sucht. Noch vor dem gehypten Release entdeckte ich damals einen interessanten Preview-Artikel in der PC Games - als Spieler einfach das alltägliche Leben nachspielen - das hörte sich irgendwie banal und zugleich interessant an. Letztendlich sammelte ich die Addons wie zuvor nur meine Spielezeitschriften und verbrachte Stunden damit, meine Sims zu züchten. Auch Teil 2 und auch Teil 3 reihten sich nahtlos in die Sucht ein - letztendlich bin ich eben doch nur ein Weibchen, das bei Spielen zur Abwechslung auch gerne mal etwas zur Ruhe kommt.

Immer nur Ruhe funktioniert natürlich nicht auf Dauer - ganz neu in meinem Sammelsurium der Genres begrüßte ich endlich formvollendet allerlei Strategiehits. Während ich zu Beginn meiner so genannten "Karriere" eher die Rundenstrategie à la Civilization bevorzugte, meine kühnsten Stunden mit Blumensträußen an Deidranna in Jagged Alliance 2 verbrachte und vom Prinzip Heroes of Might an Magic nicht weg kam, entdeckte ich irgendwann - es musste ja so kommen - Age of Empires. Echtzeitstrategie aus dem Lehrbuch. Doch auch Titel wie Caesar 3 raubten mir Stunden meines Lebens, was beispielsweise Black & White, trotz Kuscheldemonstration von Peter Molyneux auf der Games Convention, nie schaffte.

Ihr seht also - so ein Jahrzehnt geht zwar unheimlich schnell vorbei, doch manche Titel schaffen es eben, sich im Gedächtnis zu verankern und Teil eures Lebens zu werden. Ich freue mich schon jetzt auf angekündigte Fortsetzungen wie Mafia 2, Max Payne 3, Civilization 5 oder eben ganz neue Perlen. Auch wenn ich inzwischen fast schon zum Multiplayerweibchen mutiert bin, dazu an anderer Stelle mehr, reißen die Geschichten der Singleplayer-Spiele eben doch noch ein bisschen mehr mit.



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7 Kommentar(e):
und folgenden Usern gefällt der Beitrag: Haschbeutel, A-zul, Michi, Moon, DarkRaziel, ... und einem Gast.

 





#1
Geschrieben am 20. Juni 2010 um 21:32 Uhr

Haschbeutel meint ...

Diese Stimme. Arrr.  Dass du Max Payne noch nicht gespielt hast, grenzt fast an Blasphemie - der zweite Teil ist zwar meiner Meinung nach um einiges besser als Teil 1, aber gespielt haben muss man den ersten definitiv. Allein die "Traumsequenz" wo man ... egal, ich leih es dir wohl mal aus. Dass Age of Empires kaum Zeilen bekommt grenz fast schon an Blasphemie - und Black and White hat dir nie gefallen? Gnaa!

Ansonsten - Tolle Anekdoten, mehr davon!


          
 





#2
Geschrieben am 20. Juni 2010 um 21:40 Uhr

Hardcora meint ...

Wenn du genau liest/hinhörst, merkst du, dass ich NICHTS davon sage, dass mir B&W nicht gefallen hat  . Nur hat es mich eben nie wie andere Titel begeistert. Für ein paar Stunden Spaß hats gereicht, für mehr aber auch nicht  

Ich hätte Age of Empires natürlich auch einen solchen Absatz wie Fallout widmen können, aber dafür fand ichs auch nicht intensiv genug. Genial ja, fesselnd (im SINGLEPLAYER! Multiplayer-Artikel kommt ja noch) nein.


          
 





#3
Geschrieben am 20. Juni 2010 um 22:02 Uhr

A-zul meint ...

SEHR SEHR NICE

sogar mit sprachausgabe das hast du soo geil gemacht weiter!!!         

I LOVE IT!


          
 





#4
Geschrieben am 21. Juni 2010 um 15:43 Uhr

Moon meint ...

Haschbeutel: Diese Stimme Arrr.  

Kann ich nur zustimmen, eine wirklich sehr schöne Stimme!   
Würde mich über mehrere mp3s auf jeden Fall freuen.

Bei mir waren die 2000er der Beginn meiner Zockerkarriere auf dem PC. Viele Spiele, die du genannt hast, haben auch mich begeistert.
Vor allem Age of Empires und Roller Coaster Tycoon (da aber eher nur der 1. Teil):
Das waren mit Starcraft meine ersten 3 Spiele für den PC überhaupt und sie haben mich sehr lange unterhalten   

Freue mich schon auf weitere Anekdotren, weiter so!


          
 





#5
Geschrieben am 21. Juni 2010 um 18:36 Uhr

Hardcora meint ...

schön, dass der "Minipodcast" so gut ankommt, dann haben sich die Mühen (ein Versprecher im letzten Satz des gigantischen Fallout-Absatzes ist die Hölle!  ) ja gelohnt. Die nächsten Anekdoten werden dann einfach ab jetzt standardmäßig so veröffentlicht  


          
 





#6
Geschrieben am 22. Juni 2010 um 21:09 Uhr

DarkRaziel meint ...

Muss den anderen Jung auch Recht geben. Du hast eine sehr schöne Stimme      
Lage Abendes im Bett neben meiner Frau und habe den Minipodcast angehört (Und nein ich habe nicht an mir gespielt zu dieser Stimme   als meine Frau geschlafen hat )

Ist wirklich mal was anderes das ich von anderen Webseiten nicht kenne.
Zumal es sehr gut Gesprochen und Betont wurde, als würdest du Kinderhörspiel CD's besprechen oder in einer Grundschule Kinder auf den Ernst des Lebens vorbereiten   
Würde mich freuen wenn mehr solcher Sachen kommen und der faule User nicht einmal mehr Lesen braucht      


          
 





#7
Geschrieben am 22. Juni 2010 um 23:17 Uhr

Hardcora meint ...

DarkRaziel: Zumal es sehr gut Gesprochen und Betont wurde als würdest du Kinderhörspiel CDs besprechen oder in einer Grundschule Kinder auf den Ernst des Lebens vorbereiten


        

na wenn ihr dann auch wenigstens weiter kommentiert, gibts sicherlich auch öfter mal was auf die Ohren, mir macht das "vorlesen" jedenfalls Spaß   


          



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