Gedankenflug

Anekdoten eines Zockerweibchens #3: Entdecke die Möglichkeiten

Geschrieben von Hardcora am 30. Juli 2011 um 19:32 Uhr


Die 90er durchlebt, die Storys der Singleplayerspiele begeistert aufgesogen. Welcher Teil der Spielerkarriere fehlt dann wohl noch? Das Spielen im Team, das Spielen gegen andere Teams, Lanpartys und und und. Willkommen im Land der Multiplayerspiele. Natürlich haben mich die Pixelspiele begeistert und natürlich schwärme ich auch heute noch von der ein oder anderen Geschichte - doch spielt man einen Singleplayertitel letztendlich eben doch nur einige Stunden lang. Ein Multiplayertitel kann wiederum über Monate - ja sogar über Jahre begeistern. Wie man von Adventures in die Sparte des begeisterten Multiplayerzockers rutscht? Nun. Das ist eigentlich ganz einfach erklärt.

Unabhängig von jedem Start ins Land der virtuellen Multiplayerträume hat wohl jeder von uns schonmal einen Multiplayer getestet. Ob das nun der Schulsport oder Brettspiele waren. Den Einstieg haben wir alle schon in frühen Kindertagen hinter uns. Der Schritt Richtung virtuelle Spiele im Internet ist dann gar nicht mehr so groß. So eben auch bei mir.


1999

Begonnen hat meine Multiplayervorliebe recht früh. Es war wohl 1999 als SWAT 3 herauskam. In den Jahren zuvor hatte ich bereits Teil 1 und 2 gespielt, doch war der Sprung zu Teil 3 eben auch ein Sprung in ein anderes Genre. Shooter im Team. Egoperspektive. Und eben Multiplayer. Das war neu und ich war neugierig. Ich erinnere mich sehr gut an die erste Mission des Spiels - ich als Leader, hineinstürmen, Geisel befreien, zwischendurch die 1000 gespeicherten Kommandos, breach/bang&clear, schleichen, schreien, schießen - ach wat toll! Die erste Mission war unser täglicher Einstieg in einen Zockabend voller Missionen. Was für andere de_dust war dann später für uns die berühmte Ubahnmission. Ich schätze, wir haben selbige rund 8712836 mal gespielt. Jede Runde war der verzweifelte Versuch den Zeitrekord zu unterbieten. Die beste Zeit war damals wohl irgendwas mit 12 Minuten und was waren wir stolz danach! Runde vorbei, Abzeichen abgestaubt und auf ein Neues. Auch heute noch habe ich die damals gebrannte CD mit allen verfügbaren Missionen, die Fans je erstellt hatten. Jede Mod wurde ausgiebig getestet und jedes Addon bejubelt. Was für eine wahnsinnig geniale Userbase - bis heute wohl einzigartig. Ich war von diesem Spiel so begeistert, dass ich sogar einmal eine handgeschriebene Anleitung zum Spiel verfasst habe. Es war mein Spiel. Mein erstes. Wenn ihr so wollt, hab ich dadurch meine Spielerunschuld verloren und bereue nichts. Parallel zu Swat 3 entdeckte ich ein weiteres Genre für mich: die Echtzeitstrategie.




Oder eben Age of Empires 2. Woah! Ja, auch dieses Spiel hat gesessen. Fast zeitgleich mit SWAT 3 ist es erschienen und diente immerzu als Abwechslung, falls die SWAT 3 Kollegen mal nicht da waren. Eine Mission dauerte Stunden und das Spiel schaffte es wirklich, diese Stunden spannend zu gestalten. Auch hier war keine Map vor unserem Team sicher. Jede Schwierigkeitsstufe wurde getestet. Jede Einheit gebaut. Jedes Tastaturkürzel auswendig gelernt. Immer im Team, nie gegeneinander - ja diese Philosophie befolge ich auch heute noch. Wer mich zu einer Runde Strategiespiel einladen will, wird es niemals schaffen, dass ich gegen ihn spiele. Bin halt ein Teamplayer und will euch doch nur Gutes! Apropos Gutes. Nicht nur die Echtzeit hat mich begeistert, sondern erstmals auch die Rundenstrategie. Wir befinden uns übrigens immernoch im Jahre 1999. Ist wohl sowas wie mein Geburtstag des Multiplayers.

Redet man von Rundenstrategie denken die meisten Zocker zuerst an Civilization. Klar. Mein Einstieg war allerdings das wundervolle Alpha Centauri. Ein Civabklatsch mit dem Segen unseres Sids. Ja, es war voller Bugs und die Abstürze kamen einem Windows 95 gleich - doch es war traumhaft. Bis heute hat für mich kein einziges Civ die Qualitäten des Alpha Centauri erreicht. Dermaßen ausgewogene Charaktere, das geniale Diplomatiesystem - ja selbst die zufälligen Wurmangriffe im Weltraum trugen zu meiner Begeisterung bei. Leider war das Spiel zum Ende hin dermaßen verbuggt, dass man es nicht mehr wirklich online spielen konnte. Eine Ära ging zu Ende und ich trauere heute noch um dieses Glanzstück der Rundenstrategie.


2000

Etwas Neues musste her. Wie wäre es mal wieder mit einem ganz neuen Genre? Wir haben das Jahr 2000. Ich bewegte mich bereits sicher im Strategie- als auch im Shootergefilde. Rollenspiele oder Action-Rollenspiele gehörten bis dato allerdings noch nicht in mein Repertoire. Mit Diablo 2 sollte sich das ändern. Hach. Flashbacktime. Durch Empfehlungen meiner Zockkollegen gelangte ich in den Besitz dieser unscheinbaren Verpackung. Ein großer, böser Dämon war darauf zu sehen. Ich legte die CD ein und startete das Spiel. Ein großartiges Renderintro haute mich unerwartet um und ich stellte meinen ersten Kontakt zum Battlenet her. Charakterwahl .. was nehm ich? Was hat jeder für Vorzüge? Keine Ahnung, aber der Paladin sieht unheimlich stark aus. Das Spiel begann. 640x480 Pixel wollten mich mit ihrem Detailreichtum verzaubern und haben es auch geschafft. Vom ersten Schritt aus der Stadt zum ersten Gegner, zum ersten Endboss, zum großen bösen Diablo und nochmal und nochmal. Dann die Kühe. Dann ein neuer Charakter und alles nochmal von vorn. Das gesammelt, diese Sammlung vervollständigt, andere Leute mitgezogen, den Esel gespielt und so weiter. Wiedermal hatte mich ein Spiel vollkommen in seiner Hand. Schade, dass es damals noch keine Programme wie xfire gibt, um die gespielten Stunden zu zählen. Wahrscheinlich hat Diablo 2 plus Addon aber sogar meine SWAT 3 Spielzeit überrundet. Was für ein Spiel.



Um nicht immer das Gleiche zu spielen, hatte ich auch damals wieder die willkommene Abwechslung parat. Wiedermal ein Teamshooter. Doch ging es diesmal nicht à la gute Menschen gegen böse Bots, sondern erstmals gegen andere Spieler. Star Trek Voyager: Elite Force wurde mein neues Lieblingsspiel. Capture the flag mein neuer Lieblingsmodus. Erstmal gab es auch diese damals noch ganz neuen Achievements. Toll! Eine Belohnung fürs Spielen? Warum hat da zuvor noch kein Entwickler dran gedacht? Auch damals gab es wieder eine grandiose Community, die unsere Zockerrunde immer mit neuen Maps versorgt hat. Warum ausgerechnet ich ein Star Trek Spiel so bezaubernd fand? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht - schließlich hat mich die Serie/Religion nie wirklich interessiert und doch war dieses Spiel der Meilenstein, der für den weiteren Verlauf meiner Spielekarriere entscheidend war. Plötzlich wollte ich nicht mehr gegen Bots spielen. Der Konkurrenzkampf mit den echten Gegnern aus Fleisch wurde spannend. Welche Konsequenzen das hatte?


2002 bis 2008

Battlefield 1942. Battlefield war die logische Erweiterung meiner Star Trek Runden. Wieder ging es gegen menschliche Spieler, doch gab es wieder ein neues Prinzip. Flagge holen, Flagge verteidigen, Flagge wiederholen, falls verloren. Und nochmal, und nochmal. Als netten Zusatz gab es nun plötzlich Fahrzeuge, die für mich als Fußgänger doch etwas ungewohnt waren und die ich nach Battlefield doch nie wieder missen wollte. Klar, realistisch war Battlefield nie - man denke nur an die "blinden Passagiere", die sich einfach auf ein besetztes Flugzeug stellten, um mitgenommen zu werden. Wieder gab es die berühmten Sprachkommandos, die ich schon in Swat 3 zu lieben lernte. Wieder gab es eine unglaublich engagierte Userbasis. Nicht nur kleine Mods und kleine Karten standen diesmal auf dem Programm - nein, sogar ganze Transformierungen. Battlefield 1918 gehörte beispielsweise zu meinen liebsten Modifikationen. Wer erinnert sich hier noch an die grandiose Weihnachtsüberraschung, in der man einfach nur im Schlitten den Berg herunterfuhr und sich statt mit Waffen mit Schneebällen beschoss? Ein Traum. Warum gibt es eigentlich bis heute kein anständiges Spiel, das im ersten Weltkrieg spielt?




Battlefield sollte mein neuer großer Klassiker werden. Nicht nur das Teamspiel war grandios - ich durfte auch endlich wieder hilfsbereit sein. Ja, das bin ich wirklich gerne - ich liebe den Medic. Vor euch steht ein Panzer und ihr liegt am Boden? Kein Problem, Caro ist gleich da - und wenn ich dabei drauf gehe. Bis heute eine mehr oder weniger erfolgreiche Methode, die aber immernoch Spaß macht. Bis heute habe ich jeden Vertreter der Battlefield-Reihe gespielt. Bis auf einen: Vietnam. Warum? Simpel. Der Medic als Klasse hat gefehlt. Ein KO-Kriterium für mich. Battlefield 2 knüpfte an 1942 an und erweiterte das Prinzip mit den neuen Squads sowie dem Commander. Sozusagen eine Mischung aus Battlefield und SWAT 3. Ihr ahnt es - ich fands geil. Danach kam lange nichts. Erstmals bestieg ich mit Bad Company 2 wieder den Battlefieldzug und war ebenso begeistert.



Was also konnte mit vom Battlefieldismus abhalten? Nur ein Spiel. Enemy Territory. Wow, das erste Mal, dass ich nächtelang (!) durchzockte. Ich erinnere mich sogar noch an eine Nacht - draußen wurde es gerade hell und das Rollo war noch vom Vortag oben geblieben. Ich spielte gerade Fuel Dump und unser Team kam einfach nicht durch diese verdammte Höhle. Schließlich gab ich es dann doch auf und bewegte mich zufrieden ins Bett. Enemy Territory erschien nach Battlefield. Die Fahrzeuge die ich in Battlefield noch für unverzichtbar hielt, gab es hier nicht. Doch gab es was anderes: Einsatzziele, die man durch verschiedenste Taktiken erreichen konnte. Wieder gab es verschiedene Klassen, doch hatten selbige sehr viel mehr Möglichkeiten innerhalb des Spiels - noch dazu konnte man die eigene Klasse durch exzessives Spielen aufwerten. Eine absolute Neuheit im Genre. Leider wurden sämtliche Errungenschaften nach dem Offline gehen gelöscht - schade. Ich wäre doch sehr gespannt, wieviele XP ich damals insgesamt erwirtschaftet habe. Wahrscheinlich mehr als Bill Gates an Geld auf seinem Konto hat.

Und danach? 2002 bis 2008 nur Teamshooter? Ja, irgendwie habe ich es so in Erinnerung. Natürlich gab es dazwischen immer mal wieder ein paar Runden, in denen andere Spiele getestet wurden. Doch haben diese mich nie so in ihren Bann gezogen, wie das die Teamshooter geschafft haben. Auch hier gab es wieder eine Revolution. Sie vollzog sich im Jahr 2008.


2008

Left 4 Dead war geboren. Ich erinnere mich auch hier wieder an einen Schlüsselmoment. Irgendein Freund schickte mir einen Trailer zu einem in Entwicklung befindlichen Spieles. Es war dunkel, man hatte nur die Taschenlampe, die das Zimmer erhellte. Es schien, als befinde man sich in einem Krankenhaus, doch verschwimmt hier die Erinnerung etwas. Plötzlich hörte man Geschrei und man selbst rannte weg. Zombies! Ja, verdammt nochmal Zombies! Überall! Der Spieler im Video zuckte nervös von links nach rechts und versuchte der Masse Herr zu werden. Letztendlich aber ging er zu Boden, als ein anderer Spieler zu Hilfe kam und ihn rettete. Meine Neugier war geweckt.




Nie zuvor hatte ich mich auf Horrorshooter eingelassen, da bin ich tatsächlich einfach ein großer Angsthase. Warum also faszinierte mich dieses Video? Man weiß es nicht. Doch als im August 2008 die Demo via Steam veröffentlicht wurde, hatte mich das Spielprinzip um den Finger gewickelt. Vier Überlebende, die sich aufeinander verlassen mussten. Ein bisschen Sprachkommandos, keine Fahrzeuge (schnüff) und ein bisschen Medic spielen. Dazwischen: gegen Bots oder gegen menschliche Zombiegegner. Toll! Die Demomap "No Mercy" entwickelte sich schließlich zu meiner neuen Ubahnmap bzw. dem neuen "de_dust". Auch wenn zwischenzeitlich der zweite Teil des Zombieshooters veröffentlicht wurde, drehen Kollege Haschbeutel und ich auch heute noch unsere Runden auf dem Dach des Mercy Hospitals.


Und sonst?

Anstoß 2, GTA 2, Red Alert 2, Tribes 2, Serious Sam, Buzz, all die C&C's. Ich hatte sie irgendwie mal wieder alle. Kein Genre war vor mir sicher - die Hauptsache war, dass man es irgendwie zusammen spielen konnte und schon gab ich dem Spiel eine Chance. Vielleicht ist es euch ja aufgefallen - ich liebe Teamshooter. Doch ein Titel fehlt in obigem Text: Counter Strike. Richtig. Ich weiß noch, dass mir gegen 2000 jemand gesagt hatte, ich sollte das einfach mal testen. Ich hatte sogar irgendeine frühe Version heruntergeladen, doch gab es bei der Installation einen Fehler und ich vergaß das Spiel schnell wieder. Erst auf diversen Lanpartys kam ich "mit dem Geheimtipp" erneut in Kontakt ... und schon war die Lust darauf verflogen. Bis heute habe ich dieses aberböse Spiel kein einziges Mal installiert oder gar selbst gespielt. Maximal ein über-die-Schulter-gucken war drin, doch fand ich das alles irgendwie ziemlich öde. Und das als Teamshooter-Fan. Nunja. Als Spieler ist es wohl schwer zu erklären, warum gerade dieses oder jenes Spiel einen begeistert.

Abgesehen davon darf ein kleiner Dank an meine tapferen Mitspieler des letzten Jahrzehnts natürlich nicht fehlen. Danke SWAT 3 Clan, dessen Name ich leider vergessen habe, danke Khan, danke Thorsten, danke Gnacki, danke Wuschti, danke KeyGirl, danke Joker, danke an das gesamte 83. Infanterie Regiment, danke an die Gaming Networks Zocker, danke an die Bösen alten Männer, danke Nacktbar, danke Haschbeutel, danke PAKler, danke unbekannte Steamkontakte und danke an alle, mit denen ich irgendwann mal gespielt hab und die ich gerade vergessen habe.








4 Kommentar(e):
und folgenden Usern gefällt der Beitrag: Haschbeutel, ... und 2 Gästen.

 





#1
Geschrieben am 30. Juli 2011 um 22:59 Uhr

DarkRaziel meint ...

Zitat: Geschrieben von Hardcora am 30. Juli 2011 um 19:32 Uhr

Wohl ehr dann Veröffentlich am 30. Juli 2011 um 19:32 Uhr   
Wie kann man so ein schönen laaaaaaangen Text so lange auf den Server liegen lassen (Infos Facebook), gerate wo es so wenig Mädels gibt die öffendlich zugeben ein Zockerweibchen zu sein  

Ich finde es immer wieder schön, wenn Mädels in eine Online Party einsteigen auch wenn man dann die versauten Wörter drosseln muss    um nicht gleich als primitive Männer abgestempelt zu werden


          
 





#2
Geschrieben am 31. Juli 2011 um 00:16 Uhr

Markys meint ...

Jetzt weiß ich, wer mich immer bei Enemy Territory abgeballert hat   Was ein geiles Spiel.


          
 





#3
Geschrieben am 31. Juli 2011 um 00:39 Uhr

Hardcora meint ...

@Raziel: Quark. Ich halt mich beim Zocken auch nicht zurück, wenn es um die möglichst primitivste Beleidigung des Gegners geht   

@Markys: kann sein, kann sein .. hach.


          
 





#4
Geschrieben am 31. Juli 2011 um 18:28 Uhr

DarkRaziel meint ...

Na dann ist ja gut, aber ich muss immer erst Warm werden bevor die Wörter raus kommen die es nicht in den DUDEN geschaft haben   


          



Kommentar verfassen:


NAME*: (KEiNE URL/DOMAiN)

EMAiL*: (WiRD NiCHT ANGEZEiGT)

EiGENE HOMEPAGE: (OPTiONAL)

TWiTTERNAME: (OPTiONAL)


DEiN KOMMENTAR*:
                           


BEi WEiTEREN KOMMENTAREN ZU DiESEM ARTiKEL BENACHRiCHTiGEN?
 JA, PER EMAiL.
 JA, PER TWiTTER - DiREKTNACHRiCHT
Du musst @PRESSAKEY auf Twitter folgen, damit wir dir Direktnachrichten senden können.


ANTiSPAM*: 
(entfällt bei Registrierung)





     


* = PLiCHTFELDER