Hardware & Software

Audiophiler Zockertraum? Ich teste das Logitech G35 Headset

Geschrieben von DerBene am 18. December 2010 um 16:17 Uhr


Es ist ruhig. Verdammt ruhig. Meine Teamkollegen schon im virtuellen Nirwana, ich als Letzter übrig. Noch zwei Gegner tummeln sich irgendwo auf der verwinkelten Map. Und während sich meine Mitspieler wohl gerade gemütlich im Spielechat unterhalten, geht mein Puls in die Höhe. Jetzt hängt alles von mir ab. Irgendwo in der Ferne explodiert eine Granate. Nein, in dem Camper-Zimmer sitze ich nicht. Aber da: Schritte im Raum unter mir. Der Gegner läuft gut hörbar durch den Flur und die Treppe hoch. Schnell in Richtung Türe drehen. Klick. Peng. Nur noch einer... Der Hörsinn wird von vielen Gamern unterschätzt. Damit die Ohren beim Zocken nicht zu kurz kommen und man sich bestens mit seinen Freunden unterhalten kann, darf ein gutes Headset nicht fehlen. Und während Kollegin Hardcora auf Sennheiser schwört, ist bei mir das PC-Zubehör nahezu ausschließlich von Logitech. Zockermenschen und ihre Vorlieben eben. Ob sich auch das Gamingheadset G35 einen festen USB-Anschluss an meinem PC sichern kann, klärt mein Hardwaretest.

Auspacken und Einstecken

Das Logitech Headset erreicht mich in einem großen Versandkarton. Gut geschützt durch Luftpolster versteckt sich in den Tiefen der Verpackung die eigentliche Hardware. Durch die durchsichtige Hülle ist das G35 bereits zur Hälfte sichtbar. Große Ohrmuscheln und ein insgesamt relativ kantig wirkendes Design - passend zu den Gaming-Tastaturen von Logitech. Der Lieferumfang beschränkt sich auf das Nötigste: eine Kurzanleitung, eine CD mit den Treibern und der Software, drei Kopfpolster sowie das Headset selbst. Das wars. Nun denn: CD rein und Treiber installieren. Zwar funktioniert das Headset, das via USB-Kabel mit dem PC verbunden wird, auch ohne die Installation, auf die Funktion der Knöpfe und den 7.1-Surround-Sound müsst ihr dann allerdings verzichten. Zeit das Headset aus der Verpackung zu befreien.

Schon beim ersten Anfassen kann das G35 zumindest haptisch überzeugen. Es ist nicht schwer - gerade einmal 370g - und wirkt ordentlich verarbeitet. Die Größenverstellung am Kopfbügel ist aus stabilem Metall. Für verschiedene Kopfgrößen liefert Logitech drei verschiedene Polster mit, die einfach über Klettverschlüsse befestigt werden - so passt sich das Headset jeder Kopfgröße an. Das USB-Kabel ist mit 3 Metern zudem extrem lang. Das ist natürlich von Vorteil, wenn der PC nicht direkt neben euch steht oder kein Front-USB-Anschluss zur Verfügung steht. Das eh schon stabile USB-Kabel wurde zudem mit einer gewebten Ummantelung versehen. Das sieht nicht nur schick aus, sondern verspricht auch eine größere Stabilität. Einziger Nachteil: Bis die Knickfalten aus dem Kabel sind, vergeht einige Zeit.


Aufsetzen und Aufdrehen

Größe angepasst, Kabel entwickelt und eingesteckt - es kann losgehen. Ich setze die Kopfhörer auf und bin auf den Ton gespannt. Zunächst mal bei Musik. Zum Testen höre ich in verschiedene Tracks rein. Von Muse über Jack Johnson, die Killers, der Acapella-Musik von den Wise Guys bis hin zu Beethoven. Der Bass kann nicht mit meinen stationärem 2.1 System mithalten und von der Qualität echter Hifi-Stereolautsprecher ist das G35-Headset auch meilenweit entfernt. Aber schlecht klingt die Musik dadurch nicht. Wer ein wenig an den Equalizer-Reglern spielt und die Lautstärke nicht auf das Maximum dreht (was wohl aber eh nur taube Menschen aushalten) kann mit dem G35 durchaus Musik hören. Echte Hifi-Kopfhörer liefern sicherlich mehr Musikgenuss und Audiophile rümpfen sicherlich die Nase - für den normalen Durchschnittsmenschen reicht die Qualität allerdings locker aus. Im Vergleich zum erst kürzlich getesteten Sennheiser PC 360 Gaming Headset bietet das G35 jedoch (zumindest auf dem Papier) einen deutlich geringen Frequenzbereich. Während das Sennheiser Töne im Frequenzbereich zwischen 15 Hz bis 28 kHz wiedergibt, reicht der Bereich beim G35 nur von 20 Hz bis 20 kHz. Da die meisten Menschen aber nur Töne im Bereich von 20 Hz bis 20.000 Hz wahrnehmen können, dürfte das nur für extrem pingelige Audiofanatiker ein Kritikpunkt sein.




Nach der musikalischen Hörprobe folgt der Sprachtest via Skype. Im Gespräch mit Haschbeutel und Hardcora verstehe ich jedes Wort. Die Stimmen kommen sehr klar in mein Ohr - allerdings nur in mein rechtes. Egal was ich auch mache: die Lautsprecher in der linken Ohrmuschel weigern sich, die Sprache in der gleichen Lautstärke wiederzugeben. Musik oder auch Hintergrundgeräusche in Spielen werden jedoch vollkommen gleichmäßig wiedergegeben. Vermutlich ein Fehler von Skype in Zusammenhang mit dem USB-Headset. Vielleicht bessert Logitech hier noch am Treiber nach. Das wäre auch für die Hardware-Erkennung wünschenswert. Denn ab und zu wird das Headset beim Neustart ohne erneutes Einstecken nicht direkt erkannt. Das ist ärgerlich, weil dann auch die Tasten am Headset nicht funktionieren.

Zum Spieletest müssen Crysis und Left 4 Dead herhalten. Hier macht sich dann endlich die Surround-Unterstützung bemerkbar. Aktiviert wird die übrigens ganz bequem über einen kleinen Schieberegler an der linken Ohrmuschel. Dank virtuellem 7.1 Sound höre ich genau wo Gegner umherlaufen. In Crysis genieße ich zunächst mal das Rauschen der Wellen, das langsam leiser wird, als ich aus dem Wasser steige. Selbst mit geschlossenen Augen ist das Meer jederzeit ortbar. Klasse. Strategischen Vorteil bringt der Raumklang dann bei Gegnerkontakt. Ich höre von wo geschossen wird und wo mein Begleiter neben mir läuft. Online in Left 4 Dead begeistert neben der Klarheit des Klangs auch die hervorragende Ortbarkeit von zombiefizierten Gegnern.


Das behalte ich gleich an...

Auch nach einigen Stunden mit Sonaten und Symphonien von Beethoven, Skype-Gesprächen und Onlinespaß in Left 4 Dead: Meine Ohren werden nur handwarm, nichts drückt oder stört. Der Tragekomfort des G35 ist also ohne jeden Zweifel großartig. Kleine Abstriche gibt es bei den Tasten. Die sind außen an der linken Ohrmuschel angebracht, müssen aber immer ertastet werden. Zudem sind die mit G1 bis G3 beschrifteten Tasten relativ nutzlos. Unter Windows lassen sich damit zum Beispiel iTunes oder der Windows Media Player steuern. Verschiedene typische Aktionen und Programme sind im Konfigurationsfenster vom G35 auswählbar. Komplett eigene Aktionen sind allerdings nicht speicherbar. Richtig praktisch ist die Lautstärkeregelung über einen Drehregler. Rauf bedeutet lauter und beim Runterdrehen wird es logischerweise leiser. Eine Taste zum Stummschalten des Mikros liegt direkt daneben. Sehr praktisch: Wenn das Mikrofon ausgestellt wird, leuchtet an der Spitze des Mikrofonbügels eine rote LED. Wen das stört, der kann diese Funktion im Treiber auch abstellen. Ein weiteres sinnvolles Feature (was ich mir so für jedes Headset wünsche): Wenn der Mikrofonbügel hochgeklappt wird, schaltet das Mikro automatisch ab.

In den Bereich "ganz lustig aber braucht kein Mensch" fällt das Voice-Morphing. Hier kann ich auf Tastendruck (bzw. über Einstellungen im Treiber) meine Stimme verzerren lassen. Wer seine Freunde schon immer mal mit der Stimme eines Eichhörnchens anrufen wollte, hat also nun die Gelegenheit dazu. Sicher kein Kaufgrund aber ein lustiges Extra. Den sehr guten Gesamteindruck, den das G35 auf dem Kopf und in den Ohren hinterlässt, schmälert diese Funktion natürlich überhaupt nicht.



An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Logitech, die uns freundlicherweise ein Testmuster des G35 für diesen Bericht zur Verfügung gestellt haben.

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DerBene schreibt am 18. December 2010
Mit dem G35 hat Logitech wirklich ein sehr schönes Stück Zockerhardware im Angebot. Das Gaming Headset passt wunderbar auf jeden Kopf - und drückt auch nach stundenlangem Spielen oder Musikhören nicht. Während in Games und bei der Sprachübertragung überhaupt fast nichts bemängelt werden kann (hoffentlich arbeitet Logitech an dem Skype-Bug), ist der Klang bei Musik für echte Liebhaber sicher nicht das Optimum. Für ein Headset kann sich aber auch das Logitech G35 hören lassen. Apropos hören lassen - das kann sich in jedem Fall die saubere Sprachübertragung. Dank gerichtetem Mikrofon mit Rauschunterdrückung kommt auch wirklich nur das beim Gegenüber an, was ich ins Mikro spreche.

Das relativ starre Kabel braucht einige Wochen, bis die Faltspuren von der Lieferung langsam verschwinden, die Textilummantelung verspricht dafür aber eine große Stabilität. Das Headset wird direkt an einen freien USB 2.0 Anschluss des PCs angeschlossen. Dadurch ist es egal welche Soundkarte ihr euer Eigen nennt - das G35 bringt euch Musik, Filme und Spiele in simuliertem 7.1 Raumklang in die Ohren. Das klingt toll und ergibt in Spielen auch wirklich einen Sinn. Hier habt ihr durch die Ortbarkeit durchaus Vorteile.

Neben dem guten Klang lässt auch die tadellose Verarbeitung mit praktischer Lautstärkeregelung an der Ohrmuschel und der Stummschaltung des Mikrofons beim Hochklappen den relativ hohen Preis von rund 130€ (UVP) vergessen. Die Straßenpreise liegen bei etwa 100€. Und für diesen Preis ist das G35 von Logitech wirklich zu empfehlen.


Besonders gefallen hat mir ...
+ saubere Verarbeitung
+ guter Klang...
+ sehr saubere Sprachübertragung
+ 7.1 Surround
+ Tasten und Lautstärkeregelung direkt an der Ohrmuschel
+ langes Kabel mit Textilummantelung

Eher nicht so mein Fall ...
- geringer Lieferumfang
- ... für Audiophile dennoch nur eingeschränkt als Musik-Kopfhörer geeignet
- selten Treiberprobleme

Tags: g35, logitech, review  





3 Kommentar(e):
und folgendem User gefällt der Beitrag: Haschbeutel,

 





#1
Geschrieben am 18. December 2010 um 16:57 Uhr

Haschbeutel meint ...

Schöner Test, aber wie Caro werde ich vorerst weiterhin bei Sennheiser bleiben. Logitech ist für mich nach wie vor reine "Eingabe"hardware. Die Tastaturen sind spitze.

Was mich nämlich *persönlich* stört ist die Ummantelung des Kabels. Bei *früheren* Modellen hat sich das "Netz" immer an kleinen Kanten oder der Ecke vom Tisch verhakt und wurde dadurch beschädigt oder riss mir das Headset vom Kopp. Aber für 100€ kann man da sicher beherzt zugreifen. Durfte das 7.1 ja mal auf der gamescom aufsetzen. Das ist schon ... geil.   


          
 





#2
Geschrieben am 19. December 2010 um 17:01 Uhr

Tancred meint ...

Ach ja, das G35.
Einer aus Teamspeak hat das auch seit neuestem. Stimmerfassung und -klang ist sehr gut, über den Rest kann ich nix sagen. Was ich aber (leider) täglich erfahre ist, dass die Stimmverzerrungs-Funktion auch im Teamspeak optimal klappt.  


          
 





#3
Geschrieben am 19. December 2010 um 21:06 Uhr

DarkRaziel meint ...

Also ich nutze ein Headset nur auf der Konsole (Standart) doch am iMac nutze ich nur mein Teufel Kopfhörer und das eingebaute iMac Micro, weil oft Chaten tue ich nicht, weil ich eben mehr an der Konsole spiele als am PC oder eben am iMac.
Und zumal ich Skype kaum Nutzer drin habe um über Gott und die Welt zu reden.
Und auch ich bevorzuge von Logitech ehr Maus und Tastatur.


          



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