Genre:Action-Adventure  
Entwickler:Ganbarion  Publisher: Nintendo
Plattform(en):Wii

Release:13.04.2012

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Pandora's Tower - Review

Monster, Mythen & Magie - dreizehn Türme warten auf tapfere Helden

Geschrieben von Tim am 21. April 2012 um 20:18 Uhr


Die Release-Liste für die Wii ist leer, blitzblank, kahlgeleckt - außer zwei Ports ist nichts neues mehr angekündigt. Pandora's Tower ist das letzte gewesen. Und es ist ein Spiel, das man auf Wii bislang nicht gesehen hat, denn es weckt angenehme Erinnerungen an Titel wie Devil May Cry und lässt sich sogar ein wenig mit The Legend of Zelda: Twilight Princess assoziieren. Es ist ein Abenteuer, das eine berührende Geschichte von Liebe, Hass und Trauer erzählen möchte. Allerdings nahm Pandora's Tower bislang nur den Status eines Underdogs neben Xenoblade Chronicles und Sakaguchis The Last Story im berühmt-berüchtigten Japan-Trio ein. Die Zeichen standen also nicht gerade gut, dass das Action-Adventure Anklang in der westlichen Spielewelt findet. Und dann erschien es ja auch noch am 13. April - einem Freitag. Lohnt es sich also überhaupt, einen Blick auf das Spiel zu werfen, oder sollte man es lieber übergehen und sich wichtigeren Titeln zuwenden?

Auch wenn es viele Leute nicht glauben mögen: Pandora's Tower ist kein Rollenspiel. Es ist ein reinrassiges Action-Adventure mit ein paar RPG-Elementen im Gepäck und wurde nie von Nintendo als Rollenspiel bezeichnet. Ist das schlimm? Ich denke nicht, denn mit Xenoblade Chronicles und The Last Story haben wir in den letzten Monaten zwei wirklich tolle Rollenspiele serviert bekommen, die die Wii sowieso schon zur Pflichtkonsole für Fans von Japan-RPGs machen - dann kann mit Pandora's Tower ruhig noch etwas anderes zum Abschluss kommen. Und genau das ist auch der Fall. Etwas Devil May Cry, ein wenig The Legend of Zelda, eine Prise God of War, nachgewürzt wird mit Shadow of the Colossus & ICO - und es entsteht Pandora's Tower. Ein Spiel, das weder zum typischen Nintendo-Schema noch zu sonstigen Wii-Klischees passt. Das ist es auch, was den Titel irgendwie spannend macht, obwohl er eigentlich gar nichts Besonderes ist und auch spielerisch zwei Seiten zeigt.




Die Schöne ist das Biest und nur das Meisterfleisch kann sie vor dem Fluch retten ...

Worum geht es in Pandora's Tower eigentlich? Lange Zeit weiß man als Spieler so gut wie nichts. Man weiß nicht, wo man sich befindet, warum Aeron und Helena vor den Königswachen fliehen mussten, wer die geheimnisvolle Mawda ist und vor allem, warum die schöne Helena von diesem grässlichen Fluch befallen ist, der sie nach und nach zu einem ekelhaften Biest mutieren lässt. Pandora's Tower beginnt anders als so viele Spiele da draußen und wirft euch ins kalte Story-Wasser, anstatt von Anfang an den Stand der Dinge zu erklären. Dadurch verströmt es einen angenehmen Flair der Spiele von Team ICO, die ebenfalls mysteriös und irgendwie beängstigend wirken - und genau das ist eine der größten Stärken dieses Spiels. Die Geschichte ist melancholisch, berührend und fesselnd, obwohl sie eigentlich nur ganz selten wirklich zur Sprache gebracht wird. Und wenn das der Fall ist, dann versinkt das Spiel nicht in ellenlangen Dialogen oder Zwischensequenzen, sondern deutet die Dinge nur an, anstatt sie auf den Punkt zu bringen. Gerade die fremde Mawda, die mehr zu wissen scheint als Held Aeron und seine Geliebte Helena, macht einen befremdlichen und gruseligen Eindruck, indem sie Aeron Hinweise und Tipps gibt, ohne ihm jedoch wirklich zu erklären, warum er das tun soll. Kann man ihr wirklich vertrauen? Wer ist sie eigentlich? Erst später im Spiel- und Storyverlauf wird man über die Geschehnisse aufgeklärt, bevor letzten Endes sechs unterschiedliche Epiloge warten, die die Handlung beenden.

Moment - sechs verschiedene Epiloge? Das müsste doch bedeuten, dass man im Spiel auch Entscheidungen treffen und den Verlauf der Geschichte beeinflussen kann? Nun ja, so ganz stimmt das nicht. Pandora's Tower stellt euch nicht vor irgendwelche Entscheidungen, in denen es mehrere Auswahlmöglichkeiten gibt; vielmehr wird die Handlung dadurch geprägt, indem man die Beziehung zwischen Aeron und Helena vertieft - oder eben nicht. Vor und nach jedem Besuch in den 13 Türmen, in denen die legendären Meister warten, die es zu besiegen gilt, kann man sich mit der Geliebten unterhalten, ihr Geschenke machen und sie aufmuntern. Je nachdem, wie intensiv man sich mit ihr beschäftigt, ändert sich auch der Abspann des Spiels - eine nette Idee, um den Wiederspielwert zu erhöhen. Und es lohnt sich wirklich, sich um die arme Helena zu kümmern. Tut man es nämlich nicht, plagt den Spieler irgendwann ein schlechtes Gewissen, wenn sich das Mädchen in den Keller des Verstecks zurückzieht, weil sie sich für ihre Verwandlung schämt. Pandora's Tower ist natürlich keine Lebenssimulation á la Die Sims 3, aber es zieht den Spieler mit ins Geschehen hinein und lässt ihn eine Beziehung mit den Charakteren aufbauen. Lediglich Held Aeron lässt markante Charakterzüge und persönliche Eigenschaften vermissen und wirkt oft etwas neben der Sache - das ist schade.




God of Persia May Cry: Dreizehn Türme & Meister warten auf ihren Bezwinger.

Um die schöne Helena vor der Mutation zum ekelhaften Monster zu retten und ihr das Stigma am Rücken zu nehmen, welches für die ganze Misere verantwortlich ist, gibt es nur eine einzige Möglichkeit: Aeron muss die dreizehn Meister der Türme bezwingen, töten und Helena ihr Fleisch zum Essen bringen. Da sie allerdings Vegetarierin ist und religionsbedingt eigentlich kein Fleisch zu sich nehmen darf, wird das Festmahl zur Qual - und hier scheut sich Pandora's Tower nicht davor, dies in entsprechenden Zwischensequenzen zur Schau zu legen. Natürlich kann man ihr auch einfach das Fleisch der normalen Standardmonster aus den Türmen bringen, aber das hält den Fluch nicht auf, sondern verzögert die Verwandlung lediglich. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als sämtliche dreizehn Türme zu erklimmen, die - ähnlich wie in Shadow of the Colossus - friedlichen Bossmonster zu besiegen und das Fleisch mit nach Hause zu nehmen. Während der Aufenthalte in den Türmen tickt jedoch konsequent die Zeit, denn sobald Helenas Mutation zu weit fortgeschritten ist, lässt sich der Fluch nicht mehr rückgängig machen - dies wird durch einen Kreis am unteren linken Eck des Bildschirms angezeigt, welcher sich ständig leert. Ist es schon fast zu spät, muss man schleunigst aufbrechen und Helena normales Fleisch als Snack anbieten, damit man schließlich im zweiten Anlauf genügend Zeit zur Verfügung stehen hat.

Die Türme erinnern dabei an die Dungeons aus einem The Legend of Zelda oder auch Darksiders, da es dort sowohl eine Menge Kämpfe als auch Puzzles zu meistern gilt - eine Oberwelt gibt es jedoch, anders als in Links Abenteuern, nicht. Das ganze Abenteuer findet entweder im Observatorium, dem Versteck der drei, oder in den Türmen statt, auch wenn das eigentliche Königreich, in dem Pandora's Tower spielt, wesentlich größer ist. Die dreizehn Türme haben jeweils ihre Eigenarten: Der erste ist von grünen Pflanzen durchwuchert, der zweite erinnert an eine verlassene Mine, ein anderer wiederum an einen Vulkan - thematisch unterscheiden sich die Dungeons stark voneinander. Spielerisch erwartet einen jedoch im Kern immer die gleiche Mischung aus actionlastigen Kämpfen in Echtzeit, ein wenig Akrobatik und Herumgekraxle, zumeist sehr einfachen Rätseln und Erkundung. Das Highlight eines jeden Turms sind natürlich die Meister, die es in einem coolen Kampf zu bezwingen gilt, wobei hier wie auch in den Dungeons selbst die Allzweck-Orakloskette das A und O ist. Damit lässt sich das Fleisch aus Gegnern entreißen, damit werden Combos abgespielt, damit kann man entfernte Objekte greifen und sich an Haken entlangschwingen - das Ding ist vielseitig und verdammt wichtig für das Gameplay. Per Tastendruck kann man auch heranzoomen, damit man mit dem Pointer kleine Gegenstände erwischt.




Viel drin, wenig dran: 20-25 Stunden Spielzeit sind schön, aber wo ist die Vielfalt?

Das Problem am Gameplay von Pandora's Tower ist nicht etwa die Spielmechanik - diese geht nämlich prima auf, sehr gut von der Hand und profitiert vom gelungenen Einsatz des Pointers, der als Angelpunkt für die Orakloskette fungiert. Auch die normalen Kämpfe sind dank einer zufriedenstellenden Anzahl an Möglichkeiten gut, die Rätsel sorgen für Auflockerung, die versteckten Schätze und Geheimnisse für Erkundungsreize in den Dungeons. Der Haken liegt in der mangelnden Abwechslung begründet, denn irgendwann will die Mischung aus Kämpfen, Rätseln und Klettern nicht mehr zünden, weil man sich innerhalb der fast 30-stündigen Spielzeit satt daran gesehen hat. Lediglich die Bosskämpfe stechen dann noch als aufregende Highlights hervor, während die eigentlichen Dungeons an Anzieungskraft verloren haben. Natürlich wird man auch dann noch gut unterhalten und ich hatte durchweg meinen Spaß mit Pandora's Tower, empfand die Spielzeit aber in Relation zum Abwechslungsreichtum als zu lang. Was ebenfalls für Ernüchterung sorgt, ist die statische Kamera, die oftmals zu nah oder zu fern liegt, anstatt das Geschehen präzise zu fixieren. Leider ziehen diese Schwächen im Gameplay den eigentlich guten Eindruck des Action-Adventures herunter - mit einem Zelda kann Pandora's Tower so niemals konkurrieren, obwohl definitiv gute Ansätze vorhanden sind.

Neben diesen ganzen Elementen eines klassischen Action-Adventures hat das Spiel aber auch noch ein paar Rollenspiel-Anteile im Gepäck. So steigt Held Aeron mit zunehmender Spielzeit im Level auf, wodurch sich seine Attribute verbessern. Wer mag, kann mit gesammelten Gegenständen auch Waffen und Ausrüstung optimieren und sich neue Objekte schmieden. Letztlich sind diese RPG-Aspekte aber nur feine Zusätze, die das Spiel weder schlechter noch besser machen. Technisch dagegen lässt der Titel häufig zu wünschen übrig, denn obwohl das Artwork und die Präsentation durchaus eine melancholische und packende Atmosphäre erzeugen, fehlt die Eleganz im Detail. Gerade beim Heranzoomen sehen die Texturen teilweise dermaßen schwammig und unsauber aus, dass man sich an längst vergangene Konsolengenerationen erinnert - das ist blöd, hier hätte man nachbessern müssen. Im Gesamtpaket sieht Pandora's Tower dennoch solide aus und gerade die Cinematic-Zwischensequenzen sind von ausgezeichneter Qualität. Was ebenfalls den richtigen Nerv trifft, ist der Soundtrack, der zwar nicht auf einer Höhe mit dem von Xenoblade Chronicles oder The Last Story mitspielen kann, aber dafür das Geschehen stimmungsvoll untermalt. Achja: Die englische Sprachausgabe ist wieder sehr gut gelungen!




Wie auch die anderen beiden Spiele des Japan-Trios, die Nintendo viele Monate nach ihrem Release im fernen Osten hierzulande veröffentlicht hat, ist auch Pandora's Tower sowohl in der typischen Standardfassung als auch einer Limited Edition erhältlich. Die Extras in der Spezialversion belaufen sich dabei auf ein Artbook und eine schicke Steelbook-Hülle - insgesamt aber nichts, was Nicht-Nintendo-Fans unbedingt brauchen. Ob euch der Aufpreis von knapp 10€ das wert ist, liegt bei euch :-)







Tim schrieb am 21. April 2012
Im Vergleich mit Xenoblade Chronicles und The Last Story zieht Pandora's Tower als der dritte Titel im Japan-Trio eindeutig den Kürzeren. Auch wenn man die Spiele natürlich nicht direkt miteinander vergleichen kann, haben mich die ersten beiden länger und auf höherem Niveau unterhalten - Pandora's Tower fällt dagegen also etwas ab. Doch das soll nicht bedeuten, dass es sich hier um ein schlechtes Spiel handelt. Ganz im Gegenteil: Gerade durch die geheimnisvolle Story, das exotische Thema und die Spielmechanik zwischen The Legend of Zelda und Devil May Cry ist der Titel etwas Besonderes, zu dem man auf Wii ohnehin keine Alternative findet. Allerdings kann Pandora's Tower weder mit Link noch mit Dante mithalten, wenn es um Anspruch, Unterhaltungswert und Spielbarkeit geht, da zu viele Stolpersteinchen wie die Kamera oder die mangelnde Abwechslung den Gesamteindruck trüben. Immerhin zieht sich das epische Abenteuer über satte 25 Stunden, was für ein Spiel dieses Genres nicht üblich ist. Also: Wer seine Wii nicht schon in den wohlverdienten Ruheschlaf geschickt hat und Interesse an einem actionreichen Erlebnis hat, das ganz und gar nicht zum typisch bunten Nintendo-Schema passt, darf durchaus mal einen Blick auf Pandora's Tower riskieren.

Mit seiner geheimnisvollen Geschichte und der extraordinären Thematik ist dieses Abenteuer zwar interessant, spielerisch und technisch jedoch kann es nicht ganz überzeugen. Übrig bleibt ein ungeschliffener Rohdiamant, der aus Nintendos üblichen Produktionen heraussticht. Für manche ein Geheimtipp, für andere eine Enttäuschung.


Besonders gut finde ich ...
  • geheimnisvolle, emotionale Story
  • Beziehung mit Helena vertiefen
  • 13 verschiedene Türme und Bosse
  • Gameplay zwischen Zelda & Dante
  • hervorragender Pointer-Einsatz
  • atmosphärische Musikuntermalung
  • sechs unterschiedliche Epiloge


Nicht so optimal ...
  • z.T. unsaubere, hässliche Texturen
  • Kameraführung häufig mit Problemen
  • auf Dauer zu wenig Abwechslung
  • es fehlt irgendwie das "Besondere"

 Testsystem:  Wii
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