Genre:Third-Person-Action  
Entwickler:Grasshopper Manufacture 
Publisher:Warner Bros. Interactive
Plattform(en):PS3, Xbox360

Release:15.06.2012

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Lollipop Chainsaw - Review

Willkommen in der Highschool of the Dead - Titten, Blut & Zombies!

Geschrieben von Tim am 20. Juni 2012 um 19:15 Uhr


Wenn ein Spiel von Grasshopper Manufacture (mit-)entwickelt wird, dann ist es im Regelfall alles andere als normal. No More Heroes gehört zu den interessantesten Actionspielen auf Wii, Shadows of the Damned ist mir heute noch in ausgezeichneter Erinnerung - und das nicht etwa, weil es spielerisch neue Maßstäbe setzte, sondern weil es einfach Style hatte. Ganz ehrlich: Ich steh auf solchen abgedrehten Scheiß. Damit war für mich bereits zur Ankündigung klar: Lollipop Chainsaw muss mir ins Haus kommen! Ein knapp bekleidetes Cheerleader-Girl mit großen Brüsten räumt in ihrer zombie-verseuchten Highschool auf - so etwas kann doch nicht schlecht sein! Tatsächlich ist schlecht im Falle von Juliets Abenteuer der falsche Ausdruck. Passender wäre ... enttäuschend?

Happy Birthday, Juliet! Extra für deinen Geburtstag haben sich die Entwickler von Grasshopper Manufacture und Kadokawa Games etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Deine Highschool wird plötzlich von Zombies überrannt, sämtliche Freunde werden infiziert und ein wahnsinniger Gothic-Freak setzt fünf Vorboten der Finsternis in die ehemals heile Welt! Als kostenloser Bonus winkt dir noch das einzigartige Erlebnis, deinem Partner Nick den Kopf abtrennen zu dürfen - cool, oder? Damit bist du das einzige Mädchen auf der ganzen weiten Welt, die einen abgeschnittenen Kopf als Freund hat! Ihr werdet es schon gemerkt haben: Lollipop Chainsaw nimmt sich keineswegs ernst und fällt damit ganz in das Schema früherer Suda51-Produktionen. Am ehesten erinnert es dabei noch an No More Heroes, allerdings sind hier und da auch Anleihen an Shadows of the Damned nicht zu übersehen. Leider schafft es das Spiel aber zu keiner Zeit, ähnlich zu begeistern wie die beiden Vorbilder, weder spielerisch noch inszenatorisch. Und das ist sehr schade. Warum das so ist? Das erklären die folgenden Absätze.




What the dick? Schon wieder Zombies? Reicht es nicht langsam mal? Ist ja ätzend!

Wer schon einmal Spiele von Suda51 (Creative Director & Producer) gezockt hat, der weiß, was man von ihnen erwarten kann: eine aberwitzige und völlig abgefuckte Handlung und Präsentation, die man sonst in dieser Form in kaum einem anderen Spiel finden kann. Und Lollipop Chainsaw beginnt vielversprechend! An ihrem 18. Geburtstag wacht Heldin und Zombiejägerin Juliet Starling in ihrem Bett auf und erzählt dem Spieler von ihrer bisher wenig ergiebigen Karriere als Cheerleader. Ein wenig Blabla später blickt sie auf die Uhr, erkennt, dass sie viel zu spät dran ist, und schon macht sich das attraktive Mädchen mit dem Rad auf den Weg in die Schule, um sich dort mit Freund Nick zu treffen, der übrigens von Michael Rosenbaum (Lionel Luther aus Smallville) synchronisiert wurde. Doch oh Schreck, fast alle Mitschüler und Lehrer sind zu Zombies mutiert und in der Highschool herrscht das blanke Chaos! Für Juliet kein Problem, schließlich ist sie gelernte Zombiejägerin - schon mit sechs Monaten hat sie ihren ersten Untoten getötet, das Werkzeug war eine geschärfte Rassel. Also: Kettensäge ausgepackt, coole Sprüche gerissen und los geht die Monster-Metzelei, die trotz der Freigabe ab 16 recht brutal ausfällt.

Es dauerte nicht lange, bis ich mit dem gelungenen Kampfsystem warm geworden bin. Eine Taste dient dem hohen Angriff mit der Kettensäge, eine dem tiefen, eine der Puschel-Attacke, eine dem Springen bzw. Ausweichen - das war es auch schon. Die verschiedenen Angriffe kann man selbstverständlich miteinander kombinieren und so brachiale Schadensketten entfesseln, ein echtes Combo-System gibt es allerdings nicht - das ist schade, denn so verkommen die Kämpfe auf Dauer zur Routine. Zwar gibt es als Ersatz einen Punktezähler am oberen rechten Bildschirm, jedoch ist das System wenig transparent und mir ist bis heute nicht zu 100% klar, wie die Punkte eigentlich vergeben werden. Bekannt ist mir nur, dass es Bonus-Punkte gibt, wenn man drei oder mehr Untote auf einmal enthauptet, ansonsten bin ich leider genauso schlau wie vor dem Spiel. Ich hätte ja gerne im Handbuch einmal nachgeschlagen und mich informiert, aber im Jahre 2012 scheint es nicht mehr obligatorisch zu sein, eines beizulegen - Lollipop Chainsaw jedenfalls fehlt es. Okay, dafür machen die Kämpfe die meiste Zeit über Spaß, werden aber vor allem in den letzten beiden Kapiteln überstrapaziert. Ein Devil May Cry oder Bayonetta solltet ihr also auf jeden Fall nicht erwarten, denn im Vergleich zu den beiden Genre-Referenzen sieht Lollipop Chainsaw über weite Strecken ziemlich blass aus - vor allem grafisch, abseits von sexy Juliet ...




Shoppen, Zocken, Schießen, Schnetzeln. Der harte Alltag eines Zombiejägers.

In den insgesamt lediglich sechs Kapiteln des rund 6- bis 7-stündigen Abenteuers stößt Juliet immer wieder auf Automaten der Handelskette Chop2Shop.zom - dort kann man dann erhaltene Zombie-Medaillen gegen neue Angriffsketten, Fähigkeiten-Upgrades, Musikstücke, Konzeptzeichnungen und Outfits eintauschen (ja, darunter befindet sich auch ein Bikini). Allerdings lohnt es sich nicht wirklich, das Geld in neue Attacken investieren, da man bereits mit dem Standard-Repertoire und ein, zwei neuen Angriffen locker auskommt, ohne große Probleme zu bekommen - außerdem kann man nach einer Weile auch shooter-like mit dem Chainsaw Blaster Projektile verschießen und Nicks Kopf, den man ständig bei sich trägt, als Allzweckwaffe missbrauchen. Dadurch wird das Kampfsystem zwar abwechslungsreicher, jedoch ist es nur selten nötig, die vielen verschiedenen Möglichkeiten auszuschöpfen. Generell ist das Spiel sowohl auf dem normalen als auch dem schweren Schwierigkeitsgrad in meinen Augen viel zu einfach, die eigentliche Herausforderung findet man erst bei der Punktejagd oder im "sehr schweren" Spielmodus, den man nach dem ersten Durchgang freischaltet. Dazu kommt, dass man somit bereits nach sechs bis sieben Stunden den Abspann sieht. Der Wiederspielwert hält sich leider auch eher in Grenzen, da es keine zusätzlichen Spielmodi außer der Story gibt - man kann sämtliche Levels lediglich noch einmal im Ranglistenmodus durchspielen, der Inhalt bleibt aber der gleiche. Für 50€ etwas mager.

Zurück zur Story: Nachdem Juliet mit ihrem ständigen Begleiter Nick, nachdem sie seinen Kopf vom Körper abgetrennt hatte, in den ersten zwei Kapiteln ordentlich Zombies abgeschlachtet hat, taucht auch plötzlich der Verantwortliche für die Katastrophe auf: irgendein durchgeknallter Gothic-Freak, der fünf Vorboten der Finsternis in die Welt gerufen und darüber hinaus auch noch das Zombie-Virus freigesetzt hat. Der Kerl ist als Charakter absolut uninteressant und fällt damit aus dem Schema bisheriger Grasshopper-Spiele - schade, aber dafür entschädigen die charismatischen Vorboten, die gleichzeitig auch die fünf Bossgegner im Spiel darstellen. Jeder von ihnen repräsentiert und parodiert eine bestimmte Musikrichtung, die Bosskämpfe selbst sind aber zum größten Teil relativ unspektakulär und nicht besonders anspruchsvoll. Wie immer bei Suda51-Spielen soll nicht das Gameplay, sondern die Präsentation der eigentliche Star des Spiels sein; bei Lollipop Chainsaw tue ich mich aber sehr schwer daran, die Inszenierung wirklich zu loben. Es fehlt für mich das Besondere von Garcia Hotspurs Höllentrip und das Satirische von Travis Touchdowns Bosskampf-Marathon - damit scheitert Lollipop Chainsaw ausgerechnet auf der Ebene, die sein größter Pluspunkt sein sollte. Immerhin ist Juliet als Heldin erinnerungswürdig und auf ihre eigene Art und Weise sympathisch, auch abseits der optischen Reize. Ihr Sidekick Nick ist ganz in Ordnung, aber nicht so cool drauf wie Johnson in SotD.




Der Rest vom Schnetzelfest: Technik, Soundtrack, USK & Gameplay-Monotonie

Wie bereits gesagt ist das Spiel mit sechs bis sieben Stunden für den ersten Durchlauf alles andere als umfangreich, zumal zusätzliche Spielmodi fehlen, die den Wiederspielwert erhöhen könnten. Es kommt aber noch schlimmer, denn ich empfand Lollipop Chainsaw bereits bei dieser kurzen Spielzeit als monton und abwechslungsarm. Man merkt, dass Gameplay-Abschnitte wie Zombie-Mähdreschen oder Retro-Minispiele beim Casino-Automaten den Spielverlauf auflockern sollen, aber dennoch liegt der Fokus viel zu sehr auf den monotonen Kämpfen. Versteht mich nicht falsch, das Spiel macht durchaus über seine gesamte Dauer Spaß, aber der Funke wollte gegen Ende einfach nicht mehr überspringen. Auch technisch bin ich alles andere als euphorisch: Die Unreal Engine sorgt zwar für ein solides Bild und die Kamerafahrten bringen Juliets Körper verführerisch schön zum Ausdruck, aber wirklich zeitgemäß wirkt das Geschehen auf dem Bildschirm nicht. Besser macht es da der Soundtrack, der sowohl aus lizenzierten als auch neu komponierten Stücken besteht und durchweg überzeugen kann. Zu guter Letzt noch ein paar Worte zur USK-Freigabe ab 16 Jahren: Keine Ahnung, was die Organisation da geritten hat, aber der Splatter- und Gewalt-Anteil ist trotz der abgedrehten Inszenierung ziemlich hoch und rechtfertigt eigentlich eher eine Freigabe ab 18. Immerhin ist das Ganze ungeschnitten, sodass man nicht importieren muss. Angesichts des schon jetzt fallenden Preises aber auch keine schlechte Idee ...

PS: Ihr habt ein Problem mit Quick-Time-Events und Buttonmashing? Wenn ja, dann könnt ihr gleich die Finger von Juliet Lollipop Chainsaw lassen. Das Spiel watscht euch die Reaktionstests nämlich knallhart um die Ohren. Ein kleines Beispiel: Jedes Mal, nachdem ihr von einem Gegner getroffen wurdet, dürft ihr auf die B-Taste hämmern, um wieder aufzustehen. Grauenhaft, ich sage es euch. Grauenhaft.







Tim schrieb am 20. Juni 2012
Lollipop Chainsaw ist weder spielerisch so ausgereift wie ein Devil May Cry noch inszenatorisch ansatzweise so außergewöhnlich wie ein Shadows of the Damned. Das Spiel verschenkt an allen Ecken und Enden tonnenweise Potential, seien es nun die simplen und unspektakulären Bosskämpfe, die unbefriedigende Story, die auf Dauer eintönigen und wenig tiefgründigen Kämpfe oder einfach nur die kurze Spielzeit. Das Highlight von Lollipop Chainsaw ist definitiv seine sexy Heldin, während das Gameplay etwas auf der Strecke bleibt. Und man kann kaum übersehen, dass das Spiel eben genau mit diesem Aspekt punkten will: Nahezu jede Kameraeinstellung ist verführerisch auf Juliets Brüste oder ihr Hinterteil gerichtet und wenn man selbst versucht, einen Blick unter ihren knappen Rock zu werfen, verdeckt sie ihre Geheimnisse mit der Hand - das ist zugegebenermaßen ziemlich cool gemacht, entschädigt aber nicht für die spielerischen und auch technischen Probleme. Ich würde Lollipop Chainsaw gerne weiterempfehlen, da es durchaus seine Stärken hat und in der Masse an stumpfen Shootern und langweiligen 08/15-Actionspielen stark heraussticht - aber letzten Endes bietet es einfach zu wenig für sein Geld. Wer nach Shadows of the Damned wieder Lust auf ein abgedrehtes und ungewöhnliches Videospiel-Erlebnis hat, darf einen Blick riskieren, sollte sich aber zwei Mal überlegen, ob das Spiel wirklich den Vollpreis wert ist - ich denke nicht.

Lollipop Chainsaw will etwas Außergewöhnliches sein, driftet aber spielerisch viel zu oft in Durchschnittsregionen ab und kann inszenatorisch nicht mit früheren Grasshopper-Titeln mithalten. Das Highlight ist seine sexy Heldin, abgesehen davon hat es aber nicht viel zu bieten. Schade, denn Potential ist definitiv vorhanden, blitzt aber zu selten auf.


Besonders gut finde ich ...
  • sehr attraktive, freizügige Heldin Juliet
  • meist gelungene Charakterzeichnungen
  • inszenatorisch mit einigen Stärken
  • ganz unterhaltsames Kampfsystem, ...
  • vielseitiger, guter Soundtrack


Nicht so optimal ...
  • auf Dauer viel zu wenig Abwechslung
  • enttäuschende, einfache Bosskämpfe
  • zumeist langweiliges Leveldesign
  • ... dem es stark an Tiefe mangelt
  • Quick-Time-Events & Buttonmashing
  • Spielzeit mit 6-7 Stunden kurz

 Testsystem:  Xbox360
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Bart Wux schrieb am 18. Juni 2012
Gib mir was zum Lutschen

Lollipop Chainsaw ist ein klassisches GuiltyPleasure. Das ganze SetUp ist absolut Banane, was beim Entwickler freilich nicht wundert und man im Gegenteil erwartet. Umso schwerer wirkt, wie unglaublich plump das Spiel im Umgang mit seinem sexuellen Thema umgeht. Wenn eine Gruppe notgeiler Vierzehnjähriger, die einen Busen nicht vom Ellbogen unterschieden können, derartiges entwerfen, dann mag man das mit Unreife verzeihen und auf Besserung hoffen. Wenn das Ganze von einem 44jährigen Mann kommt, darf man den Geisteszustand schon mal anzweifeln, zumal wenn man den stetigen Abgang von No More Heroes über Shadows of the Damned zu Lollipop Chainsaw sieht. Mittlerweile pfeift man komplett auf Anspielungen und Subtilität. Hier, da hasse Titten! Komm ich jetzt im Fernsehen?

Abgesehen davon stellt sich Lollipop Chainsaw selbst ein Bein. Es versteckt die besten Moves hinter teuren Upgrades, verliert sich zu oft in Minispielen und präsentiert sich technisch in Teilen geradezu desolat. Nimm dazu eine Kamera direkt aus der Hölle und eine Zombieapokalypse ist euer kleinstes Übel. Lollipop Chainsaw ist nicht gänzlich ohne Charme und auch das Gameplay ist nicht völlig frei von Spaß. Gerade jetzt im Sommer, wo wenig hochkarätige Spiele veröffentlicht werden, ist es einen zweiten Blick wert. In Zeiten ewig gleicher Abziehbilder von drei oder vier Genres (MilitärFPS, Gears of War Klon, DarkFantasyRPG) ist ein Lollipop Chainsaw allein auf Grund von Thematik und Präsentation etwas Besonderes. Deshalb ist es umso bedauerlicher, dass es das Schicksal aller Grasshopper Spiele teilt. Es ist außergewöhnlich, aber es ist eben auch nicht besonders gut.



Besonders gut finde ich ...
  • Cooles SetUp
  • Mit freigespielten Moves sehr spaßig
  • viel zum Freischalten
  • teils recht gutes Voiceacting

Nicht so optimal ...
  • unendlich peinlich und beschämend
  • grauenhafte Kamera
  • technisch mehr als veraltet
  • grundlegende Kombos müssen teuer erkauft werden

 Testsystem:  Xbox360
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