Resident Evil 0 HD - Review 5

Dass sich die momentane Welle der Neuauflagen für die Publisher mehr als nur rechnet und frisches Geld in die Kassen spült, dürfte selbst dem letzten Gamer klar geworden sein. Ganz vorn dabei ist hier selbstverständlich Capcom, die nach dem Remaster des Remakes des Serienerstlings im letzten Jahr nun das Prequel dazu auf die aktuelle Konsolengeneration portiert haben. Als Resident-Evil-Veteran erster Stunde, habe ich Resident Evil: Zero natürlich mit großer Vorfreude erwartet. Doch schon nach wenigen Stunden Spielzeit verflog diese und Ernüchterung machte sich breit. Weshalb das Spielkonzept heute nicht mehr ganz so gut funktioniert wie noch vor 13 Jahren und wer überhaupt hinter dem Ausbruch des Virus steckt, der für alles Übel sorgt, erfahrt ihr in der Review zum Remaster.

Schaut man sich die Entwicklungsgeschichte von Resident Evil: Zero genauer an, stellt man fest, dass der Titel erstmals schon im Jahre 2000 auf der Tokyo Game Show als spielbare Demo zur Verfügung gestellt wurde. Sicher fragt ihr euch nun wie das sein kann, da der GameCube zu dieser Zeit noch gar nicht erschienen war: Capcom plante das Prequel damals für den altehrwührdigen Nintendo 64 zu veröffentlichen - so hätte das Ganze ausgesehen. Fast 20 Prozent des Spiels seien fertiggestellt worden, bevor man sich aufgrund von Speicherplatzproblemen auf der Cartridge dazu entschied, den Titel später exklusiv für den GameCube zu veröffentlichen. Dahingehend mussten die Entwickler selbstverständlich alle Räume sowie Charaktere und Bewegungsabläufe neu erstellen. Treu ist man sich hingegen dem Szenario und der Geschichte geblieben, welche Licht in das Dunkle rund um die Entwicklung des teuflischen T-Virus bringen soll.


Resident Evil 0 HD
In prekären Situationen unterstützt Billy Rebecca mit Waffengewalt.


Zurück in den Arklay Mountains



Denn: In den umliegenden Gegenden von Raccoon City kommt es zu mysteriösen Mordfällen mit kannibalistischen Motiven. Ohne ersichtlichen Grund werden Passanten angegriffen und deren leblose, teils aufgefressene Körper zurückgelassen. Spuren zu den Mordfällen lassen sich ebenso wenig finden wie die Täter, die für die Gräueltaten verantwortlich sein könnten. Unsicherheit in der Bevölkerung macht sich breit, weshalb die Verantwortlichen der Polizei entscheiden, ein Spezial-Kommando in die umliegenden Wälder von Raccoon City zu entsenden, um den Hintergründen der Morde auf die Spur zu kommen. Fast schon typisch für die Resident-Evil-Serie gibt der Motor des Helikopters, mit welchem das S.T.A.R.S-Team in die Wälder gereist ist, den Geist auf. Nach einer kurzen Lagebesprechung trifft das Team auf einen verunglückten Gefängnistransporter, aus welchem der später gesuchte Billy Coen geflüchtet ist. Mit dem Verdacht auf 23 begangene Morde im Rücken gilt es nun, als höchste Priorität den Massenmörder zu fassen und schnellstmöglich wieder hinter Gittern zu bringen. In der Rolle der noch jungen Rekrutin Rebecca Chambers ist es zunächst meine Aufgabe, den stillstehenden Zug in der Nähe des verunglückten Transporters näher unter die Lupe zu nehmen.


"Wir wünschen eine angenehme Reise"



Aufgrund ihres Alters ist Rebecca selbsterklärend nicht kampferprobt und sehr naiv. Ohne große Umschweife untersucht sie daher den Zug und trifft schon auf die ersten Untoten, welche sich Resi-typisch mit den verschiedensten Waffen erlegen lassen. Dabei spielt auch in diesem Ableger wieder das sehr begrenzte Inventar eine große Rolle. Gerade einmal sechs Gegenstände lassen sich gleichzeitig tragen. Besonders tricky wird es dann, wenn manche Waffen wie beispielsweise die Schrotflinte direkt zwei Slots belegen. Ferner kann die dazugehörige Munition schnell für Platzmangel sorgen. Anders als in den Ablegern zuvor hat man aber immerhin die Möglichkeit, seine gegenwärtig getragenen Gegenstände an Ort und Stelle abzulegen. Die Truhen, welche im ersten Ableger eine existenzielle Rolle gespielt haben, sind somit unnötig und komplett aus dem Spiel verbannt worden. Abgelegte Gegenstände werden zum Glück auf der Karte markiert, sodass mit ein wenig Nachdenken das soeben gefundene Puzzlestück für das kommende Rätsel schnurstracks wieder aufgespürt werden kann. Um das Abenteuer nicht wie gewohnt allein zu bestreiten, setzte Capcom darauf den zweiten Charakter frei steuern zu können – und damit neue Maßstabe. Dabei kann ich per Knopfdruck jederzeit zwischen den beiden Protagonisten hin und her schalten und sogar Gegenstände untereinander austauschen. Somit werden aus den je sechs Inventarplätzen schon insgesamt zwölf, was nichts daran ändert, dass die Plätze für die enorm vielen Sammelgegenstände extrem begrenzt sind.


Resident Evil 0 HD
Serientypisch sind alle Hintergründe vorgerendert und sind auch heute noch nett anzuschauen.


Koop im Anfangsstadium



Das Buddy-System, welches in Resident Evil: Zero als die größte Neuerung galt, ermöglicht bisher nicht dagewesene Rätseleinlagen. So muss ich nach dem ersten Aufeinandertreffen von Billy und Rebecca den Strom im Zug wiederherstellen. Während beide auf das Zugdach klettern - wohlgemerkt bei voller Fahrt - um die Sicherung wieder einzusetzen, stürzt Rebecca durch ein Loch im Zugdach eine Etage tiefer und kann sich selbst aufgrund einer abgeschlossenen Tür nicht mehr befreien. Zeit für Billy, sich um die soeben hinzu gewonnene Verbündete zu kümmern und einen Eispickel in dem recht kleinen Zug zu finden. Diesen schicke ich dann mit Billy über einen kleinen Aufzug hinauf zu Rebecca, die nun die verschlossene Tür mit dem Gegenstand wieder öffnen kann. Dieses System erstreckt sich über das gesamte Spiel, weshalb man immer wieder dazu aufgefordert wird, die Charaktere zu wechseln. Darüber hinaus verfügen beide Protagonisten über verschiedene Fähigkeiten: Billy kann zum Beispiel schwere Gegenstände aus dem Weg räumen oder verschieben, während Rebecca hervorragend mit Chemikalien umgehen kann und so beispielsweise einen Raum gefüllt mit tödlichem Gas neutralisieren kann.

Die zahlreichen Bosskämpfe hingegen muss immer ein Charakter allein bestreiten. Leider kann man sich hier nicht immer zwischen einen von beiden entscheiden, weshalb man ggf. schlecht ausgerüstet in den Kampf ziehen muss. Hier beginnt der Punkt, an welchem Resident Evil: Zero unfair wird. Den einfacheren Schwierigkeitsgrad außer Acht gelassen, erfordert das Spiel eine enorme Konzentration und lässt mich dennoch immer wieder völlig überraschend ins offene Messer laufen. Da weiterhin nur an fest installierten Schreibmaschinen mit dem jeweiligen Farbband gespeichert werden kann, sind Frustmomente garantiert. Jeder noch so kleine Gegner kann einem gefährlich werden und mich ggf. sogar per One-Hit ins Jenseits befördern. Der bis dahin erspielte Fortschritt ist dann selbsterklärend verloren. In der Kombination mit dem ohnehin sehr begrenzten Inventar habe selbst ich als Resi-Kenner Probleme bekommen, die Story bis zum Ende zu spielen. Immer wieder musste ich das Leben meiner Protagonisten aus der Hand geben, ohne wirklichen Einfluss darauf haben zu können.


Resident Evil 0 HD
Der neue Wesker-Modus lässt euch die Geschichte aus der Sicht des Bösewicht neu erleben.


Wer war William Birkin?



Letzteres habe ich der teils noch immer recht hakeligen Steuerung zu verdanken. Obwohl Capcom die Steuerung wie schon im Remake des ersten Teils überarbeitet hat, bleibe ich öfter an Kanten hängen oder laufe unabsichtlich blindlings in den nächsten Gegner. Die modrigen blutrünstigen Zombies danken natürlich für die warme Mahlzeit. Ebenso ist es extrem schwierig, verschiedene Gegenstände vom Boden aufzuheben. Zwar blinken serientypisch allerlei Gegenstände auf, dennoch nimmt der Charakter sie einfach nicht auf. Oftmals gelingt die Aufnahme erst nach mehrmaligen Herumfuchteln. Das stört und hemmt den Spielfluss ebenso wie der Charakterwechsel, welcher in der heutigen Zeit durchaus flüssiger und ohne nervige Überblendungssequenz vonstattengehen könnte.

Immerhin ist die Atmosphäre des Gruselabenteuers gelungen und wird von einem ordentlichen Soundtrack begleitet, wenngleich dieser nicht an die Klasse aus dem Serienerstling heranreicht. Die Story wird weitestgehend in CGI-Sequenzen erzählt, bei denen Capcom es leider verpennt hat, diese an die heutigen Standards anzupassen. Die damals zwar nett aussehenden Sequenzen sehen heute leider sehr unscharf und reißen mich als Spieler immer wieder aus der Geschichte heraus. Letztere tröpfelt im Übrigen die meiste Zeit ohne größere Höhepunkte vor sich hin. Immerhin gibt es neue Gegnertypen, die die durchgeführten Experimente in der Forschungsanlage noch einmal glaubwürdiger erscheinen lassen. Experimente an Affen und an den bereits bekannten Hunden, welche mich immer wieder angreifen, sorgen für eine größere Gegnervielfalt und für Abwechslung während des rund achtstündigen Abenteuers. Für das Remaster hat Capcom außerdem noch einen sogenannten Wesker-Modus implementiert, der im Grunde nichts anderes ermöglicht als anstatt mit Billy mit Wesker das Hauptspiel zu bestreiten. Dieser verfügt dabei über ausgeprägte Nahkampfattacken, die man bereits aus dem fünften Ableger der Serie kennt.

Resident Evil: Zero sowie das Remaster des ersten Teils sind im Übrigen als Resident Evil: Origins Collection im Handel erhältlich. Letzteres durfte ich schon im letzten Jahr für euch antesten und verweise daher auf die bereits vorhandene Review zum ersten Teil des Resident Evil-Universums.



Predator

Fazit von Predator:

Das Prequel zum ersten Teil erweist sich mir als Fan der Serie als schwächerer Ableger, weshalb ich es heute nicht mehr bereue, dass ich damals nicht schon zur GameCube-Version gegriffen habe. Im Gesamten bietet Resident Evil: Zero mehr von Bekanntem und versucht die Hintergründe der Umbrella-Corporation näher zu beleuchten. Dennoch wirkt die Story äußerst aufgesetzt und die damals neu ins Spiel gebrachten Gameplayänderungen hauen mich heute eher weniger vom Hocker. Die Atmosphäre ist durchaus dicht, doch gleichen sich im weiteren Verlauf die Areale sehr, weshalb für das Auge einfach zu wenig geboten wird. Schade, dass man den Ansatz mit der Kirche nicht weiter verfolgt hat und Teile des Spiels ähnlich derer im ersten Teil designed hat.

Das Buddy-System ist nett implementiert, wobei ich es als unnötig erachte und es dann doch meist vorziehe, allein durch die Häuser zu ziehen. Für Veteranen ist der Titel aufgrund des recht humanen Anschaffungspreises durchaus einen Blick wert. Die überarbeiteten Lichteffekte sind nett anzuschauen und sonst läuft das Remaster - bei viel Action auf dem Bildschirm - flüssig. Ob man den neuen Wesker-Modus nun wirklich gebraucht hat, lasse ich mal offen im Raum stehen. Ich bin derweil sehr auf das Remaster des legendären zweiten Teils gespannt und hoffe weiterhin auf vorberechnete Hintergründe und feste Kameraperspektiven. Denn hier punktet auch Zero noch 13 Jahre nach dem Release mit ordentlichen Schocksequenzen.

Für Fans der alten Resident-Evil-Titel ist Zero auf jeden Fall ein Pflichtkauf. Alle anderen machen lieber einen Bogen um das angestaubte Spielkonzept und dessen recht höhepunktarme Story.

Besonders gut finde ich ...
  • überarbeitete Steuerung...
  • ordentlich inszenierte Bosskämpfe
  • Gegenstände lassen sich überall ablegen
  • solider Soundtrack
  • technisch ordentliche Portierung
Nicht so optimal ...
  • ..welche trotzdem hakelig ist
  • fehlende Verteidungsobjekte
  • miese englische Synchronisation
  • CGI-Sequenzen nicht an heutige Standards angepasst
  • noch häufigeres Backtracking als im ersten Remaster
  • KI-Begleiter verschwendet dauerhaft Munition
  • umständliches tauschen der Gegenstände
  • keine frei wählbaren Speicheroptionen

Predator hat Resident Evil 0 HD auf der PlayStation 4 gespielt.

  •  
  • Entwickler:Capcom
  • Publisher:Capcom
  • Genre:Horror-Adventure
  • Plattform:PC, PS3, PS4, Xbox360, XboxOne
  • Release:19.01.2016

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