Ratchet & Clank - Review 7

In Zeiten, in denen wir von lieblos portierten Remasters alter Klassiker überschüttet werden, wird oft die Frage gestellt, ob es diese Neuveröffentlichungen überhaupt braucht. Ähnlich skeptisch war ich bei Ratchet & Clank, das seinerzeit das Genre prägte. In der Neuinterpretation des Abenteuers aus dem Jahre 2002, die gleichzeitig als Vorlage für den bald in den Kinos anlaufenden Ratchet & Clank Film herhält, wurde mir klar, dass Neuauflagen sehr wohl eine Daseinsberechtigung haben. Denn die Spyro-Entwickler Insomniac Games haben es bei dieser Umsetzung nicht nur dabei belassen, an den Texturen zu schrauben und so für eine aufgebohrte Optik zu sorgen.

Es war einmal ... Öh, nein. Lassen wir das. Die Erstveröffentlichung des Abenteuers um den jungen Lombax Ratchet ist schon eine Weile her. Schmerzlich erinnere ich mich an das WM-Finale 2002 zwischen Deutschland und Brasilien, in dem Oliver Kahn der Ball durch die Hände flutschte. Hm, wahrscheinlich können sich die wenigsten von euch bewusst daran erinnern. Fast 14 Jahre ist es also her - das erste Abenteuer der knuddeligen Figuren Ratchet & Clank, die schon damals die Galaxie vor dem bösen Drek retten wollten. Ratchet, das ist ein junger Lombax und sieht aus wie ein Fuchs - nur mit einem gelb-braun gestreiften Fell und menschlichen Gesichtszügen. Ach und natürlich ist er auf zwei statt vier Beinen unterwegs. Durch einen Zufall sieht er eine abstürzende Raumkapsel, die auf seinem Heimatplanet eingeschlagen ist.

Unerschrocken und impulsiv wie Ratchet nun mal ist, macht er sich direkt zur Absturzstelle und trifft dort auf Clank. Clank, das ist ein kleiner Roboter mit überdurchschnittlich hoher Intelligenz. Gebaut auf dem Planeten Quartu gilt er als Fehlproduktion und war seitdem auf der Flucht. Warum sich die beiden auf ein Abenteuer begeben? Nun, der Mechaniker Ratchet wollte schon immer ein Held sein. Trotz seiner hohen Intelligenz und seinem Talent, sich flink durch die Gegend zu bewegen, wird er aufgrund seines kleinen Körpers, typisch für seine Rasse, nur belächelt und bei einem Casting für Superhelden ausgemustert. Dennoch oder gerade weil er Clank trifft und er ihn über den finsteren Plan von Drek unterrichtet, machen sich die beiden auf den Weg durch die Galaxie, die mehrere abwechslungsreiche Planeten umfasst.


Ratchet & Clank
Die verschiedenen Welten sind allesamt detailverliebt designt.


Moment, das kenn ich doch ...



Gemäß des Vorbilds entführt mich die Geschichte an Orte, die mir aus dem Original bereits bekannt sind. Erzählerisch werden dabei keine Bäume ausgerissen, dennoch sind besonders die aus dem Off gesprochenen Wortspiele von Captain Qwark immer wieder einen Lacher wert. Die süffisanten und teils ironischen Dialoge tun ihr Übriges, schließlich ist Captain Qwark der Superheld der Superhelden und auch überhaupt der Allergrößte. Unterfüttert wird die Erzählung zudem mit Szenen aus dem Film, die allesamt großartig in die Story eingewoben wurden und einiges hermachen. Trotzdem plätschert die Story die meiste Zeit vor sich her, weiß aber durch den großartigen Humor, der schon fast an das Niveau von Borderlands heranreicht, durchweg zu unterhalten.

In der sonst knapp zehnstündigen Kampagne kämpfe ich mich meist mit Ratchet durch Scharen von verschiedenen Gegnertypen. Zwischendurch wird dann auch mal der eine oder andere Boss erledigt, der über eine bestimmte Schwachstelle verfügt, die erst einmal ausgemacht werden muss. Dabei greift der Lombax auf ein großes Waffenarsenal zurück, das sich durch gesammelte Bolts weiter aufstocken lässt. Besonders viel Spaß bereitet der Einsatz des Groovitron, das eine Disco-Kugel spawnen lässt und meine Widersacher zum Tanzen bringt. Ein solch tanzender Gegner wird dann auch gut und gerne mal mit dem Pixelator zu 16-Bit-Brei verwandelt. Mit zwei weiteren Schüssen aus dem aufgepimpten Raketenwerfer zerfällt selbst der größte Gegner dann schnell zu Staub. Durch die Möglichkeit, durch gesammeltes Raritanium meine Waffen aufzubessern, erhalte ich im Spielverlauf auch immer neue Möglichkeiten, die Gegner zu Fall zu bringen. Während es mich in anderen Spielen oftmals nervt, einen bestimmten Waffentyp nutzen zu müssen, macht das Experimentieren mit den vorhandenen Wummen gegen die unzähligen Gegnertypen sehr viel Spaß. Umso schwieriger fiel mir schlussendlich auch immer die Entscheidung, welche Waffe ich gerade aufrüsten möchte.

In Hexfeldern aufgeteilt, kann ich pro gesammeltem Raritanium ein Feld freischalten, das beispielsweise die Durchschlagskraft der Waffe erhöht. Immer wieder werden aber auch versteckte Funktionen freigeschaltet, die sich in einem Fragezeichen in den Hexfeldern äußern. Möchte ich also wissen, welche Fähigkeit meine Waffe als nächstes erhält, bin ich dazu gezwungen, die Felder um das Fragezeichen herum aufzufüllen, um schlussendlich die versteckte Funktion freizuschalten. Das sorgt oft für Gewissensbisse und treibt mich dazu, die recht lineare Spielwelt auf den letzten Meter genau zu untersuchen. Jede Waffe levelt im Übrigen zusätzlich zum Skill-System auf und sorgt so für immer mehr Schaden. Die erhöhte Durchschlagskraft ist für die im späteren Teil des Spiels recht starken Gegner auch bitter nötig. Mit zunehmender Spielzeit legen die nämlich mächtig nach und forderten mich selbst im normalen Schwierigkeitsgrad ordentlich heraus. Immerhin verliefen die Kämpfe stets fair und nach dem Bildschirmtod durfte ich direkt an selber Stelle mein Spiel fortsetzen. Selbst die bis dahin schon erledigten Gegner sind nicht wieder aufgestanden - eine überaus faire Designentscheidung.


Ratchet & Clank
Mit dem Pixelator zerfallen die Gegner schnell zu 16-Bit-Pixeln.


Auf Erkundungsreise durch die Galaxie



Besonders gefallen haben mir außerdem die Spielabschnitte, in denen ich die Kontrolle über Clank übernehmen durfte. Der kleine quirlige Roboter, der zugegeben nicht ganz so kampfaffin ist, ist mir durch seine liebevolle Art schnell ans Herz gewachsen. Umso mehr Spaß hatte ich also auch dabei, ihn durch die kleinen Rätselpassagen, die immer mal wieder im Spiel implementiert wurden, zu begleiten. Dabei handelt es sich um kleinere Schalterrätsel sowie den überlegten Umgang mit anderen Robotern, die Clank gekonnt umzuprogrammieren weiß. Egal ob ich gerade ein Trampolin oder eine Brücke benötige, Clank weiß genau, wie er seine Kameraden nutzen kann, um in den nächsten Levelabschnitt zu kommen. Sehr nett sind außerdem die Hinweise, die Clank ausspricht, sofern die eigene Rübe das Rätsel gerade nicht auf die Reihe bekommt. So kommt selbst in diesen Passagen kein Frust auf. Überhaupt haben die Entwickler durch den Einsatz der Rätsel oder gar eines spektakulär inszenierten Hoverboardrennen für jede Menge Abwechslung gesorgt. Zusätzlich darf man auch öfter mal im Gleiter Platz nehmen und ähnlich wie in Star Fox auf Gegnerjagd gehen.


Ratchet & ClankRatchet & Clank
Auch bei Nacht sehen die bereits bekannten Abschnitte bombastisch aus.


Optisches Meisterwerk



Besonders diese Abschnitte offenbaren, mit welcher Liebe die Jungs und Mädels von Insomniac Games an der Neuauflage gearbeitet haben. Trotz vieler Gegner auf dem Bildschirm läuft die Action stets flüssig und bietet eine enorme Weitsicht. Jeder Grashalm auf der Erde sieht fantastisch aus und auch die Bewegungsabläufe der Figuren sind ordentlich animiert. Das ausufernde Waffensystem sowie die Tatsache, dass Ratchet nun selbst auflevelt, motivierten mich Stunde um Stunde, das Spiel fast an einem Stück zu verschlingen. Hinzu kommen der geniale Soundtrack und die sehr guten deutschen Sprecher. Hier und da kam es leider aber auch zu kleineren Abmischungsproblemen, weshalb die Abenteurer mal sehr leise, mal sehr laut zu hören gewesen sind.

Die verschiedenen Schauplätze verzaubern auf den ersten Blick und die Gegnertypen unterscheiden sich je nach Planet derart stark, dass nur selten der Eindruck einer Klonarmee entsteht. Ebenfalls ist die Steuerung sehr präzise und durch die Neuerung, dass ich meine Waffen nun auch bequem per Digi-Pad auswählen kann, sind die Gegnerscharen kein Problem mehr. Zwischen den Kämpfen sorgt außerdem der Einsatz von verschiedenen Gadgets für jede Menge Laune. Ich hangle mich von Wand zu Wand oder kann mit besonderen Magnetschuhen an Orte gelangen, die zuvor verborgen geblieben sind. Durch diese freischaltbaren Helferlein bin ich dann gerne gewillt, die fantastisch aussehenden Level noch einmal zu besuchen und dort auf die Suche nach den goldenen Bolts zu gehen. Mit diesen kann ich Bilder-Galerien, extra Wummps für meine Waffen oder gar unendlich Munition für den nächsten Durchgang erspielen. Im Herausforderungsmodus, der durch den Abschluss der Story freigeschaltet wird, verfüge ich außerdem über alle bis dahin gesammelten Bolts sowie alle erkauften Verbesserungen der Waffen. Die gesammelten Kartendecks, mit denen man noch durchschlagskräftigere Waffen freischalten kann, werden ebenfalls übernommen. Bei so viel Liebe zum Detail ist die Motivation hoch, das Abenteuer auch gern ein zweites oder drittes Mal durchzuspielen.



Predator

Fazit von Predator:

Mit der Neuinterpretation von Ratchet & Clank haben die Spyro-Macher genau meinen Nerv getroffen. Das schon fast ausgestorbene Genre der Action-Plattformer ist stärker denn je zurückgekehrt und erscheint in neuem Gewand mindestens genauso gut wie früher. Die geniale Erzählweise sowie die gekonnt eingewobenen Filmszenen treiben die Story gut voran und sorgen dafür, dass man sich nur schwer von den beiden Helden trennen kann. Die verschiedenen Planeten bieten jede Menge Abwechslung und erinnern oft an das Original aus dem Jahre 2002. Dennoch handelt es sich hier nicht um ein stumpfes Remaster. Die Entwickler haben es geschafft durch die Einbeziehung einiger Features, die eigentlich erst in späteren Serienteilen eingeführt wurden, ein völlig neues Erlebnis zu erschaffen, dass auch Serienveteranen erneut erfreuen dürfte. Obwohl ich nicht sonderlich am Kinofilm interessiert war, werde ich durch dieses Abenteuer wohl doch in den Film gehen und mich erneut von den beiden verzaubern lassen.

Ratchet & Clank bietet Einsteigern sowie Serienveteranen ein ausgereiftes humorvolles Spielerlebnis, das aktuelle Genrevertreter in den Schatten stellt.

Besonders gut finde ich ...
  • herausragende optische Präsentation
  • flüssige Animationen
  • großes, vielfältiges Waffenarsenal
  • abwechslungsreiche Gegner-Typen
  • überzeugende deutsche Synchronisation
  • Humor
  • Sammelkarten spornen zum erneuten Durchspielen an
  • präzise Steuerung
  • flüssige Bildrate
Nicht so optimal ...
  • Tonabmischungsprobleme
  • Abschnitte mit Clank leider zu kurz

Predator hat Ratchet & Clank auf der PlayStation 4 gespielt.

  •  
  • Entwickler:Insomniac Games
  • Publisher:Sony CEE
  • Genre:Jump'n'Run
  • Plattform:PS4
  • Release:20.04.2016

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Folgenden Usern gefällt der Beitrag: Evoli, Kithaitaa, ... und 5 Gästen.
  • Evoli
    #1 | 18. April 2016 um 20:49 Uhr
    Ich bin so froh, dass die beiden zurück sind  
  • Manni
    #2 | 19. April 2016 um 08:24 Uhr
    Aktuelle Genrevertreter? Die gibt es leider nicht  Hoffentlich bekommen wir bald mehr aus dem Genre zu sehen...
  • Jari
    #3 | 20. April 2016 um 10:33 Uhr
    Ich habe zwar die bislang auf den alten Konsolen erschienenen Teile nicht gespielt, aber ich werde wohl auch um dieses Schmuckstück nicht drumherum kommen. Ist gekauft!
  • Tim
    #4 | 21. April 2016 um 17:21 Uhr
    Hab mich da ja schon seit der Ankündigung drauf gefreut und es mir nun für das Wochenende bestellt. Alleine schon wegen der tollen Präsentation dürfte es super werden. Wenn es nur mehr Spiele im Genre geben würde   
  • Kithaitaa
    #5 | 26. November 2016 um 21:30 Uhr
    Jetzt war es auch bei mir soweit: Ratchet & Clank nachgeholt. Tolles Spiel und wirklich uneingeschränkt zu empfehlen, für den Preis sowieso. Klasse Leveldesign, spaßige Präsentation und Gadgets/Waffen - da vergeht die Jump'n'Run-Zeit wie im Flug =)

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