Genre:Action-Adventure  
Entwickler:Quantic Dream  Publisher: Sony CEE
Plattform(en):PS3

Release:26.02.2010

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Heavy Rain - Review

Es geht um Liebe, Leben und Tod - wie weit würdest du gehen?

Geschrieben von Michi am 22. Februar 2010 um 18:46 Uhr


Schon 2005 bewiesen David Cage und sein Team von Quantic Dream mit Fahrenheit ihr Können - mit einem Spiel, das eher als "interaktiver Film" bezeichnet wurde und die Quick-Time-Events auf eine neue Stufe hievte. Presse und Spieler weltweit waren begeistert, es war also nur noch eine Frage der Zeit, bis das nächste Projekt angekündigt wurde. Auf der E³ 2006 war es dann endlich soweit und es wurde eine mit "The Casting" betitelte Techdemo gezeigt, die Gefühle und Emotionen einer virtuellen Schauspielerin beeindruckender denn je darstellte. Heute, nach fast fünf Jahren Entwicklungszeit, sind die Arbeiten an Heavy Rain beendet und der interaktive Thriller wird in wenigen Tagen offiziell erscheinen. Wir haben Heavy Rain schon jetzt durchgespielt - ob der Titel die hohen Erwartungen erfüllen kann und den interaktiven Film endlich in der Spielebranche etabliert, das verrät die Review!

Ein perfekter Tag?
Alles hatte so schön angefangen. Wir wachen an einem Samstagmorgen wohlfühlend auf, genießen die erfrischende Dusche und warten auf den Rest der Familie, die noch unterwegs ist und sich auf dem Weg nach Hause befindet. Es ist kein normaler Tag: Sohn Jason feiert den 10. Geburtstag. Nachdem die Familie dann auch endlich wieder zu Hause angekommen ist, wird erstmal mit Jason und Shaun, dem zweiten Sohn, ausgelassen im Garten rumgetobt, bis unsere bessere Hälfte das Essen fertig gerichtet hat. Ist der Magen erstmal voll, geht es mit dem Tagesprogramm weiter - nächster Aufenthalt: das Einkaufszentrum. Die beiden Jungs freuen sich natürlich, aber ganz ziellos ist die Angelegenheit dann doch nicht: der jüngere Shaun braucht neue Schuhe und so will unsere Gattin, dass wir "mal eben" in der Zwischenzeit auf das Geburtstagskind Jason aufpassen.


Doch wie Kinder in diesem Alter so sind, gestaltet sich die Sache etwas schwieriger als gedacht. Wir sind nur einen kurzen Moment unachtsam oder abgelenkt - und zack, der Kleine ist verschwunden! Doch so leicht geben wir nicht auf und machen uns auf die Suche nach Jason. Wir suchen ein wenig und sehen den Jungen auch kurze Zeit später an einem Ballonstand stehen. Was er da will, dürfte klar sein: er wünscht sich einen Ballon! Da Jason heute schließlich Geburtstag hat, wollen wir ihm diesen Wunsch natürlich auf keinen Fall verwehren und kaufen einen schönen, knallroten Ballon. Auf der Suche nach Kleingeld passiert es dann aber schon wieder: der Knabe ist weg! Hastig kramen wir nach dem Geld und suchen nach Jason. Blöderweise begegnet uns auf dem Weg auch noch die Ehefrau, die erst mal wissen will, was passiert ist. Lange lassen wir uns aber nicht aufhalten und laufen direkt ins Erdgeschoss, in dem auch noch sprichwörtlich die Hölle los ist! Bei dieser Masse an Menschen scheint es noch viel schwerer zu sein, jemanden zu finden, aber durch den zuvor gekauften roten Hellium-Ballon haben wir glücklicherweise einen Anhaltspunkt, nach dem wir Ausschau halten. Ist ein roter Ballon gesichtet, beginnt der "Marathonlauf" durch die Masse - das dichte Gedränge und die unfreundlichen Menschen lassen das anvisierte Ziel unendlich entfernt wirken. Kurze Zeit später dann die Ernüchterung: es war nicht Jason.


Kurzerhand entscheiden wir uns, den nahegelegenen Ausgang zu benutzen und das Einkaufszentrum zu verlassen. Dort finden wir überraschenderweise dann auch Jason wieder, wie er auf der anderen Straßenseite planlos herumirrt und scheinbar nach uns sucht. Und wie der Vaterinstinkt nun mal so ist, machen wir den Kleinen zunächst auf uns aufmerksam und rufen ihn. Sofort bemerkt uns das Geburtstagskind und eilt fröhlich auf uns zu - aber verdammt, der Verkehr! Der Kleine rennt unachtsam über die Straße, ohne auf den gefährlichen Verkehr zu achten! Kurz, bevor er das rettende Ufer erreicht, passiert das, was kommen musste: ein Auto rast mit voller Wucht auf den kleinen Jungen zu! Schnell und panisch springen wir zu Hilfe, um Jason zu retten, komme was wolle - doch es hilft nichts und die Szene findet ein dramatisches und tragisches Ende. Unser geliebter Jason wird von dem heranrasenden Auto getötet ...

Die hier erzählte Geschichte handelt von Ethan Mars, einem Architekten, der in Heavy Rain als einer der vier Hauptcharaktere fungiert. Ethan selbst lag nach dem Unfall sechs Monate im Koma und kann auch zwei Jahre später den Verlust des Sohnes nur sehr schwer verkraften. Er befindet sich seit geraumer Zeit in psychiatrischer Behandlung, leidet an sporadischen "Blackouts" und gab die Berufung zum Architekten auf. Das einst glückliche Familienleben ist zerstört, die Ehe beendet und der einzige Sohn Shaun leidet ebenfalls am Verlust seines Bruders, was die Beziehung zum eigenen Vater in Mitleidenschaft zieht. Für Ethan selbst ist Shaun nun das allerwichtigste im Leben. Er versucht mit allen Mitteln, ihn gut aufzuziehen und ihm ein angenehmes Leben zu verschaffen. Doch eines Tages, bei einem eigentlich ganz normalen Spielplatzbesuch mit Shaun bekommt Ethan plötzlich einen traumatischen Anfall - danach muss er feststellen, dass Shaun verschwunden ist ...



Dem Origami-Killer auf der Spur
Seit einigen Jahren treibt ein mysteriöser Serienmörder sein Unwesen, der seine Opfer meist im Herbst bei starkem Regenfall langsam bei immer höher werdendem Wasserpegel ertrinken lässt. Als kleine "Entschuldigung" hinterlässt der Killer den Hinterbliebenen der Opfer eine Origami-Figur, was ihm auch den Namen "Origami-Killer" eingebracht hat. Die Polizei und die zuständigen Ermittler suchen schon seit geraumer Zeit nach dem Täter, aber konnten bisher keinen Fahndungserfolg verbuchen. Inzwischen hat sich auch ein FBI-Profiler in den Fall eingeschaltet, welcher mit einer neu entwickelten Technologie, dem ARI (Added Reality Interface), bei der Suche nach dem Mörder helfen soll. Das ARI ist eine Art High-Tech-Brille, mit der die Tatorte auf einen Blick analysiert werden und Opfer, Spuren und potenzielle Hinweise sofort lokalisiert und identifiziert werden können.

Norman Jayden, so der Name des Profilers, ist ein anderer der vier Hauptfiguren in Heavy Rain. Neben ihn und Ethan gesellen sich noch Madison Paige und Scott Shelby dazu, die vom Charakter her nicht unterschiedlicher hätten sein können: Madison selbst ist eine Fotografin, die an extremer Schlaflosigkeit leidet und komischerweise nur in Motels schlafen kann. Scott ist ein ehemaliger Polizist, der heute als Privatdetektiv arbeitet und von den hinterbliebenen Familien der "Origami-Killer" Opfer beauftragt wurde, anhand den von den Ermittlern übersehenen Spuren den Killer ausfindig zu machen. Die vier Charaktere hat Kith ja in einem Blogpost bereits ausführlich vorgestellt.


Obwohl alle Personen miteinander rein gar nichts am Hut haben oder Gemeinsamkeiten aufweisen, haben sie dennoch eine Motivation, die sie alle verbindet: das Ziel, den Origami-Killer zu finden.

Denn mit dem Verschwinden von Ethans Sohn Shaun macht sich die Vermutung breit, dass dieser dem Origami-Killer zum Opfer gefallen ist und bei der gleichen Tötungs-Vorgehensweise so nur noch weniger als 3 Tage (aufgrund des Regens und Wasserpegels) übrig bleiben, um den Jungen zu retten. Was Ethan nicht weiß: der Origami-Killer hat fünf Mutproben vorbereitet, welche ihm bei erfolgreicher Ausführung zu seinem Sohn führen sollen. Doch dann stellt sich die Frage: wie weit würdest du gehen, um jemanden zu retten, den du liebst? Die Mutproben haben es nämlich ganz schön in sich ...


Vergesst Thriller - jetzt kommt Heavy Rain
Was wie ein perfekt verlaufender Lebenssimulator á la Die Sims beginnt, entwickelt sich nach und nach zu einem düsteren, verstörenden und emotionalen Thriller, in den der Spieler aufgrund der aktiven Einbindung in die Handlung regelrecht eingesogen wird. Jede im Spiel vorzufindene Person hat seinen eigenen Charakter und wirkt anders auf den Spieler - dabei macht man sich automatisch ein eigenes Bild von den Figuren. Es gibt Personen, die man sofort ins Herz schließt, oder auch welche, die man schon beim Öffnen des Mundes einfach nur hasst - fast schon wie im wahren Leben! Wenn man sich von der Story mitreißen lässt, wird man durch emotionale Höhen und Tiefen geschliffen und durch zahlreiche Wendungen in der Geschichte überrascht. Man wird wirklich förmlich hineingezogen in dieses packende Abenteuer und spürt die Gefühle und Ängste der Charaktere fast schon am eigenen Leibe. Und ich spreche hier aus Erfahrung, denn nicht nur mich, sondern auch meine Schwester hat Heavy Rain vollkommen in seinen Bann gezogen.

Auschlaggebend hierfür sind nicht nur die Personen, die Story oder die Umgebung, sondern auch die grandiosen Kameraführungen, die meist in zwei verschiedenen Variationen zur Auswahl stehen, sowie der schon aus Fahrenheit bekannte "aufgeteilte Bildschirm", bei dem auf einen Blick mehrere Geschehnisse dargestellt werden und zu einer großen Aktion auflaufen - was die Anspannung des Spielers auf Trab hält. Zudem wird durch die stets abhörbaren Gedanken der Protagonisten eine gewisse "Verbindung" erzeugt, die als nettes Feature und Spielhilfe angesehen werden kann. Darüber hinaus werden die einzelnen Szenen immer abwechselnd von einem anderen Charakter durchgespielt, damit die aktuelle Entwicklung im Origami-Fall überall zur gleichen Zeit von verschiedenen "Blickwinkeln" erzählt wird. Dieser wirklich toll umgesetzte Mix macht Heavy Rain zu einem so noch nie dagewesenen, packenden Erlebnis.



Schnelle Reaktion ist gefragt
Bereits in diversen Titeln, darunter auch Quantic Dreams Fahrenheit, kamen die sogenannten "Quick-Time-Events" (kurz: QTEs) zum Einsatz, in dernen die Reaktion des Spielers gefordert wird. Bei diesen QTEs muss der Spieler innerhalb von wenigen Augenblicken eine bestimmte Taste oder Tastenfolge drücken, damit das zu steuernde Spielobjekt die (in diesem Moment!) nötigen Aktionen ausführt. Das Gameplay in Heavy Rain basiert zum größten Teil auf dieser Methode, sodass der Spieler auch nur theoretisch in den wenigsten Momenten den Controller mal eben beiseite legen kann. Normalerweise hat die Spielfigur je nach Situation verloren - denn wenn die falsche Taste gedrückt oder gar zu spät betätigt wurde, dann hat dies meist fatale Folgen. In Heavy Rain ist das ein wenig anders: die QTEs wurden erweitert und so werden nicht nur die typischen Abfragen (Steuerkreuz, Stick, Buttons) ausgeführt, sondern auch das SIXAXIS-Feature (Bewegungssensoren) der Playstation 3 Controller eingesetzt, um das Spielgeschehen noch weiter auf den Spieler auszuweiten.

So muss z.B. eine Tür mit einem herzhaften Tritt geöffnet werden - hierfür muss der Controller nach unten bewegt werden. Nicht nur bei körperlichen Bewegungen wird dieses Feature angewandt, sondern auch im ARI des FBI-Profilers, bei dem anhand der gefundenen Spuren und Indizien die Ermittlungsarbeit durchgeführt wird. Damit der Spieler auch weiß, was im richtigen Moment gedrückt werden muss, zeigt das Spiel durch intelligent platzierte Symbolen an, welche "Taste", Richtung, oder Bewegung getätigt werden muss - ein HUD im klassischen Sinne gibt es nicht. Je nach Schwierigkeitsgrad variiert auch die Anzahl, Dauer, oder auch Zusammensetzung der zu drückenden Tasten einer Aktion. Nicht immer darf eine Bewegung schnell und sofort getätigt werden. Bei empfindlichen Interaktionen, bei denen der Charakter Ruhe bewahren muss, muss nicht nur dieser ruhig bleiben, sondern bestenfalls gleichzeitig auch der Spieler. Wenn das "Steuer"-Symbol am Rand aufblinkt, muss die Taste/Bewegung ruhig und nicht zu schnell durchgeführt werden, da ansonsten die Aktion scheitert - das sorgt wiederum dafür, dass die QTEs trotz sehr häufiger, fast schon pausenloser Anwendung nicht eintönig werden, sondern stets zur Situation passen und doch immer noch Spaß machen.

Ich persönlich habe die Steuerung in diversen Trailern als kompliziert empfunden, bin aber mit dem finalen Ergebnis überrascht worden. Zwar ist die Interaktionssteuerung gelungen, aber die Laufsteuerung des Charakters wirkt ein wenig "störrisch". Anstatt diesen nämlich wie aus anderen Spielen gewohnt mit dem linken Stick zu steuern, muss wie in einem Rennspiel die hintere "R2"-Taste gedrückt und mit dem rechten Stick die Richtung eingeschlagen werden. Das klappt aber nach längerer Eingewöhnung eigentlich recht gut, ist aber ein wenig fummelig. Zudem sei noch gesagt, dass der Spieler zu Beginn auch anhand eines kleinen Einführungstutorials mit der Steuerung vertraut gemacht wird und eine Zusammenfassung jederzeit über die SELECT-Taste abrufbar ist.



War das wirklich das Richtige?
Im gesamten Spielverlauf wird der Spieler vor Entscheidungen gestellt, die wichtige Konsequenzen nach sich ziehen werden. In fast jeder Situation erhält man mehr als eine Möglichkeit zu reagieren, was je nach Stimmung oder Situation in einer anderen Fortführung des Spielverlaufs resultiert. Damit haben die Gamedesigner hier sehr gute Arbeit geleistet! Im Grunde bleibt es dennoch beim gleichen Endablauf, nur die jeweilige Szene ändert sich drastisch, was aber wiederum für einen hohen Wiederspielwert sorgt.

Des Öfteren wird man nach einer getätigten Aktion nochmals grübeln und überlegen, ob diese Entscheidung auch wirklich die Richtige war - zumindest bei mir war das häufig der Fall. Denn das Fiese an dieser Geschichte ist, dass sofort nach der Ausführung einer Aktion der Spielstand automatisch gespeichert wird und sich so ein Wiederspiel der Szene als schwierig gestaltet - von der Kapitelauswahl mal abgesehen. So können auch die Protagonisten durch Fehlentscheidungen oder misslungene Quick-Time-Events ums Leben kommen und der gesamte Spielverlauf verändert sich. Dies fängt schon bei fehlenden Szenen an und hört bei einem ganz anderen Ende auf - denn Heavy Rain verfügt über mehrere Abspänne, die sich je nach Spielweise und der "noch lebenden" Charakteren unterscheiden. Dadurch versprüht Heavy Rain einen einzigartigen Flair. Man selbst versucht immer, die richtige Entscheidung zu treffen - was aber nicht immer leicht ist und dem Spieler so schwer wie nur möglich gemacht wird.

Aufdrehen und genießen
Damit die Atmosphäre in einem Videospiel (oder Film) auch wirklich zur Geltung kommt, spielt der Ton natürlich eine große Rolle. Beiei Heavy Rain hat man keinerlei Kosten und Mühen gescheut und die Musikstücke bei den weltberühmten Abbey Road Studios komponieren lassen, bei denen in der Vergangenheit nicht nur unter anderem die Beatles ihre CDs produziert haben, sondern auch gleich mal eben der Herr der Ringe Soundtrack eingespielt wurde. Da dieser Spaß in diesem Laden sicherlich nicht ganz günstig ist, trifft es sich natürlich gut, dass Quantic Dream Chef David Cage nicht nur Videospieldesigner, sondern nebenbei auch Musiker ist und es natürlich nicht lassen konnte, den Soundtrack zum eigenen Spiel zu schreiben. Und der gute Herr hat tatsächlich großartige Arbeit geleistet! Der Grundstil des Soundtracks ist klassisch, aber ausdrucksstark gehalten und weiß im richtigen Moment (Trauer, Action, Freude,...) auch das passende Stück abzuspielen. Einen kleinen Geschmack des Soundtracks erhaltet ihr in den zahlreichen Videos, die wir in der Videodatenbank eingebunden haben.

Hinsichtlich der deutschen Synchronisation spalten sich seit der Demo die Meinungen. Diese ist zwar recht gut gelungen und lässt die Geschichte gefühlsmäßig auch passend wiedergeben, aber irgendwie kann ich mich persönlich mit einigen Stimmen, darunter zum Beispiel die von Ethan, nicht 100%ig anfreunden, da Optik und Ton nicht miteinander harmonieren. Es bleibt auch hier im Ermessen des Spielers, ob er sich mit den Stimmen zufrieden gibt - optional könnt ihr auch die englische Sprachausgabe wählen und deutsche Untertitel darunter setzen. Es liegt also an euch, mit welcher Synchronisation ihr Heavy Rain am liebsten genießt.

Neben der Synchronisation und dem Soundtrack ist das Sound-Gesamtpaket den Tontechnikern bei Quantic Dream wirklich super gelungen und kann bei einem 5.1 Surroundsystem begeistern. Sei es der Regen im Hintergrund, welcher auf das Dach oder die Fenster prasselt, das ständige "Gebrabbel" von Menschenmassen in einem Einkaufszentrum - dies und vieles mehr wurde authentisch umgesetzt. Akustisch ist Heavy Rain absolut klasse!



Regen, Regen und nochmals Regen...
Damit die Geschichte rund um den Origami-Killer nicht nur akustisch, sondern auch visuell authentisch rübergebracht wird, haben sich die Entwickler wirklich Mühe gegeben und mit viel Liebe zum Detail eine lebendige und glaubwürdige virtuelle Stadt erschaffen, wie es sie seit GTA IV in keinem Spiel gab. Die Umgebung ist trist gehalten, wirkt eher wie eine Industriesiedlung und wird vom starken Regenfall geplagt, was vom Gesamtbild her aber sehr gut zur bereits düsteren Story passt. Grafisch muss sich die Engine auf keinen Fall vor anderen Augenschmankerln wie Uncharted 2 oder Killzone 2 verstecken. Trotzdem: die Außenareale werden zwar wirklich "schön" (jetzt nur auf die Grafik bezogen) dargestellt, aber es gab auch schon Titel, in denen virtueller Regen besser in Szene gesetzt wurden. Doch die meiste Zeit spielt sich Heavy Rain in Gebäuden (Wohnungen, Räumen,...) ab, welche aber dagegen wirklich sehr detalliert umgesetzt wurden. In unserer Screenshotdatenbank befinden sich sogar einige Konzeptzeichnungen, die nur die Grundarchitektur der Innenräume befassen. Lobenswert sind auch die dargestellten Menschenmassen, die man im Einkaufszentrum, in der Discothek, oder auf dem Bahnhof antrifft, welche sich zu hunderten bemerkenswert unterscheiden, was dem Spieler das Gefühl verleiht, das man wirklich in einer echten Stadt herumläuft. Grafische Finessen wie dynamische Schatten, Tiefenschärfe (Depth of Field), realistische Physik und vieles mehr findet man natürlich auch in Heavy Rain - gerade bei letzterem hätte ein wenig mehr aber nicht geschadet.

Doch die Grafik ist nicht das, was Heavy Rain schlussendlich ausmacht, sondern die realistische Art und Weise der Charaktere. In Half Life 2 wurde zum ersten Mal die Mimik von virtuellen Spielcharakteren in den Vordergrund gestellt, um deren Gefühle dem Spieler mitzuteilen. Nach der im Intro bereits angesprochenen "The Casting" Techdemo war es zu erwarten, dass Gesichtsausdrücke und Emotionen auch im finalen Endprodukt einen großen Part übernehmen werden. Hierfür hat Quantic Dream mit echten Schauspielern und mit Hilfe modernster Motion-Capturing Technologie gearbeitet, den virtuellen Köpfen ein Gesicht gegeben und die Charaktere beeindruckend dargestellt. Emotionen wie Trauer, Freude, Angst und vieles mehr werden fast schon fotorealistisch dargestellt. Nicht nur die Gesichter der Charaktere wurden anhand modernster Motion-Capturing-Technik erschaffen, sondern auch alle im Spiel vorkommenden Bewegungs-Animationen: in über 172 Aufnahmetagen hat man ingesamt 30.000 unterschiedliche Animationen aufgezeichnet und einen großen Teil davon ins Spiel implementiert. Von Kampfhaltungen bis hin zu ganz normalen Bewegungstätigkeiten wie Sitzen, Laufen, Tanzen - alles wurde authentisch und glaubwürdig in die Tat umgesetzt.

Wer gerne wissen möchte, welche reale Person für welchen fiktiven Spielecharakter Modell stand, kann sich hier eine kleine Auflistung ansehen - die eine oder andere Ähnlichkeit werdet ihr sicher feststellen ;)



Moment - da war doch noch was...
Nun werdet ihr euch sicher fragen: "Ist Heavy Rain denn perfekt?". Ich muss gestehen, dass ich selten so gut unterhalten und in das Spielgeschehen mit hineingezogen wurde wie in Heavy Rain. Doch im Laufe der Zeit werden einige Logiklücken aufklaffen, die ein wenig an der Verpackung von Heavy Rain kratzen. Leider kann ich an dieser Stelle aus Spoilergründen nicht all zu viel verraten, aber da wäre zum einen der oben beschriebene Autounfall zu Beginn des Spiels. Passt auf: die Fahrerin des Fahrzeugs hatte auf gerader Fahrbahn und mitten auf einer belebten "Einkaufsmeile" eine komplett freie und perfekte Sicht nach vorn. So wurde in der zuvor gezeigten "Cockpitkamera" ein Handy am Ohr der Fahrerin dargestellt, welches aber dann in der nächsten Szene nicht mehr zu sehen war. Soweit so gut - also müsste die Dame theoretisch den kleinen heranlaufenden Jason gesehen haben und schon aus logischen, meinetwegen auch reflexartigen Gründen rechtzeitig abbremsen. Doch das tat sie nicht und schon wurden Vater und Sohn als neue Kühlerfigur missbraucht. Ganz schlüssig ist mir die Geschichte nicht. Wenn z.B. das Handy oder irgendein anderer Gegenstand des Fahrers heruntergefallen und somit der Blick kurzzeitig nicht auf die Straße gerichtet wäre, dann könnte ich diesen Unfall verstehen - nicht wahr?

Außerdem wären da noch die Szene mit Ethan im Kraftwerk oder Scotts Besuch bei einem alten Freund. Zu Ersterem sei euch dieses Video als Tipp ans Herz gelegt und zu Scott wird man recht zum Schluss des Spiels ebenfalls eine Unstimmigkeit feststellen. Wie bereits gesagt: ich will nichts spoilern, aber sehr aufmerksame Spieler werden vielleicht die eine oder andere Unstimmigkeit oder Logiklücke entdecken. Diese sind aber nur für wirklich empflindliche Menschen störend und machen dem Spielfluss überhaupt nichts aus, da man ja mit durchaus wichtigeren Dingen beschäftigt ist - man soll sich ja schließlich auch nicht an den kleinsten Peanuts aufhängen, oder? ;)

Zum Schluss sei noch gesagt, dass Heavy Rain eines der Spiele ist, die man entweder liebt oder einfach nicht ausstehen kann. Man sollte sich schon vom Spiel mitreißen lassen und die 8-12 Stunden Spielzeit genießen. Nichtsdestotrotz hat jeder Spieler einen anderen Geschmack, ein anderes Spielempfinden und sollte bestenfalls die im Playstation Network verfügbare spielbare Demo antesten, bevor man sich den Titel zulegt - dennoch gibt es von mir eine klare Empfehlung, was ihr im untenstehenden Fazit nachlesen könnt.






Michi schrieb am 22. Februar 2010
Das ist ganz großes interaktives Kino der Meisterklasse. Was Quantic Dream hier auf die Beine gestellt hat, verdient nicht nur größtes Lob, sondern natürlich vor allem eine ausdrückliche Kaufempfehlung an alle, die keinen Shooter zum Frühstück verputzen. Mit Heavy Rain bekommen Playstation 3 Besitzer ein umfangreiches Paket an Unterhaltung und Atmosphäre geboten, welches nicht direkt beim ersten Auspacken langweilig wird, sondern auch bei mehrmaligem Gebrauch begeistern kann. Story und Atmosphäre sind hervorragend und halten die Spannung von Anfang bis zum Ende auf einem sehr hohen Niveau. Jede Entscheidung im Spiel hat spürbare Folgen und könnte in einer bösen Überraschung enden, was sicherlich zu einem erneuten Durchspielen motiviert. Zwar ist dann das Rätsel um den Origami-Killer gelöst, aber dennoch gibt es einen gewissen Drang auszuprobieren, welche Auswirkungen andere Entscheidungen haben - dafür bietet sich auch die Kapitelwahl an. Das einzige meiner Meinung nach gravierende Manko ist die "Lauf-"Steuerung des Charakters, welche eher an ein Rennspiel erinnert. Die kleineren und seltenen Logikfehler kann man dagegen locker verzeihen.

Von packender Dramatik über spannende Action bis hin zu Emotionen und Gefühlen - ihr müsst diesen Thriller, in dem ihr Leben und Tod teilweise selbst in der Hand habt, einfach selbst erlebt haben, um meine Euphorie zu verstehen. Heavy Rain ist ein fesselndes, glaubwürdiges und fantastisch in Szene gesetztes Schmuckstück!


Besonders gut finde ich ...
  • packender interaktiver Thriller
  • weckt Emotionen und Gefühle im Spieler
  • mitreißende Story
  • detailierte Grafik
  • passende, fesselnde Atmosphäre
  • einzigartige, authentische Charaktere
  • sehr gute Animationen
  • verschiedene Spielenden
  • viel Entscheidungsfreiheit
  • tolle Interaktionsmöglichkeiten
  • faires automatisches Speichersystem
  • "Aktions-"Steuerung gut gelungen
  • erstklassiger Soundtrack
  • englische Originalvertonung aktivierbar


Nicht so optimal ...
  • Entscheidungsfreiheit z.T. vorgetäuscht
  • "Lauf-"Steuerung wirkt etwas fummelig
  • "nur" 720p Darstellung
  • kurze Soundaussetzer
  • leichte Framerateeinbrüche
  • seltene, kleinere Logikfehler
  • deutsche Synchronisation schwankt

 Testsystem:  PS3
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Kithaitaa schrieb am 14. Februar 2010
Heavy Rain punktet ganz klar in Sachen Story & Atmosphäre und es ist der oft zitierte Thriller/Krimi an dem man aktiv teilnehmen und den Verlauf der Geschichte verändern kann. Quantic Dream liefert ein spannendes, glaubhaftes und gleichermaßen emotionsgeladenes Spielerlebnis ab, das sich im Gameplay zwar im wesentlichen auf besagte Quick-Time-Events beschränkt, aber gerade dadurch ein erfrischend anderes Spielgefühl vermittelt.

Während das Spiel zu Beginn noch ruhig und wenig spektakulär abläuft, steigert sich sowohl der Spannungs- als auch Suchtfaktor recht schnell. Dank der vier unterschiedlichen Hauptcharaktere ist auch für entsprechende Abwechslung gesorgt, die einen pausenlos an den Bildschirm fesselt. Das Damoklesschwert möglicher Fehlentscheidungen, welches einem ständig virtuell über dem Kopf baumelt, tut hier sein übriges, auch wenn die Folgen nicht immer sofort spürbar sind. Die Entwickler schaffen es, den Spieler von Anfang bis Ende in den Bann zu ziehen und eine gewisse emotionale Bindung zum jeweiligen Spielcharakter herzustellen, was sich äußerst positiv auswirkt.

Technisch macht Heavy Rain eine gute Figur, die Hauptcharaktere sind sehr authentisch und detailreich umgesetzt und tragen massgeblich zur Atmosphäre bei, da kann man über etwas holprig animierte Passanten bzw. NPCs locker hinwegsehen. Auch wenn die Musikuntermalung zu jeder Zeit stimmig und passend ist, hatte ich jedoch irgendwie immer das Gefühl, der Soundtrack besteht nur aus einem einzigen Track.

Wenn nach 8-12 Stunden, je nach Spielweise und Handlungsverlauf, der Abspann erscheint, kann man davon ausgehen, dass jeder Spieler ein anderes Heavy Rain erlebt hat. Hierfür sind die verschiedenen Möglichkeiten und Auswirkungen einzelner Entscheidungen verantwortlich, die gleichermaßen auch einen gewissen Wiederspielwert mit sich bringen, auch wenn man den "Origami-Killer" bereits kennt. Dank einer Kapitelauswahl kann man an jedem Punkt der Geschichte neu starten - nicht nur für Trophäenjäger praktisch. Dennoch ist das Spiel sicherlich nicht jedermans Sache - es bleibt ein interaktiver Film. Verschafft euch am besten anhand der Demo einen ersten Eindruck.



Besonders gut finde ich ...
  • Story & Atmosphäre
  • Hoher Spannungslevel
  • Unterschiedliche Perspektiven
  •    dank der vier Hauptcharaktere
  • Entscheidungen und ihre Auswirkungen
  • Verschiedene Story-Erlebnisse
  •    und Spielenden
  • Musikuntermalung
  • Intensive Spielzeit

Nicht so optimal ...
  • Teils fummelige Lauf-Steuerung
  •   durch ungünstige Kameraperspektive
  • FBI-Agenten-Fähigkeiten etwas
  •   übertrieben (ARI)
  • Unterbrechungen zwischen einzelnen
  •   Abschnitten nehmen zum Ende   hin stark zu (Ladepausen)

 Testsystem:  PS3
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3 Kommentar(e):
und folgenden Usern gefällt der Beitrag: Kithaitaa, Haschbeutel,

 





#1
Geschrieben am 24. Februar 2010 um 20:18 Uhr

DarkRaziel meint ...

Ihr habt euch so viel Mühe gegeben bei dem Testbericht und keiner will seine Gedanken dazu schreiben.      

Habe nun schon so einige Test gelesen aber auch Test Videos geschaut und alle kommen wie ihr auf die gleichen kleinen Mängel aber wiederum auch auf viele Positive Dinge.

Wie ich habe ja nun schon seit einigen Wochen die Demo und sie auch gespielt und mich haben die vielen Quicktime Events etwas gestört. Liegt vielleicht auch daran das ich sie nicht besonders mag und sie in vielen Spielen Aufgesetzt wirken aber eben hier in diesen Spiel nicht aber ich dieses Syndrom haben und genervt von solchen Aktion bin.

Wo sie mich zuletzt am meisten geärgert haben war vor etwas längerer zeit bei God of War II im Finalkampf wo ich gut 1 Stunde gebraucht habe bis ich mal immer so schnell die richtigen Tasten gedrückt habe wie gefordert.

Vielleicht werde ich mir das Spiel mal besorgen wenn es in der Platinum Serie ist, aber nicht zum Vollreis, denn jetzt sind erst mal Battlefield BC 2 und God of War III in der Ultimate Edition Box dran und dann werden wir mal schauen was noch so kommt.


          
 





#2
Geschrieben am 24. Februar 2010 um 22:37 Uhr

Kithaitaa meint ...

@DarkRaziel
Ich bin ansich kein Freund von QTEs, in Heavy Rain ist aber gerade die Tatsache, dass diese nicht wie in anderen Spielen eingesetzt werden, das schöne an der Sache. Es ist eben nicht das "DRÜCKE X JETTTZZTTT!!!" und wenn man es in der Sekunde nicht schafft, startet die ganze Show von vorne. Heavy Rain erlaubt auch mal Fehler oder verpasste Tasten-Einsätze und wenn man es mal gespielt hat, funktioniert alles wunderbar - auch für QTE-"Hasser"   



          
 





#3
Geschrieben am 16. April 2010 um 15:34 Uhr

Antitheus meint ...

Ich muss vorne weg sagen wenn man ein Stupides Aktion Game erwatet ist man hier falsch.
Hier eine Sehr gute Story nur leider nicht ausgeschöpft bei nur 4-8 std spiel spass tröstet es kaum das man etliche Enden zur verfügung hat zumal die Wurzel Punkte in jedem Ende die selben sind.
Der selbe Mörder der selbe Hintergrund dennoch muss Ich sagen das mir das Spiel ganz gut gefällt da es eine gewisse Einzigartigkeit bietet die einen über diverse kleinere Mängel weg trösten.
Was Ich vermisse sind , Mehr gelegenheiten in die Story Massiv einzugreifen und auch die Option zwischen Gut und Böse ist er bescheiden ausgefallen wobei Ich mir sicher bin das ich mir Nach fahrenheit und Heavy Rain einen weiteren Teil ohne zu zögern Kaufen würde. Krimi Interaktiv sehr schöne Idee.



        



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