Genre: RTS  
Entwickler: Blizzard Entertainment  Publisher: Blizzard Entertainment
Plattform(en):  PC, Mac

Release: 27.07.2010
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Starcraft 2: Wings of Liberty - Review

Blizzards Strategie-Klassiker präsentiert sich im neuen Gewand

Geschrieben von Chris am 3. August 2010 um 20:04 Uhr


Der Echtzeit-Strategie geht es überhaupt nicht gut. Das klassische Genre hatte mit dem anhaltenden Aufschwung der Konsolen ohnehin schon stark an Wichtigkeit eingebüßt. Doch in den letzten Jahren stagnierten auch noch die Ideen. Das Genre kam nicht von der Stelle, entwickelte sich kaum weiter. In einem verzweifelten Innovationswahn wurden große Serien gegen die Wand gefahren und Entwickler vor die Tür gesetzt. Viele erhoffen sich von Starcraft 2 daher nicht weniger als die Rettung eines ganzen Genres. Aber kann diese am Ende wirklich von Blizzard Entertainment kommen? Schließlich setzten die Kalifornier in der Vergangenheit immer wieder auf Altbewährtes und nur selten auf Innovationen.

Blizzard und die Echtzeit-Strategie
Warcraft 2: Tides of Darkness (1995), der Nachfolger Warcraft 3: Reign of Chaos (2002) und Starcraft (1998) gehören zu den größten Namen der Echtzeit-Strategie. Alle drei haben das Genre zu ihrer Zeit über Jahre dominiert und entstanden bei Blizzard Entertainment, die seit Dune 2 wohl den größten Einfluss auf die Entwicklung des Genres hatten. Starcraft ist mit seinem Aufstieg zum Nationalsport von Korea ohnehin ein einmaliges Phänomen der Spieleindustrie. Während Warcraft 2 und Starcraft zu den klassischen Vertretern des Genres zählen, zeigte sich Blizzard mit Warcraft 3 zuletzt etwas experimentierfreudiger. Starcraft 2 soll sich nun in diese Erfolgsserie einreihen und setzt ebenfalls auf eine etwas angestaubte Auslegung der Echtzeit-Strategie - fast so, als hätte das revolutionäre Warcraft 3 nie existiert. Genau darin liegt sowohl seine größte Stärke, als auch so ziemlich seine einzige Schwäche, denn Starcraft 2 bietet zwar in Sachen Gameplay wenig Neues, macht aber ansonsten einfach alles richtig.





Good old times
Beim Nachfolger des größten E-Sport Titels aller Zeiten steht selbstverständlich erst einmal der Mutliplayer-Part im Fokus der weltweiten Fangemeinde. Hier bietet Starcraft 2: Wings of Liberty die erwarteten Höchstleistungen und präsentiert sich als logische und sinnvolle Weiterentwicklung, die genau da ansetzt, wo der Vorgänger aufgehört hat: In klassischer Echtzeit-Manier treten Spieler in 1 gegen 1, 2 gegen 2, 3 gegen 3, 4 gegen 4 oder Free-For-All Gefechten gegeneinander an. Wer mithalten will, muss sowohl Micromanagement als auch Macromanagement beherrschen und die richtige Balance finden - zwischen der geschickten Kontrolle einzelner Einheiten und ihrer Fähigkeiten auf der einen Seite und der Verwaltung der eigenen Wirtschaft auf der anderen. Diese Gratwanderung ist Blizzard ebenso gut gelungen, wie die hervorragende Balance und das durchgehend starke Einheitendesign. Eben diese fast perfekte Umsetzung dieser klassischen Tugenden verbinden Wings of Liberty mit seinem Vorgänger und bilden eine sehr solide Grundlage für einige der packendsten Multiplayerschlachten des Genres.

Insgesamt hat sich im direkten Vergleich auf den ersten Blick auch nicht viel verändert, auf dem hohen Niveau der Profi- und Turnierspieler, die für Starcraft eine zentrale Rolle spielen, hat aber auch schon die kleinste Änderung große Auswirkungen. Was Starcraft 2 aus dem Vorgänger übernimmt, wurde sinnvoll erweitert und verfeinert. So spielen sich die drei klassischen Rassen der Protoss, Terraner und Zerg jetzt noch unterschiedlicher - übernommene Einheiten erhalten neue Fähigkeiten, Upgrades oder sogar komplett neue Einsatzmöglichkeiten. Zudem gibt es eine Vielzahl neuer Einheiten und Gebäude, die sich gut in dieses Grundgerüst einfügen und mit dessen hoher Qualität problemlos mithalten können. Besonders gelungen sind die neuen Komfortfunktionen und Bedienungshilfen, die es auch Einsteigern ermöglichen sollen, im Multiplayer Fuß zu fassen. Das funktioniert nicht nur tadellos, sondern hat auch noch kaum spürbaren Einfluss auf die Profi-Matches, die so nicht an Tiefe verlieren. Wings of Liberty mag dabei zwar nicht nicht so absolut perfekt ausbalanciert und aufpoliert sein, wie die 12 Jahre alte Vorlage, ist aber schon verdammt nah dran. Und das schon vor den zwei bereits angekündigten Folgetiteln Heart of the Swarm und Legacy of the Void.


Starcraft 2: Wings of LibertyStarcraft 2: Wings of LibertyStarcraft 2: Wings of LibertyStarcraft 2: Wings of Liberty
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Wings of Liberty
Spätestens seit Starcraft oder Warcraft 3 erwartet man von Blizzard allerdings auch eine starke Kampagne und tatsächlich wurde hier diesmal ganz besonders viel Zeit und Arbeit investiert. Während sich das Gameplay - wie auch im Multiplayer - sehr stark am Vorgänger und damit an einem jahrzehntealten System orientiert, gibt sich das Gerüst um die einzelnen Missionen erfrischend modern. Die Kampagne erinnert in Inszenierung und Umfang viel mehr an dedizierte Einzelspieler-Erfahrungen wie Mass Effect, als an vergangene Echtzeit-Titel. Blizzard lässt den Spieler in die Rolle des James Raynor schlüpfen, der schon im ersten Teil der Serie zu den wichtigsten Charakteren zählte und in Wings of Liberty gleich die Hauptrolle übernimmt. Dieser kann zwischen den einzelnen Missionen in unterschiedlichen Schauplätzen - unter anderem dem Schweren Kreuzer Hyperion - mit seiner Umgebung interagieren und Dialoge mit Nebencharakteren starten, Upgrades oder Forschungsaufträge verwalten oder einfach nur in der Cantina ausspannen und Musik hören. Zudem lässt das Spiel dem Spieler über weite Teile freie Wahl bei der Reihenfolge der Missionen. An wenigen Stellen muss sich der Spieler sogar zwischen zwei Parteien und damit zwei alternativen Missionen entscheiden. Auf wessen Seite sich Raynor schlägt hat allerdings keinen Einfluss auf das Ende, das besonders auf Fans des ersten Teils zugeschnitten ist. Hier hat Blizzard wohl auch für Starcraft 2: Heart of the Swarm ein eindeutiges Ende geschaffen.

Der Sprung vom namenlosen Commander zur zentralen Figur der Story stärkt die Atmosphäre dabei eben so, wie die unzähligen kleinen Details: In der Cantina der Hyperion berichtet ein Propaganda-Sender im Fernseher mit verdrehten Fakten über bereits abgeschlossene Missionen, eine interaktive Jukebox spielt Coverversionen von Country-Klassikern wie "Sweet Home Alabama" oder "Freebird" und auf einem Arcade-Automaten in der Ecke läuft "The Lost Viking" - ein eigenes Spiel im Spiel. Fans der Serie können sich über viele wiederkehrende Charaktere aus den Büchern oder dem Vorgänger freuen - selbst Nova, die Hauptfigur des vorerst auf Eis liegenden Konsolen-Titels "Starcraft: Ghost", hat einen Auftritt. Dank der guten Storyführung können aber auch Neulinge dem Geschehen problemlos folgen. Wings of Liberty lässt dem Spieler anfangs etwas Zeit sich in Gameplay und Spielwelt zurecht zu finden und zieht dann besonders im letzten Drittel der Kampagne stark an. Nicht zuletzt durch die beeindruckende Präsentation wirkt die Geschichte gegen Ende sogar noch etwas epischer als in Blizzards Vorzeige-Titeln Warcraft 3 und Starcraft.


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Play it again, Sam
Mit 29 Missionen - von denen maximal 26 in einem Durchlauf bestritten werden - ist die Kampagne relativ umfangreich. Wer sich wirklich mit der Handlung beschäftigt und Dialoge und Zwischensequenzen nicht einfach wegdrückt, dürfte mindestens 20 Stunden beschäftigt sein. Jede Mission lässt sich außerdem in vier verschiedenen Schwierigkeitsgraden bestreiten: Casual, Normal, Hard und Brutal. Diese unterscheiden sich zum Teil deutlich und erfordern plötzlich ganz neue Spielweisen. Beispielsweise verfügt der Gegner in einer Mission auf Brutal plötzlich über Lufteinheiten, was die möglichen Vorgehensweisen des Spielers stark beeinflusst. Hier hat man sich besonders viel Mühe gemacht, was sich sehr positiv auf den Wiederspielwert der Kampagne auswirkt. In Kombination mit den unglaublich abwechslungsreichen Missionen und dem cleveren Missionsdesign sorgt dieser Kniff dafür, dass die Wings of Liberty Kampagne auch beim zweiten Durchlauf noch mehr Spaß macht als so mancher Konkurrent beim ersten Mal. Schade allerdings, dass sich die Kampagne nur auf die Terraner konzentriert und die Kampagnen zu Protoss und Zerg erst in den beiden weiteren Teilen der Starcraft 2 Trilogie folgen. Wings of Liberty enthält leider nur vier Protoss-Missionen, die allerdings meisterhaft in die Handlung integriert wurden. Zerg-Missionen sucht man vergebens.

Genretypisch gibt es neben der Kampagne noch die Möglichkeit, allein oder gemeinsam mit Freunden, gegen die Skirmish-KI anzutreten. Die kommt in - vorbildlich abgestimmten - fünf Schwierigkeitsgraden und dürfte Neulinge eine Weile beschäftigen. Starcraft Veteranen hat die KI aber auch auf der höchsten Stufe nicht viel entgegen zu setzen. Zur Vorbereitung auf den Mutliplayer-Part gibt es neun verschiedene Challenges, die besonders schnelle Entscheidungen und effektive Kontrolle weniger Einheiten erfordern. Spielern, die in allen Challenges die Goldmedaille erreichen oder die Kampagne auf den höheren Schwierigkeitsgraden abschließen, winken zudem Achievements und Belohnungen in Form von Portraits für den Battlenet Account und Decals - kleine Abzeichen, die von der eigenen Armee in Mehrspielerschlachten getragen werden. Allgemein bietet Starcraft 2 in Verbindung mit dem Battlenet 2.0 ein gut durchdachtes Achievement-System, das sowohl im Singleplayer als auch im Multiplayer zu besonders schwierigen oder verrückten Manövern motiviert.


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Always Online
Mit Ausnahme der Kampagne, setzen alle Features eine Verbindung zum Battlenet voraus. Lan-Unterstützung für Mehrspielerschlachten gibt es nicht. Blizzard möchte offensichtlich alle Spieler ins Battlenet zerren. Das mag zwar schon Monate vor Veröffentlichung für viel Unmut gesorgt haben und wird in erster Linie wirtschaftliche Gründe haben, der Spieler profitiert aber auch von einer kostenlosen, umfangreichen und sinnvollen Plattform, die sowohl einige nette E-Sport und Wettkampf Funktionen bietet, als auch von Spielern erstellte Inhalte geschickt unterstützt. Letzteres dürfte dem Spiel - wie auch schon Starcraft und Warcraft 3 - auf lange Sicht sehr gut tun. Diese "always online"-Politik zieht sich wie ein roter Faden durch die Einbindung von Wings of Liberty in Blizzards Battlenet. So verfügt jeder Spieler automatisch über ein Profil, in dem entsprechende Achievements, Spielstatistiken oder Platzierungen von anderen Spielern eingesehen werden können. Das mag einigen Spielern etwas extrem erscheinen, macht in einem wettkampforientierten Spiel aber durchaus Sinn. Nützlich sind auch die neuen "cross-game"-Funktionen des Battlenets, die es dem Spielern ermöglichen auch mit Freunden in World of Warcraft zu kommunizieren. Etwas ernüchternd ist allerdings, dass es im Battlenet 2.0 noch die ein oder andere Baustelle gibt. Beispielweise fehlen globale Chat Channels, die bereits in der Beta angekündigt wurden. Derlei Ausrutscher sind - besonders im Vergleich zum unglaublich geschliffenen und aufpolierten Spiel selbst - absolut unverständlich.






Chris schrieb am 3. August 2010
Starcraft 2 ist ein merkwürdiges Konstrukt aus mindestens 12 Jahre altem Gameplay und Design Prinzipien und der wohl modernsten Präsentation, die es im RTS-Genre gibt. Aber möglicherweise liegt genau hier das wegweisende Potential dieses Meisterwerks, das dem Genre mal wieder neues Leben einhauchen könnte. Immerhin hat sich mit Command and Conquer 4 eine andere große Serie des Genres, mit zu viel Innovationen und Tatendrang an den falschen Stellen, selbst ins Aus befördert. Ob die Echtzeit-Strategie in den nächsten Jahren tatsächlich noch einmal aufblüht, oder Blizzard das Genre in Zukunft einfach alleine bedient, bleibt abzuwarten.

In jedem Fall dürfte Wings of Liberty aber zu den einflussreichsten Titeln der letzten Jahre zählen. Der Multiplayer wird - wie schon der Vorgänger - noch über Jahre hinweg Massen beschäftigen und der Online-Szene seinen Stempel aufdrücken. Das altbekannte Dreieck der drei sehr unterschiedlichen Rassen funktioniert unverschämt gut und die Balance spielt zusammen mit Warcraft 3 und Starcraft in einer ganz eigenen Liga. Zudem wird Starcraft 2 mit seinen Community Funktionen, seinem Fokus auf Wettbewerb und der grandiosen Unterstützung für von Spielern erstellte Inhalte, auch den PC als Spieleplattform noch einmal mit Argumenten versorgen. Ein solches Projekt wäre auf anderen Plattformen einfach undenkbar.

Starcraft 2: Wings of Liberty erbt die Komplexität und den ultimativen Online-Wettkampf seines Vorgängers, bietet aber - dank Ligen, Trainingsspielen und einer stark verbesserten Bedienung - endlich auch Anfängern eine realistische Einstiegschance. Dazu gesellt sich eine der besten Kampagnen des Genres und ein generell deutlich umfangreicheres Spielerlebnis. Das Gesamtpaket dürfte eines der besten PC-Spiele aller Zeiten sein. Ich persönlich kann es jetzt schon kaum erwarten zu sehen, was Blizzard mit den beiden verbleibenden Titeln dieser neuen Trilogy so alles anstellen wird.


Besonders gut finde ich ...
  • starke, atmosphärische Kampagne
  • umfangreiche Singleplayer- ...
  • ... und schier endlose Multiplayer-Inhalte
  • grandioser Multiplayer
  • extremes "polishing" in allen Bereichen
  • kostenlose Online-Plattform
  • große und äußerst aktive Community


Nicht so optimal ...
  • nur eine Kampagne (Terraner)
  • Battlenet noch ohne Chat Channels
  • innovationsarm

 Testsystem:  PC
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1 Kommentar(e):
und folgenden Usern gefällt der Beitrag: Haschbeutel, Michi, Tim, Phaz, ... und 4 Gästen.

 





#1
Geschrieben am 4. August 2010 um 00:20 Uhr

Tim meint ...

Schöne Review!

So langsam interessiert mich das Spiel wirklich. Richtig "klassische" Strategie gibt es ja kaum noch, vielleicht sollte ich also hier mal zugreifen.. sicherlich einen tieferen Blick wert  


          



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