Genre: Jump'n'Run  
Entwickler: SnapDragon Games  Publisher: Pixonauts
Plattform(en):  Wii

Release: 11.08.2010
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The Kore Gang - Review

Abgedreht, witzig und kunterbunt - die Kore Gang ist endlich da!

Geschrieben von Tim am 7. August 2010 um 18:32 Uhr


In wie vielen Spielen wurde eine außerirdische Invasion nun schon thematisiert? Wie oft musste man die Erde schon vor seltsamen Wesen oder gar Monstern aus dem Weltall beschützen? Es würde viel zu lange dauern, das alles aufzuzählen - aber wie oft musste man die Erde schon vor seltsamen Wesen aus dem Erdinneren beschützen? Quasi eine "Ausvasion" verhindern? Genau: noch nie. Doch das deutsche Entwicklerstudio SnapDragon Games versetzt euch in dieses abgefahrene Szenario und serviert nach Super Mario Galaxy 2 den zweiten vielversprechenden 3D-Platformer für Wii. The Kore Gang ist herrlich durchgeknallt, wunderbar liebevoll inszeniert und durch und durch unterhaltsam - schafft es das Spiel tatsächlich, über den Status des "Geheimtipps" hinauszuwachsen?

Ausvasion der Innerirdischen: die Gebrüder Krank
Sieben Jahre hat es nun gedauert, bis The Kore Gang endlich fertiggestellt und auch so gut wie erschienen ist. Sieben Jahre, in denen sich einiges getan hat. Zunächst war der Titel für die alte Xbox angekündigt, wurde dann aber irgendwann aufgrund fehlender Publisher eingestampft und tauchte nun vor zwei Jahren aus der Versenkung auf. Das deutsche Entwicklerstudio SnapDragon Games fand die Unterstützung der Games Foundation und entwickelte das gesamte Spiel noch einmal von Grund auf neu für Wii - natürlich mit demselben Spielprinzip und dem gleichen abgedrehten Szenario. Denn die Geschichte hinter den Abenteuern der drei Protagonisten Pixie, Madboy und Rex ist keinesfalls gewöhnlich. Anstatt einer Invasion von Aliens droht eine Art "Ausvasion" der Innerirdischen: die bösen Krank-Brüder, die unter dem Erdmantel eine eigene Zivilisation mitsamt einer eigenen Kultur aufgebaut haben, wollen nun durch den Erdmantel an die Erdoberfläche vordringen. Um dieses Vorhaben auch umsetzen zu können, erschufen sie eine gigantische Metallkonstruktur, die sich nun durch den Planeten bohrt: den Krank-Tank. Durch einen unglücklichen Zufall landen unsere drei Helden nun in diesem Tank, ohne genau zu wissen, wo sie sich überhaupt befinden. Doch mithilfe des cleveren Dr. Samuelson und dessen Kore Suit streben die drei nun an, die Erde zu retten und den Plan der Kranks zu vereiteln.

Dieses Szenario ist nicht nur originell, es ist auch toll in Szene gesetzt. Denn wer vom Krank-Tank jetzt öde Metallräume und -gänge erwartet, liegt wirklich total daneben. Die Krank-Brüder mögen es nämlich auch lieber hell als dunkel und haben sich für diesen Zweck sogar einen eigenen Himmel mitsamt Wolken, Sonnen, Sternen und Monden an die Decke gemalt, Gras am Boden wachsen lassen und große Gebäude errichtet, Flüsse und Seen erschaffen und sich damit ihre eigene kleine Welt aufgebaut, die sie nun zusammen mit ihren zahlreichen Handlangern bewohnen. Dementsprechend bunt und abwechslungsreich sind auch die Kulissen: freut euch auf saftig grüne Wiesen und beschauliche Dörfer und Missionen bei Tag und Nacht! Schade nur, dass die kunterbunten Umgebungen durch viele hässliche Texturen ein wenig an Reiz verlieren. Dennoch sieht The Kore Gang für ein Wii-Spiel recht ordentlich aus. Es lebt ohnehin eher von seinem quietschbunten Stil als von einer herausragenden Technik; ihr werdet auch den einen oder anderen kleinen Ruckler zu spüren bekommen.



Man nehme ein wenig Crash Bandicoot ...
Doch kommen wir wieder zurück zur Geschichte. Unsere drei Helden entdecken nun den sogenannten Kore Suit, mit dessen Hilfe sie übermächtige Fähigkeiten erlangen. Das praktische Gerät hat nämlich zwei Beine und zwei Arme, mit denen man allerlei cooles Zeug anstellen kann. Pixie ist die Akrobatin im Team: sitzt sie am Steuer, verwandelt sich die Blechmaschine in ein wahres Klettermonster mit mehreren Meter lang ausfahrbaren Armen zum Hangeln und Greifen. Auch die Beine werden stärker, sodass Pixie nicht nur weiter und höher springen, sondern auch schneller laufen kann. Das wahre Highlight sind aber die Arme, denn sobald sie diese ausfährt, kann der Kore Suit sich auch an weit entfernten Kanten festhalten. Damit schwingt ihr über tiefe Gräben, klettert riesige Gebäude hinauf oder haltet euch an fliegenden Transportmitteln fest. Aber so beweglich Pixie auch ist, sobald sich Gegner nähern, sollte sich das clevere Mädchen lieber zurückziehen und Madboy ans Steuer lassen. Der freche kleine Junge steht nämlich mehr auf den Kampf und schlägt mit den eisernen Fäusten des Kore Suits auf die Feinde ein, ist dafür aber langsamer und kann nicht so hoch springen. Rex dagegen, Madboys bester Freund und ein kleiner Hund, nimmt blitzschnell die Spur von gesuchten Objekten auf, kann Tresore knacken und auf allen vieren losspurten. Man kann übrigens jederzeit zwischen den dreien wechseln und das ist auch zum Weiterkommen bitter nötig, denn es geht nur dann weiter, wenn ihr geschickt die Fähigkeiten der drei Helden vereint.

Die Story wird in zahlreichen Zwischensequenzen vorangetrieben, von denen einige sogar aufwendig gerendert sind. Dabei gibt es das eine oder andere Mal auch genug Grund zum Lachen, denn Humor spielt in The Kore Gang eine große Rolle. Die abgedrehten Figuren, die durchgeknallte Story und die schrägen Dialoge sind das Markenzeichen des Spiels und wecken wohlige Erinnerungen an Crash Bandicoot. Schön auch, dass nicht nur die Protagonisten, sondern auch die zahlreichen Nebenfiguren jeweils ihre eigene Persönlichkeit besitzen. Ihr werdet mit Sicherheit auch die eine oder andere Anspielung finden. Passend dazu gibt es übrigens immer wieder kleinere Musikeinlagen, bei denen euch Feinde oder Freunde ein eigens komponiertes Lied vorsingen - einfach herrlich bescheuert. Das gleiche gilt für die Bosskämpfe, bei denen die Feinde z.T. sogar im Takt der Musik angreifen.



... ein wenig Rayman ...
Das Gameplay selbst erinnerte mich zunächst sehr stark an Rayman 3, was man durchaus als Kompliment ansehen kann, da eben jenes Rayman für mich zu den besten 3D-Platformern überhaupt gehört. Man ist im Prinzip die ganze Zeit damit beschäftigt, Zeeks einzusammeln - kleine blaue Wesen, die Boni freischalten -, mehr oder minder knifflige Sprungpassagen zu bewältigen und die Levels nach bestimmten Objekten abzusuchen. Dabei beschränkt sich das Leveldesign zwar des Öfteren auf simple Hol- und Bringdienste, da ihr meistens durch offene Levels streift - es gibt aber auch einige lineare Varianten, vor allem zu Beginn. In fast jedem Level begegnet ihr also einer Nebenfigur, zumeist ein Mitglied der Widerstandsgruppe Weeba, die sich gegen die Kranks auflehnt, das euch dann um Hilfe bittet. Ob es nun darum geht, Kopf und Klamotten einer Vogelscheuche wieder aufzusammeln, um die Unheilsvögel zu verjagen, oder ob ihr ein paar Kameras ausschalten müsst, rein prinzipiell macht ihr fast immer dasselbe. Das mag schlecht klingen, muss aber nicht zwangsweise schlecht sein, da es wirklich Spaß macht, die Levels bis ins hinterste Eck abzusuchen. Im Gegensatz zu den neueren Crash Bandicoot Ablegern sind die Levels hier nämlich oft angenehm offen und bieten eine große Fläche zum Austoben und Absuchen, natürlich voll gespickt mit Hüpfpassagen, schwebenden Plattformen und großen und kleinen Gegnern.

Schade ist aber, dass The Kore Gang erst gegen Ende ein wenig zulegt, was den Schwierigkeitsgrad angeht. Denn die meisten Tode, die ihr hinnehmen müsst, sind mehr der Kameraführung als eurer eigenen Schwäche zuzuschreiben. Mal zeigt die Kamera das Geschehen perfekt, aber viel zu häufig müsst ihr umständlich nachjustieren - und gerade in brenzligen Situationen oder beim Schwingen über Abgründen ist das verheerend, zumal man die Kamera nicht immer exakt ausrichten kann. Oft dreht sie sich auch mal komplett im Kreis oder zeigt euch das Blätterdach, unter dem ihr euch gerade befindet. Das ist natürlich ziemlich blöd und macht wahrlich keinen guten Eindruck, hier hätte Feintuning sicherlich gut getan. Aber abgesehen davon ist das Spiel größtenteils einfach zu leicht. Die Bosskämpfe laufen zwar immer nach einem anderen Schema ab, sind aber schnell durchschaut und somit auch schnell erledigt und die Hüpfpassagen sind gerade für erfahrene Jump & Run Freunde ein Klacks. Schwieriger wird es erst, wenn mehrere Gegner auf einmal auf den engen Plattformen herumstreunen und euch in die Tiefe schubsen. Aber The Kore Gang richtet sich so oder so eher an ein jüngeres Publikum, das dürfte mit dem Schwierigkeitsgrad aber ganz gut bedient werden.



... und ein kleines bisschen Mario!
Cool ist, dass der Humor nicht nur in den Zwischensequenzen, sondern auch im Gameplay selbst allgegenwärtig ist. Bestes Beispiel dafür sind die sprechenden Knöpfe. Bevor man einen Knopf nämlich betätigen kann, um eine Maschine zu aktivieren, muss man ihn erst finden und in die entsprechende Öffnung reinstopfen. Anschließend schaut das seltsam grinsende Wesen hinaus und ruft "Mein Name ist Knopf. James Knopf." oder "Schlag mich, kleiner Mann! Ich war ein böser Knopf." mit einer herrlich bekloppten Stimmlage. Aufgelockert wird das Gameplay durch einige witzige Minispielchen: müsst ihr zum Beispiel die herumfliegenden Propagandaplakate zerstören, setzt ihr euch in eine Kanone und ballert die tragenden Vögel ab. Auch zum Safeknacken gibt es ein kleines Minispiel, bei der ihr den Control Stick in die richtige Richtung neigen muss, ein ähnliches Prinzip findet beim Belauschen statt. Auch wenn besonders das Knacken von Sicherheitsschlössern auf Dauer nervig werden kann, so ist es doch eine nette Ablenkung vom eigentlichen Spielprinzip.

Steuerungstechnisch orientiert sich The Kore Gang an Super Mario Galaxy. Mit dem Control Stick wird natürlich gesteuert, mit dem Pointer die Zeeks eingesammelt und gesprungen mit A - alles geht locker und flüssig von der Hand. Die leider etwas wiederholungsanfälligen Hintergrundmelodien erinnern übrigens auch ein wenig an Rayman und auch hier ist das wieder ein Kompliment, denn der Soundtrack hält ein paar unwiderstehliche Ohrwürmer parat. Auch die Sprachausgabe ist durch und durch gelungen, was so gesehen auch kein großes Wunder ist, da das Spiel ja in Deutschland entwickelt wurde.








Tim schrieb am 7. August 2010
In seinen besten Momenten - und davon gibt es eine ganze Menge - erinnert The Kore Gang an Rayman und alleine das lässt das Jump & Run Herz schon höher schlagen. Aber nicht nur Rayman, sondern auch andere Genre-Maskottchen scheinen den Weg für die Kore Gang geebnet zu haben: das abgedrehte Leveldesign und die humorvolle Präsentation mit den durchgeknallten Figuren und der aberwitzigen, aber durchaus interessanten Geschichte könnte glatt den Köpfen der Macher von Crash Bandicoot entsprungen sein. Steuerungstechnisch dagegen orientiert sich das ambitionierte Sieben-Jahre-Projekt aus Deutschland eher an den neuesten Abenteuern von Mario. The Kore Gang wirkt wie ein Mischmasch aus den Stärken der größten Spielereihen des Genres überhaupt und bleibt auch letztlich genau das: eine witzige, unterhaltsame, abgedrehte Mischung aus Rayman, Crash Bandicoot und Mario, die aber aber einfach keine eigenen Zeichen setzen kann. Denn so unheimlich schräg das ganze Szenario und die Inszenierung auch ist, ausgerechnet spielerisch bleibt das Spiel zu bodenständig. Schade ist auch, dass die Entwickler mit anständigen Texturen gegeizt haben, obwohl die farbenfrohen und abwechslungsreichen Kulissen für einen Wii-Titel einen ordentlichen Eindruck machen - mit Größen wie Super Mario Galaxy 2 kann man da natürlich kaum mithalten. Auch ein wenig Feintuning bei der Kamera hätte ein paar unnötige Tode relativiert. Doch trotz aller Kritik hat mir The Kore Gang wirklich Spaß gemacht und ist für mich ein mehr als nur gelungenes Jump & Run. Denn The Kore Gang macht zwar nichts wirklich neu, dafür aber eines genau richtig. Es serviert uns mehr von dem, was wir haben wollen: einen klassischen 3D-Hüpfer mit gutem Leveldesign! Kurz: wer auf Sammeln, Klettern und Hüpfen steht, macht hier keinen Fehlgriff. Mit der recht kurzen Spielzeit und dem zu niedrigen Schwierigkeitsgrad müsst ihr aber klarkommen.

Akustisch und spielerisch erinnert es in seinen besten Momenten an Rayman, erzählerisch und optisch an Crash Bandicoot und was die Steuerung angeht, an Mario: The Kore Gang ist eine bodenständige, aber ungemein witzige und unterhaltsame Jump & Run Odyssee aus deutschen Landen - die es verpasst, selbst Zeichen zu setzen.


Besonders gut finde ich ...
  • Sammeln, Kämpfen, Klettern, Hüpfen!
  • sehr abwechslungsreiche Kulissen ...
  • drei deutlich verschiedene Spielfiguren
  • kleine und große Areale der Spielwelt
  • 30 ordentlich designte Levels
  • humorvolle & quietschbunte Präsentation
  • viele ansehnliche Zwischensequenzen
  • witzige und interessante Story


Nicht so optimal ...
  • häufige Probleme mit der Kamera
  • ... aber auch viele schwache Texturen
  • etwas zu kurz geratene Spielzeit
  • Schwierigkeitsgrad steigt zu spät an

 Testsystem:  Wii
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2 Kommentar(e):
und folgenden Usern gefällt der Beitrag: Phaz, Haschbeutel,

 





#1
Geschrieben am 8. August 2010 um 18:22 Uhr

TabbyTopp meint ...

Danke für den schönen Bericht! Publisher sind aber die Pixonauts, nicht die insolventen Jungs von Games Foundation.   


          
 





#2
Geschrieben am 8. August 2010 um 22:01 Uhr

Phaz meint ...

schade =/ habe mir mehr erhofft ^^


          



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