Genre: Jump'n'Run  
Entwickler: Sonic Team  Publisher: Sega
Plattform(en):  Wii, NDS

Release: 12.11.2010
Jetzt kaufen: Amazon.de

Community: 1 User hat es.



 





Sonic Colours - Review

Eine Sonic-Symbiose aus 2D und 3D - mit angenehmer Wisp-Würze?

Geschrieben von Tim am 20. November 2010 um 19:28 Uhr


Er rennt. Er hüpft. Er sammelt Ringe und zerstört Roboter. Alles nur, um wie immer Dr. Eggman das Handwerk zu legen und die Welt mal wieder zu beschützen. Sonic ist schon seit Jahren Videospielkult - und mit Sonic Colours erscheint die nächste große Episode der Jump'n'Run Reihe für Wii und damit exklusiv auf der Plattform, auf der er bisher die größten Erfolge im 3D-Bereich feiern konnte. Wie schlägt sich Sonic im dritten wii-exklusiven Hüpf-und-Renn-Abenteuer, das dieses Mal in einem intergalaktischen Vergnügungspark zwischen bunten Aliens, monumentalen Süßigkeiten und kunterbunter Farbenpracht stattfindet? Ich bin mit Sonic auf Ringejagd gegangen und werde euch nun verraten, wie sich Sonic Colours spielt.

Der Fluch der dritten Dimension
Sonic hatte es noch nie leicht. Im Gegensatz zu Mario & Co. hat es Segas Maskottchen noch nie geschafft, über Jahre hinweg konstant gute Qualität abzuliefern. Immer wieder nimmt Sonic langsam Geschwindigkeit auf und sobald er das Spitzentempo erreicht, wird er von einem Stolperstein aufgehalten. In den vergangenen Jahren waren diese Stolpersteine unter anderem Sonic the Hedgehog und für viele auch Sonic Unleashed und Sonic und der schwarze Ritter. Ich persönlich hatte Spaß mit Unleashed und dem mittelalterlichen Wii-Abenteuer - ob das auch bei Sonic Colours der Fall ist, das verraten die kommenden Absätze. Eines vorweg: Geschwindigkeit steht bei Colours an allererster Stelle! Es muss also niemand befürchten, durch Schwertkämpfe oder Nachtlevel gestört zu werden ...



Im Rausch der Geschwindigkeit
Nein, Sonic Colours bietet wirklich das, was man sich als langjähriger Sonic-Fan schon immer auch in 3D gewünscht hat: einen Geschwindigkeitsrausch, der einmal beginnt und nicht mehr aufhören will. Sonic Colours ist auch das bisher rasanteste Sonic für Wii - da kann keiner der gelungenen Vorgänger und auch nicht das kürzlich erschienene Sonic the Hedgehog 4 mithalten. Denn in diesem Sonic spielt Geschwindigkeit eine so große Rolle wie in kaum einem anderen 3D-Sonic-Spiel davor. Dabei ist auch Sonic Colours im Grunde kein reines Spiel in 3D, sondern beinhaltet wie auch die Vorgänger eine Menge 2D-Passagen. Visuell ist das hervorragend in Szene gesetzt, wenn die Kamera sich plötzlich dreht und man den blauen Blitz von der Seite betrachtet. Der Übergang von 2D zu 3D ist ungemein dynamisch und flüssig, die ständigen Perspektivenwechsel fühlen sich herrlich intuitiv und weich an: das ist wirklich ganz große Klasse. Vergleichbare Kamerawechsel bekommt man derzeit nur in Super Mario Galaxy 2 geboten - und dort geht das auch wesentlich langsamer vonstatten. Denn in Sonic Colours rast Sonic quasi von 2D in 3D und andersrum. Das Ergebnis ist ein verdrehtes und verschachteltes Leveldesign, das das Beste aus der zweiten und der dritten Dimension verbindet, leider aber auch seine negativen Seiten hat. Und diese negativen Seiten sind auch der größte Kritikpunkt am neuen Sonic-Spiel für Wii.

Um das Problem beim Namen zu nennen: ja, es handelt sich hier um die 2D-Passagen. Prinzipiell sind sie größtenteils gelungen, aber einige wenige stechen negativ aus der Masse heraus und das mit einem ernüchternden Manko. Ich mag ja schwere Spiele, ich liebe Demon's Souls und Mega Man, aber in Sonic Colours wirken manche 2D-Passagen schlicht unfair. Das liegt auch nicht an der leicht schwammigen Sprungsteuerung, sondern ausschließlich am Leveldesign und den vertrackten Checkpoints, die oft relativ weit voneinander weg platziert sind. Es nervt wirklich, dieselbe blöde Passage immer und immer wieder wiederholen zu müssen - oft bekommt man auch den "Game Over" Bildschirm zu sehen und darf das komplette Level noch einmal spielen. Mensch Sega, musste das denn sein? Abgesehen davon ist Sonic Colours doch ein großartiges Jump & Run!

Grundsätzlich muss man aber auch bei den 2D-Passagen zwei verschiedene Arten unterscheiden, denn ich kritisiere nur eine: die langsamen, in denen es auf geschicktes Timing und Fingerspitzengefühl sowie Frustresistenz ankommt. Die schnellen dagegen sind hervorragend - wunderbar hektisch und dennoch übersichtlich und kontrollierbar. Aber gerade bei den langsamen Passagen hätte dieser viel zu hohe Schwierigkeitsgrad einfach nicht sein müssen. Nach dem Spielen habe ich auch festgestellt, was IGN mit den "difficulty spikes" meinte ...



Intergalaktischer Wisp-Wahnsinn und ein Hauch von Super Mario Galaxy
Die Überschrift mag es vielleicht andeuten, aber allzu viel hat Sonic Colours nicht mit Super Mario Galaxy gemein. Allerdings gibt es eine Sache, bei der sich Sega definitiv von Nintendo hat inspirieren lassen. Mit Sicherheit kennt jeder von euch den gelben Wisp, der Sonic in einen grell leuchtenden Bohrer verwandelt, sodass er sich durch den weichen Untergrund buddeln kann - das kennt man ja bereits in ähnlicher Form aus Mario Galaxy. In Sonic Colours gibt es diese Funktion aber nur in den 2D-Passagen. Der Bohrer-Wisp ist aber nicht das einzige Power-Up, denn es gibt noch sieben weitere, die man nach und nach im Spielverlauf kennenlernt. Wisps sind kleine Aliens, die Sonic mit außergewöhnlichen Fähigkeiten ausstatten, damit er Dr. Eggmans böse Pläne erneut durchkreuzen kann. Wisps kann man an vielen Orten in den Levels einsammeln und durch Schütteln der WiiMote oder Druck auf die B-Taste (je nach Wisp) aktivieren, sodass Sonic zum Beispiel mit einer noch höheren Geschwindigkeit über die Stage prescht, als kleine Laserkugel losrollt, durch enge Gänge donnert und von den Wänden abprallt, oder sich gar als kleines grünes Raumschiff in die Lüfte erhebt, um langsam aufwärts zu schweben. Die Wisp-Power-Ups sind vielfältig und cool - und vor allem prima ins Gameplay integriert.

So kann man die entsprechende Wisp-Kapsel erst einsammeln, wenn man den dazugehörigen Wisp bereits kennengelernt hat. Das bedeutet, dass man auch in den allerersten Levels ganz neue Wege beschreiten kann, sobald man das Power-Up nutzt. Das führt gleichermaßen auch zu einem richtig hohen Wiederspielwert, denn jedes Level wird durch eine andere Wisp-Nutzung auch unterschiedlich - die vielen alternativen Routen offenbaren sich erst in ein paar weiteren Durchläufen. Während man im ersten Durchlauf zum Beispiel geradeaus schnurstracks durch die orangene Wisp-Kapsel rennt und sie nicht einsammeln kann, darf man beim zweiten Versuch als eine Rakete in die Luft abheben und anschließend langsam hinabgleiten. Derlei Möglichkeiten gibt es viele und die Levels sind extra so designt, dass es schier endlos viele Alternativwege gibt.

Dazu kommt, dass die neuen Wisps das Gameplay nicht verlangsamen, sondern es je nach Farbe sogar noch rasanter gestalten. Wenn man zum Beispiel schneller wird, dann dient das ja nicht als Hindernis, sondern als spielerischer Vorteil. Manche Power-Ups sorgen auch für ein wenig Puzzle-Atmosphäre, wenn man als blauer Stein bestimmte Plattformen hin- und herschalten kann - da wird es dann auch ein wenig knifflig. Grundsätzlich ist die Power-Up-Auswahl vielfältig und größtenteils gelungen, auch wenn man sich bei ein, zwei Wisps doch fragt, ob das wirklich nötig gewesen wäre. Schlecht sind sie aber alle nicht und tun dem Gameplay wirklich gut. Im Kern ist Sonic Colours eine Symbiose der besten Aspekte aus 2D und 3D mit ein bisschen Wisp-Würze; heraus kommt ein schmackhaftes Plattform-Erlebnis.



Das ewige Bosskampf-Leid und der Multiplayer
Dennoch gibt es immer wieder ein paar Bereiche des Gameplays, in denen Sonic bei jedem Versuch von neuem scheitert. In Sonic Colours sind das vor allem auch die Bosskämpfe: während die normalen Levels in den sechs Welten wunderbar verschachtelt und kreativ sind, verdienen die Bosskämpfe ihren Namen nicht. Meistens ist man nach weniger als 60 Sekunden durch und hat nicht einmal ein Leben verloren - ein weiterer Beweis für den durchwachsenen Schwierigkeitsgrad des Spiels. So oft ist Sonic herrlich anspruchsvoll, um dann wieder in die pure Herausforderungsarmut abzusinken. Doch die Bosskämpfe sind und bleiben nicht das einzige Manko, denn es gibt noch weiteren Anlass zur Kritik: der neue Multiplayermodus ist zwar nett, erweist sich aber als sehr chaotisch und braucht eine Menge Koordinationsfähigkeit beider Spieler. Aber ein anderer Punkt sorgt eher für Enttäuschung: mit gerade einmal sechs Welten mit je knapp acht Levels ist der Umfang nicht gerade groß geraten. Allerdings hebt sich dieser Punkt durch den sehr hohen Wiederspielwert quasi wieder selbst auf: wer Spaß an diesem Spiel hat, der kehrt unheimlich gerne, oft und lange zurück und versucht sich daran, seine Bestzeiten zu verbessern und den höchsten Rang zu erreichen. Außerdem gibt es so viele alternative Routen zu erkunden und einige Bonuslevel freizuschalten - Sonic Colours leistet, was Motivation angeht, eine Wahnsinnsarbeit.

Zu guter Letzt will ich das Sonic Team für diese beeindruckende technische Leistung, die man mit Sonic Colours vollbracht hat, herzhaft loben: solch wunderschöne, detaillierte, mit ungemein viel Liebe gestaltete Kulissen sind auf der Wii Mangelware! Dazu geht die Engine nie in die Knie: es gibt keine Ruckler und auch keine Framerate-Einbrüche. Mit prächtigen Farben zaubert Sega hier ein wunderhübsches Abenteuer vor einer fantastischen Kulisse, das sich technisch wie spielerisch als das bisher beste Sonic in 3D auszeichnet. Auch den wie immer sehr gelungenen Soundtrack darf man nicht vergessen: einige markante Ohrwurm-Melodien (Wisp-Planet!) gibt es ebenso wie zahlreiche andere passende Musikstücke. Lediglich das Intro ist wie gewohnt Geschmackssache ...






Tim schrieb am 20. November 2010
Ich mag Sonic Unleashed, ich mag Sonic und der schwarze Ritter und ich mag auch Sonic Colours. Gerne würde ich es lieben, aber dafür legt mir Sega immer noch zu viele Steine in den Weg. Auch Colours ist bei weitem nicht perfekt, an vielen Stellen besteht noch Nachbesserungsbedarf, aber alles in allem hat es mir von allen Sonic-Spielen in 3D am besten gefallen und am meisten Spaß, aber auch am meisten Frust bereitet. So sehr ich die großartigen Highspeed-Passagen auch mag, so sehr hasse ich manche Hüpfsequenzen in 2D. Sie sehen genauso schön und detailverliebt aus wie alles andere an Sonic Colours, aber der Schwierigkeitsgrad ist hier dermaßen schlecht ausbalanciert, dass man dem "Game Over" Bildschirm kaum entkommen kann. Viele dieser Passagen machen eine Menge Spaß, aber andere sind absolut unfair. Das ist schade, denn abgesehen davon habe ich kaum etwas an Sonic Colours zu kritisieren! Es sieht wunderschön aus, die Power-Ups sind super ins schnelle Gameplay eingebunden und eröffnen völlig neue spielerische Möglichkeiten, das Leveldesign ist größtenteils großartig und der Wechsel zwischen 2D und 3D ist mindestens genauso flüssig wie in Super Mario Galaxy 2. Aber es ist dennoch sehr schade, dass Sonics endlich richtig gezündeter 3D-Motor gelegentlich ins Stottern gerät. Und trotzdem liefert Sega endlich das ab, was man sich als langjähriger Sonic-Fan wünscht: ein wunderschönes und sehr gut spielbares Highspeed-Abenteuer in 3D. Daumen hoch und bitte mehr davon!

Tolle Spielbarkeit, großartiges Leveldesign, beeindruckende Technik und die coolen Wisp-Power-Ups stehen einer zu kurzen Spielzeit und teilweise fiesen 2D-Passagen gegenüber. Wer Sonic endlich richtig in 3D genießen will, muss zuschlagen!


Besonders gut finde ich ...
  • endlich ein richtiges Sonic in 3D!
  • viel Dynamik, High-Speed-Gameplay
  • gutes, vielschichtiges Leveldesign
  • sehr gute Integierung der Power-Ups
  • fließender Wechsel zwischen 2D und 3D
  • farbenprächtige, detaillierte Grafik
  • hoher Wiederspielwert
  • Bonuslevel


Nicht so optimal ...
  • teilweise fast frustrierend schwierig
  • verhältnismäßig schwache Bosskämpfe
  • netter, aber chaotischer Multiplayer
  • etwas zu kurz geratene Spielzeit

 Testsystem:  Wii
 Weitere Reviews von Tim anzeigen










1 Kommentar(e):
und folgendem User gefällt der Beitrag: Phaz,

 





#1
Geschrieben am 25. November 2010 um 19:42 Uhr

Phaz meint ...

Blöd das es so kurz ist und diese dummen Fehler hat, sonst hätte ich es mir sofort geholt. Jetzt warte ich erstmal darauf, dass es billiger wird.
Was sich die Entwickler blos bei diesen von dir genannten Stellen gedacht haben. Man weiß es nicht, man weiß es nicht.


          



Kommentar verfassen:


NAME*:

EMAiL*: (WiRD NiCHT ANGEZEiGT)

EiGENE HOMEPAGE: (OPTiONAL)

TWiTTERNAME: (OPTiONAL)


DEiN KOMMENTAR*:
                           


BEi WEiTEREN KOMMENTAREN ZU DiESEM ARTiKEL BENACHRiCHTiGEN?
 JA, PER EMAiL.
 JA, PER TWiTTER - DiREKTNACHRiCHT
Du musst PRESSAKEY auf Twitter folgen, damit wir dir Direktnachrichten senden können.


ANTiSPAM*: 
(entfällt bei Registrierung)





     


* = PLiCHTFELDER