Genre:Beat 'em up  
Entwickler:Capcom  Publisher: Capcom
Plattform(en):PS3, Xbox360

Release:18.02.2011

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Marvel vs. Capcom 3 - Review

Neue Herausforderer besteigen den Ring - Effektgewitter inklusive!

Geschrieben von Tim am 21. Februar 2011 um 17:03 Uhr


Was ist das für eine Welt? Da liefern sich Street Fighter Maskottchen Ryu und X-Men-Mitglied Wolverine einen erbitterten Kampf auf irgendeinem Wolkenkratzer, während sich Chris Redfield verzweifelt gegen Muskelprotz Hulk zu behaupten versucht - und dann fliegen da auch noch die hübsche Morrigan aus Darkstalkers und Comic-Held Iron Man ein packendes Rennen zwischen den neonbeleuchteten Hochhäusern der Großstadtmetropole. Marvel vs. Capcom 3 verbindet nicht nur zwei berühmte und vielseitige Universen miteinander, es hat auch das Potential, Prügel-Opa Street Fighter vom hart umkämpften Beat'em Up Thron zu stoßen. Wird dieses Potential auch ausgeschöpft?

Was für ein geiler Einstieg!

Ich habe mich richtig gefreut, als ich Marvel vs. Capcom 3 endlich in den Händen halten konnte. Schließlich liegt das letzte große Prügelspiel BlazBlue: Calamity Trigger schon lange zurück und Super Street Fighter IV kann mich bis heute nicht so begeistern, wie es bei Kollege Haschbeutel der Fall ist. Aber jetzt ist das ja alles alt - es wird Zeit für Marvel vs. Capcom 3: Fate of Two Worlds! Hülle aufgemacht, Disc entnommen und in das PS3-Laufwerk geschoben, den Controller in die Hand genommen, mich bequem auf die Couch gelegt und das fröhliche Kloppen kann beginnen. Dachte ich jedenfalls. Was, ich muss vorher noch 1.5 Gigabyte installieren? Okay. Installation abgeschlossen, jetzt kann ich aber endlich loslegen. Und genau dann, als das Spiel startete, war meine Lust auf Prügeln plötzlich verschwunden. Denn an diesem genialen Intro führt kein Weg vorbei. Man lernt ein paar der Charaktere kennen, sieht Morrigan aus Darkstalkers gegen Marvels Iron Man kämpfen, beobachtet Dante aus Devil May Cry beim Duell mit Deadpool und ist fasziniert von dieser hervorragenden Filmsequenz, die das Spiel auf den Bildschirm zaubert. Ernsthaft: selten hat mich ein Intro so gut auf das eigentliche Spiel eingestimmt. Das ist ganz, ganz große Klasse!




Devil May Cry trifft auf Okami trifft auf X-Men trifft auf Resident Evil trifft auf ...

Marvel vs. Capcom 3 ist vor allem eines (neben einem großartigen Prügelspiel): Fanservice pur! Freunde der beiden völlig verschiedenen Universen dürften hier so auf ihre Kosten kommen wie in kaum einem anderen Spiel. Das Ganze ist vergleichbar mit Super Smash Bros. Brawl für Wii - während man dort das ganze Nintendo-Universum erkundet, sind es hier eben die von Capcom und Marvel. Stages, Figuren und Musikstücke sind den verschiedenen Franchises der beiden Welten nachempfunden, dazu kommt ein riesiger Berg Hintergrundinformationen und tonnenweise Freispielkram. Schade ist dabei jedoch, dass sich die freischaltbaren Inhalte fast ausschließlich auf Artworks, Statistiken, Melodien und Stimmen beschränken - neue Kämpfer und Stages gibt es nur sehr wenige, obwohl das dem Spiel wirklich gut getan hätte. 32 Kämpfer stehen einem zu Beginn zur Verfügung, vier weitere können freigespielt werden. Immerhin ist die riesige Charakterauswahl auch inhaltlich sehr abwechslungsreich: mit u.a. Dante (Devil May Cry), Spencer (Bionic Commando), Ryu & Chun-Li (Street Fighter), Amaterasu (Okami) und Chris Redfield & Albert Wesker (Resident Evil) sind Figuren aus den unterschiedlichsten Capcom-Serien vertreten. Marvel setzt dagegen auf Comic-Helden wie Spiderman, Hulk, Thor, Deadpool, Dr. Doom oder Wolverine - auch hier gibt es eine breit gefächerte Auswahl.




Achtung, fertig, los! Der Kloppwahnsinn kann beginnen ...

Man merkt dem Spiel gleich in den ersten Kämpfen an, woher es seine Wurzeln hat: die Ähnlichkeit zu Tatsunoko vs. Capcom für Wii ist offensichtlich und garantiert auch nichts schlechtes, denn genau wie der Wii-Prügler spielt sich auch Marvel vs. Capcom 3 sehr schnell und dynamisch. Allerdings gibt es neben einem etwas taktischeren und komplexeren Kampfsystem noch andere Unterschiede zwischen den beiden Spielen: im HD-Prügler trägt man nämlich immer 3vs3-Matches aus, das heißt, jede Seite hat drei Figuren im Team, zwischen denen man jederzeit wechseln kann. Doch der Clou ist noch etwas anderes, denn man kann nicht nur zwischen den Kämpfern wechseln, man kann auch immer per Klick auf die vorderen Schultertasten einen der beiden Reservisten als Assistenten herbeirufen, der dann mit einem krachenden Angriff die Stage betritt, dafür aber in diesem Moment auch verwundbar ist. Je nachdem, gegen welchen Gegner man gerade antritt, ist es auch durchaus hilfreich und effektiv, seine eigene Strategie anzupassen, indem man die Figur wechselt: wer zum Beispiel mit der kleinen, süßen, aber gefährlichen X-23 gegen den mächtigen Sentinel kämpft, sollte vielleicht abwägen, nicht lieber mit Muskelpaket Mike Haggar in den Kampf zu ziehen.

Abgesehen von diesem taktischen Flair hat das Kampfsystem aber noch viel mehr zu bieten, was es so besonders macht. Grundsätzlich sind die Kämpfe dynamisch, finden zu großen Teilen in der Luft statt und zaubern ein herrliches Effektgewitter auf den Bildschirm - insbesondere bei den coolen Spezialangriffen regnen schon einmal gefühlt hunderte Blitze vom Himmel herunter oder donnern Dutzende Raketen auf den Gegner los. Na klar sorgt das teilweise für ein schier endloses Chaos, in dem man seine eigene Figur nicht mehr erkennt - aber es sieht klasse aus und sobald man sich eingearbeitet hat und die Angriffe unterscheiden kann, findet man auch hier den Überblick. Wenn man sich einen typischen Kampf in Marvel vs. Capcom 3 ansieht, dann könnte man auch den Eindruck gewinnen, dass simples Buttonmashing ebenfalls zum Erfolg führt. Und tatsächlich: selbst gegen blutige Anfänger, die einfach mal wirr auf die Tasten hämmern, muss man schon einmal eine Niederlage einstecken. Sobald man allerdings soweit ist, dass man alle Angriffe, Combos und Spezialattacken sowie Strategien blind beherrscht, zwingt man auch den Buttonmasher mit Leichtigkeit in die Knie. Es kommt in MvsC3 also nicht auf Glück an, sondern auf Können - dennoch feiert man auch mit Buttonmashing zu Beginn schnelle Erfolge. Man kann aber auch zwischen einem vereinfachten und dem komplexen Kampfsystem wählen, was Einsteigern das Leben etwas leichter macht. Das normale System ist aber deutlich cooler ...




Verdammt, sieht das gut aus! Und wie toll das klingt!

Marvel vs. Capcom 3 ist spielerisch und technisch eine Wucht. Wirklich. Spielerisch ist es eines der besten Prügelspiele, die man derzeit auf dem kunterbunten Spielemarkt finden kann - kaum ein anderer Titel neben BlazBlue und Street Fighter kann da mithalten. In Sachen Technik ist MvsC3 den Konkurrenten aber sogar ein ganzes Stückchen voraus: wer das Spiel einmal live in Bewegung gesehen hat, der wird so schnell kein Street Fighter IV mit seinem Pseudo-Cell-Shading mehr anrühren wollen. Marvel vs. Capcom 3 zeichnet sich durch einen ganz eigenen Stil aus, ebenfalls sehr Cell-Shading-lastig, dafür aber mit tiefschwarzen und kräftigen Schattierungen, die den Kulissen und Figuren einen ganz eigenen Charme verleihen - und tatsächlich ist das Ergebnis eine Augenweide, die selbst scheinbar unpassende Charaktere wie Spencer oder Amaterasu wunderbar integriert. Zusammen mit dem herrlichen Effektfeuerwerk sieht Marvel vs. Capcom 3 einfach spitze aus. Kurz: zusammen mit BlazBlue, das jedoch auf einen handgemalten Anime-Stil setzt, ist es eines der aktuell schönsten Beat'em Ups, ganz egal, auf welche Plattform man sich bezieht.

Und weil ich sowieso gerade über die Technik des Spiels rede, verliere ich noch ein paar Worte über die Steuerung und die Akustik. Fangen wir mit der Steuerung an: im Gegensatz zu Street Fighter spielt sich MvsC3 auch mit dem klassischen Playstation 3 Gamepad ganz ordentlich - man braucht also nicht zwingend einen Arcade Stick, um präzise und punktgenau zuschlagen zu können und schwierige Combos auszuführen. Die Steuerung per Pad ist im Prinzip recht einfach, allerdings zeigt sich gerade hier wieder, wie sinnvoll ein Tutorial oder ein einfaches Kampftraining doch gewesen wäre! So muss man sich alles selbst im Trainingsmodus beibringen, in dem man einfach gegen einen manuell konfigurierbaren Gegner antritt. Wahlweise kann man seine Tastenkombinationen auch anzeigen lassen, was wenigstens einigermaßen hilft. Dennoch wäre ein Tutorial wünschenswert gewesen. Was jedoch ganz große Klasse ist, ist der grandiose Soundtrack, der bekannte Melodien auf ganz neue Arten und Weisen präsentiert - Beispiel: Okami. Klingt doch gut, oder? Neben Okami gibt es natürlich noch coole Remixes zu Musikstücken aus Resident Evil, Bionic Commando und Devil May Cry ...




Ein Königreich für Spielumfang

Für Solisten bietet Marvel vs. Capcom 3 nicht allzu viel - leider. Denn die Modi, die man alleine spielen kann, sind alles andere als zufriedenstellend und eher eine riesige Enttäuschung. Da gibt es zum einen den sogenannten Arcade-Modus: hier kämpft man erst gegen sechs feindliche Trios und darf dann gegen den gigantischen Bossgegner Galaktus antreten. Doch das klingt spannender als es in Wirklichkeit ist, denn der Bosskampf ist bisweilen recht unfair - das sollte eigentlich nicht sein. Dazu kommt, dass der Arcade-Modus für jeden Kämpfer exakt gleich abläuft und sich lediglich die Abspänne unterscheiden. Apropos Abspänne: interessant sind die leider auch nicht, da man nur zwei Standbilder nebst ein bisschen Text gezeigt bekommt, bevor die Credits den Bildschirm herunterlaufen. Dafür, dass der Arcade-Modus der einzige wirklich "große" Einzelspielermodus im Spiel ist, hätte ich deutlich mehr erwartet. Daneben gibt es noch einen sogenannten Missionsmodus - der den Namen aber überhaupt nicht verdient, weil die Missionen lediglich daraus bestehen, verschiedene Combos auszuführen, die zudem noch bockschwer sind. Es ist schade, dass man sich so wenig Gedanken über verschiedene Modi gemacht hat, hier wäre so viel mehr drin gewesen!

Marvel vs. Capcom 3 ist alles andere als umfangreich und bietet abgesehen von einem hohen Wiederspielwert und grandiosem Multiplayerspaß leider sehr wenig Spielinhalt. Das ändert jedoch gar nichts daran, dass das eigentliche Gameplay ganz hervorragend ist und wochenlangen Spielspaß garantiert, zumal man das Spiel vor allem dann immer wieder gerne einlegt, wenn ein paar Freunde da sind und verkloppt werden wollen. Wer keine Freunde hat, kann auch online gegen andere Spieler antreten. Das funktioniert völlig lagfrei (meistens) und spielt sich angenehm flüssig. Hier gibt es aber auch keine wirkliche Modi-Vielfalt: euch erwartet nur der gewohnte Standard-Spielmodus. Die Entwickler hätten sich wirklich mehr Gedanken darüber machen können, wie sie das Spiel auch inhaltlich überzeugend gestalten könnten!








Tim schrieb am 21. Februar 2011
Spiderman trifft auf Amaterasu, Spencer kloppt sich mit Hulk und die kleine Kratzbürste X-23 macht Dante aus Devil May Cry das Leben schwer - Marvel vs. Capcom 3 verbindet zwei völlig verschiedene Universen auf beeindruckende Art und Weise und in herrlicher Harmonie miteinander. Und wie klasse das aussieht! Rein visuell gesehen ist der Titel eines der schönsten Beat'em Ups, die man derzeit finden kann. Aber das eigentlich Schöne ist ja, dass Marvel vs. Capcom 3 nicht nur fantastisch aussieht, sondern sich auch fantastisch spielt: Einsteiger finden trotz fehlender Hilfen und Tutorials schnell ins Spiel und Veteranen werden viele, viele Stunden brauchen, um jede kleinste taktische Finesse des hervorragenden Kampfsystems zu entdecken. Wenn man sich nur das Gameplay ansieht, dann führt eigentlich kein Weg an der Maximalwertung vorbei. Aber leider gibt es einen Haken und der nennt sich Umfang. Der Arcademodus ist ebenso öde wie schnell vorbei und der sogenannte Missionsmodus verdient seinen Namen nicht. Zudem sind die meisten freischaltbaren Inhalte nur für wirkliche Fans der beiden Universen interessant, Kämpfer und Stages werden nur sehr wenige freigespielt. Immerhin kann man sich lagfrei online kloppen. Nein, umfangreich ist Marvel vs. Capcom 3 beim besten Willen nicht. Rein spielerisch ist es aber ein herausragendes Stück Software, das ich noch sehr häufig in meine PS3 einlegen werde!

Marvel vs. Capcom 3 begeistert nicht mit Umfang, dafür aber mit Technik und Spielspaß: ein klasse Kampfsystem, über 30 Charaktere und der obligatorische Mega-Multiplayerspaß garantieren wochenlange Prügel-Unterhaltung auf ganz hohem Niveau!


Besonders gut finde ich ...
  • klasse Kampfsystem (auf normal)
  • über 32 grenzverschiedene Spielfiguren
  • herausragende Grafik, toller Stil
  • guter, z.T. nostalgischer Soundtrack
  • großer Multiplayerspaß on- und offline
  • viel freischaltbarer Zusatzkram
  • einfache Steuerung mit Gamepad


Nicht so optimal ...
  • enttäuschende Missions
  • & Arcademodi
  • keinerlei Tutorials/Hilfestellungen
  • wenig spannender Freischaltkram
  • erstaunlich dünner Spielumfang

 Testsystem:  PS3
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