Genre:FPS  
Entwickler:Day 1 Studios  Publisher: Warner Bros. Interactive
Plattform(en):PC, PS3, Xbox360

Release:24.06.2011

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F.E.A.R. 3 - Review

Familientreffen der Inzuchtbrut - Es hat sich ausgefürchtet

Geschrieben von Haschbeutel am 25. Juni 2011 um 12:21 Uhr


"Alma ist wie ein Lolli. Ausgelutscht." Das waren Michis und meine Worte, als wir F.3.A.R letztes Jahr auf der gamescom angespielt haben. Der gezeigte Abschnitt, in dem wir in einem Mech unterwegs waren, setzte das Konzept von Project Origin fort - Action satt, nur dieses mal mit optionalem Koop-Modus. Ich hatte schlimmste Befürchtungen, dass das Franchise nun endgültig volle Möhre gegen die Wand gefahren wird. Jetzt, da ich erneut als Point-Man unterwegs war, hat sich zumindest etwas Erleichterung eingestellt: F.3.A.R ist teilweise annähernd auf einer Stufe wie seine Vorgänger - aber trotzdem noch lange kein großer Wurf.

Es war einmal ein kleines Mädchen ...

Ich liebe F.E.A.R., das mir 2005 gezeigt hat, dass man nicht nur spannende Shoot-Outs, sondern auch immens viel Horror in ein Spiel packen kann. Das letzte Mal so viel Schiss bei einem Spiel hatte ich bei Clive Barker's Undying. Klar, auch das Leveldesign mit seinen grauen Büros war gruselig, aber Monolith hat gezeigt, dass sie aus dem gegebenen Setting das Maximum an Horror rausholen konnten. Über die folgenden Add-Ons, die wegen eines Rechtsstreits von den TimeGate Studios entwickelt wurden, hülle ich lieber den Mantel des Schweigens. Das hat dann auch Monolith getan, die mit F.E.A.R. 2 - Project Origin endlich wieder selbst das Zepter in die Hand nahmen und auch die Add-Ons storytechnisch komplett ignorierten. Zwar war F.E.A.R. 2 nicht so stark wie der Vorgänger, aber der Horror war stets vorhanden, auch wenn der Nachfolger teilweise extrem stark in die Action-Ecke abdriftete. Jetzt wurde das Zepter abermals teilweise aus den Händen von Monolith gerissen und den Day 1 Studios übergeben. Teilweise deshalb, weil beide Firmen zwar eng miteinander zusammengeabeitet haben - aber F.3.A.R. damit erneut spürbar an Qualität verliert.




Ist das Angstschweiß oder nur verdammt heiß hier?

Wer einen Blick auf die Screenshots von F.3.A.R. wirft, erkennt auch gleich die Krux mit dem Titel. Es wird geballert, geschossen, geblutet und geballert. Das ist es auch, was man die acht Kapitel über die meiste Zeit tut. Vor allem der Einstieg ist für F.E.A.R. Veteranen eine Zumutung. Klar, die Gefechte sind wie gewohnt dank der glänzenden KI mehr als fordernd, aber bis auf einen kurzen Schatten, der durch die Gänge huscht, gibt es keinen einzigen Moment, der daran erinnert, dass wir gerade einen Horror-Titel zocken. Das ändert sich dann schlagartig, als uns die nächsten beiden Kapitel in ein Einkaufszentrum und ein verlassenes Dorf führen. Hier zeigt der Titel, was theoretisch möglich gewesen wäre, um uns Spielern den Hosenboden einzufeuchten. Wenn wir mit verzerrtem Soundteppich durch ein Labyrinth aus flackernden LCD-TVs schleichen, während wahnsinnig gewordene Einwohner uns mit Bombengürteln und Knüppeln jagen, dann fühlt man sich an die starken Szenen des ersten Teils erinnert. Zwar erschrickt man sich nicht mehr, aber zumindest diese wohlige Anspannung ist noch vorhanden. Später, wenn wir das Dorf erkunden und uns durch blutüberströmte Wohnungen kämpfen, während Botschaften an der Wand das nahende Unheil ankündigen und überall Türen und Fenster auf- und zuschlagen, dann möchte man doch nur ungern das Licht im Zimmer ausschalten. Hier findet F.3.A.R. fast vollständig zu alter Stärke zurück.

Daran gewöhnen sollte man sich allerdings nicht, denn nach dem vierten Kapitel (was übrigens schon die Hälfte des Spiels ausmachst) wird der Horror bis auf kurze Intermezzi komplett gestrichen. Es dominieren Gefechte mit den Replika-Soldaten und ihren Kommandeuren. Natürlich dürfen auch Ausflüge in den bekannten Kampfrobotern nicht fehlen, allerdings gehören sie zu den schwächsten Momenten im Spiel. Minutenlang durch die Gegend stampfen und alles platt schießen ohne mit der Wimper zu zucken mag einmal ganz spaßig sein, kann aber auf Dauer immens nerven, weil es einfach zu monoton ist. Gut gelungen hingegen sind die regulären Gefechte mit den Replika-Soldaten, da hier das neue Deckungssystem zum Einsatz kommt. Ähnlich wie bei der Gears of War Reihe könnt ihr euch so ziemlich hinter jeden Gegenstand ducken, darüber Zielen, zur nächsten Ecke sprinten oder über Objekte hechten. Umso trauriger ist es, dass man nicht mehr wie im Vorgänger Autotüren öffnen oder Tische umwerfen und dann als zusätzliche Deckung verwenden kann - das hätte zumindest die Gefechte fast rundum perfekt gemacht.




Nicht nur die Story tritt auf der Stelle

Doch nicht nur der quasi nicht vorhandene Horror ärgert mich als Fan, sondern auch die erstaunlich platte Geschichte. Während die Story in F.E.A.R. im Prinzip bis auf einige Andeutungen kaum Fragen offen ließ, wurde in F.E.A.R. 2 direkt eine ganz eigene Storyline mit neuen Hauptfiguren fortgesetzt, die lediglich Alma als gemeinsamen Nenner hatte. F.3.A.R. macht hier eigentlich einen guten Schritt vorwärts, in dem es den bekannten Point-Man, Fettel und die mittlerweile schwangere Alma in den Fokus rückt und damit einen direkten Bezug zum ersten Teil schafft, während zeitlich das ganze nach F.E.A.R. 2 spielt. Entsprechend trifft man auch auf alte Bekannte aus den Vorgängern, was bei Kennern der Serie ein schönes Grinsen in's Gesicht zaubert. Trotzdem tritt der Plot mitsamt der Geschichte auf der Stelle. Es wird vor allem die Vergangenheit der beiden Brüder Point-Man und Fettel durchleuchtet. Alma tritt in den Hintergrund und am recht frühen Ende von F.3.A.R. ist man, gelinde gesagt, genau so schlau wie vorher. Die Story dient nur als Lückenfüller um die lose zusammenhängenden Level irgendwie logisch zu verknüpfen. Das frühe Ende bezieht sich übrigens darauf, dass man selbst bei gemächlichem Tempo nach rund 5-6 Stunden durch die acht Kapitel gehuscht ist.

Um das zu kompensieren, hat man F.3.A.R. als Koop-Titel konzipiert. Während ihr im Singleplayer zuerst als Point-Man unterwegs seid, könnt ihr auch mit einem Freund die Kampagne durchspielen, wobei einer dann die Rolle des Paxton Fettel übernimmt. Wenn ihr die Kampagne gelöst habt, könnt ihr aber auch alleine als Fettel losziehen. Dieser spielt sich gänzlich anders als Point-Man, dessen einzige Fähigkeit es ist, die Zeit zu verlangsamen. Fettel hingegen, der im Prinzip nur noch ein Geist ist, kann Replika-Gegner paralysieren, sie konsumieren oder gar ihren Körper übernehmen. Wenn die Hülle keinen Nutzen mehr hat oder ihr die Kontrolle verliert, wird sich diesem armen Kerl recht blutig entledigt. Außerdem bekommt ihr, wenn ihr mit Fettel das Spiel erfolgreich meistert, noch ein alternatives Ende geboten. Nett, aber nicht mehr.

Fettel spielt sich durch diese "Übermenschlichkeit" noch eine ganze Ecke actionreicher als sowieso schon und der Horror ist mit ihm endgültig Geschichte. Um den Koop abzurunden, gibt's noch ein XP- und Levelsystem dazu, das euch für das Erfüllen von Aufgaben im Kapitel (z.B. 25 Kopfschüsse, 60 Sekunden lang in Deckung bleiben, ...) belohnt. Steigt ihr im Level auf, bekommt euer Charakter neue Fähigkeiten wie mehr Lebensenergie oder neue Nahkampfattacken. So richtig gebraucht habe ich das Level-System allerdings nicht, zumal es sich auch ziemlich aufgesetzt anfühlt. Trotzdem kann ich dem Koop-Modus einen gewissen Spaßfaktor nicht von der Hand weisen, da durch die grundsätzlich verschiedenen Charaktere eine ganz neue Dynamik in die Kämpfe kommt. Dennoch stellt sich mir die Frage, ob ein solcher Titel wirklich zwingend einen Koop benötigt hätte oder ob man die Zeit nicht lieber in mehr Kapitel und eine tiefgreifendere Geschichte hätte investieren sollen. Die anderen Multiplayer-Modi sind durchweg solide, bieten sogar einige spaßige Ansätze. In "Soul Survivor" zum Beispiel ist ein Spieler als Geist unterwegs, der andere Körper übernehmen kann. Die Aufgabe der restlichen Mitspieler ist es, den Körper schnellstmöglich zu eliminieren und auch den Geist zu entsorgen. Auch die anderen Modi bieten nette Ansätze wie eine Abwandlung des beliebten "Horde-Modus" aus vergleichbaren Titeln - aber wer sich F.3.A.R. wegen dem Multiplayer kauft, der holt sich auch Battlefield 3 wegen seiner epischen Singleplayer-Geschichte.


Baby, es gibt Fleisch - aber nicht in Deutschland

Kurz noch ein Wort zur deutschen Version. F.E.A.R. war ja noch nie zimperlich und daher freute es mich auch, dass freundlicherweise eine ungeschnittene Version im Briefkasten landete. Die ist auch definitiv nichts für Kinder, denn es wird nicht an herumfliegenden Därmen, Köpfen oder anderen Körperteilen gespart. Vor allem später, wenn haufenweise durchgeknallte Einwohner mit Sprengstoffgürteln bewaffnet das zeitliche Segnen und es quasi anfängt Gliedmaßen zu regnen, schnalzt jeder Gorehound mit der Zunge. Abgerissene Körperhälften und ausgerissene Innereien zählen da schon zum guten Ton und auch ein Großteil der Level sind mit rotem Lebenssaft tapeziert. Wem das zu hart ist, der kann optional die Gewalt- und Blutdarstellung in den Optionen deaktivieren. Der deutsche Käufer bekommt diese Wahl gar nicht erst.

Ähnlich wie in F.E.A.R. 2 verpuffen Gegner nach wenigen Sekunden zu Staub, zudem sind sie recht blutleer. Scheinbar ist es jedoch so, dass "Objekte" in der Spielwelt, also statische Leichen, weiterhin mit abgetrennten Köpfen und blutigen Innereien herumliegen, was schon beim Vorgänger für fassungsloses Kopfschütteln gesorgt hat. Ganz genau kann man das dann wohl erst sagen, wenn die Fassung im Regal steht. Aber auch wenn es soweit ist, gilt: Finger weg von der deutschen Version! Der Gore-Gehalt gehört einfach zu F.E.A.R. und ein Großteil der Atmosphäre verdankt ihr Bestehen der blutigen Darstellung. Wenn das auch noch entfernt wird, bleibt wirklich gar nichts mehr, das für F.3.A.R. eine Existenzberechtigung im Horror-Genre rechtfertig.








Haschbeutel schrieb am 25. Juni 2011
Meh. Nach einem vergurkten Start in das Spiel und knapp zwei Stunden stumpfer Ballerei dreht F.3.A.R im dritten und viertel Kapitel zu alter Stärke auf. Krankes Leveldesign, morbide Ideen, blutiges Geballer und eine Spannungsschraube, die mich dazu zwingt, das Licht einzuschalten und mich trotzdem nur Millimeterweise fortzubewegen. Zwar bleiben die heftigen Schock-Attacken der Vorgänger weitestgehend unerreicht, dennoch kann man den Horror wahrhaftig fühlen. Leider verschreibt sich der Titel nach diesen starken Kapiteln nur noch der Action. Die unterhält zwar auch - vor allem mit einem Freund mit Koop - hat aber mit dem ursprünglichen Spielerlebnis eines Horror-Shooters nichts mehr gemein. Die Story selbst greift zwar schön das Ende des Vorgängers auf, führt die Geschichte allerdings nicht wirklich fort, sondern verbindet die lose zusammenhängenden Kapitel nur recht unbefriedigend und tritt auch sonst konsequent auf der Stelle. Unbefriedigend ist auch das Ende, das zwar einen "runden" Abschluss bildet, aber den Spieler ohne einen beliebten Cliffhanger zurücklässt.

Was bleibt ist ein überwiegend packender Shooter, der dank einer extrem cleveren und fordernden KI spannende Gefechte bietet, kurzzeitig an alte Stärken anschließt, danach aber weiterhin der Abwärtsspirale des Vorgängers folgt. Das Einzige, was zum Ende hin noch antreibt ist der Drang zu wissen, wie das Spiel endet, doch selbst hier wird man enttäuscht - und sei es nur deshalb, weil nach knapp 5-6 Stunden der Spuk im wahrsten Sinne des Wortes vorbei ist.


Besonders gut finde ich ...
  • Knackiger Sound
  • Tolle Optik
  • Fordernde Gefechte dank der KI
  • Gewohnt geile Schatteneffekte
  • Alternatives Ende
  • Story wird nahtlos fortgesetzt
  • Fettel spielt sich interessant
  • Koop macht Laune
  • Nette Multiplayer-Modi


Nicht so optimal ...
  • Vom Horror bleibt kaum was über
  • Story kommt nicht voran
  • Teils miserable Checkpoints
  • Fettel extrem actionlastig
  • Mech-Sequenzen langweilig
  • Extrem kurz (ca. 5-6 Stunden Spielzeit)
  • Koop
  • und Levelsystem unpassend
  • Deutsche Version = No-Go

 Testsystem:  Xbox360
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2 Kommentar(e):
und folgenden Usern gefällt der Beitrag: Haschbeutel, ... und einem Gast.

 





#1
Geschrieben am 25. Juni 2011 um 14:56 Uhr

Kithaitaa meint ...

Hm.   


          
 





#2
Geschrieben am 26. Juni 2011 um 16:21 Uhr

DarkRaziel meint ...

Also auch hier warte ich bis das Game in England unter meine Magische Grenze von 15 bis 10 Euro gesunken ist, weil 50 Euro bezahle ich nicht dafür.
Denn mehr war mir Teil zwei auch nicht wert nachdem ich gelesen hatte das es einiges was Teil 1 ausgemacht hatte Verloren hatte.


          



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