Genre: Third-Person-Action  
Entwickler: Sucker Punch  Publisher: Sony CEE
Plattform(en):  PS3

Release: 10.06.2011
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inFamous 2 - Review

Die Bestie kommt, die Blitze zucken - Cole McGrath ist wieder da!

Geschrieben von Tim am 27. June 2011 um 21:46 Uhr


Entweder sie lieben ihn oder sie hassen ihn. Er ist ein Freak. Zwar nicht der größte und abgefahrenste Freak in New Marais, aber er ist einer - und so wird er auch behandelt. Die einen meiden ihn, die anderen bitten ihn um Hilfe. Er ist Experte im Klettern und kennt sich prima mit jeglicher Form von Elektrotechnik aus. Vor zwei Jahren streifte er durch Empire City, nun verschlägt es ihn nach New Marais. In inFamous 2 darf man endlich wieder in die Haut von Superman Cole McGrath schlüpfen! Hat sich die Wartezeit gelohnt?

Seid ihr Superhelden oder Superschurken? Wollt ihr mit leuchtend-blauer oder mit feurig-roter Elektrostatik in den Kampf ziehen? Werdet ihr New Marais retten oder die Stadt ins Chaos stürzen? inFamous 2 stellt euch vor die Wahl und gibt euch zu eurer Unterstützung ein Engelchen und ein Teufelchen an die Hand, die euch oft klarmachen, was für Folgen die jeweilige Entscheidung nach sich ziehen wird. Das Engelchen nennt sich Lucy Kuo, das Teufelchen ist die exotische und zunächst seltsam anmutende Nix - zwei grenzverschiedene Charaktere, die die Story vorantreiben. Und es macht ja ausnahmsweise mal wirklich immens einen Unterschied, ob man sich nun für die gute oder die böse Seite entscheidet. Erzählerisch äußert sich dies in zwei alternativen Enden, die verschiedener nicht sein könnten. Natürlich sollte man von inFamous 2 kein Heavy Rain erwarten, so komplex und tiefgründig ist das Moralsystem nicht und so eng ist es auch nicht mit dem Storyverlauf verknüpft. Dennoch wird man des Öfteren vor Entscheidungen gestellt, die man zunächst überdenken und mit seinem Gewissen vereinbaren muss. Irgendwann wird man sogar vor die Wahl zwischen den Charakteren selbst gestellt - es fiel mir schwer, hier eine Entscheidung zu treffen. Im Kern erwartet euch also das gleiche Moralsystem wie schon im sehr guten Vorgänger, mit den gleichen Stärken und Schwächen.




Entscheidungen und Konsequenzen - erzählerisch wie spielerisch

Aber erwartet euch auch das gleiche Spiel wie im Vorgänger, nur vor einer neuen Kulisse? Nein! Sucker Punch hat an den richtigen Rädchen gedreht und das Gameplay an vielerlei Stellen verfeinert. Die offensichtlichste Neuerung im Third-Person-Adventure sind natürlich die neuen Fähigkeiten, die Protagonist Cole McGrath nutzen kann: Neben bekannten, aber ausgebauten Kräften wie der Elektrogranate und dem Standardblitz findet man im Superhelden-Arsenal neuerdings auch mächtige Ionenstürme und gefährliche Mega-Absorber. Welche Upgrades ihr letzten Endes erhaltet, hängt von euch selbst ab - wer die gute Seite wählt, bekommt andere Fähigkeiten verliehen als derjenige, der es darauf anlegt, von allen gehasst zu werden. Das System kennt man zwar bereits aus Teil 1, dadurch wird es in Teil 2 aber nicht schlechter. Außerdem sorgt das zusammen mit den variierenden Missionsstrukturen für einen sehr hohen Wiederspielwert - auch ich habe inFamous 2 gleich zwei Mal hintereinander durchgespielt, um wirklich alles kennenzulernen, was das Spiel zu bieten hat. Und das ist viel. Rein umfangtechnisch kann der Titel niemals mit den ganzen anderen Sandbox-Spielen da draußen mithalten: Ein GTA IV beschäftigt euch um die 50, ein Red Dead Redemption um die 40 Stunden - da wirken die 15-20 Stunden Spielzeit, die euch inFamous 2 bietet, fast schon wenig. Allerdings werden die zu keiner Zeit gestreckt und sind alles in allem wirklich sehr abwechslungsreich.

Die Hauptgeschichte umfasst satte 40 Missionen und leitet euch an einem roten Faden vom Anfang bis hin zum Ende des Spiels. Zwar wird auch Einsteigern die Story des Vorgängers kurz zusammengefasst und erklärt, es wäre jedoch empfehlenswert, wenn man diesen selbst gespielt und erlebt hat - zumal es sich bei inFamous um einen der besten PS3-Exklusivtitel handelt, den sich sowieso jeder PS3-Besitzer einmal angesehen haben sollte, wenn er was mit dem Genre anfangen kann. Kollege Kith hat nicht ohne Grund seinerzeit ganze 5 Sterne vergeben und das Spiel himmelhoch gelobt. Der Nachfolger knüpft erwartungsgemäß an die Story des ersten Teils an: Empire City ist zerstört, Cole und seinen besten Freund und Helfer Zeke verschlägt es weiter südlich nach New Marais. Doch die Bestie, ein großes, feuerrotes und zerstörungswütiges Monster zieht die Ostküste der Staaten entlang und macht sich ebenfalls auf den Weg in die New-Orleans-Hommage. Bereits zu Beginn macht man Bekanntschaft mit der riesigen Destruktionsmaschine, ist aber nicht kräftig genug und muss schließlich dabei zusehen, wie Empire City untergeht. Der Einstieg ist wirklich großartig inszeniert und weckt Erinnerungen an God of War III - ganz große Klasse! In den darauffolgenden Stunden geht es nun darum, Coles Kräfte zu stärken und die Bestie zu bezwingen. Dabei erwarten euch nicht nur einige alte Bekannte, sondern euch eine Menge erzählerische Überraschungen. Die Story schafft es, einen in ihren Bann zu ziehen.




Alle Zutaten in den Topf, Abschmecken und Würzen

Als inFamous vor zwei Jahren erschien, kam es fast zeitgleich mit Activisions Prototype: ebenfalls ein Open-World-Spiel, bei dem man einen Charakter spielt, der ähnliche Superkräfte besitzt. Die einen bevorzugten inFamous, die anderen Prototype - ich mochte beide. Dabei kann man beide Spiele eigentlich nicht einmal wirklich miteinander vergleichen, da Prototype mehr auf Nahkampf und inFamous auf Fernkampf setzte. In inFamous 2 spielt allerdings auch erstmals der Nahkampf eine Rolle. Zeke drückt Cole nämlich schon sehr früh im Spiel den Amp in die Hand, eine Art Elektrokeule, mit der man fortan kräftig austeilen kann. Combos, Finisher, Luft- und Bodenangriffe - Sucker Punch hat viel Arbeit in das Gerät und das Nahkampfelement gesteckt und es hat sich gelohnt! Die Kämpfe machen wirklich viel Laune und runden das sonst von Fernkämpfen geprägte Spielerlebnis merklich ab. Blöd ist nur, dass die Kameraführung hier und da für einige bescheuerte Perspektiven sorgt, sodass man die Gegner nicht mehr richtig im Blick hat. Da eine Lock-On-Funktion fehlt, kann man so durchaus mal ziemlich verwirrt werden. Zum Glück kommt das aber nicht sonderlich häufig vor und damit halten sich die Schwierigkeiten auch eher in Grenzen. Dennoch hätte hier ein bisschen Feinarbeit nicht geschadet.

Ein klein wenig Feintuning hätte auch der Akrobatik nicht geschadet. Die klappt meistens zwar richtig gut, gelegentlich wird man bei weiten Sprüngen aber davon ausgebremst, dass Cole sich an nahezu jedem erdenklichen Objekt festhält. Außerdem sieht das Klettern bei weitem nicht so geschmeidig und elegant aus wie beispielsweise in Assassin's Creed: Brotherhood, da es zu viele Haftpunkte gibt. Das ist kein ernstzunehmender Kritikpunkt, aber eines der wenigen Elemente, die ich mir in einem möglichen Nachfolger in verbesserter Form wünschen würde. Denn abgesehen davon macht fast alles im Spiel eine gute bis sehr gute bis teils überragende Figur. Die Kämpfe sorgen für elektrisierende Unterhaltung, Coles neue Fähigkeiten wirken durchdacht und nie aufgesetzt und die Steuerung ist zwar etwas komplex, wird aber dank zahlreicher hilfreicher Einblendungen sehr gut erklärt. Akrobatik und Kampf fügen sich in inFamous 2 zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen - das sieht nicht nur gut aus, das macht auch durchweg einen Heidenspaß. Enttäuschend sind lediglich die wenigen Bosskämpfe, die auch qualitativ nicht mit der harten Action-Konkurrenz mithalten können. Hier haben Gears of War & Co. wesentlich mehr zu bieten. Dabei geht es nicht einmal um die Größe der Bosse, denn da kann inFamous 2 nicht klagen - aber der Weg, sie zu besiegen, ist schlicht zu einfach und wenig anspruchsvoll.




Ab nach New Orleans New Marais, in die Stadt der Träume?

Da Empire City zerstört ist, muss es die Protagonisten erwartungsgemäß in eine neue Umgebung verschlagen - New Marais wurde geboren. Die Stadt stellt eine tolle Hommage an das US-amerikanische New Orleans dar. Wer das nicht glaubt, sollte am besten einmal die Demo spielen: Bereits dort wird einem ein guter erster Eindruck dieser umfangreichen Stadt vermittelt. Wie im Vorgänger wird die gesamte Spielwelt wieder in drei große Teile aufgesplittet, die man alle erst einmal mit Strom versorgen muss, bevor man sie erkunden kann. Allerdings muss man hierfür nicht mehr in die Kanalisation, wie es noch im Vorgänger der Fall war, sondern kann nun sogenannte Tesla-Raketen von einem Transformator zum nächsten schicken, welche man selbst lenken muss - das ist in meinen Augen eine sehr gute Alternative zu den auf Dauer eintönigen Untergrund-Gängen von Empire City. Hat man die Bereiche schließlich auch an das Stromnetzwerk angeschlossen, darf man dort loslegen und weitere Missionen erfüllen. Alle drei großen Umgebungen unterscheiden sich deutlich voneinander, und das nicht nur in grafischer Hinsicht. Da Cole bekanntlich nicht gerne baden geht, erfordert das überflutete Ghetto-Viertel besonderes Fingerspitzengefühl, was die Akrobatik angeht. Im Gas-Works-Bereich dagegen geht es hoch in die Vertikale. Das meiste Leben findet man hingegen im Anfangsbereich, dem Zentrum von New Marais. New Marais ist kein Liberty City (Grand Theft Auto IV), aber eine tolle, weitläufige und abwechslungsreiche Open-World, in der man sehr viel Zeit verbringen kann.

Wie es sich für ein Spiel mit einer offenen Welt gehört, bietet auch inFamous 2 eine Fülle an zusätzlichen Nebenmissionen abseits der Story. Hier gibt es eine große Variation, was die Bedeutung der Missionen angeht: Ab und zu geht es zum Beispiel um Gebietseroberungen. Hier müsst ihr zwischen der guten und der bösen Mission wählen, eure Entscheidung beeinflusst dann euer Karma und damit auch, wie euch die Bevölkerung sieht. Werdet ihr gehasst oder geliebt? Es liegt in euren Händen! Ebenfalls beeinflussen könnt ihr dies, indem ihr auf Zivilisten Acht gebt oder sie kaltblütig umnietet. Am Ende einer jeden Mission wird zusammengefasst, welche gesellschaftlichen Aktionen ihr durchgeführt habt, und eine Ergebnis gefällt. Einige Zufallsereignisse sorgen ebenfalls für minimale Veränderungen des Karmas: Lasst ihr Demonstranten und Straßenkünstler "verstummen"? Entschärft ihr Bomben oder lasst sie lieber hochgehen und schaut genüsslich dabei zu, wie Polizisten verletzt werden? Rettet ihr unterdrückte Bürger vor der korrupten Miliz? inFamous 2 bietet auch neben des Hauptstranges viele Beschäftigungen, sodass die absolute Spielzeit trotz der "nur" knapp zehnstündigen Story auf 15 Stunden oder mehr anwächst. Die Nebenmissionen sind nicht so abwechslungsreich wie in Assassin's Creed II, bieten aber genug Variation, um auf Dauer zu motivieren. Zudem bekommt ihr dafür neue Kräfte und -upgrades.

Zusätzlich dazu gibt es noch einen sehr stattlichen Missionseditor, der auch unzählige Möglichkeiten bietet - vergleichbar mit einem LittleBigPlanet 2 könnt ihr darin sehr viel Zeit verbingen. Das Praktische ist aber, dass ihr euch nicht einmal in den Editor einarbeiten müsst, sondern einfach die etlichen von Spielern erstellten Missionen selbst zocken könnt, ohne dafür extra bezahlen zu müssen. Sehr schön!









Tim schrieb am 27. June 2011
inFamous 2 elektrisiert in jedem Pixel: Es sieht toll aus, es spielt sich angenehm und flüssig, es ist anspruchsvoll, spannend und es stellt den Spieler vor die schwierige Wahl zwischen gut und böse, Freund und Feind. War der erste Teil vor zwei Jahren noch eine überaus positive Überraschung, so ist der zweite Teil der erhoffte Nachfolger, der manches neu und vieles besser macht. Der ewige Grau-Braun-Look des Vorgängers ist einem farbenfroheren und explosiveren Farbton gewichen, es gibt endlich auch ansehnliche Nahkämpfe mit der Elektrokeule und die Story hat ebenfalls zugelegt. Ich kann Sucker Punch zu inFamous 2 nur gratulieren: Ihr habt großartige Arbeit geleistet, liebe Entwickler! Das Spiel ist mehr als nur eine Mixtur der besten Zutaten aus Assassin's Creed, Star Wars: The Force Unleashed und Prototype - es ist ein eigenständiges und ein auf seine Weise einzigartiges Actionpaket, das auf einem stimmigen Rezept basiert, dem es nur noch an der nötigen Bosskampf- und Soundtrack-Würze sowie der richtigen Kamera-Abstimmung fehlt. Doch das sind Peanuts, die den Geschmack nur marginal beeinträchtigen. Die Wahl des Spiel des Jahres wird immer schwieriger. Bitte mehr davon!

inFamous 2 elektrisiert mit jedem Pixel und hält den Puls auf Hochspannung: explosive Actionszenen, moralische Konsequenzen, gute Story - Spielerherz, was willst du mehr?


Besonders gut finde ich ...
  • prima funktionierende Spielmechanik
  • aufrüstbare, vielfältige Superkräfte
  • häufige Wahl zwischen gut und böse
  • große, lebendige, offene Spielwelt
  • interessante Geschichte & Charaktere
  • abwechslungsreiche Storymissionen
  • Technik meist auf sehr gutem Niveau
  • recht umfangreiches Gesamtpaket
  • jede Menge gute Nebenmissionen
  • Missionsbaukasten & Nutzer-Inhalte


Nicht so optimal ...
  • ab und zu nervige Kameraprobleme
  • wenige & enttäuschende Bosskämpfe
  • Soundtrack dezent im Hintergrund

 Testsystem:  PS3
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6 Kommentar(e):
und folgenden Usern gefällt der Beitrag: Haschbeutel, Phaz, Tim, ... und 2 Gästen.

 





#1
Geschrieben am 27. June 2011 um 21:53 Uhr

Kithaitaa meint ...

Muss. Spielen.   


          
 





#2
Geschrieben am 27. June 2011 um 22:28 Uhr

Phaz meint ...

CAPTAIN SUPERLATIVUS
Besser als teil 1 oder  ?


          
 





#3
Geschrieben am 27. June 2011 um 22:30 Uhr

Kithaitaa meint ...

Phaz: CAPTAIN SUPERLATIVUS Besser als teil 1 oder ?
Hä?  



          
 





#4
Geschrieben am 28. June 2011 um 08:15 Uhr

DarkRaziel meint ...

Bin jetzt bei Mission 6 und finde das Game durchaus gut und auch mir sind einige Punkte wie im Test Negativ aufgefallen, aber stören mich auch nicht so wie im Falle von dem Wände hoch klettern. Auch wenn die Bewegungen im Enzio Manier mehr gefallen würden da sie wie aus einem Guss sind und nicht so steif wie in inFamous 2.

Aber man kann nicht alles Haben.


          
 





#5
Geschrieben am 28. June 2011 um 08:24 Uhr

Phaz meint ...

Kithaitaa: Hä?

Die Frage war eher an Tim gerichtet  


          
 





#6
Geschrieben am 17. July 2011 um 06:09 Uhr

Kithaitaa meint ...

Habs jetzt am Wochenende auch mal zu Ende gespielt, hat mir gut gefallen, allerdings zieht sich das Ganze zum Ende hin schon etwas, wie ich finde. Vor allem, wenn man, wie ich, noch zig Nebenmissionen für die notwendigen Upgrades freispielt bzw. die Scherben sammelt (endlich mal wieder was nützliches & sinnvolles - zu Alan Wake & L.A. Noire schiel  


          



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