Genre:Action  
Entwickler:Grasshopper Manufacture  Publisher: Electronic Arts
Plattform(en):PS3, Xbox360

Release:22.06.2011

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Shadows of the Damned - Review

Schaurig schön - dämonisch gut? Ich war in der Unterwelt ...

Geschrieben von Tim am 17. September 2011 um 20:19 Uhr


Wenn der kreative Kopf hinter No More Heroes und No More Heroes 2: Desperate Struggle sich mit dem Resident-Evil- und Vanquish-Schöpfer Shinji Mikami zusammensetzt, um ein brandneues Horror-Erlebnis zu entwickeln, dann horcht die Spielergemeinde auf - Sudas Wahnsinn und Mikamis Genialität kombiniert muss doch etwas ganz Hervorragendes ergeben! Dazu kommt dann noch die Musik von Akira Yamaoka, bekannt durch die Silent-Hill-Soundtracks. Das Ergebnis war schließlich Shadows of the Damned. Ich habe mich mit Garcia Hotspur und dem sympathischen Johnson auf eine blutige, brachiale, grauenvolle und ausgesprochen witzige Dämonenjagd begeben - ob sie mir gefallen hat?

In Shadows of the Damned schlüpft man in die Haut von Garcia Hotspur - einem feurigen Mexikaner mit einem Faible für außergewöhnliche Waffen. Sein Spezialgebiet? Das Vernichten von Dämonen! Als ihm der böse Dämonenlord Fleming allerdings seinen Schatz Paula raubt und die junge Frau mit in die Unterwelt reißt, werden Garcias ganze Fähigkeiten auf die Probe gestellt. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als die reale Welt ebenfalls zu verlassen und sich in die finsteren Tiefen des Dämonenlandes zu wagen. Zur Seite steht ihm immerhin der zweideutig betitelte Johnson, der sich später auch in den sogenannten "Big Boner" verwandeln wird - und nein, obwohl es der Name irgendwie andeutet, handelt es sich bei Johnson nicht um sein männliches Geschlechtsteil, sondern um einen völlig durchgeknallten, aber freundlichen Dämon. Was folgt, ist ein adrenalin- und projektilgeladener Höllenritt mit unzähligen sexuellen und humoristischen Anspielungen, wie man ihn lange nicht mehr in einem Spiel gesehen hat.




Hey Dämon! Sag Hallo zu meinem kleinen Freund!

Bevor ihr den Text weiterlest, muss ich euch warnen: Shadows of the Damned ist vollgestopft mit wenig erwachsenem und haufenweise prä-pubertärem Humor, den nicht jeder lustig findet. Wer allerdings schon dabei schmunzeln muss, wenn Garcia zwischen den gespreizten Beinen einer Werbeplakat-Dame durch ein Portal gleitet, für den dürfte Shadows of the Damned einige witzige Höhepunkte bieten. Die Entwickler haben sich tatsächlich Mühe gegeben, jede nur erdenkliche Grenze zu überschreiten, was sexuelle Anspielungen betrifft. Besonders witzig ist es beispielsweise, wenn Johnson an's Telefon geht und bei jedem Wort der sehr gesprächigen Dame am anderen Ende mehr mit den Zähnen klappert, bis er schließlich.. wächst. Und zum "Big Boner" wird. Ebenso cool die Reaktion von Garcia, als er in einer leicht seltsamen Stellung den Monsterdämon anvisiert und sagt: "Hey Demon! Say hello to my little friend!" Garcia heilt sich übrigens, indem er Tequila oder Sake trinkt. Keine Frage, Shadows of the Damned ist speziell. Sehr speziell. Das ist mit Sicherheit auch der Grund für die (leider) eher enttäuschenden Verkaufszahlen des Titels. Aber! Wer auf den Stil des Spiels steht, der wird hervorragend unterhalten ..

Die Hintergrundgeschichte ist zwar im Grunde nicht besonders ergiebig, aber doch so erzählt, dass man wissen möchte, wie sie endet - das hat mir auch vollkommen gereicht. Viel interessanter sind dagegen die prima getroffenen Charaktere wie der bullige Macho Garcia, der eingebildete Fleming und der durchgeknallte Johnson. Das, was Shadows of the Damned erzählerisch will, erreicht es mit Leichtigkeit. Hier und da hätte es aber doch gut getan, ein wenig mehr Dialoge einzubauen - auch wenn die Gespräche zwischen Garcia und Johnson sehr unterhaltsam sind.




Wer gewinnt den Bosskampf-Marathon?

Spielerisch ist Shadows of the Damned vor allem eines: konventionell. Sein Stil ist zwar extrem exotisch, die grundlegende Spielmechanik ist es jedoch nicht. Man steuert Garcia Hotspur aus der klassischen Third-Person-Perspektive und auch die Schussgefechte laufen exakt so ab, wie man es von Konkurrenztiteln kennt. Was allerdings fehlt und durchaus nicht schlecht gewesen wäre, ist ein funktionierendes Deckungssystem. Zudem benötigt man eine Weile, um sich an die relativ schwammige Steuerung zu gewöhnen - ist ja bei fast allen Spielen von Mikami so. Hat man sich aber erst einmal eingespielt und den Dreh raus, kann man endlich auch alles erkunden, was Shadows of the Damned zu bieten hat - und das ist viel. Dazu gehören neben den gigantischen und herausragenden Bosskämpfen, die glasklar das Highlight des Spiels sind, auch die unregelmäßig verteilten Puzzle-Abschnitte, in denen das Köpfchen gefragt ist. Ein Beispiel ist das hochspannende System der Dunkelheit. Wenn die Finsternis nämlich hereinbricht, dann sind normale Gegner - die übrigens schaurig aussehen - unverwundbar. Um wieder für klare Lichtverhältnisse zu sorgen, muss man einen meckernden Ziegenkopf an der Wand abschießen, um dann die Feinde ausschalten zu können. Interessant ist allerdings erst, wie diese Mechanik für Rätsel eingesetzt wird: Schalter sind nur in der Dunkelheit aktivierbar und einige monströse Gegner können ebenfalls nur in der Finsternis zu Fall gebracht werden. Das hat mir alles sehr gut gefallen, nur etwas mehr Variation wäre schön gewesen.

Wie bereits erwähnt, lebt Shadows of the Damned neben seiner schaurig-schönen Atmosphäre, die einen mitten in's Geschehen hineinzieht, auch von den imposanten Bosskämpfen gegen die Obermotz-Dämonen. Diese bestehen meist aus mehreren Runden und sind optisch ansprechend in Szene gesetzt. Keine Frage, die Bosskämpfe gehören zu den Höhen des Spiels. Und leider gibt es auch einige Tiefen, die mich sehr genervt haben. Genauer gesagt sind das seitlich scrollende Ballerpassagen in einem sehr gewöhnungsbedürftigen Grafikstil, in denen man vor Papier-ähnlichen Hintergründen schwebt und Gegner abschießen muss, die von oben herunterfallen oder sonstwo spawnen - und das macht absolut keinen Spaß. Es gibt sogar einen Bosskampf von diesem Stil, der mir nicht gefallen hat. Glücklicherweise gibt es von diesen Abschnitten auf die gesamte Spielzeit gesehen nicht allzu viele. Übrigens dauert das einmalige Durchspielen von Shadows of the Damned etwa acht Stunden. Wer jedoch jeden kleinen Winkel der meistens streng linearen Levels untersucht und sämtliche roten Juwelen einsammelt, mit denen man seine Waffen upgraden kann, wird noch einige Zeit mehr benötigen.









Tim schrieb am 17. September 2011
Shadow of the Damned ist wirklich etwas Außergewöhnliches. Es ist im Kern nur ein klassischer Third-Person-Shooter ohne Deckungsmechanik - und dennoch sprüht der Titel so vor wahnwitzigen Einfällen und Design-Kniffen, dass man sich gelegentlich fühlt, als würde man in ein neues Genre entführt werden. Leider sind es dann eher kleinere Probleme, die einen schnell zurück in die Realität holen. Auf Dauer fehlt es wie so oft an Abwechslung, die Steuerung ist vor allem zu Beginn sehr, sehr schwammig und die seitlich scrollenden Ballerpassagen sind das Schlimmste, was man dem Spiel nur antun konnte. Zum Glück überwiegen jedoch die positiven Aspekte. Denn bereits nach einigen Stunden ist man in der schaurig-schönen Spielwelt versunken, freut sich auf jeden kommenden Bosskampf und jeden noch so dämlichen Spruch von Allzweckwaffe Johnson und sammelt fleißig Juwelen, um sein Arsenal mehr und mehr upzugraden. Shadows of the Damned ist ein sehr cooles Spiel. Es ist eine extravagante und exotische Mixtur aus den unterschiedlichsten Zutaten und der Eintopf dürfte wahrlich nicht jedem munden. Wer sich das kreative Glanzlicht unter den Third-Person-Shootern allerdings genauso auf der Zunge zergehen lässt wie ich, dem schmeckt das Spiel vortrefflich.

Shadows of the Damned ist eine extravagante Mischung aus exotischen Zutaten, die nicht jedem Esser mundet, für Feinschmecker aber ein Festmahl darstellt. Probieren kostet nichts - und könnte sich lohnen! Voraussetzung sind aber starke Geschmacksnerven.


Besonders gut finde ich ...
  • eigenartiger, aber toller Humor-Einsatz
  • viele wahnwitzige Gameplay-Mechaniken
  • spannende Passagen mit Dunkelheit, ...
  • saucoole und aufrüstbare Waffen
  • interessante Story, gute Charaktere
  • Soundtrack verbreitet Stimmung
  • bombastisch inszenierte Bosskämpfe


Nicht so optimal ...
  • Schussgefechte ähneln sich langfristig
  • dämliche Sidescroll-Baller-Abschnitte
  • ... die mehr Potential geboten hätten
  • Steuerung leicht gewöhnungsbedürftig

 Testsystem:  PS3
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