Genre:JRPG  
Entwickler:Monolith Soft  Publisher: Nintendo
Plattform(en):Wii, 3DS

Release:19.08.2011, 10.06.2010 (Japan), 2015 (New 3DS)

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Xenoblade Chronicles - Review

Vorhang auf für den neuen Rollenspiel-Titan: Xenoblade Chronicles.

Geschrieben von Tim am 26. September 2011 um 21:00 Uhr


Das aktuelle Jahr der Videospiele ist voller Highlights - ganz gleich, wohin man schaut. Wer einen Blick über unsere großartige Release-Collage wirft, wird feststellen, dass nahezu jeder Monat mindestens zwei AAA-Bombast-Prachtgrafik-Spiele zu bieten hat, die man nicht missen möchte: sei es nun ein Gears of War 3, ein Battlefield 3 oder ein Uncharted 3. Aber dann gibt es ja auch noch diese Geheimtipps, die keiner auf der Rechnung hat - Xenoblade Chronicles zum Beispiel. Dabei lohnt es sich auf jeden Fall, mal in das prächtige Wii-Rollenspiel hineinzuschnuppern. Denn es gehört zu den wenigen Genre-Vertretern dieser Tage, die noch mächtig was auf dem Kasten haben.

Am 18. November 2011 erscheint endlich das Spiel, auf das so viele Wii-Besitzer, mich eingeschlossen, schon so lange warten. Das Spiel, das einen der letzten großen Höhepunkte für das sterbende System darstellen wird, bevor es von der Wii U irgendwann im kommenden Jahr abgelöst wird. Jeder weiß, worum es geht. Ja, ich rede von The Legend of Zelda: Skyward Sword. Bis vor ca. einem Monat hatte ich mich noch riesig auf den Titel gefreut und konnte es kaum erwarten, endlich selbst nach Skyloft zu reisen - das gleiche Syndrom beginnt, dank der zahlreichen neuen (und übrigens fantastisch aussehenden!) Trailer und Bildmaterialien, momentan wieder von vorne. Zwischen diesen beiden Terminen herrschte jedoch eine immense Schwächephase, in der mein Interesse am neuen Zelda massiv gesunken war. Der Grund dafür nennt sich Xenoblade Chronicles. Über vier Wochen lang hat mich das Japan-Rollenspiel von Monolith Soft gefesselt - warum es mit Final Fantasy XIII und Konsorten den Boden aufwischt, was es so besonders macht und warum man nur für dieses Spiel den Kauf einer Wii in Erwägung ziehen könnte, das verrät euch meine Review. Bereitet euch vor - jetzt geht's los.




Wandern über Gotteskörper - inklusive kristallener Seen und weiter Savannen

Das Gefühl, wenn man mit Protagonist Shulk und seinen Freunden, darunter der sympathische Tank Reyn, die hilfreiche Heilerin Sharla und der legendäre Held Dunban, über die Weiten des Bionis-Körpers streift, ist außergewöhnlich. Man kann quasi fühlen, wie riesig der Körper des verstorbenen Gottes, auf dem der Großteil des Spiels abläuft, wirklich ist - und man merkt, dass man selbst nur ein kleiner Entdecker mit großen Ambitionen ist. Alleine das Erkunden der Spielwelt von Xenoblade Chronicles ist genug, um fünf andere Spiele zu füllen, denn mit dem Auskundschaften und Durchsuchen der vielfältigen Gotteslandschaft ist man gut und gerne 20-25 Stunden beschäftigt - ganz abgesehen von der eigentlichen Haupthandlung, die nochmals um die 50 Stunden verschlingt. Man braucht viel Zeit, wenn man Xenoblade Chronicles spielen möchte. Das Spiel will nämlich nicht einfach beendet, sondern genossen, betrachtet, gelesen und gehört werden. Die wichtigste Rolle nimmt die Spielwelt ein: Sie ist riesengroß, ungemein abwechslungsreich und im richtigen Maße mit Leben gefüllt. Ähnlich wie in Monster Hunter Tri begegnet man zahlreichen potentiellen Beuteopfern, die schnell erlegt und verarbeitet sind - in MHTri in Form von Materialien, in Xenoblade Chronicles in Form von Erfahrungspunkten. Aber seid gewarnt, denn neben ungefährlichen und fast wehrlosen Level-2-Hasons durchstreifen unter anderem auch monströse Mammutherden, die euch gerne zu Mittag verspeisen würden, die Umgebungen.

Wer sich nicht mit der Geschichte von Xenoblade Chronicles auskennt, wird nun zurecht fragen, mit welcher Absicht die kleine Gruppe nun durch die Spielwelt zieht - was ist ihre Mission, was ihr Ziel, wo kommen sie her und wo wollen sie hin? Die Antworten auf diese simplen Fragen liefert eine hervorragend erzählte Fantasy-Geschichte rund um ein mysteriöses Schwert namens Monado und einen epochalen Krieg zwischen zwei grundverschiedenen Völkern, den auf Bionis beheimateten Homs und den Maschinen Mechon, die hingegen auf Mechonis hausen. Zum Verständnis sei an dieser Stelle angemerkt, dass die gesamte Spielwelt aus den Leichen zweier Götter - Bionis und Mechonis - besteht, die in einer brutalen Schlacht gegenseitig dem Schwert des anderen zum Tode gefallen sind. Die Homs und die Mechon liegen seit Jahren in einem Krieg und das Ziel der Maschinenrasse scheint es zu sein, die Homs, die im Übrigen typische Menschen sind, auszurotten. Warum das so ist, sollt ihr nun herausfinden - und darüber hinaus natürlich auch versuchen, weitere Angriffe der Mechon zu verhindern. Denn die Maschinen sind aus so festem Stahl geschnitzt, dass lediglich das legendäre Monado sie verletzen kann. Shulk ist aber der einzige, der das Schwert zu führen weiß. Der Weg bis hin zur Mechon-Heimatwelt ist jedoch mit Tod, Trauer und Gefahren gepflastert. Dies ist die umfangreiche Rahmenhandlung von Xenoblade Chronicles, die weit über dem kitschig anmutenden Niveau von Final Fantasy XIII liegt - zudem können die deutschen Texte sowie die englische Sprachausgabe überzeugen.




Die Magie des Tageszeitenzaubers und der unterschiedlichen Melodien

Für ein Wii-Spiel sieht Xenoblade Chronicles geradezu umwerfend gut aus. Gedanken an die eigentlich schwache Hardware sind schnell vergessen, wenn man mit seiner kleinen Gruppe durch das kristallblau funkelnde Wasser des Eryth-Meer schwimmt oder an riesigen Wasserfällen vorbei über eine wankende Hängebrücke läuft. Natürlich würde all dies in 1280x720 Pixel-Dimensionen deutlich schöner aussehen - und dann lassen sich kleinere technische Mängel wie Pop-Ups oder visuell detailarme Charaktere leichter retuschieren. Aber ich muss Monolith Soft eine Menge Respekt zollen für das, was sie auf den Bildschirm gezaubert haben. Die Wii ist grafisch kaum zu noch mehr in der Lage - und das, obwohl Xenoblade Chronicles eigentlich schon ein ganzes Jahr alt ist. Besonders gelungen ist die tolle Weitsicht, die erneut Erinnerungen an Monster Hunter Tri weckt. Der große grafische Unterschied zwischen den beiden Spielen ist allerdings das Design der Landschaften, denn während man in Monster Hunter zumeist nur Standard-Umgebungen wie Vulkane und Wälder durchgrast, schickt einen Xenoblade auf eine wundersame Reise durch die vielfältigsten Umgebungen, die mir ein Rollenspiel je präsentiert hat. Vor allem der mystische Satorl-Sumpf sticht hier heraus: ein einzigartiges Szenario der Natur, bei dem die Bäume nachts leuchten wie glitzernde Diamanten im Sonnenlicht - ein unvergesslicher Moment!

Ja, in Xenoblade Chronicles gibt es einen Tag-/Nacht-Wechsel und dieser hat verschiedene Auswirkungen. So verändern sich die Landschaften in ihrer Optik - als Beispiel sei erneut der Satorl-Sumpf genannt. Außerdem streifen nachts stärkere und unterschiedlichere Monster durch die Gegend, die wiederum seltene Materialien fallen lassen könnten. Monolith Soft hat wahnsinnig viel Mühe und Arbeit in dieses Spiel gesteckt und das sieht man an allen Ecken und Enden. Und nicht nur das: Man kann es sogar hören! Als ob die musikalische Untermalung nicht schon tagsüber hervorragend wäre, gibt es auch noch verschiedene Melodien für jedes Gebiet für Tag und Nacht. Xenoblade Chronicles ist ein purer audiovisueller Genuss. Lediglich die absoluten Grafikhuren, die Crysis nur wegen seiner Grafik spielen, werden Xenoblade nichts abgewinnen können. Außerdem ist das Spiel keines, das man eben so mal durchspielt, weil es - wie schon oben erwähnt - eine Menge Zeit in Anspruch nimmt. Auch das umfangreiche Repertoire an sammelbaren Materialien, Juwelen, Ausrüstungsgegenständen und Waffen lädt dazu ein, dass man viele Stunden damit verbringt. Und wer gerne Rollenspiele spielt, der weiß, wieviel Zeit man beim Händler und beim Objekt-Management verschwenden kann ...




Wer braucht schon Paradigmen, wenn er das Monado haben kann?

Aber natürlich ist kein noch so schönes und toll klingendes Rollenspiel gut, wenn der spielerische Aspekt in allen Belangen versagt. Dieses Schicksal bleibt Xenoblade Chronicles glücklicherweise erspart. Denn auch das Kampfsystem übertraf meine Erwartungen bei weitem! Die Kämpfe finden immer in Echtzeit statt, die Spezialangriffe müssen jedoch nach jedem Einsatz eine kurze Zeit regenerieren. Einen Standardangriff gibt es nicht - stattdessen kann man immer auf eine anpassbare Einsatzpalette zurückgreifen, die neben diversen Attacken auch Heil- und Schwächungszauber enthält. Und damit nicht genug, denn taktisch tiefgründig wird das Kampfsystem erst nach einigen Stunden, wenn man sämtliche Kniffe kennt und gegebenenfalls auch schon beherrscht. Mit einigen Angriffen kann man seine Gegner nämlich umwerfen, wodurch sie anfällig für jede Art von Attacken werden - zuvor muss man sie allerdings zum schwanken bringen. Auch hierfür gibt es spezielle Aktionen, die dafür sorgen, dass der Gegner taumelt. Daneben warten natürlich noch die bekannten Elementkräfte sowie Gift und Lähmung - Rollenspielstandards, die zusammen mit neuen Elementen eine tolle Mischung ergeben. Besonders cool ist aber, dass das Schwert Monado Spezialangriffe von Bossgegnern vorhersehen kann und es dann an euch liegt, diese irgendwie zu verhindern; sei es, indem man den Gegner umwirft oder das entsprechend gefährdete Gruppenmitglied warnt. Die Partner-KI verhält sich meistens zuverlässig.

Doof ist jedoch, dass die Kamera in einigen Situationen überfordert zu sein scheint - dann wackelt sie hin und her und man kann kaum noch etwas erkennen. Hier hätte noch etwas Nachbesserungsbedarf bestanden, insgesamt funktioniert die Kamera aber recht gut, sodass man die aufregenden Kämpfe richtig genießen kann. Bosskämpfe gehören zu den spielerischen Glanzpunkten des Rollenspiels. Man findet sie nicht nur auf dem ca. 50-stündigen Weg zum Spielabspann, sondern auch in der schier endlosen Masse an Nebenquests - man hat eine Menge zu tun, wenn man alle Bosskämpfe abschließen möchte. Natürlich geht es dabei nicht nur gegen riesige Mechon, sondern auch einige andere Monster; Riesenspinnen beispielsweise. Kennt man zwar, wird dadurch aber nicht schlechter. Die Spielmissionen sind in der Story relativ abwechslungsreich, die Nebenmissionen wiederholen sich dagegen nach einiger Zeit. Dies kann man allerdings sehr gut verschmerzen, weil es sowieso sehr viel in der umfangreichen Spielwelt zu tun gibt. Probleme bereitet anfangs lediglich noch die umständliche Menüsteuerung, weil man hier mit dem Steuerkreuz die einzelnen Punkte auswählt - alternativ gibt es noch den Classic Controller. Wer mag, kann diesen benutzen, und wird dabei nichts verpassen. Eine Gestensteuerung gibt es in Xenoblade Chronicles nämlich nicht - und das nehme ich durchaus positiv auf, weil sie schlicht nervig wäre. Meine Spiel-Sessions dauerten so gut wie immer mehr als zwei Stunden, oft sogar deutlich länger - nicht auszudenken, wenn ich mich noch aktiv bewegen und anstrengen müsste .. :)



Doch trotz all des Lobes kann ich Xenoblade Chronicles nicht uneingeschränkt empfehlen. Denn so wundervoll das Spiel als Ganzes auch ist - wem Japan-Rollenspiele oder allgemein japanische Spiele nicht gefallen, der wird auch hier wohl keinen Spaß haben. Zwar ist Xenoblade deutlich weniger klischeehaft als ein Final Fantasy und auch optisch nicht ganz so japanophil, trotzdem sind die Ursprünge nicht zu übersehen. Seid euch dessen bewusst! Wer JRPGs jedoch mag, greift zu. Alles weitere erfahrt ihr im Fazitkasten unten.







Tim schrieb am 26. September 2011
Xenoblade Chronicles liefert alles, was das Rollenspielherz begehrt: eine epische Handlung mit sympathischen Charakteren, die den Spieler in ihren Bann zieht und nicht mehr loslassen will, sobald man sich mit ihr angefreundet hat. Eine wundervolle, gigantische, schlichtweg atemberaubende Spielwelt inklusive etlicher Haupt- und Nebenquests. Ein taktisch tiefgründiges und erstaunlich komplexes Kampfsystem, das seinesgleichen sucht. Und darüber hinaus gibt es den besten Soundtrack, dem ich dieses Jahr bisher lauschen durfte. Ja, ich hatte mich auf Xenoblade Chronicles gefreut. Aber niemals hätte ich gedacht, dass es mich so eiskalt erwischen kann. Ich habe Xenoblade Chronicles ganz tief in meinem Herzen eingeschlossen und dort wird auch noch lange ein Platz für das Spiel reserviert sein. Das ist ein Titel, den sich kein Wii-Besitzer und erst recht kein Rollenspielfreund entgehen lassen darf - großartig!

Xenoblade Chronicles ist ein kleiner Rollenspiel-Edelstein in einem Meer aus Sand und Schutt - und glänzt um Welten heller und schöner als jedes andere aktuelle JRPG.


Besonders gut finde ich ...
  • wundervolle, weitläufige Landschaften
  • Story fesselt und lässt nicht mehr los
  • taktisch anspruchsvolles, unterhaltsames Kampfsystem mit enormem Tiefgang
  • durchweg fantastischer Soundtrack
  • unzählige Haupt- und Nebenmissionen
  • bezaubernder Tag-/Nacht-Wechsel mit Auswirkungen auf Musik und Gameplay
  • schier endlose Sammler-Ressourcen
  • Ausrüstung und Zauber aufrüsten


Nicht so optimal ...
  • Charaktere optisch eher detailarm
  • etwas mühselige Steuerung im Menü

 Testsystem:  Wii
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4 Kommentar(e):
und folgenden Usern gefällt der Beitrag: Phaz, Kithaitaa, ... und einem Gast.

 





#1
Geschrieben am 27. September 2011 um 00:16 Uhr

Kithaitaa meint ...

Hört sich alles wunderbar an, aber Wii & JPRG sind nicht meine Welt. Mein Wii-Kaufargument war damals noch Metroid Other M und sowas  



          
 





#2
Geschrieben am 27. September 2011 um 07:37 Uhr

DarkRaziel meint ...

Es wäre für mich Interessant wenn es mich Aktiv im Spiel kämpfen lassen würde wie bei Zelda, Phantasie Star Online. Aber nur mit Befehlen wie Final Fantasy sind nicht mein Ding.


          
 





#3
Geschrieben am 27. September 2011 um 13:50 Uhr via

Aaron meint ...

wird gekauft


        
 





#4
Geschrieben am 2. Oktober 2011 um 18:16 Uhr

Phaz meint ...

wird immernoch gekauft.


          



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