Genre:Action-RPG  
Entwickler:From Software  Publisher: NamcoBandai Games
Plattform(en):PC, PS3, Xbox360

Release:07.10.2011, 24.08.2012 (PC)

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Dark Souls - Review

100.000 Tode sind noch lange nicht genug - nicht für Dark Souls ..

Geschrieben von Tim am 30. Oktober 2011 um 21:21 Uhr


Die Erde bebt, die Bässe donnern, der mittelalterlich anmutende Kirchenchor stimmt von Orgelpfeifen begleitet in die furchterregende Sinfonie ein. Diese Sinfonie ist die Sinfonie des Todes. Sie bereitet mich auf den nächsten Bosskampf vor, der wenige Meter vor mir wartet. Ich gehe einen Schritt vorwärts und schon steht das gigantische Monstrum vor mir - ohne Introsequenz, ohne langes Gerede, ohne spektakuläre Kamerafahrten. Dark Souls legt keinen Wert auf Sentimentalitäten und Ruhepausen. Es schickt einen durch eine grauenhafte, verstörende und finstere Welt, die von Dämonen und Untoten bewohnt wird. Der Weg zum Ziel ist mit 100.000 Toden gepflastert. Wer in Dark Souls nicht kämpft, wird keine fünf Minuten überleben. Die entscheidende Frage ist nun: Ist der Überlebenskampf Qual oder Unterhaltung?

This is Dark Souls. Prepare to die!

Hundert, tausend, hunderttausend Tode sterben - das kennt man nicht erst von Dark Souls. Schon 2010 erschien hierzulande ein ähnlicher Titel, der den Spieler ebenfalls etliche Tode sterben ließ. Auch dort musste man durch eine geheimnisvolle Spielwelt streifen und riesige Dämonen bezwingen. Ich habe jenem Spiel in meiner Review satte fünf Sterne verpasst, weil es einfach etwas Besonderes war. Etwas, das ich so in dieser Form noch nie gespielt oder gesehen hatte. Es forderte und förderte, es nahm viel und gab auch viel zurück - und es motivierte wie kaum ein anderes Videospiel. Sein Name war Demon's Souls. Nun ist mit Dark Souls der spirituelle Nachfolger erschienen, der schöner, größer, lauter und schwerer ist. Schwerer? Ja, richtig verstanden! Dark Souls ist noch einen ganzen Batzen anspruchsvoller als Demon's Souls. Ich habe mich so gut es geht durch das Spiel gekämpft, bin so oft gestorben, dass ich ein eigenes Massengrab verdiene, und hätte vor Wut meinen Controller entzwei reißen können. Dark Souls ist ein Traum für Rollenspieler auf der Suche nach hammerharter und monumentaler Action, aber gleichzeitig auch ein Albtraum für all diejenigen, die nicht den Willen und die Kraft haben, Stunde über Stunde in ein Spiel zu investieren, nur um ein paar Meter vorwärts zu kommen. Geduld ist elementar.




Du bist so groß. Und so böse. Und so verdammt viel stärker als ich!

Wie schon bei Demon's Souls sind es vor allem die übermächtigen Dämonen, die mir während meines Abenteuers das Leben schwer machten - bereits der allererste Endgegner im Tutorial (!) hat mich dermaßen eiskalt erwischt, dass ich auf der Stelle gestorben bin. Die erste große Herausforderung stellte dann aber der erste richtige Boss da, der Taurus-Dämon: eigentlich kein schneller und agiler Kerl, aber 5-6 Meter hoch und verdammt schlagkräftig. Jetzt, nachdem ich viele, viele Stunden weitergespielt und einige andere Bossgegner erledigt habe, realisiere ich erst, wie schwach und durchschaubar der Stier eigentlich war. Viel anspruchsvoller waren da schon die Glocken-Gargoyles, denen ich erst mit meiner Streitaxt den Schweif abtrennen musste, bevor ich sie richtig attackieren konnte. Auch hier bin ich x-mal gestorben. Wenn Demon's Souls schwer war, dann ist Dark Souls nah an der Grenze zur Unschaffbarkeit. Selbst die Standardgegner sind verdammt harte Brocken. Wenn die knochigen Skelette mit ihrer Lanze zustechen oder mit ihrem Schwert zuschlagen, geht schon einmal die Hälfte meines HP-Balkens den Bach herunter - dementsprechend wichtig ist es, zeitlich korrekt zu parieren, gezielt zu kontern und unnötige sowie riskante Gefechte zu vermeiden. Taktik ist entscheidend für den Sieg. Dark Souls ist ein Krieg und jedes Duell gegen einen Feind ist eine Schlacht, die erst mir Mühe und Not gewonnen werden muss. Besonders wichtig ist es, stets seine Ausdauer-Anzeige im Blick zu behalten, die mit jedem Schlag, Block und Ausweichen abnimmt und erst durch Ruhe wieder aufgeladen wird. Man muss hierfür ein Gespür entwickeln, um siegen zu können. Das kommt aber erst mit der Zeit.

Sehr vieles in Dark Souls lernt man erst mit fortlaufender Spielzeit. Man lernt zum Beispiel seine eigenen Grenzen kennen - in welche Kämpfe darf ich mich wagen? Welche Risiken sollte ich eingehen, welche nicht? Wie nah ist mir der Tod? Soll ich erst zum rettenden Leuchtfeuer zurückkehren oder doch weitermachen? Apropos: Leuchtfeuer sind neu in Dark Souls und sind quasi Checkpoints, an denen man jederzeit seine Gesundheit regenerieren kann und den Estus-Flakon wieder auffüllt, welcher unterwegs bei Benutzung HP hinzufügt. Doch so schön dieser neue Speicherkomfort klingt - Dark Souls wird dadurch nicht leichter. Die Spielwelt ist nun nicht mehr wie im Vorgänger in fünf große Areale aufgeteilt, sondern in 20 zusammenhängende Bezirke mit je ein bis zwei riesigen und brachialen Boss-Dämonen. Die reine Spielzeit alleine für das Erkunden dieser vielschichtigen und vielseitigen Umgebung dürfte mindestens 20 Stunden beanspruchen, wenn man die langen Eingewöhnungsstunden und Bosskämpfe nicht mit einberechnet. Weitere Zeit geht für das Verbessern der eigenen Fähigkeiten und Waffen sowie Ausrüstung drauf, außerdem gibt es viele verschiedene Gegenstände zu sammeln, welche bestimmte Vorteile bringen, die für das Weiterkommen hilfreich sind. Es gibt viel zu tun in Dark Souls - mehr als noch in Demon's Souls. Theoretisch könnte man Wochen damit verbringen, sich durch das Spiel zu kämpfen und jeden Winkel der Welt auszukundschaften. Ob man das macht, kommt auf den Spieler an.




Warum tue ich mir das an? Warum will ich weitermachen? Warum nur? ...

Das außergewöhnliche an Dark Souls ist aber nicht einfach der Schwierigkeitsgrad und die faszinierende Spielwelt, die neben dunklen Tropfsteinhöhlen und verzauberten Seen auch verfluchte Gemäuer und dicht bewachsene Wälder sowie Gärten bereithält. Nein, wie schon der Vorgänger entfesselt auch Dark Souls eine unheimliche Motivation zum Weiterspielen. Ganz gleich, wie oft man stirbt - irgendwie sucht man den Fehler immer bei sich selbst und nicht beim Spiel. Der altbekannte Spruch "Ist das Spiel zu schwer, bist du zu schwach" passt einwandfrei auf Dark Souls. Man will es immer und immer wieder von vorne versuchen, bis man es letzten Endes schafft. Der Titel ist damit auch ein unglaublicher Zeitfresser, fordert von euch aber auch eine Menge Geduld. Dark Souls besitzt Eigenschaften, die sonst eben kein anderes Spiel besitzt - und das macht es zu einem einzigartigen Videospiel, das einen würdigen Nachfolger zu Demon's Souls darstellt. Der Rollenspielanteil wurde gegenüber dem ersten Teil auch gehörig hochgeschraubt, sodass es nun mehr Möglichkeiten, mehr Fähigkeiten und mehr Aufrüstungsoptionen gibt. Auch NPCs spielen eine größere Rolle und helfen effektiv in Kämpfen. Wer online spielt, kann zudem auf die Hilfe von anderen menschlichen Spielern zurückgreifen, die einem als Freund in der Not zur Seite stehen. Darüber hinaus gibt es natürlich wieder die effiziente Möglichkeit der Nachrichtenhinterlegung, um andere Spieler vor Gefahren zu warnen - prima!

Auch an der Technik hat From Software gearbeitet. Leichen sind zwar immer noch so leicht wie Papier, was gelegentlich die furchteinflößende Atmosphäre zerstört, alles andere an Dark Souls zeigt sich dagegen als konsequente Weiterentwicklung des Vorgängers. Die uralten Gemäuer sehen fantastisch aus, das Design von Freund und Feind ist beeindruckend, die Umgebungen sind vielfältiger als zuvor und die Weitsicht hat enorm zugelegt. Dark Souls ist eben schöner, lauter, anspruchsvoller und gefährlicher als Demon's Souls: eine tolle Entwicklung, die allerdings sicher nicht jedem gefallen wird, der schon mit Teil 1 seine Probleme hatte.







Tim schrieb am 30. Oktober 2011
Es ist beeindruckend, wie sehr Spiele fesseln können. Die einen ziehen mich durch ihre unschlagbare visuelle Eleganz in ihren Bann - Nathan Drake und Uncharted 3 lassen grüßen. Die anderen lassen mich nicht mehr los, weil sie einfach Spaß machen und auf galaktischem Niveau unterhalten - gemeint ist natürlich der hüpfende Sternenklempner in Super Mario Galaxy / 2. Aber Demon's Souls und Dark Souls sind eine andere Klasse von Spiel. Man stirbt 100.000 Tode und will es dennoch erneut versuchen. Man hasst den blutroten Schriftzug "Ihr seid gestorben." und provoziert ihn dennoch bewusst immer wieder. Dark Souls ist für mich eine Art Hassliebe. Ich liebe seine traurige, bedrückende Atmosphäre, die beeindruckenden mittelalterlichen Gemäuer, die faszinierende Art und Weise, wie es mich mitreißt und nicht mehr loslässt. Im Gegenzug hasse ich diesen hammerharten, quälenden Schwierigkeitsgrad, die unmenschlich starken Boss-Dämonen und die Unmengen an Zeit, die Dark Souls verschlingt. Ich kann und will Dark Souls nicht uneingeschränkt empfehlen und auch wenn es insgesamt eine Steigerung gegenüber Demon's Souls ist, vergebe ich dieses Mal nur vier Sterne. Denn während Demon's Souls mit ein bisschen Übung noch machbar war, braucht man bei Dark Souls Stunden, um überhaupt einen einzigen Bosskampf abzuschließen. Das Spiel ist ein Traum für Hardcore-Rollenspieler - und ein Albtraum für alle Ungeduldigen. Überlegt euch den Kauf sehr, sehr gut. Für die einen wird er sich lohnen; die anderen werden es bereuen.

Demon's Souls war hart wie Granit, Dark Souls ist härter als Diamant. Wer diese steinharte Nuss knacken will, braucht Geduld, Wille und Fleiß - und sehr, sehr viel Zeit.


Besonders gut finde ich ...
  • melancholische, düstere, packende Atmosphäre reißt den Spieler sofort mit
  • unglaublich motivierender Spielverlauf
  • effizient umgesetzter Online-Modus mit Coop-Element und guten Hilfestellungen
  • visuell fantastische Bosskämpfe, ...
  • sehr spannungsgeladenes Vorantasten
  • beeindruckende mittelalterliche Kulissen
  • erstklassiges Design von Freund & Feind
  • Musik zwischen donnernd & beruhigend
  • Speicherpunkte und HP-Regeneration


Nicht so optimal ...
  • vor allem anfangs unvorstellbar schwer
  • kein Mitleid: Neulinge werden gnadenlos ins eisig-kalte Wasser geworfen
  • einige nervige Ruckler und Grafikfehler
  • recht gewöhnungsbedürftige Steuerung
  • ... spielerisch aber z.T. unfair

 Testsystem:  PS3
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3 Kommentar(e):
und folgenden Usern gefällt der Beitrag: Phaz, ... und einem Gast.

 





#1
Geschrieben am 1. November 2011 um 20:56 Uhr

Kithaitaa meint ...

Naja, mich reizt das Spiel, genau wie der Vorgänger, Null. Die komplette Werbekampagne und der Hype sind auf "Ihr sterbt oft" ausgelegt. Herausfordernd ist ja schön und gut, aber mit was anderem außer "Prepare to Die" haben die ansich nie geworben und das ist doch recht wenig als Kaufanreiz. Technisch sieht das Spiel auch nicht sonderlich ansprechend aus, schon der Vorgänger nicht - allein die offiziellen Screenshots sind ein Graus. Aber, jedem das sein, wers braucht   



          
 





#2
Geschrieben am 2. November 2011 um 12:16 Uhr

Fetzig meint ...

also den vorgänger habe ich geliebt. aber auch den fand ich schon teilweise etwas zu happig. deshalb werde ich mich von dark souls wohl so lange fernhalten, bis mir das spiel mal als absoluter budget titel unter die nase kommt.


          
 





#3
Geschrieben am 3. November 2011 um 11:43 Uhr

Phaz meint ...

Mit dem Vorgänger kam ich ganz gut zu Recht, (Mir fehlt nur noch ein Ring für die Platin-trophäe), deshalb mache ich mir auch keine Sorgen darüber, dass mich Dark Souls brechen könnte.


          



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