Genre:Action-Adventure  
 Publisher: Konami
Plattform(en):PS3, Xbox360

Release:09.09.2011

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El Shaddai: Ascension of the Metatron - Review

Enoch steigt in den Götterhimmel auf - und ich bin ihm gefolgt ...

Geschrieben von Tim am 7. Oktober 2011 um 16:33 Uhr


Nach der Demo Anfang Juli war ich geflasht von diesem biblischen Abenteuer. Heute, Anfang Oktober, bin ich enttäuscht von dem gleichen biblischen Abenteuer, das ich nun in der Komplettversion spielen konnte. Denn leider verbirgt sich hinter dem außergewöhnlichen Äußeren von El Shaddai: Ascension of the Metatron nur ein gewöhnliches, durchschnittliches, mitunter anstrengendes Spiel, das eigentlich nichts wirklich neu macht und abseits der optischen und akustischen Präsentation kaum Glanzpunkte bietet, die irgendwie erwähnenswert sind. Enoch fährt visuell zwar in den Himmel hinauf - inhaltlich jedoch muss El Shaddai auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Und der ist erstaunlich hart ...

Habt ihr Okami gespielt - oder "gesehen"? Wenn ja, dann könnt ihr euch eventuell vorstellen, auf was für eine Grafik ihr euch einstellen dürft. Verschwimmende Hintergründe, kräftige Farben, brillante Licht- und Schatteneffekte und natürlich ein grandioses Artdesign zeichnen nicht nur Okami, sondern auch das neueste Werk des Grafikspezialisten Takeyasu Sawaki aus: El Shaddai: Ascension of the Metatron. Der größte Unterschied zwischen den beiden Spielen ist allerdings vor allem die inhaltliche Qualität, denn während Okami mit vollster Berechtigung zu den besten Spielen überhaupt gezählt wird, ist El Shaddai ein Schatten seiner selbst. Immerhin gibt es neben der tollen Grafik noch einen weiteren hochinteressanten Aspekt, den man so nur sehr selten zu sehen bekommt. El Shaddai thematisiert nämlich die Bibel und bezieht die Sintflut, den Turmbau zu Babel und die Geschichte der Erzengel mit in seine Story. Vermischt werden diese Elemente mit der Moderne: Der Protagonist Enoch beispielsweise trägt eine blaue Jeans und Hilfsengel Lucifel telefoniert an jedem Speicherpunkt mit Gott. Das reicht jedoch leider nicht aus, um El Shaddai hinauf in den Spielehimmel zu heben.




Göttlich ist eben doch was anderes ...

Woran liegt es, dass El Shaddai zwar verzaubern, aber nicht begeistern und auch, vor allem langfristig gesehen, eher mäßig unterhalten kann? Einer der Hauptgründe für meine Enttäuschung ist das träge, eintönige und viel zu gewöhnliche Spieldesign, das sich nicht von der Konkurrenz abhebt, sondern sie zitiert - die wenigen Dinge, die El Shaddai neu macht, sind dagegen auch nicht das Gelbe vom Ei. Wenn man mit Enoch durch die visuell grenzverschiedenen Stockwerke des zu erklimmenden Turmes läuft, dann wird man zwar von der schrillen und zugleich schönen Grafik geblendet, doch der Schein trügt. Die vielen Sprungpassagen in 3-D sind Fallen, die ihresgleichen suchen. Denn die Kamera ist so eingestellt, dass man die zu überspringenden Distanzen kaum einschätzen kann - brauche ich nun einen Doppelsprung oder doch nur einen einfachen Hüpfer, um die nächste Plattform zu erreichen? Das sind Gedanken, die mir vor vielen Abgründen durch den Kopf gingen - und häufig traf ich die falsche Entscheidung. Drehbar ist die Kamera leider auch nicht, weswegen das Springen zu oft zur Krux verkommt. Was hingegen gefällt, sind die zweidimensionalen Hüpfabschnitte, die optisch ansprechend sind und auch spielerisch überzeugen können. Und hier kann einem die Kamera mal ausnahmsweise keinen Strich durch die Rechnung machen. Das sind die Passagen, die mir am besten gefallen haben.

Abseits der kunterbunten Hüpferei gibt es im Grunde nur noch ein einziges Kernelement der Spielmechanik von El Shaddai: der Kampf. Kämpfe finden in unregelmäßigen, aber kurzen Abschnitten statt und werfen einem entweder eine Reihe von schwachen und schnell ausgelöschten Standardgegner vor die Füße oder sie schmeißen Enoch in enge, kreisförmige Arenen, in denen wesentlich stärkere Feinde besiegt werden wollen. Drei grundlegende Waffen hat Enoch parat, die man den Gegnern klauen kann - selbst kann man immer nur eine bei sich tragen. Das sind der Arc, der Veil und der Gale. Beim ersten handelt es sich um eine Art Bogenklinge, bei zweitem um einen kräftigen und mächtigen Schild und mit dem Gale kann man spitze Pfeile verschießen. Gerade bei Bosskämpfen ist es wichtig, die Waffen zu wechseln, weil man die Obermotze oft nur mit einer bestimmten Waffenart treffen kann. Leider sind die Bosskämpfe aber nicht besonders aufregend. Den Arenakämpfen geht es ähnlich, vor allem aus dem einfachen Grund, weil die Gegner unverschämt viel Schaden einstecken können und es ab und an ewig dauert, bis man sie niedergerungen hat. Rätsel gibt es in El Shaddai unglücklicherweise auch nur sehr wenige. Somit ist die Spielmechanik nicht nur gewöhnlich, sondern auf Dauer auch eintönig. Es ist schade, dass die Entwickler ihre gesamte unbestreitbare Kreativität in die Präsentation gesteckt und das eigentliche Gameplay dafür womöglich vernachlässigt haben.




Die Magie des Moments gegen den Fluch der Zeit

Das, was ich bisher über El Shaddai berichtet habe, könnte den Eindruck erwecken, dass der Titel spielerisch eine totale Katastrophe ist - das ist so aber nicht wahr. Meine Enttäuschung ist vor allem der fantastischen Verpackung zu verdanken! Denn gerade im Hinblick auf die wunderbaren Kulissen merkt man schnell, dass es nicht die Spielzeit ist, die Spaß macht, sondern der individuelle Moment. Ich habe nicht die Kämpfe oder Sprungpassagen genossen, sondern die hervorragenden Panoramen, die mit jedem Schritt, den ich mich bewege, zunehmend verschwimmen. Der Soundtrack kann da leider nicht ganz mithalten, einige Stücke sind aber so gut gelungen, dass man quasi in diese Spielwelt eingesogen wird. Es wäre aber schön gewesen, wenn es auch hiervon noch mehr erinnerungswürdige Szenarien gegeben hätte - die einzelnen Kapitel sehen in sich visuell exakt gleich aus und unterscheiden sich nur voneinander. Wenn man beispielsweise zum Start des dritten Kapitels ein rot-blau-grün-leuchtendes Feuerwerk zu sehen bekommt, dann bleibt das bis zum Ende des Kapitels erhalten.







Tim schrieb am 7. Oktober 2011
Es ist sehr schade, dass El Shaddai: Ascension of the Metatron nicht das halten kann, was es rein äußerlich und thematisch verspricht. Keine Frage, man kann Spaß mit Enochs Himmelfahrt haben - aber angesichts dessen, was ich mir erhofft hatte, bin ich schlichtweg enttäuscht. Es wäre so viel mehr drin gewesen, wenn die Spielmechanik nur ansatzweise mit der optischen Verpackung hätte mithalten können. Stattdessen wanderte ich unnötig lange durch teils gestreckte Levelschläuche, um hier und da mal ein primitives Schalterrätsel zu lösen und an einer anderen Stelle den x-ten nervigen Arenakampf zu bestehen. Die Kämpfe machen zu Beginn noch Spaß, werden langfristig gesehen aber öde und ermüden vor allem darum, weil manche Feinde Unmengen an Schaden einstecken können. Das spielerisch interessanteste Element sind noch die eingestreuten 2D-Sprungpassagen; in der dritten Dimension dagegen kann man die Distanzen kaum einschätzen. El Shaddai hat mich in vielerlei Hinsicht enttäuscht, aber dennoch war ich irgendwie immer motiviert, weiterzuspielen. Der Grund ist jedoch lediglich die fantastische Präsentation, die mir teils wirklich den Atem geraubt hat. Kurz: Bei El Shaddai hat man beim Zusehen genauso viel Spaß wie beim Spielen. Es ist ein außergewöhnliches Erlebnis, aber eben nur ein durchschnittliches Spiel.

Göttlich? Nein. El Shaddai ist ein wunderschön anzusehendes Erlebnis, aber nur ein durch-schnittliches Spiel, das inhaltlich nicht ansatzweise das bietet, was das Äußere verspricht.


Besonders gut finde ich ...
  • einzigartiges Design, toller Grafikstil
  • völlig ungewöhnliches Bibel-Szenario
  • schnell erlerntes Kampfsystem, ...
  • einige sehr coole 2D-Sprungpassagen
  • sehr atmosphärische Inszenierung


Nicht so optimal ...
  • spielerisch durchweg viel zu gewöhnlich
  • schlecht einschätzbare Sprungdistanzen
  • ... gegen teils unfair agierende Feinde
  • nervige und ermüdende Arenakämpfe
  • enttäuschende Bosskämpfe ohne Pepp
  • Story zunächst gut, dann langweilig

 Testsystem:  Xbox360
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1 Kommentar(e):
und folgendem User gefällt der Beitrag: ... einem Gast.

 





#1
Geschrieben am 7. Oktober 2011 um 19:30 Uhr

Kithaitaa meint ...

Nichts gegen "abgefahren" und "anders", aber der Stil ist schon sehr, sehr speziell, würde ich mal sagen. Absolut nicht mein Ding. Schade, dass es auch dich nicht überzeugt hat.   


          



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