Genre: Action-Adventure  
Entwickler: Kylotonn Entertainment  Publisher: DTP Entertainment
Plattform(en):  PC, PS3, Xbox360

Release: 23.09.2011
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The Cursed Crusade - Review

Verfluchte Kreuzritter! Verfluchte Story! Verfluchte Langeweile!

Geschrieben von Tim am 10. Oktober 2011 um 16:31 Uhr


Es ist immer sehr schade, wenn sich prinzipiell interessante Titel mit mehr oder weniger frischen Szenarien letzten Endes doch als Enttäuschung herausstellen. The Cursed Crusade ist eines dieser Spiele. Der Debüt-Trailer hatte damals meine Vorfreude auf eine actionreiche Mittelalter-Schlachtplatte geweckt - umso mehr bin ich geschockt von dem, was wirklich hinter dem verfluchten Kreuzzug steckt. Dieses Spiel verschenkt nicht nur tonnenweise Potential, es dient auch beispielhaft als Warnung für alle anderen Entwickler dieser Welt, kein unfertiges und mangelhaftes Produkt auf den Markt zu werfen.

Eine beispielhafte Spielstunde in The Cursed Crusade läuft folgendermaßen ab: Ich starte eine Mission - entweder offline oder online; bei letzterem warte ich lange auf einen Mitspieler - und werde gezwungen, mir eine meist minutenlange und völlig uninteressante Zwischensequenz inklusive stumpfer Dialoge anzusehen bzw. anzuhören. Okay, so ganz stimmt das nicht: Alternativ kann man das Video immer noch wegklicken. Dann jedoch würden mir Teile der unspannenden Handlung entgehen. Also ertrage ich die Zwischensequenz eben, bis ich schließlich selbst loslegen und mit Denz de Bayle oder Esteban Noviembre - je nachdem, welche Figur mir zugeteilt wurde - in den Kampf gegen hirnamputierte Ritter ziehen darf. Ich steuere meinen Charakter zum nächsten Feind, hämmere auf die Viereck- oder Dreieck-Taste und schaue mir danach einen brutalen Finisher an, während dem das Blut in alle Richtungen spritzt. Danach geht es weiter, die nächsten Gegner warten schon. Habe ich auch die darauf folgende Feindeswelle eliminiert, stehen die nächsten Opfer bereit. Dieser Prozess dauert so lange an, bis wieder eine Zwischensequenz folgt und das Kapitel irgendwann endet. Auf gut Deutsch könnte ich es folgendermaßen zusammenfassen: Mein Gott, ist das langweilig! Warum tue ich mir das nur an?!




Kämpfe bis in den Tod - oder bis zu den erlösenden Credits.

Warum ich mir das antue, das erübrigt sich von selbst - ich wollte das Spiel testen, ich habe es bekommen, ich muss es spielen. Soweit, so schlecht. Anhand der obigen kurzen Beschreibung dürfte auch euch nicht entgangen sein, dass The Cursed Crusade an verschiedenen Problemen leidet. Allen voran an einer konsequenten Eintönigkeit: Abseits von stumpfen Kämpfen gibt es nämlich einfach nichts zu tun. Gelegentlich kamen in mir sogar Erinnerungen an japanische Kult-Serien wie Dynasty Warriors oder Samurai Warriors hoch. Die Spielmechanik funktioniert tatsächlich auf eine ähnliche Art und Weise: Man rennt durch optisch sterile Levelstrukturen, meistens Levelschläuche, und bekämpft alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist oder sich einem in den Weg stellt. Und dann gibt es kein Halten mehr, denn just in diesem Moment beginnt der für mein Gegenüber verhängnisvolle Kampf. Ich hämmere mit Karacho auf die zwei Angriffstasten und metzele den Feind nieder, bis ich ihn soweit geschwächt habe, dass er dank eines spektakulär-brachialen Finishers den Radieschen von unten beim Wachsen zusehen kann. Taktische Möglichkeiten? Die gibt es zuhauf! Brauche ich sie? Nein! Warum sollte ich mir also über solchen Unfug Gedanken machen? Es reicht ja schließlich auch, wenn ich pausenlos auf die gegnerische Rüstung und seinen Leib einschlage, bis das Opfer blutüberströmt zu Boden sinkt. Taktik ist Luxus, den es im Überfluss gibt: Man braucht sie nicht, sie gestaltet das Kampfsystem aber interessanter.

"Taktisch", wenn auch freilich nie so intensiv wie in Demon's Souls, wird es erst dann, wenn mal ein Kampf gegen mehr als nur einen Gegner ansteht. Dann ergibt es auch spielerisch Sinn, mal die Tasten für Blocken, Treten und Ausweichen zu nutzen - denn in Duellen sind diese Aktionen ebenso überflüssig wie die Kampagne in Brink oder der Multiplayermodus in Dead Space 2. Darüber hinaus lohnt es sich in Kämpfen gegen mehrere Gegner, via Tastendruck in eine Art Parallelwelt zu wechseln, die der Hölle ähnlich sein soll. Warum ich das machen kann? Weil die beiden Protagonisten von The Cursed Crusade, die das Schicksal zusammen auf den vierten Kreuzzug geführt hat, mit einem mysteriösen Fluch belegt sind, welcher sie bei zu starker Aufladung der entsprechenden Leiste wahnsinnig macht. Eine coole Idee, die auch spielerisch nett umgesetzt ist, denn bei Aktivierung des Fluchs sind Gegner meinen Schlägen schutzlos ausgeliefert - das ist praktisch, um gut gepanzerte Feinde in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Im Übrigen gibt es Berge an Waffen, die nur dem Zweck dienen, zu töten: Kurzschwerter, Langschwerter, Äxte, Keulen, Messer, Speere, Armbrüste, Morgensterne - es ist durchaus Vielfalt im Waffenarsenal vorhanden. Waffen kann man einfach vom Boden und gefallenen Feinden aufheben, um sie dann zu verwenden. Mit Siegespunkten für erfolgreiche Missionen kann man sie zudem aufrüsten und diverse neue Angriffstechniken freischalten. Diese kleine, aber feine Rollenspiel-Komponente ist mit Abstand das unterhaltsamste an The Cursed Crusade. Irgendwie bezeichnend, oder?




Das macht ja so viel Spaß! Welch Ironie ...

The Cursed Crusade macht wahrlich nur wenig Spaß. Irgendwie quält man sich halt durch das Abenteuer, durch die eintönigen linearen Levels, metzelt einen Gegner nach dem anderen nieder, räumt hier und da mal einen Karren zur Seite, um den ganzen Prozess wieder von vorne zu starten - zwischendurch gibt es noch ein paar Videos, die die Handlung vorantreiben sollen, sie aber dank fehlender Spannung und einschläfernden Dialogen eher verwässern als bewerben. Abwechslung fehlt an allen Ecken und Enden und dank der gruseligen KI-Leistung machen auch die Kämpfe nicht den Spaß, den sie hätten machen können, wenn man das definitiv vorhandene Potential ausgeschöpft hätte. Wer den Schaden begrenzen will, der wechselt vom Einzelspielermodus in den Multiplayer und legt - online oder offline via Splitscreen - zu zweit los. Am eigentlichen Spielprinzip ändert sich natürlich nichts, der Unterhaltungswert steigt aber ein wenig an. Allerdings ist auch das nur möglich, wenn man einen Freiwilligen findet, der mit einem spielen will - selbst in den Weiten des Internets musste ich teilweise lange warten, bis sich jemand ergab und in mein Spiel einstieg. Wenn man jemanden gefunden hat, kann man dann wie gesagt zu zweit durchstarten und in die Schlacht ziehen. Und an dieser Stelle müsste man ja eigentlich nachhaken, warum man fast immer nur zu zweit oder selten mit einer Handvoll Verbündeter unterwegs ist, wenn der ganze Kreuzzug doch eigentlich aus satten 15.000 Kreuzrittern besteht? Die lächerlichen Antworten darauf liefert eine noch viel lächerlichere Geschichte, deren Erwähnung lediglich wertvollen Platz einnehmen würde. Dennoch möchte ich wenigstens kurz zusammenfassen, worum es geht: Denz sucht nach seinem Vater, der nie vom dritten Kreuzzug zurückgekehrt ist - er ist gleichzeitig auch der einzige, der ihn von seinem Fluch befreien kann. Das war's. Spannend? Nö. Hab' ich ja gesagt.

Ein paar letzte Worte noch zur Technik, bevor das vernichtende Fazit folgt: Rein technisch gesehen wirkt The Cursed Crusade an vielen Stellen schlichtweg unfertig. Es gibt massive Probleme bei der Kollisionsabfrage, Figuren bleiben in Wänden hängen, unübersehbare Bugs trüben das Bild. Ich konnte beispielsweise eine Balliste durch ein geschlossenes Tor schieben und im lokalen Multiplayermodus setzte der Sound plötzlich aus. Letzteres ist allerdings nicht besonders schlimm, da die Musik aus Gedudel besteht und die Sprachausgabe nicht das Gelbe vom Ei darstellt. Man darf zurecht fragen, in welchem Bereich The Cursed Crusade eigentlich irgendwas richtig macht - wenn überhaupt!






Tim schrieb am 10. Oktober 2011
Gut gedacht, schlecht gemacht - The Cursed Crusade ist ein weiteres Spiel, auf das diese mittlerweile abgedroschene Phrase passt wie die Faust auf's Auge. Dabei steckt der verfluchte Kreuzzug doch voller interessanter Ideen und sogar einiger solider Ansätze! Wie so oft geht aber deutlich mehr schief als gut. Wozu sollte ich die etlichen Waffen und Angriffskombinationen nutzen, wenn ich auch einfach per Buttonmashing vorwärtskomme? Warum soll ich irgendwelche Schätze sammeln, wenn ich absolut gar nichts davon habe? Warum sollte ich die unnötig langen Zwischensequenzen nicht wegklicken, wenn sie doch so schrecklich langweilig und so unnötig langgezogen sind? Darüber hinaus interessiert mich die Geschichte absolut null, weil sie mit fortschreitender Spieldauer immer mehr verwässert wird. Ja, man könnte annehmen, dass die Entwickler mehr Zeit zur Fertigstellung gebraucht hätten, um ein gutes Spiel aus den interessanten Ideen zusammenzustricken. Angesichts der mangelhaften Qualität des Endprodukts nehme ich jedoch eher an, dass die interessanten Ideen einfach fähige Entwickler brauchten, um zu einem soliden Ganzen zusammengesetzt zu werden. Und die haben sie mit Kylotonn definitiv nicht bekommen. Ich kann vom Kauf nur wärmstens abraten.

Der titelgebende Fluch lastet nicht nur auf den zwei Protagonisten, sondern auch auf dem gesamten Spiel als Endprodukt: Optik, Sound, Story, Kampfsystem, Leveldesign und KI wirken schlicht und ergreifend unfertig. Ich kann vom Kauf nur wärmstens abraten.


Besonders gut finde ich ...
  • etliche unterschiedliche Todbringer
  • zufriedenstellende RPG-Komponente
  • kooperativ on- und offline spielbar


Nicht so optimal ...
  • plumpes Buttonmashing statt Taktieren
  • erbärmliche grafische Präsentation
  • durchweg einfallslose Spielmechanik
  • Kämpfen, Kämpfen, Kämpfen, Kämpfen
  • fast alles wirkt technisch unfertig
  • Story wird zunehmend lächerlicher
  • kaum Gesellschaft für Online-Spiel

 Testsystem:  PS3
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2 Kommentar(e):

 





#1
Geschrieben am 10. Oktober 2011 um 17:49 Uhr

Kithaitaa meint ...

Hört sich für mich irgendwie genauso schwach an, wie es die ganzen (Gameplay-)Trailer schon angedeutet haben. Schade, aber wer 2011 noch immer der Meinung ist, unfertige oder nicht zu Ende gedachte Spiele auf den Markt werfen zu müssen, muss halt dann wohl auch mit den Konsequenzen leben.      



          
 





#2
Geschrieben am 11. Oktober 2011 um 21:13 Uhr

Ragesuchti meint ...

Gut ich muss gestehen, dass das Spiel nicht so ganz in meine Genre passt, da ich eher Spiele wie den neuen Ego-Shooter Rage spiele, aber so ganz kann ich die Kritik von Kithaitaa nicht ganz nachvollziehen. Für mich sieht das Spiel eigentlich ziemlich gut aus und der Review hat es auch in sich. Eines der wenigen Spiele das ich mir wahrscheinlich noch kaufen werden.


        



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