Genre: Partygame  
Entwickler: Harmonix  Publisher: Microsoft
Plattform(en):  Xbox360
Xbox Kinect

Release: 21.10.2011
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Dance Central 2 - Review

Vom notorischen Thekenwärmer zum Tanzgott - Ein Erfahrungsbericht

Geschrieben von Haschbeutel am 1. Dezember 2011 um 15:32 Uhr


Achtung - Gedankenspiel. Stellt euch eine Wiese vor, deren saftiges Gras sich sanft in einer leicht sommerlichen Nachmittagsbrise wiegt. In mitten dieses sich bewegenden Grases steht eine uralte, mächtige Eiche. Die Rinde trocken, die Äste knorrig. Auch sie versucht, sich in der Brise zu bewegen, doch außer ächzen und stöhnen tut sich da nichts. Nun verlegen wir die Szenarie in eine Disco. Die Tanzbegeisterten sind das Gras - und ich bin die Eiche. Perfekte Voraussetzungen für mich also, dem Nachfolger zu Dance Central mal ordentlich auf den Zahn zu fühlen. Oder eher auf der Nase herum zu tanzen? Hm.

Bevor ich mich allerdings komplett zum Affen mache, eine kurze Einleitung für alle Unwissenden. Für die, die nichts mit Dance Central anfangen können sei erklärt, dass es sich hier um eine Art Party-Tanzspiel Schrägstrich Tanzsschule handelt, die euch zu ausgewählten Songs die passende Choreographie beibringt. Anders als Wii und Konsorten müsst ihr dabei wirklich ganzen Körpereinsatz bringen, was vor allem für WiiMote verwöhnte Couchpotatoes teilweise richtig in Arbeit ausarten kann: Denn der Kinect-Sensor akzeptiert kein wildes rumgefuchtel mit der Hand - er will euch bluten sehen! Oder zumindest schwitzen.



Es ist ein langer, steiniger Weg an die Spitze

Bevor man aber wie Justin Timberlake über die Bühnen dieser Welt huscht heisst es, die Moves zu lernen. Dafür sucht man sich einen Song aus (vor allem Neulingen sei es dringend empfohlen, die Songs der Kategorie 'Leicht' zu nehmen) und beginnt dann, die einzelnen Schritte und Bewegungen durch eine Art virtuelle Tanzschule zu erlernen. Dabei tanzt euer virtuelles Ego die Bewegung vor, die ihr dann 1:1 nachahmen müsst. Kleine Kacheln mit silhouettierten Tanzschritten zeigen auch, was gerade getanzt wird oder was gleich kommt - ähnlich der farbigen Knöpfe bei Guitar Hero & Co. Wenn das gleich passt, geht es weiter zum nächsten Schritt - wenn nicht, habt ihr drei Versuche, eure Bewegung zu verbessern. Wenn ihr einen Teil der Choreographie bzw. einen Bewegungsablauf gelernt habt, wird dieser in einem Probelauf mehrmals wiederholt und bewertet, bevor es zum nächsten Abschnitt weitergeht. Wenn ihr euch nach den Probeläufen fit fühlt, geht es in die "Performance". Hier läuft dann der ganze Song mit dem gemischten Bewegungsabläufen durch. Je nach dem, welcher Schwierigkeitsgrad für den Song gewählt wurde, ist die Choreographie auf einige Moves beschränkt oder fordert euer ganzen Können - Schweißperlen inklusive.

Wie man es von Titeln dieser Art gewohnt ist, bekommt ihr für genaues Timing Punkte und Combo-Multiplikatoren. Wer mehrere "Perfekt" schafft, sammelt pro Song bis zu 5 Sterne und treibt die Highscore nach oben. Auch auf dem Bildschirm passiert einiges: Die grafische Präsentation ist bunt, poppig und passend. Gutes Tanzen wird mit Neon-Farben, veränderten Locations und Effekt-Overflow belohnt. Das mag überdreht klingen, fügt sich aber sehr gut in die sympathische und comiclastige Spielwelt ein, ohne gleich die Epilepsie-Glocken zu läuten. Wo wir von Glocken läuten sprechen: Damit ihr auch gut was auf die Ohren kriegt, gibt es eine Vielzahl an Songs und und Künstlern aus unterschiedlichsten Genres. Weit über 40 Songs von Lady Gaga, Daft Punk, Usher, bis hin zu Haddaway, Gnarls Barkley und Bruno Mars sind am Start. Wer zudem Dance Central besitzt, kann seine dortigen Songs importieren und kommt damit knapp auf 100 Songs. Obligatorische Download-Titel sind natürlich auch am Start.

Wem das Songs abklappern zu fad wird mit der Zeit, der startet im neuen Crew Battle Modus durch. Das ist so etwas wie ein "Story"-Modus, in dem ihr euch den Respekt verschiedener Tanz-Crews verdient. Nach und nach lernt ihr die speziellen Routinen zu diversen Songs, verdient oben genannte Sterne und schaltet neue Crews, Tänzer und Locations frei. Wem das allein auf Dauer zu öde wird, der schnappt sich einen Freund und rockt im Multiplayer, den man schmerzlichst im Vorgänger vermisst hat. Dort vertritt jeder Spieler eine ausgewählte Tanz-Crew und versucht für diese die meisten Punkte durch gutes Tanzen abzuräumen. Bei größeren Partygruppen gibt es im Song kurze Breaks, in denen die Tänzer wechseln und kleine Tanzeinlagen liefern können, die dann Extrapunkte auf das Konto zaubern. Das kann durchaus eine Mordsgaudi sein - oder wie der Ami sagt: "It's a blast!". Wer möchte, kann auch noch die Fitness-Tanzeinlagen nutzen und dort fleissig Kalorien verbrennen. Nett, für mich allerdings eher überflüssig.




Alles hört auf mich: Von Neuerungen & dem Gefühl der Tanzschule 2.0

Wer den Vorgänger bereits kennt, wird sich auch in Dance Central 2 schnell heimisch fühlen. An der grundlegenden Bedienung hat sich nichts verändert: Mit der rechten Hand "wischt" ihr euch durch die hübsch gestalteten Menüs, wählt Songs und Spielmodi aus, legt den Schwierigkeitsgrad fest und sortiert die Playlists. Schade: einen "Shuffle" Modus, der euch zufällig Songs vor die Füße wirft (ho ho!), gibt es nicht.

Was dem ersten Teil etwas gefehlt hat waren Feinabstimmungen in der Bewegungserkennung und vor allem der Partyfaktor - wer tanzt schon gerne dauernd alleine? Einen richtigen 2-/Mehrspieler-Modus gab es nicht und die Motivation, sich nach und nach durch alle Songs zu kämpfen, war ebenfalls nicht wirklich hoch. Dance Central 2 packt hier wie von Nachfolgern gewohnt überall eine Schippe drauf, liefert etwas Feintuning und neue Songs und siehe da - plötzlich ist das Franchise nicht nur eine "Schau mal, was Kinect kann"-Techdemo, sondern eine brauchbare Tanzschule und ein richtig spaßiger Mehrspielertitel, auch wenn der Partyfaktor noch etwas fehlt. Das liegt allerdings vor allem am Spielkonzept - dazu aber später mehr.

Der wichtigste Punkt bei einem Spiel dieser Art ist natürlich die Bewegungserkennung. Während hier der erste Teil hin und wieder hartnäckig selbst korrekte Bewegungen nicht erkannt hat, ist dieses Problem nun größtenteils behoben. Es wird nicht mehr nur auf den exakten, genauen choreographischen Ablauf geachtet, sondern auch, ob die allgemeine Grundbewegung stimmt. Da viele Moves erst einige Wiederholungen brauchen, um richtig "flüssig" zu wirken, erkennt der Titel jetzt, ob man zumindest schon die Idee hinter der Bewegung raus hat. Gerade für Menschen wie mich, die so gelenkig sind wie 15 Tonnen Stahl im Wüstensand, ist das eine gelungene Neuerung. Auch wenn hier und da ein Hüftschwung oder Side-Step noch nicht ganz sitzt - er gilt in der Tanzschule als gemeistert. Zwar wird er nicht vom Sprecher mit einem "Perfekt" durchgewunken, aber ein "Toll" reicht in dem Fall auch aus. Erst später, wenn ihr in der Performance seid, gibt es für schlampige Bewegungen Abzüge in der B-Note. Wo wir es gerade von Hüftschwung haben: Auffällig ist, dass es recht viele "weibliche" Bewegungsabläufe gibt. Mit der stattlichen Männerbrust schütteln oder mit empor gehobenen Armen mit dem Arsch wackeln ist nicht unbedingt jeder Mannes Sache - zumindest nicht, wenn er es selbst machen muss und nicht den Damen dabei zuschauen darf.

Wer es in Dance Central vermisst hat, einzelne Moves gezielt üben zu können, ohne die ganze Tanzschule zu durchlaufen, kann aufatmen. Ihr könnt jetzt gezielt Schritte der Choreographie auswählen und ohne Druck üben. Wenn ihr im vorherigen Durchlauf besondere Schwierigkeiten bei einzelnen Abschnitten hattet, empfiehlt Dance Central 2 euch automatisch entsprechende Schwachstellen. Top! Auch sehr gelungen ist die neu integrierte Voice-Control, mit der ihr in der Tanzschule sämtliche Übungen steuern könnt. Euch ist eine Bewegung zu schnell? "Xbox langsamer" sagen und der Move wird in Zeitlupe wiederholt, bis man ihn drauf hat. Passend dazu gibt's vom Kommentator Taktanweisungen und Tips, wie man sich den Rythmus besser einprägen kann. Mit "Xbox schneller" geht es dann zur normalen Übungsgeschwindigkeit zurück, während man mit "Xbox zurück" und "Xbox weiter" einen Move vor oder zurück springen kann.

Was leider nach wie vor fehlt, ist eine Step-by-Step Funktion, mit der man vor allem sehr schnelle und komplexe Moves Stück für Stück durcharbeiten kann. Dennoch ist das Gefühl einer Tanzschule schon sehr greifbar. Nicht zuletzt durch die sprachliche Interaktion mit der Konsole und den Kommentaren des Sprechers entsteht eine simulierte Umgebung, in der man ungestört fremder Blicke einige neue Moves erlernen und an seiner Beweglichkeit arbeiten kann. Klar ersetzt Dance Central 2 niemals eine richtige Tanzsschule, aber die Interaktion und Genauigkeit der Bewegungserkennung sind beeindrucken - wenn man denn die Hemmschwelle überwinden kann, die Features auch zu nutzen.




Partylaune? Ja! Partyspiel? Auch - mit Einschränkungen.

Womit wir bei der größten Hürde sind, die einem die Freude am Spiel am Anfang vermiesen könnte - die Hemmschwelle. Da ich mir für den Zwei-Spieler-Modus meine tanzerprobte bessere Hälfte (nicht die zum Aufblasen!) zu Rate gezogen habe, kann ich behaupten, dass es Überwindung kostet. Überwindung, mit Kinect zu "sprechen". Überwindung, vor Publikum unbeholfen die Bewegungen auf dem Monitor nachzuahmen. Das ging dann nicht nur mir so, sondern auch ihr. "Spinnst du? Ich sprech' doch nicht mit der Xbox!" und "Oh Gott, ich mach das doch nicht!" waren die ersten Reaktionen. Doch wenn man einmal (erst zögerlich, dann bestimmt) die Tanzschule mit verbaler Navigation durchlaufen und die ersten Songs gemeistert hat, verfliegt dieses Problem sehr schnell.

Das ist es aber auch, was der einzige Wermutstropfen von Dance Central 2 ist. In der Werbung wird der Titel immer als DER Partykracher angepriesen, was so allerdings nicht ganz stimmt. Anders als z.B. bei Guitar Hero, wo man "nur" Knöpfchen in der richtigen Reihenfolge drücken muss, ist es bei Dance Central generell nötig, die Choreographie zu kennen. Wer vorher nicht die spielinterne Tanzschule besucht hat, wird nicht wissen, was er zu tun hat, denn anhand der silhouettierten Anzeigetafeln erkennt man nur schwierig, was denn jetzt gemacht werden soll. Gut, man kann natürlich einfach drauf los raten, aber vor allem bei komplexeren Songs ist das fast unmöglich. Man muss also entweder lange zuschauen, wie jemand spielt, der die Routinen schon auswendig kann oder man startet in der Gruppe die Tanzschule - die allerdings nur mit einem Spieler spielbar ist. Der Rest ist zum stillen Mitmachen verdammt. Ob das jetzt der Hit ist, muss jeder für sich entscheiden.

Unbestritten ist aber, dass die Partylaune auf jeden Fall sofort aufkommt. Viele Songs versprechen Abwechslung und wenn man mal einige Leute hat, die die ein oder andere Choreografie kennen, ist Dance Central 2 wirklich ein nettes Extra bei der Kellerfete. Nichtsdestotrotz ist der Titel aber vor allem eines - ein Trainingsprogramm bzw. eine Tanzschule für Leute, die keine Zeit/Lust haben, das ganze professionell in Kursen zu lernen. Man wird dadurch zwar nicht zum absoluten Disco-Gott, aber um mit einigen coolen Bewegungen mal den Boden zu schrubben - dafür ist Dance Central 2 auf jeden Fall gut. Es hängt nur davon ab, wie viel Zeit man bereit ist, hier zu investieren, denn es zählt: Learning by doing. Nur wer fleissig und regelmäßig übt, bekommt so etwas wie einen sauberen Fluss in seine Bewegungen. Zwar bin ich dadurch immer noch nicht zum Grashalm geworden, aber immerhin hat die alte Eiche jetzt ein paar flexible Äste bekommen. Das ist doch zumindest mal ein Anfang.







Haschbeutel schrieb am 1. Dezember 2011
Ich tanz' jetzt allen auf der Nase rum!

Dance Central war ein rundum nettes Spiel, dem es an der nötigen Balance und einer Prise Feinschlief fehlte. Hier hat sich der Nachfolger definitiv gesteigert: Alles wirkt viel sauberer, durchdachter und zeigt, wie der Erstling schon hätte aussehen können/sollen/müssen. Die Präsentation ist nach wie vor großartig, binnen Sekunden kommt man in Partylaune. Die Songs sind vielseitig und für jeden Geschmack dürfte etwas dabei sein. Selbst absolute Anfänger kommen dank der überarbeiteten Tanzschule sehr gut in die ersten Songs rein und durch die mehrfache Abstufung der Vielzahl an Moves pro Song hat man zügig erste Erfolge - sogar, wenn man sich eigentlich so graziel bewegt wie ein Betonklotz im Ikea Kinderland.

Aber: Wer weiterkommen will im Spiel, muss Zeit investieren. Viel Zeit. Die Lernkuve steigt rapide an, bereits im Mittelfeld der Songliste sollte man die Thrombostestrümpfe enger schnallen und die Knochen entkalkt haben. Die Moves werden teilweise sehr komplex - so komplex, dass trotz SlowMo-Funktion erst nach der drölfzigsten Wiederholung so etwas wie eine flüssige Bewegung zustande kommt. Vor allem hier verwirkt sich das Spiel den "Party-Kracher" Status, den es gerne hätte. Ohne die Moves auswendig zu können fehlt es am "Einsteigen und Durchstarten" Faktor, den man z.B. bei Guitar Hero und Konsorten hat. Hand auf's herz: Wer mag schon im angeheiterten Zustand die Tanzsschule mit einer Gruppe an Mitspielern durchlaufen?

Hat man allerdings einen Tanzpartner gefunden und einige Kollegen, die sich nicht scheuen, sich auch mal komplett zum Affen zu machen, dann hat man mit Dance Central 2 nicht nur das derzeitig beste Tanzsspiel auf dem Markt in der Hand, sondern auch einen richtig guten und spaßigen Zeitvertreib. Wer gerade niemanden zur Hand hat, der tanzt sich durch die Tanzzschule und verfeinert die eigene Technik. Aber egal ob alleine, zu zweit oder in der Gruppe - es macht Spaß. Verdammt viel Spaß. Sogar einem Tanzmuffel wie mir und das ist eine beeindruckende Leistung. Party on!


Besonders gut finde ich ...
  • Präsentation einwandfrei
  • viel musikalische Auswahl
  • sehr einsteigerfreundlich
  • schnell erste Erfolge
  • spürbarer Lernfaktor
  • Navigation über Sprache
  • Große & kleine Verbesserungen
  • Songs aus dem Vorgänger importierbar
  • Spaßiger Multiplayer


Nicht so optimal ...
  • Zeitintensiv
  • Step-by-Step Korrektur fehlt
  • nur bedingt Partytauglich
  • viel "Hüft"-Arbeit für Männer

 Testsystem:  Xbox360
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3 Kommentar(e):
und folgenden Usern gefällt der Beitrag: Haschbeutel, ... und 2 Gästen.

 





#1
Geschrieben am 1. Dezember 2011 um 16:26 Uhr

DarkRaziel meint ...

Habe mal die Demo gespielt, getanzt oder was auch immer meine alten Knochen sind für solche Games nicht gemacht.
Es hat zwar Spaß gemacht den Tanzbewegungen zu folgen, aber auf leicht waren mir einige Tanzschritte schon zu schwer   


          
 





#2
Geschrieben am 1. Dezember 2011 um 17:29 Uhr

Tim meint ...

Dance Central ist eben kein Just Dance, sondern eher "professionell". Just Dance ist dagegen Fun pur. Ich mag beide   


          
 





#3
Geschrieben am 1. Dezember 2011 um 21:07 Uhr

Kithaitaa meint ...

Klingt spaßig, hab auch direkt die Bilder vom ZappelPhilipp im Kopf, hehe   


          



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