Genre: Action  
Entwickler: Volition Inc.  Publisher: THQ
Plattform(en):  PC, PS3, Xbox360

Release: 15.11.2011
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Saints Row: The Third - Review

Das alte Lied der Straßengangs - Rauben, Morden & Spaß haben

Geschrieben von Bart Wux am 22. November 2011 um 19:17 Uhr


Als Saint's Row seinerzeit für die Xbox360 heraus kam, war es kaum mehr als ein Klon von Grand Theft Auto, insbesondere San Andreas, mit allen Fehlern und Schwächen der GTA Serie, wenn auch mit einem herausragenden Cast an Synchronsprechern. Es war freilich damals das erste Spiel dieser Art auf der neuen Konsolen-Generation und das erste Spiel dieser Art, das einen Mehrspielermodus bot. Allein das dürfte geholfen haben. Freilich kam alsbald GTA IV heraus, das sogar den TV Sendern einen Beitrag in den Abendnachrichten wert war. Wohl wissend, dass man mit einem weiteren Klon gnadenlos scheitern würde, entschied man sich bei Volition zu einem radikalen Schnitt. Saint's Row 2 nahm sich Vice City zum Vorbild und schraubte den Crazy-Fun-Faktor bis zum Anschlag nach oben. Das Ergebnis war ein Spiel, das sich stark vom deutlich ernsteren GTA IV unterschied und einen eigenen Weg ging. Und nach Meinung dieses Autors das beste Sandbox Spiel aller Zeiten darstellte. Saint's Row: The Third (im Folgenden nur verkürzend SR3) soll die logische Konsequenz dieses Weges sein. Schauen wir mal, ob mehr immer besser ist.


Wer hat die nur heilig gesprochen?

Nach den Ereignissen aus SR2 sind die Third Street Saints wahre Volkshelden und quasi ihr eigener Franchise mit Klamottenläden, Softdrinks und Kohle ohne Ende. Das hält die Truppe aber nicht von ihren täglichen Straftaten ab. SR3 beginnt spektakulär mit einem Bankraub, der schlussendlich nicht gänzlich gelingt und die Saints in die Industriestadt Steelport verschlägt. Dort regiert ein Syndikat, das von einem skrupellosen Franzosen (oder Belgier) beherrscht wird. Dieser merkt jedoch schnell, dass man sich nicht mit den Saints anlegt, aber nach seinem Ende geht das eigentliche Spiel erst los. Mit dem Syndikat aus dem Weg machen sich drei Gangs daran, die Nachfolge anzutreten. Für die Saints ist klar, wem Steelport gehört. Etwas anders sieht das allerdings die Regierung, die die neue AntiGang Einheit STAG ins Leben ruft, welche mit Panzern und modernen Kampfjets dem Gangtreiben ein Ende setzen soll.

Ein klein wenig enttäuscht das Spiel insbesondere Fans des Vorgängers. Der Charakter-Editor ist extrem umfangreich und erlaubt kreativen Menschen eine Vielzahl skurriler Figuren zu erschaffen. Vom Hulk bis zum Joker ist alles möglich. Insgesamt sieben Stimmen stehen zur Auswahl, drei männliche, drei weibliche und eine Zombie... Yep, weiter im Text. Nach wie vor fehlt eine Stimme für asiatische Charaktere. Mir persönlich fiel negativ auf, dass man Bärte und Schnauzbärte nicht mehr getrennt vergeben kann. Auch ist der männliche britische Akzent nicht mehr der Gleiche wie im Vorgänger, was dazu führt, dass ich meinen Charakter aus SR2 nicht vollständig rekreieren konnte. Allerdings kam ich nah genug ran, so dass mich dieser Punkt letztlich nicht sonderlich störte. Nur verwundert es, dass man Wochen vor Release diesen Editor den Spielern zugänglich macht, einen Editor, der nahezu jeden erdenklichen Freak und, soweit es die Kostüme betrifft, jeden erdenklichen sexuellen Fetisch abdeckt und dann daran krankt, dass man keinen Briten mit roten Haaren, Horseshoe Schnauzbart und Soulpatch basteln kann. Laufanimationen und Kampfstile wurden ebenfalls gestrichen.





Wo sind meine Freunde?

Stärker fiel da auf, dass einige der bekannten Figuren aus Teil 2 nicht ganz wieder zu erkennen sind. Johnny Gat sieht nunmehr aus wie Johnny Cage. Dankenswerterweise sind sowohl sein Verhalten wie auch seine Stimme (Angel/Lost Star Daniel Dae Kim) identisch. Nützt nur nicht viel, denn von etwa 20 Stunden Spielzeit war Gat vielleicht eine halbe dabei. Wie man den besten Charakter der ganzen Serie so dermaßen verheizen kann, ist mir nicht begreiflich. Ebenso weiß ich nicht, warum man ihn für einen Auftritt von knapp 30 Minuten so stark umdesignen musste. Shaundi hingegen ist nicht mehr Shaundi. Optisch verbindet die beiden Versionen nur noch, dass es sich um eine Frau handelt. Damit enden die Gemeinsamkeiten. Von der verkifften Dame mit dem Kinnpiercing, die immer im Hintergrund abhing und nur Tips gab, die sie von ihren vielen Exen erhielt, ist nichts mehr übrig geblieben. Nunmehr kämpft sie an vorderster Front mit wie Gat persönlich. Ihre Stimme wird auch nicht mehr von Eliza Dushku gegeben. Sie sieht nicht aus wie Shaundi, sie verhält sich nicht wie Shaundi und sie klingt nicht wie Shaundi. Wo soll das noch der gleiche Charakter sein? Dafür sind neue Charaktere wie, Oleg Viola und Kinzie sehr gelungen.

Es mag daran liegen, dass ich etwas um die 100+ Stunden in Stilwater allein in Teil 2 verbracht habe, aber ich empfand die Stadt als die schönere mit mehr Wahrzeichen wie der Universität. Auch die feindlichen Gangs hatten in beiden Vorgängern mehr Persönlichkeit und Individualität. Das Storytelling von SR3 vermischt die Gangs ein wenig und von allen feindlichen Gangleadern bleibt eigentlich nur Killbane als eigenständige Figur präsent. Ein Dan Vogel hatte weit mehr Charisma und auch die streng nach Gang getrennten Missionen waren im Vorgänger stringenter. Teilweise habe ich erst später gemerkt, dass ich die finale Mission einer bestimmten Gang schon gespielt habe.

Die Geschichte an sich bringt nicht sonderlich viele Überraschungen zum “Übernimm die Stadt“-SetUp, aber die insgesamt 47 Hauptmissionen sind extrem abwechslungsreich, zum Großteil sehr spaßig und teilweise sogar ungemein spektakulär inszeniert. Absolutes Highlight dürfte die Flucht aus einem BDSM Studio sein, aber ein Trip in eine Animus/Matrix-ähnliche Apparatur ist ein guter Zweiter. Außerdem gibt es ein Wrestlingmatch vom Allerfeinsten. Gerne würde ich noch mehr über die Kreativität der Entwickler schwärmen, aber ein Teil des Spaßes kommt halt gerade dadurch auf, dass man pro Mission neu überrascht wird. Zu lachen gibt es immer wieder, sowohl was die Sprüche und Dialoge betrifft als auch einfach die absurden Situationen, die die Saints ausführen. SR3 bietet weit mehr als die üblichen Cutszene-Fahren-Töten Missionen, auch wenn es die nach wie vor gibt. Nicht alle Missionen sind allerdings Hits, etwas Ausschussware musste man bei so vielen verschiedenen Elementen aber wohl einplanen. Ohne Fluggerät wird gerade die letzte/vorletzte Mission sehr knifflig und ein Abstecher in Richtung Left for Dead ist wenig spaßig. Zwei, drei schlechte(re) Missionen von 47 sind allerdings eine brauchbare Quote.


Jetzt nimm schon die Leine weg!

Nach dem linearen Anfang dürft ihr nach und nach die Stadt endlich selbst erkunden. Das Prinzip ist das Bekannte. Klaut Autos, macht Missionen, macht Geld, kauft Häuser, kauft Waffen, macht mehr Missionen, macht mehr Geld. Es sind die grundlegenden Spielmechaniken, die die größten Änderungen erfahren haben. Nach wie vor gibt es Geld, Upgrades, Perks, Respekt, Aktivitäten und neue Waffen. Wie all dies zusammenspielt, ist aber völlig neu.

In beiden Vorgängern brauchtet ihr Respekt, um die eigentlichen Missionen zu starten. Das führte zu der unbefriedigenden Situation, dass man die halbe Stadt besitzen konnte, aber der Story nicht weiter folgen durfte bevor ein paar Autos mit Kot beschmiert hatte. Wer die Story genießen wollte, der musste zuvor einiges an Respekt ansammeln, um nicht unterbrochen zu werden. Wer will, kann nun vom Start weg die Hauptmissionen eine nach dem anderen spielen ohne jegliche Hinderung. Die Aktivitäten haben dennoch ihren Reiz. Nicht nur schaltet ihr dadurch Teile der Stadt für euer Einkommen frei, der dadurch gewonnene Respekt dient nunmehr als Erfahrungspunkte. Durch diese Level schaltet ihr allerlei Perks und Hilfsmittel frei, die anschließend durch Geld erworben werden können. Darunter sind so vielfältige Dinge wie mehr Gesundheit, mehr Homies, besserer Sprint, weniger Schaden durch Kugeln oder Explosionen etc. etc. etc. Im Vorgänger wurden diese noch für beendete Aktivitäten oder Missionen vergeben. Wer schnellere Gesundheitsregeneration haben wollte, der musste zwangsläufig Snatch spielen und unendlich Munition für die Shotgun gab es nur für das Drugtrafficking am Flughafen. Der große Vorteil ist nun, dass jeder Spieler nur die Missionen oder Aktivitäten spielen muss, die ihm gefallen und dass er anschließend seine erworbenen Punkte in genau die Fähigkeiten investieren kann, die er haben möchte.

Ähnlich verhält es sich mit den Waffen, die am Anfang erstaunlich schwach sind. Da braucht es schon mal drei, vier Treffer aus einer Shotgun, bis ein Kollege drauf geht. Erst der Gang zum Waffenhändler eures Vertrauens erlaubt es, die Geräte aufzurüsten. Eine dreiläufige Schrotflinte mit Brandmunition wirkt schon wieder Wunder, aber auch explosive Kugeln eurer Pistole sorgen für Nachdruck.


Wohnst du noch oder versteckst du dich schon?

Neu ist auch die Methode, um Gangs oder die Cops abzuhängen. Forgive and Forget ist verschwunden, nunmehr müsst ihr eine Crib oder ein Gebäude betreten, dass ihr besitzt. Das mag am Anfang schwer sein, mit zunehmender Spieldauer aber steigt die Anzahl an Immobilliareigentum, sodass ihr oftmals nur wenige Meter zurück legen müsst, um unter zu tauchen. Es wirkt nicht minder komisch, wenn ihr einen Laden betretet, sofort wieder verlässt und vor einem Haufen verdutzter Cops steht, die euch vor zwei Sekunden noch gejagt haben.

Ebenfalls neu ist das Element der Wahl, die ihr in SR3 habt. Zum ersten Mal bietet das Spiel in den Missionen oft zwei Auswege, die unterschiedliche Auswirkungen haben. Der Clou: Diese Auswirkungen sind gameplay-bezogen. Dieser Geniestreich kann nicht hoch genug bewertet werden. Entscheidungen in Spielen ist oftmals losgelöst vom Spieler und vom Gameplay. Ob ich jetzt NPC A leben lasse oder NPC B, was juckt mich das? Wenn überhaupt, dann will ich nur mehr Punkte für meine Heiligen- oder Teufelsskala sammeln, was in aller Regel dazu führt, dass man nur einmalig eine Entscheidung trifft, nämlich die zu Beginn des Spiels, ob man das gute oder böse Ende sehen will, was oft genug auch keine Rolle spielt, da diese Entscheidung nicht selten binär in der letzten Mission erfolgt. Dass man wirklich über eine Entscheidung nachdenken muss, hat absoluten Seltenheitswert. SR3 bietet, um ein Beispiel zu bringen, früh die Option, ein Gebäude in die Luft zu sprengen oder es für sich einzunehmen. Wer es einnimmt, erhält fortan einen monetären Bonus auf alle Missionen/Aktivitäten, wer es jedoch sprengt, bekommt einen dauerhaften Respektbonus. Beides ist sehr willkommen und als Spieler muss man die Wahl treffen zwischen zwei Dingen, die man beide sehr gerne hätte. Eine Moralskala gibt es indes nicht, ihr bewegt euch immer am untersten Ende dieser Skala. Dennoch bietet das Spiel zwei grundverschiedene Enden, die aber beide auf ihre Art durchaus sehr befriedigend sein können.



Die Aktivitäten sind etwas anders aufgebaut als im Vorgänger. Dort gab es noch kurze Cutszenes vor den eigentlichen Aktivitäten, die dem Ganzen ein wenig Kontext gegeben haben, welche nun fehlen. Es finden auch nicht mehr länger sechs Aktivitäten am Stück statt, stattdessen gibt es pro Aktivität zwei Mal drei auf der Karte verteilt und in drei Stufen unterteilt. Bekannte Aktivitäten wie Insurance Fraud, Mayhem, Snatch und Trafficking sind wieder an Bord. Neu sind Tankmayhem und TigerEscort, bei dem die Entwickler glatt mal von Hangover abkupfern. Abgesehen davon, dass ihr einen Tiger im Auto habt und keine Prostituierte mit ihrem Gast, ist diese Aktivität aber identisch. Fahrt gut und schnell, um eine Leiste zu füllen und entkommt den Nachrichtenvans. Es fehlen (oder ich habe sie noch nicht gefunden) Fuzz, welches ich schmerzlich vermisse und die berühmten Missionen mit dem Güllewagen. Nicht immer perfekt balanciert sind die Schwierigkeitsgrade dieser Szenen. Während Tankmayhem selbst auf hard extrem einfach ist, macht das normale Mayhem schon in der Einführungsstufe Probleme.


Ohne meine Magnum sag ich nix

Im Kern ist SR3 erneut ein ThirdPersonShooter, der ohne Coversystem auskommt. Über ein Kreismenü könnt ihr aus verschiedenen Waffen auswählen, was angesichts der zahlenmäßigen Übermacht der Gangs durchaus nicht unangebracht ist. Aufgelevelt kann euer Charakter allerdings eine gehörige Portion Prügel/Kugeln einstecken und sich recht schnell wieder regenerieren. Die Waffenauswahl scheint deutlich begrenzter als im Vorgänger, dafür sind die individuellen Stärken der verschiedenen Waffen besser hervorgehoben. Zielen erfolgt freihändig ohne die Locksysteme der GTA Reihe, aber die Trefferfeedbacks sind gut genug, dass man damit zurecht kommt. Einen Gegner als menschlichen Schutzschild zu benutzen ist nicht nur hilfreich, sondern in manchen Missionen durchaus notwendig, um sich im Kugelhagel kurzzeitig eine Verschnaufpause zu verschaffen.

Etwas erweitert wurde auch die Sprintfunktion, aus der heraus ihr nun Wrestlingmoves anwenden könnt und die es euch erlaubt, im Flug in Autos zu springen, egal ob die stehen, fahren, besetzt sind oder nicht. Insbesondere wenn sich die eigene Gesundheit zum Ende neigt, ist so eine extrem schnelle Flucht möglich.

Einmal im Auto bestimmt ihr die Beschleunigung mit den Triggern (ich meine, das wären im Vorgänger noch die Facebuttons gewesen). Das Fahrverhalten ist erwartungsgemäß sehr arcadig, wobei die Unterschiede zwischen Trucks und Sportwagen, von denen es reichlich in Steelport gibt, deutlich zu spüren sind. Individualisten können alle Autos tunen und nach allen Regeln der Kunst personalisieren. Das Gleiche gilt für Motorräder.

Während die Steuerung im Großen als sehr gut zu bezeichnen ist, macht in Ausnahmesituationen die Doppelbelegung einiger Tasten große Probleme. So ist Y/Dreieck zuständig für das Stehlen von/Einsteigen in Autos, für das Wiederbeleben gefallener Homies und das Nehmen von Geiseln. Schusswechsel auf der Straße enden oft (gewollt) im totalen Chaos, grad wenn Autos explodieren. Wenn nun ein Auto, ein gefallener Homie und ein schießwütiger Cop auf relativ engem Raum stehen, was sehr häufig passiert, dann kann es schon sehr, sehr schwierig werden, genau die Aktion auszuführen, die man in dem Moment gerade braucht. Das führt nicht unweigerlich zum Ableben, aber es kann Situationen spannender machen als sie sein müssen. Sollte man dennoch einmal das Zeitliche segnen, so sorgen Checkpoints innerhalb der Missionen dafür, dass sich der Ärger in Grenzen hält. Wozu ich sagen muss, dass ich auf normal einige Male gestorben bin, weil ich aus zu großer Höhe gefallen bin oder mein Helikopter explodierte, aber praktisch nie einfach im Gefecht.


STEIG INS AUTO!!!

Ein wesentlich größeres Ärgernis ist die Künstliche Intelligenz in Missionen oder während Trafficking. Die geballte Unfähigkeit, das zu tun, was richtig ist, ist sagenhaft. Was nützt es, wenn ich ins Auto springen kann, aber mein Homie keine Anstalten macht, sich neben mich zu setzen? Was soll ich tun, wenn Homeboy zu blöd ist, in Deckung zu gehen und zehn Mal in Folge an der gleichen Stelle krepiert? Und wieso steigen immer alle Homies aus, wenn ich aus dem Auto gezogen werden? Die Sekunden, die es dauert, bis alle wieder sitzen, reichen oftmals aus, um aus meiner neuen Karre wieder Klump zu machen.

Des Weiteren fällt durchaus auf, was alles fehlt. So gibt es zwar Regen, aber scheinbar keinen Tag-/Nachtwechsel mehr. Auch konnte ich nirgendwo ein Freckel Bitches entdecken, keine Hamburger kaufen, keinen Schnaps trinken und keinen Joint rauchen.




Das größte Ärgernis des Spiels aber ist in meinen Augen die Werbekampagne, die versucht hat, SR3 als das abgedrehteste Spiel aller Zeiten zu verkaufen. Erinnert ihr euch an den ersten Trailer? Zwei Sekunden wie ein einem anderen in die Genitalien boxt? Ja, der Move ist im Spiel. Einmal probiert und nie wieder benutzt? Die GenkiShows? Im Grunde nur eine Mischung aus MadWorld und The Club. Zombies? Ja, in einer Mission und in meinen Augen die schlechteste des Spiels. Nicht falsch verstehen, die verrückte Atmosphäre und abgedrehte Stunts sind definitiv dabei, vor allem in den Hauptmissionen. Aber über eine gesamte Spielzeit von 20 bis 25 Stunden dürfte so mancher überrascht sein, wie sehr das Spiel dann doch nur ein Saint's Row 2.5 ist. Geht auf die Straße, fahrt wild durch die Gegend, liefert euch Schusswechsel mit rivalisierenden Banden, kauft hier, kauft da, hört Witze aus eurem Radio und macht dann mal eine Aktivität, die ihr aus dem Vorgänger schon kanntet. Freilich ist SR3 immer noch durchgeknallt, mehr als die meisten anderen Spiele, wahrscheinlich sogar tatsächlich noch mehr als der eh schon hirnrissige Vorgänger, aber letztlich dann eben doch nicht so sehr, wie die Trailer uns weismachen wollten. Unter Umständen mag das sogar gut gewesen sein. Der Eindruck indes bleibt bestehen, dass hier ein Bäcker entdeckt hat, sein Kuchen schmecke mit mehr Zucker besser und deshalb damit wirbt, in den neuen Teig je eine halbe Tonne zu kneten.


Ich schwöre, der Laster war vorhin noch nicht da!

Technik war nie die ganz starke Seite der Reihe. Man muss sagen, dass Steelport eine beeindruckende, große Stadt ist, die praktisch ohne Ladezeiten auskommt. Nur vor und nach Missionen braucht das Spiel einige wenige Sekunden. Das ist sehr beeindruckend. Im Spiel kommt es aber nach wie vor zu PopIn von Texturen aller Art, teilweise bauen sich ganzen Straßensperren erst wenige Meter vor euch auf. Wird die Action zu hektisch, kann es auch zu Einbrüchen der Framerate kommen und die Ragdollphysics sorgen nicht selten für Missgeschicke. Durch Rotieren der Kamera kann man auch leicht Autos verschwinden und erscheinen lassen. Der Stil der Stadt ist industrieller geprägt als Stilwater, bietet aber auch mit seinen vielen Neonleuchten und Plakaten ein interessantes Bild. Explosionen und Schäden an Fahrzeugen wirken wie im Vorgänger, aber die Modellierung der Autos und insbesondere der Motoren scheint verbessert. Besondere gut sieht wie immer der Regen aus. Optisch ist ein SR3 natürlich nicht mit einem Uncharted 3 zu vergleichen, für die Größe der Stadt aber ist sie mehr als befriedigend.

Soundtechnisch ist SR3 absolut königlich, sofern man von den doch eher lahmen Motoren der Fahrzeuge absieht. Verschiedene Radiostationen mit DJs, Nachrichten und dutzenden lizenzierten Songs sorgen für akustische Unterhaltung und während der finalen Missionen beweisen die Entwickler perfektes Gespür dafür, die richtige Musik zur richtigen Mission einzusetzen. Schade, dass sie davon nicht öfter Gebrauch gemacht haben. Der Cast der Sprecher liest sich nicht ganz so spektakulär wie der der beiden Vorgängern, die Qualität ist aber ähnlich hoch. Der größte Namen liefert leider gleich mal die mieseste Performance. Hulk Hogans Angel spielt in der Geschichte auch die kürzeste Rolle, was nur mehr dafür spricht, dass seine Verpflichtung nur ein Werbegag war. Erstaunlich gut hingegen ist die ehemalige Pornodarstellerin Sasha Grey als Viola.




Getestet wurde die ungeschnittene PEGI Version für die Xbox360. Eine deutsche Fassung ist ebenfalls erhältlich und erhielt die Freigabe USK ab 18, wurde aber im Vergleich zur PEGI und US Fassung in Bereichen zensiert, die sogar das Gameplay betreffen.

So kann man auch in der deutschen Version Gewalt an Passanten ausüben, jedoch wird in diesem Fall die Polizei schneller eingreifen, man landet schneller auf der Fahndungsliste und bekommt keine Belohnungen, Geld oder Archievements für erledigte Passanten. Das Ausrauben von Passanten ist auch in der deutschen Version weiterhin möglich, doch es gibt eine Veränderung in Bezug auf das menschliche Schutzschild. Während Feinde weiterhin als solches benutzt werden können, ist dies mit Passanten nicht möglich.

Eine weitere negative Sache haben die Zensuren an sich, denn hierdurch ist die deutsche Version im Coop-Modus nicht kompatibel zur internationalen Fassung. Des Weiteren wurde ein kompletter Spielmodus aus der deutschen Version gestrichen, hierzu wollte sich THQ allerdings nicht weiter äußern. Man sähe es nicht als Verlust an, da dieser Modus nicht zur Handlung gehöre. Schnittberichte.com






Bart Wux schrieb am 22. November 2011
Oh, Johnny where art thou?

Im Urteilsstil, Ergebnis vorneweg: Saint's Row: The Third ist gut, aber nicht so gut wie der Vorgänger. Warum? Nun, zum einem mag es einfach an mir liegen. Durch die viele Zeit, die ich mit Saint's Row 2 verbracht habe, habe ich mich sehr an den Stil, Look, die Stadt Stilwater und die Charaktere dort gewöhnt. Die Änderungen, die man an all dem in Teil 3 gemacht hat, treffen mich daher hart. Das nahezu völlige Fehlen von Johnny Gat, einem der coolsten Charaktere aller Zeiten, ist für mich eine unverzeihliche Todsünde. Für Shaundi gilt im Grunde genommen das Gleiche. Unabhängig davon gefiel mir die Struktur des Vorgängers einfach besser, weil er strikter zwischen den Gangs trennte und ein Charakter wie Dan Vogel im Vergleich zu Killbane einfach der bessere Antagonist war. Einführungen wie mutierte Spezialisten, Zombies und Laserwaffen stehe ich ebenfalls eher skeptisch gegenüber. Ich meine auch, dass Stilwater einfach mehr Persönlichkeit hatte und die schönere Stadt war.

Ungeachtet dessen funktioniert fast alles, was den Vorgänger so großartig gemacht hat, auch hier wieder. Die neuen Strukturen mit den frei begehbaren Missionen und dem nunmehr als Erfahrungspunkte geltenden Respekt gefallen mir gut und machen das Spiel noch freier. Dabei sind es gerade die Hauptmissionen, die spaßig, abwechslungsreich und einfach handwerklich sehr gut gemacht sind.


Besonders gut finde ich ...
  • Große Stadt
  • großer Umfang
  • Story nicht länger von Respekt abhängig
  • viele Individualisierungsmöglichkeiten
  • abwechslungsreiche Missionen
  • witziges Skript
  • viele Waffen und Fahrzeuge


Nicht so optimal ...
  • Johnny Gat?? WTF?
  • Shaundi nicht wieder zu erkennen
  • Abgedrehtheit mehr Werbegag als Spielkonzept

 Testsystem:  Xbox360
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1 Kommentar(e):
und folgendem User gefällt der Beitrag: Kithaitaa,

 





#1
Geschrieben am 22. November 2011 um 20:02 Uhr

Kithaitaa meint ...

"Das größte Ärgernis des Spiels aber ist in meinen Augen die Werbekampagne, die versucht hat, SR3 als das abgedrehteste Spiel aller Zeiten zu verkaufen. "

DAS ist doch mal ein Satz. Ich habe mit Saints Row bisher noch nie was zu tun gehabt und dachte bei den Trailern wirklich meist, OMG! Und nun das. Sollte ich es mir vielleicht mal anschauen, schlecht klingts nicht ... hm.



          



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