Genre: Action  
Entwickler: Croteam  Publisher: DTP Entertainment
Plattform(en):  PC, Xbox360
Xbox Live Arcade

Release: 22.11.2011, 17.10.2012 (XBLA)
Jetzt kaufen: Amazon.de | XBLA-Store | Steam

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Serious Sam 3: BFE - Review

Wie die einst großartige SS-Reihe dem Untergang entgegenmarschiert

Geschrieben von Haschbeutel am 30. November 2011 um 18:23 Uhr


OH GOTT ER HAT SS GESAGT! Nein, keine Angst, wir reden hier von Serious Sam und eigentlich kommt an dieser Stelle immer ein langer, einleitender Satz, der euch einen Vorgeschmack auf das geben soll, was euch in der folgenden Review erwartet. Heute ist es aber anders. Ich fasse mich kurz. Nicht, weil wir euch keine langen Texte zutrauen, sondern einfach deshalb, weil ich keine Lust habe, viel Zeit mit Serious Sam 3 zu vergeuden. Ich fange daher schon in der Einleitung an und nehme das Fazit vorweg: Serious Sam 3: BFE ist ein riesengroßer Haufen Schrott und entehrt die überwiegend großartigen Vorgänger. Es ist mir ein gottverdammtes Rätsel, wie man ein so strunzeinfaches, idiotensicheres Spielprinzip so dermaßen in den Sand setzen kann, dass alles, was die Vorgänger groß und toll gemacht hat, einfach lieblos in die Tonne geworfen wird.

Wisst ihr noch damals™, ...

Meine Vorfreude auf den neuesten Teil der Serious Sam war gigantisch. Ich liebe die Vorgänger, allen voran natürlich The First Encounter (TFE) und The Second Encounter (TSE). Serious Sam 2 war ok, mir gefielen allerdings die Optik und die entschärfte Brutalität nicht wirklich. Die "Erstlinge" hingegen haben einfach ein Genre wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Nachdem Jahre zuvor Half-Life & Co. Shooter realistisch, komplex, episch und emotional gemacht haben, kam 2001 aus dem Nichts ein kroatisches Entwicklerteam und produzierte mal eben den Anti-Shooter-Shooter. Serious Sam: The First Encounter war strunzdumm, geradlinig, eindimensional - und eine Spaßgranate aller erster Güte. Das Konzept, einen sprücheklopfenden Helden zu nehmen, ihn mit abgedrehten Waffen zu füttern und ihn in Arenen mit tausenden von durchgeknallten Aliens zu stecken gab's zwar schon bei Duke Nukem, aber Sam "Serious" Stone war hier noch eine Spur abgedrehter. Wer zu diesem Zeitpunkt behauptete, Shooter sind dumm, der hatte ein Problem: Denn wenn Half-Life dumm war, was zum Henker war dann Serious Sam?

Zum Erfolg trugen auch der herrlich durchgeknallte Humor, die lockere Spielweise, sowie die vielen Referenzen und Anspielungen bei, die die Konkurrenz herrlich auf die Schippe nahmen. Dass unnötige Brutalität, lässige Sprüche im Minutentankt und viel Blut das Paket perfekt abrundeten, ist selbsterklärend. Der Nachfolger TSE verfeinerte das Prinzip und legte noch einmal eine gute Schippe drauf. Serious Sam hatte nur immer stets eine Schwäche - die Präsentation war selten auf der Höhe der Zeit, die Grafik musste auf Grund der weitläufigen Areale und der gigantischen Monsterhorden eher funktionaler Optik weichen. Immerhin das ist etwas, das Serious Sam 3: BFE richtig macht - optisch sieht das Game überwiegend sehr sauber aus.






[Hier bitte lustigen Spruch mit der Abkürzung SS einfügen]

Das war's dann aber auch im Prinzip mit dem, was positiv an BFE zu nennen wäre. Obwohl die Grafik auch einigen Einschränkungen unterliegt. Gut, ein 27" iMac ist nicht unbedingt DAS Referenzsystem, aber immerhin laufen hier Battlefield 3 und Crysis in mittleren bis hohen Details ruckelfrei bei stabilen Frames. Keine Ahnung, was die Serious Engine 3.5 hier so treibt, aber wenn selbst bei komplett zurückgefahrenen Grafikeinstellungen ein einfacher Korridore ohne Beleuchtung schon Framerate-Einbrüche produziert, dann läuft da irgendwie etwas falsch - aber gut, wie gesagt: Hier steht eben kein High-End Rechner vor mir.

Doch das ist noch nichtmal annähernd der Gipfel des Eisbergs. Die Story - die zeitlich vor TFE spielt und erklärt, wie Sam im ersten Teil zurück teleportiert wurde - ist wie in den Vorgängern zwar nur eine Randerscheinung, nimmt sich aber erstaunlich ernst. Genau so ernst, wie der Grafikstil, der von poppig-bunt auf realistisch getrimmt wurde. Wer gerade mit einem M16 im Anschlag durch die zerstörten Straßen von Kairo (dort spielt BFE nämlich überwiegend) marschiert, wird sich stark an einige Kriegsshooter erinnert fühlen. Da man zu Beginn sehr viel durch enge Gassen hechtet, ziehen sich Vergleiche zu Call of Duty und Battlefield heran. Erst kopflose Kamikazealiens erinnern daran, dass wir ja eigentlich gerade einen Fun-Shooter spielen. Und genau hier liegt das Problem - wo ist der Fun? Zwischen all den feinen Grafikspielereien, dem aufwirbelnden Staub, den neuen Finish-Moves und den nicht mehr so coolen Sprüchen fehlt einfach der Spaß am Spiel. Nehmen wir als kurzes Beispiel den Beginn von TSE: Wer sich nach dem Ufo-Absturz umdreht und in den Teich springt, findet direkt am Start einen Raketenwerfer, massig Munition und ein gigantisches Medi-Pack im Comic-Look. Kommentiert wird das mit einem saukomischen Spruch und direkt danach geht die Action los. In BFE finden wir zwar auch hier und da versteckte Gimmicks, allerdings beschränken die sich auf realistisch wirkende Rüstungsteile, Munitionsclips und Pillendosen. Lediglich ein "Mini-Secret Found" weist uns darauf hin, dass wir gerade ein Geheimversteck geplündert haben. Keine Sprüche, keine abgedrehten Ideen - der Realismus hält bei Serious Sam Einzug.

Dieser Realismus zieht sich dann konsekutiv im Spielverlauf durch und raubt dem Titel jegliche Seele und Esprit, den die Vorgänger hatten: Gigantische Areale mit tausenden Monstern sind dunklen Katakomben gewichen, durch die wir uns mit der Taschenlampe im Anschlag quälen. Aberwitzige Kanonen und coole Sprüche sind verschwunden, statt dessen gibt es einen Vorschlaghammer, eine Pistole und ein M16-Gewehr mit Reflex-Visir. Beim stupiden aber anspruchsvollen Projektil- und Alienmassen ausweichen wurde der Rotstift angesetzt und statt dessen gibt es Stellungskrieg und Deckungslaufen, um Selbstschussanlagen auszuschalten. Ja, richtig gehört: Es wird mit dem Werbespruch "All man. No Cover." die Trommel gerührt - und dann rennt man stundenlang von Deckung zu Deckung und drückt Knöpfchen über mehrere Level hinweg. Die gewohnten Materialschlachten mit schier unbegrenzer Munition, haufenweise Power-Ups, Easter-Eggs und versteckten Räumen mit Extras weichen willkürlich platzierten Medi- und Rüstungskits, unnötigem Munitionsmangel und Extras, die nur der Vorgänger willen lieblos in den Levels versteckt sind - wie am Beispiel oben erwähnt. Mit Wegfall der überzogenen Comic-Optik hat sich auch der Fun-Faktor gehörig verabschiedet und Serious Sam ist zu dem geworden, was er immer verspottet hat - ein gewöhnlicher Shooter ohne Herz und Seele.





Komm mal wieder runter du scheiss Hater!!!11elf

Bevor das hier aber eine einzige Hasstirade von einem enttäuschten Fan wird, muss ich eingestehen: Ich habe Serious Sam 3 nicht zu Ende gespielt, sondern lediglich die ersten fünf Abschnitte. In diesen Abschnitten bekam ich exakt einmal leuchtende Augen und ein breites Grinsen ins Gesicht. Nämlich dann, als ich in einem riesigen, sich über hunderte Meter erstreckenden Korridor landete und dort mit hunderten anstürmenden Gegnern und haufenweise Munition alleine gelassen wurde. Vergessen waren Häuserkämpfe, frustrierende Medipack-Verteilungen und ätzende Katakomben. Hier war Serious Sam einfach nur Serious Sam. Feuertaste durch, Geschossen ausweichen und den Kamikaze-Bombern mit schwitzigen Fingern den Garaus machen. "Jetzt wird alles besser, das war nur die Einleitung" redete ich mir ein und hoffte, dass sich jetzt endlich alles ändern würde. Mitnichten. Nach diesem kurzen Abschnitt und einem gelungenen Bosskampf geht alles wieder gewohnte Bahnen. Stundenlang.

Ich kann natürlich über vieles hinweg sehen: Blöde Story? Egal. War vorher auch so. Kaum neue Gegnertypen? Wurst - von mir aus könnte es nur Kamikaze geben. Kaum neue, ausgefallene Waffen? Mir egal; Raketenwerfer und Schiffskanone sind kreativ genug. Realistischer Grafikstil? Meh! Aber gut, dafür wird schön geglibbert und geblutet. Aber wenn das Gameplay so verändert wird, dass die Kernessenz verloren geht, und aus dem Fun- ein rudimentärer 08/15-Shooter wird, dann ist eine Grenze überschritten. Ok, zugegeben: Es mag unfair sein, auf Basis einer mehrstündigen Spielerfahrung ein Urteil über einen ganzen Titel abzugeben, aber sollte sich im späteren Verlauf hier grundlegend etwas ändern und die großen Areale wieder vermehrt auftauchen, möge man mir dies bitte mitteilen und entsprechende Savegames schicken. Ich werde dann sofort nachtesten. Bis dahin senke ich mein Haupt, gedenke einem ehemals tollen Franchise und bete, dass Sam "Serious" Stone vorerst nicht mehr so schnell auf meinen Bildschirm gelangt. Zumindest nicht mit einer "4" im Namen. Denn etwas gutes hat der dritte Teil dann doch: Ich habe gerade richtig Bock, die Erstlinge auszupacken und, dank Steam, die HD-Auflagen durchzuzocken. Die sehen zwar nicht so schick aus, aber machen Spaß - und das ist dann doch immer noch die Hauptsache.

Anmerkung: Der Retail-DVD liegt noch Serious Sam: Double D kostenlos mit bei. Das ist eine Art Duke Nukem: Manhattan Project und man stürzt mit Sam in ein 2D-Sidescroller Adventure. Da es sich eigentlich um ein eigenständiges Spiel handelt, werde ich das bei Gelegenheit in Ruhe testen. Will sagen: Auch wenn beide Spiele auf der DVD sind, bezieht sich dieser Test rein auf den Haupttitel Serious Sam 3.






Haschbeutel schrieb am 30. November 2011
Spiel es bitte nie wieder, Sam

"Nein tut mir leid. Ich weigere mich, das weiter zu spielen." waren meine Worte nach knapp 4 Stunden Serious Sam 3: BFE. Genervt drückte ich ALT+F4 und schüttelte fassungslos meinen Kopf. War's das? Das war mal mein Lieblings-Fun-Shooter? Wie konnte man so ein einfaches, idiotensicheres Spielprinzip so unglaublich in den Sand setzen? Wieso macht man genau die Fehler anderer Titel, über die man sich in den Vorgängern ständig lustig gemacht hat? Wieso muss sich Serious Sam 3 wie Call of Duty mit Aliens anfühlen? Warum bringt man Mechanismen in's Spiel, die man vorher so herzhaft durch den Kakako gezogen hat? Wann hat Croteam verlernt, Spaß in Serious Sam zu programmieren?

Es sind Fragen, auf die ich wohl nie eine Antwort bekommen werde. Vielleicht kommt nach dem fünften Level ja das, was Serious Sam einst ausmachte. Große Areale, tausende Gegner, viel Munition. Etwas, was ich in vier Stunden Spielzeit einmal für knapp 5 Minuten genießen durfte, in der stillen Hoffnung, jetzt sei das elendige "durch-Häuserschluchten-hechten" endlich vorbei. Doch das warten und hoffen war vergebens. Es folgten noch mehr Häuserschluchten und noch mehr langweilige Mini-Gemetzel. Vielleicht kommt ja im Laufe des Spiels alles in Ordnung - ich werde es jedoch nie erfahren, weil ich lieber wieder zu den Vorgängern greife. Die sehen zwar - trotz HD-Neuauflage - immer noch recht miserabel aus, aber immerhin konzentrieren sie sich noch auf das, wofür sie konzipiert waren: Sie machen verdammt nochmal Spaß. Come get Sam!


Besonders gut finde ich ...
  • Einige, wenige Lichtblicke
  • Nette Präsentation
  • 16er-Coop wie gewohnt spaßig


Nicht so optimal ...
  • Häuserkämpfe nerven gewaltig
  • Viel zu wenig Serious-Feeling
  • Performance der Serious Engine
  • Deplatzierter Realismus
  • Kaum neue Elemente
  • Lieblos versteckte Extras
  • Eigentlich so ziemlich alles, was die Vorgänger so gut gemacht haben, fehlt

 Testsystem:  PC
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