Shank 2  (REVIEW)
Poliert die Kettensägen, schleift die Messer - Shank ist wieder da
Geschrieben von Tim am 15. Februar 2012 um 20:43 Uhr
Plattform(en): PC, PS3, Xbox360 | Release: 08.02.2012

Im Spätsommer 2010 wurden die Download-Plattformen PC, XBLA und PSN von einer lebenden Allzweckwaffe heimgesucht, die neben diversen Revolvern, Maschinenpistolen und Bazookas auch Macheten, Katanas und Kettensägen mit sich herumschleppte - und das nur, um den Gegnern den Garaus zu machen. Sein Name war Shank. Und jetzt, zwei Jahre nach seinem ersten Auftritt, ist er zurück im Nachfolger Shank 2. Nachdem es 2010 nicht ganz zum Coolness- und Gameplay-Award gereicht hat, wagen Klei Entertainment und Electronic Arts nun einen zweiten Versuch und schicken Shank erneut auf die gängigen Konsolen und den heimischen Computer. Klappt es dieses Mal?


Einige von euch haben Shank sicher schon kennengelernt und wissen genau, was den Kerl als Charakter auszeichnet. Für diejenigen, die mit dem Begriff Shank nichts anfangen können, hier eine kurze Erklärung: Shank heißt die meist schweigsame, aber mit der Waffennutzung durchaus geläufige Hauptfigur des gleichnamigen Downloadspiels für PC, Xbox 360 und PlayStation 3. Bereits bei seinem ersten Auftritt hat er es auf Anhieb geschafft, einen Platz zwischen John Rambo und Kill Bill einzunehmen, ohne die beiden einfach nur zu zitieren. Shank besitzt Wiedererkennungswert und starke Charakterzüge, die in Verbindung mit der trashigen Story rund um einen brutalen Racheakt das Herz eines jeden Tarantino-Fans zum Lachen bringen. Wer genau das am ersten Teil von 2010 mochte, wird auch an Shank 2 Gefallen finden. Aber wir reden hier ja nicht über einen Film, sondern über ein Spiel.




Ich möchte mein Shank englisch, bitte. Außen zart und innen blutig!

Wer den ersten Teil gespielt hat, fühlt sich auch im Nachfolger bereits nach kurzer Zeit vertraut. Fast alles kennt man schon genau in dieser Form: die schicke Comic-Grafik, das typische Sidescroller-Gameplay, die brachiale Action und die Mengen an hellrotem Blut, die durch die Gegend spritzen, sobald man einen Gegner buchstäblich auseinandergenommen hat. Shank 2 gibt sich keine Blöße, um klarzumachen, dass es der Nachfolger zu Shank ist - das Game sieht genauso aus und spielt sich im Prinzip auch fast gleich. Noch immer wird einem eine Mischung aus rabiaten Kämpfen gegen große Gegnergruppen und vereinzelten Sprungpassagen geboten, wobei die Verteilung auch dieses Mal klar zum Vorteil der Kämpfe geschieht. Diejenigen Sequenzen, in denen man sich an Totenschädeln über Abgründe entlangschwingt oder von Wand zu Wand springt, halten sich ziemlich in Grenzen und bekommen nur wenig Aufmerksamkeit spendiert - was an sich auch nicht schlimm ist, weil sie zumindest mir nicht wirklich Spaß machen. Umso schöner also, dass man fast die ganze Zeit damit verbringen kann, Shanks Feinde zu zerstückeln? Mitnichten. Denn obwohl ein kurzer Schub von Shanks Gemetzeln durchaus gut unterhalten kann, hat man auf lange Zeit genug davon und wünscht sich Abwechslung.

Grundsätzlich läuft jeder Kampf nach dem gleichen Schema ab, da insgesamt nur wenig Variation vorhanden ist. Das bedeutet, dass man seine Gegner entweder mit leichten oder schweren Angriffen zerhackt oder zerschneidet, sie greift und wirft, sie mit Granaten in die Luft jagt oder sie "shankt" - dabei springt unser Protagonist auf das arme Opfer und reißt es auf den Boden. Was dann mit ihm passiert, liegt in den Händen des Spielers; ich bevorzuge die Schönheitsoperation mit der Kettensäge. Alternativ kann man auch noch auf Schusswaffen und Wurfmesser zurückgreifen, um die Gegnermassen ins Nirvana zu schicken. Wie schon im Vorgänger kann man sich jederzeit sein eigenes Waffenset zusammenstellen. Zur Auswahl stehen unter anderem Shotguns, Pistolen, Wurfmesser, Minen, Handgranaten, Molotow-Cocktails, Macheten und die Kettensäge, wer in der Kampagne weiterspielt, schaltet aber noch zusätzliche Todesbringer frei, mit denen man die Gegner massakrieren kann. Neu ist in Shank 2, dass man feindlichen Angriffen nicht nur ausweichen, sondern sie auch auf brutale Art und Weise kontern kann; Finishing-Moves stehen allerdings weiterhin nicht auf der Liste. Eine weitere kleine Neuerung ist die Möglichkeit, von Gegnern fallen gelassene Waffen aufzuheben und sie zu seinem Vorteil einzusetzen, Beispiele dafür sind Schaufeln, Baseballschläger, Fische und Fleischermesser. Nett!




Aus Fehlern kann man lernen. Es macht allerdings nicht jeder ...

Das Problem an Shank 2 ist jedoch nicht das Kampfsystem - denn das ist durchaus unterhaltsam und gelungen, wenngleich manche Kämpfe gegen scheinbar überstarke Gegnermassen ziemlich frustrierend sein können. Nein, das Hauptproblem ist, dass man im Prinzip immer das Gleiche macht und dass sich die Gefechte viel zu sehr ähneln, eigentlich spielen sie sich sogar allesamt gleich. Für gute Auflockerung sorgen immerhin die coolen Bosskämpfen gegen mächtige Obermotze, die zum Beispiel mit Flammenwerfern auf einen losgehen und demzufolge eine bestimmte Taktik erfordern. Aber danach geht es wieder genauso weiter wie vorher, man kämpft und kämpft und kämpft, ohne dass einem das Spiel den nötigen Kick gibt. Als Belohnung für bestandene Kämpfe winkt auch nicht etwa eine besondere Spielpassage, in der man vielleicht mal selbst in ein Auto steigt und eine kurze Strecke voller Rampen entlangbrettert (das wäre durchaus cool gewesen!) - vielmehr öffnet sich der Weg zum nächsten Kapitel, der erneut mit repetitiven Kämpfen gepflastert ist. Nur selten wurde ich überrascht, meistens erwartete mich im nächsten Level wieder die gleiche Prozedur wie in den Levels davor. Die signifikanteste Veränderung sind die Kulissen, die immerhin optisch einiges hermachen: So streift man mal durch einen wuchernden Dschungel, mal durch einen Hafen und ein anderes Mal gar durch ein luxuriöses Hotel. Generell sieht auch Shank 2 wieder beeindruckend gut und ziemlich stylisch aus.

Mit gerade einmal acht Kapiteln, die jeweils maximal 15 Minuten dauern, ist man zudem viel zu schnell mit der Kampagne durch; rechnet man die Bildschirmtode noch mit ein, kommt man auf eine Spielzeit von vielleicht 3-4 Stunden. Shank 2 besitzt zwar keinen besonders hohen Wiederspielwert, dafür hat es aber noch einen neuen Multiplayermodus im Gepäck, den man dieses Mal sogar online im Coop zocken kann. Hierbei handelt es sich um einen Überlebenskampf gegen immer stärkere Gegner auf drei verschiedenen Karten, wobei man zwischen 16 verschiedenen Charakteren wählen kann. Das macht zu zweit auch eine Weile Spaß, ist aber nicht genug, um einen dazu motivieren, Shank 2 mehrere Male neu zu starten und ein paar Runden zu spielen - zumal drei Maps nicht gerade viel sind. Wie schon der Vorgänger ist also auch Shank 2 kein umfangreiches Spiel, aber immerhin haben sich Klei und EA dazu entschieden, den Preis herunterzusetzen: Anstatt 1200 Microsoft-Punkten kostet der zweite Teil nur 800, was insgesamt in Ordnung geht und das doch recht dünne Gesamtpaket rechtfertigt.






FAZIT zu Shank 2  :



Tim meint ...
Shank 2 ist wie Shank: kurz, knackig und gewaltsam. Freunde des ersten Teils dürfen sich also über einen zweiten actionreichen und brachialen Rachekreuzzug des Badass-Helden freuen! Wer allerdings schon mit dem ersten Teil nicht zu 100% glücklich wurde, wird es auch mit dem Nachfolger nicht werden, denn die Verbesserungen und Neuerungen liegen größtenteils im Detail, wohingegen die eigentlichen Mankos nach wie vor bestehen - und leider auch nerven. So ist die Spielzeit mit unter vier Stunden, ich würde sogar auf unter drei tippen, verdammt kurz geraten und der neue Survival-Multiplayermodus schafft es nicht, allzu lange zu motivieren. Aber auch hinsichtlich des eigentlichen Gameplays verschenkt Shank 2 wieder einmal viel zu viel Potential, was man vor allem daran erkennt, dass die theoretisch ansehnliche und herrlich überzogene Action in der Praxis auf Dauer zur Routine und damit monoton wird - und das bereits nach wenigen Stunden. Dank dieser Kritikpunkte ist auch Shank 2 kein herausragendes Spiel, aber für Fans des Genres, des Grafikstils oder des Gameplays durchaus einen Blick wert - zumal der Nachfolger 400 Punkte weniger kostet als der erste Teil. Schade nur, dass es auch Shank 2 nicht schafft, mich zu begeistern.

Optisch lecker, innen blutig - aber spielerisch tritt Shank 2 auf der Stelle, anstatt sich von dem soliden Vorgänger abzuheben. Die kurze Spielzeit und der repetitive Ablauf wiegen schwer. Für 800 MS-Punkte aber durchaus ein empfehlenswertes Game, dem es an Feintuning, Ideen und letztendlich auch Neuerungen mangelt. Da ist noch Luft nach oben!


Besonders gut finde ich ...
+ stylischer Grafikstil & coole Präsentation
+ Badass-Held zwischen Rambo & Kill Bill
+ ziemlich abgedrehte Sidescroller-Action
+ präzisere und komfortablere Steuerung
+ netter neuer Survival-Multiplayermodus
+ kostet "nur noch" 800 Microsoft Points


Nicht so optimal ...
- kurze Spielzeit weit unter vier Stunden
- erschreckend monotones Gameplay
- so gut wie keine Neuerungen zu Teil 1
- spielt sich eher wie ein Add-On
- stellenweise auf "Normal" zu schwer


 Testsystem:  Xbox360



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Kommentare:

#1 | Kithaitaa schrieb am 15. Februar 2012 um 23:01 Uhr
Werd ich mir dennoch mal anschauen, genau wie den ersten Teil. 3-4 Stunden Spielzeit ist aber schon recht knapp :-/



#2 | DarkRaziel schrieb am 17. Februar 2012 um 12:48 Uhr
Kithaitaa: 3-4 Stunden Spielzeit ist aber schon recht knapp :-/


Haben doch manche Vollpreisspiele auch   
Und wenn ich jetzt 50 Euro oder nur 10 Euro bezahle und 4 Stunden Spaß habe geht das in Ordnung auch wenn mehr immer besser ist. Doch künstlich in die länge Gezogen Games mag ich auch nicht.



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