Erkenntnisse von Nintendos Post-E3-Event - mit Mario, Fox und Link 3

Die vergangenen Jahre über hatte ich mich immer wahnsinnig auf das Post-E3-Event von Nintendo gefreut. Egal ob 2012, 2013 oder 2014: Jedes Mal war mindestens ein heißersehnter Titel für die Nintendo Wii U und den 3DS dabei, jedes Jahr war das Lineup vielseitig, spannend und qualitativ hochwertig. Dieses Mal hielt sich meine Vorfreude nach der eher bescheidenen E3-Präsentation jedoch etwas in Grenzen - trotz großen Namen wie Star Fox Zero, Super Mario Maker und The Legend of Zelda: Tri Force Heroes. Entgegen meiner anfänglichen Erwartungen ging ich jedoch mit einigen positiven Eindrücken nach Hause. Eindrücke, die ich hier mit euch teilen möchte.

Meine Berichte von Nintendos Post-E3-Events haben mittlerweile regelrecht Tradition - jedes Jahr seit 2012 fasse ich hier zusammen, was es auf dem Event zu sehen gab, welche Spiele anspielbar und wie gut oder schlecht die Demos waren und wie das Ganze Drumherum inszeniert wurde. Dieses Mal aber fällt der Artikel kürzer aus. Das hat vor allem den Grund, dass das Lineup dieses Jahr absolut überschaubar war: Mit Star Fox Zero und dem Super Mario Maker gab es gerade einmal zwei große Spiele für die Wii U zum Anspielen, das vergleichsweise kleine Mario Tennis: Ultra Smash präsentierte sich hingegen nur in einer auf das Minimum beschränkten Demo, der man kaum wirkliche Eindrücke entnehmen konnte. Und auch für den 3DS gab es nicht allzu viel zu sehen: The Legend of Zelda: Tri Force Heroes und Mario & Luigi: Paper Jam Bros. waren die einzig nennenswerten Spiele, die in Frankfurt ausgestellt waren - ein so umfangreiches Spiel wie Yo-Kai Watch kam in der Demo kaum richtig zur Geltung und das langweilige Chibi-Robo: Zip Lash! kann man gleich ganz vergessen. Deshalb gibt es dieses Jahr "nur" Berichte von drei Spielen - die dafür aber gut werden dürften.


Star Fox Zero - Do a barrel roll



Dass ich ausgerechnet "wird gut" über dasjenige Spiel sagen würde, das mich in Nintendos E3-Präsentation am meisten enttäuscht hat, grenzt an Ironie - zeigt gleichzeitig aber, wie wichtig es ist, ein Spiel nicht nur zu sehen, sondern es auch selbst anzuspielen. Etwa 20 Minuten Spielzeit umfasste die Demo zu Star Fox Zero, und was soll ich sagen? Ich hatte richtig viel Spaß dabei! Tatsächlich sieht das Spiel live und auf einem ordentlichen Fernseher nicht nur um Welten besser aus als im Announcement Trailer (wenngleich immer noch nicht so gut, wie man es von einem Nintendo-Spiel erwarten würde), es spielt sich auch sehr flüssig und intuitiv.

In einem Level musste ich zunächst in einer Neuauflage des ersten Levels von Star Fox 64 auf einer festen Flugbahn durch Corneria gleiten und dabei Hindernissen ausweichen und Gegner abballern, bevor ich schließlich in einem größeren Areal frei umherfliegen konnte, mit dem Missionsziel, große heranrückende Insekten-Roboter in die Luft zu jagen. Abgerundet wurde das Ganze dann durch einen ziemlich coolen Bosskampf gegen ein riesiges UFO, wobei es hier mehrere Lösungswege gab: Einerseits konnte man das UFO erledigen, indem man von außen auf die Schwachpunkte feuerte, alternativ konnte man aber auch in das Innere eindringen und den zentralen Computer sprengen. Für diese Innenraum-Sektion transformierte sich der Arwing in eine Art Mech, der entfernt einem Hühnchen ähnelte. Die ganze Demo wurde übrigens auf der E3 im Treehouse-Stream live vorgespielt - hier könnt ihr sie nochmals in ganzer Länge anschauen.

Große Skepsis hatte ich dort bereits wegen der bizarren Steuerung gehegt, bei der man auf dem GamePad eine Cockpit-Perspektive sieht und somit ständig gezwungen ist, den Blick hin und her zu wechseln, zumal das Zielen auch noch per Gyrosensor stattfindet. Hört sich alles ganz schrecklich an, aber die Sorge war (fast) unberechtigt, denn wider Erwarten ging alles supergut von der Hand. Einzig die langsam drehbare Kamera war in der Innenraum-Sektion grauenvoll; dort sollte sich bis zum Release unbedingt noch etwas tun. Sorgen bereitet mir aktuell neben der schwächelnden Technik jedoch vor allem noch der Umfang, da es neben der Kampagne keine weiteren Modi geben soll - auch keinen Online-Multiplayermodus. Ein Jammer, da sich ein solcher Modus hier wunderbar angeboten hätte! So fühlt sich Zero allem Spielspaß zum Trotze im Moment noch "rushed" an - hoffentlich ist das bei der Vollversion, die Ende des Jahres erscheint, nicht mehr der Fall.

Einschätzung: Dafür, dass ich wenig erwartet hatte, hat mir die Demo ganz schön viel Spaß gemacht. Und so schlecht, wie der Trailer vermuten ließ, schaut es gar nicht aus - ja, wirklich. Mittlerweile bin ich vorsichtig optimistisch gestimmt, aber bis zum Release sollten Shigeru Miyamoto und Platinum Games noch zulegen.


Gar nicht mal so einfach, einen halbwegs schönen Screenshot zu Star Fox Zero zu finden.


Super Mario Maker - Ein Kindheitstraum wird wahr



Nur 2-3 Meter neben Star Fox wurde unterdessen fleißig gebaut oder geflucht - je nachdem, welchem Journalisten man gerade über die Schulter schaute. Gespielt wurde dort selbstverständlich der Super Mario Maker, Nintendos hauseigener 2D-Mario-Baukasten, der letztes Jahr noch als Mario Maker angekündigt wurde. Das neue "Super" im Namen kommt aber nicht von ungefähr, denn nach dem, was ich in Frankfurt sehen und spielen konnte, hat der Titel wirklich massiv zugelegt. Die Demo war zwar inhaltlich noch stark begrenzt, doch schon mit dem Dargebotenen ließen sich in wenigen Minuten unheimlich komplexe und bockschwere Levels konstruieren - natürlich inklusive geheimen Räumen und begehbaren Warp Pipes.

Besonders cool finde ich jetzt schon die Möglichkeit, die einzelnen Objekte miteinander zu verbinden. Kanonen, aus denen Gumbas abgefeuert werden? Riesige fliegende Piranha-Pflanzen? Alles kein Problem. Wenn ich darüber nachdenke, was sich schon mit den zwei Objektpaletten-Leisten anstellen ließ, dann bin ich umso gespannter darauf, was mit den übrigen sechs Leisten wohl möglich sein wird. Außerdem ist der Editor so kinderleicht zu bedienen wie kaum ein anderer zuvor, da man mit dem Touchpen alles ganz simpel und intuitiv per Drag & Drop ins Spielfeld ziehen, verschieben und vergrößern kann - super! Und wer selbst kein Bock auf Basteln hat, dürfte dennoch mehr als genug zu tun haben, da dem Spiel zum Launch 100 vorgefertigte Levels beiliegen werden, darunter auch die Hardcore-Kurse der Nintendo World Championship.

Einschätzung: Einerseits ein wahnsinnig intuitiver und zugleich vielseitiger Level-Editor, andererseits ein unerschöpfliches Mario-Jump'n'Run mit den härtesten Levels, die es je in der Serie zu spielen gab. Ich lege mich fest: Hier kann - und wird - nichts mehr schiefgehen. Das hier wird ein Muss für jeden Mario-Fan.


Ganz ehrlich: Welcher Mario-Fan hat nicht schon immer davon geträumt, eigene Levels zu bauen?


The Legend of Zelda: Tri Force Heroes - Kooperativ in Hyrule



Das war es auch schon im Wesentlichen mit den Spielen für die Wii U - traurig, aber wahr. Für den Nintendo 3DS gab es quantitativ etwas mehr zu sehen. Für mich der interessanteste Titel war natürlich The Legend of Zelda: Tri Force Heroes, das auf dem Fundament vom fantastischen A Link Between Worlds aufbaut und drei Spieler gemeinsam in vertrackte Dungeons schickt, um dort kooperativ Rätsel zu lösen, Puzzles zu meistern und Bossgegner zu bezwingen. Ein richtiges neues großes Zelda ist Tri Force Heroes zwar nicht, doch das, was ich spielen konnte, hat schon richtig viel Laune gemacht. Zu dritt haben wir vier verschiedene Levels absolviert und dort herausgefunden, was das Spiel so zu bieten hat. Generell fühlte es sich schon in der Demo verdammt nach A Link Between Worlds an - die Steuerung ist quasi identisch - und es sah auch genauso gut aus. Was jedoch neu ist an Triforce Heroes, ist der Coop-Aspekt, denn jeder Raum lässt sich wirklich nur dann durchqueren, wenn alle drei Spieler aktiv zusammenarbeiten. Dabei spielen vor allem die unterschiedlichen Gadgets eine wichtige Rolle, denn je nachdem, ob man Bombenbeutel, Pfeil & Bogen, Bumerang oder magischen Krug (eine Art "umgekehrten Staubsauger") auswählt, hat man gänzlich andere Möglichkeiten.

In einem Rätsel musste der Spieler mit dem magischen Krug beispielsweise eine zuvor vom zweiten Spieler abgelegte Bombe auf eine Plattform befördern, um dort eine Wand zu sprengen - der dritte Spieler konnte dann mit Pfeil & Bogen den dort versteckten Schalter aktivieren. Klingt erstmal nicht sonderlich komplex, doch lasst euch nicht täuschen, die Möglichkeiten sind enorm - und einfach war die Demo ganz bestimmt nicht, was aber vielleicht auch an unserer schlechten Koordination lag. Noch schwieriger wurde es dann bei der Einführung der Totem-Mechanik, mit der sich die drei Links aufeinander stapeln können, um dadurch an Höhe zu gewinnen. Klingt komisch, ist aber spielerisch ziemlich clever. Im Coop hat all das jedenfalls schon richtig viel Spaß gemacht! Allerdings kann ich mir aktuell nicht wirklich vorstellen, wie dieses Spiel alleine funktionieren, geschweige denn Spaß machen soll - der größte Unterhaltungsfaktor kam schließlich genau dadurch, dass wir zusammenarbeiten und experimentieren mussten. Alleine dürfte davon viel flöten gehen.

Einschätzung: Tri Force Heroes macht schon jetzt richtig viel Spaß, alleine dürfte aber schnell die Luft raus sein. Das richtige große neue Zelda ist es zwar nicht, aber als Spin-Off zur Überbrückung scheint es einen tollen Job zu liefern - zumindest dann, wenn man drei motivierte Mitspieler zur Hand hat.


Für den 3DS gab es etwas mehr Spiele zu sehen, darunter Zelda und Mario & Luigi: Paper Jam.


Abschließende Worte und Wünsche für das kommende Jahr



Das war das schwächste Lineup, das ich bisher auf einem Post-E3-Event von Nintendo gesehen habe, und nach immerhin vier Stück hat das schon ein bisschen was zu heißen. Mittlerweile bin ich es zwar gewohnt, dass nicht alle interessanten Spiele gezeigt werden - ich rede von Devil's Third, Project Zero: Maiden of Black Water und Xenoblade Chronicles X -, aber gerade dieses Jahr wäre es wichtig gewesen. So wirkte es, als wäre die Wii U quasi schon abgeschrieben; mit dem Super Mario Maker, Star Fox Zero und dem eher durchschnittlich ausschauenden Mario Tennis: Ultra Smash gab es gerade mal drei Spiele für die Heimkonsole zu sehen. Wieso man nicht wenigstens eine Station für jedes Spiel von den drei oben erwähnten aufgebaut hat, ist mir absolut unverständlich. Zumal weder Star Fox noch der Mario Maker die Größe und Medienwirksamkeit haben, die man von einem Spiel vor dem Weihnachtsgeschäft braucht. An der Qualität der Spiele gibt es dagegen nur wenig zu bemängeln. Auch für den 3DS gab es dieses Jahr eher wenig zu sehen. Zelda: Tri Force Heroes wird sicherlich gut, haut mich aber nicht wirklich vom Hocker, und das extrem vielversprechende Mario & Luigi: Paper Jam erscheint leider erst nächstes Jahr. Insgesamt war das Post-E3-Event für mich also eine kleine Enttäuschung, stimmte mich aber zumindest in Hinsicht auf Star Fox relativ optimistisch. Aber nächstes Jahr müsst ihr mehr zeigen, Nintendo - sei es für NX oder Wii U.


Was ist eure Meinung zu den auf der E3 vorgestellten Games für die Wii U und den Nintendo 3DS? Gibt es Spiele, die euch vielleicht zum Kauf der Konsole bewegen könnten? Seht ihr Nintendo auf dem richtigen oder dem falschen Weg? Wenn ja, warum? Diskutiert mit uns und postet eure Meinung in den Kommentaren! :-)

Kommentare-Kommentier-Show


Folgenden Usern gefällt der Beitrag: ... 3 Gästen.

Name:*
E-Mail (wird nicht angezeigt):*
Eigene Homepage (optional):
Dein Kommentar:*
              
Antispam:*
 
Captcha