MSI DS502 Gaming-Headset Review 6

Trennungen tun weh. Vor allem, wenn sie aus dem Nichts kommen - oder weil man selbst einfach ungeschickt ist und mit dem Chef-Sessel das Kabel des geliebten Headsets in zwei Stücke reißt. Die Diagnose ist eindeutig: Kabelbruch, Patient tot, Akte geschlossen. Nach vielen, vielen Jahren treuer Dienste musste ich also mein Sennheiser PC 360 ins Hardware-Grab legen. Immerhin bietet dieser Vorfall die Chance auf was Neues. Warum also nicht mal ein Gaming-Headset in Betracht ziehen - wie das MSI DS502? Das ist eines der günstigeren Headsets auf dem Markt - aber das muss ja nicht zwingend etwas Schlechtes sein. Kann es mit meinem fast dreimal teureren Sennheiser mithalten? Meine Review verrät euch mehr.

Eines vorweg: Ich bin kein Datenfetischist. Für mich muss ein Headset vor allem auch nach Stunden bequem sitzen und einen für meine Ohren guten Klang haben. Ob das jetzt ein USB-Headset ist oder das Gerät mit vergoldeten Anschlüssen aufwartet, ist mir prinzipiell eher egal. Daher haue ich euch direkt zum Start die wichtigsten Daten aus dem Handbuch vor die Füße, damit wir das aus dem Weg haben: hier die technischen Details.


Überraschung direkt aus der Box



Der Spaß beginnt ja bekanntlich beim Auspacken - das gilt nicht nur für Geschenke zu Festtagen, sondern auch für neue Geräte, die man aus ihren Boxen holt. Das DS502 Gaming-Headset ist sehr liebevoll in einer in MSI-Farben gehaltenen schwarz-roten Verpackung untergebracht. Man hat einen guten Eindruck vom Gerät und bekommt die meisten Features auf Englisch auch sauber aufgelistet. Bei so vielen Infos und Prints außen gilt für das Innere eher klassisches Understatement: Headset, Mini-Bedienungsanleitung (auf Englisch) und die Treiber-CD. Das war es dann auch schon. Für ein Gerät dieser Preisklasse haben mich Design und Materialanmutung überraschend schnell überzeugt: Das Headset wirkt, trotz seines recht geringen Gewichtes von knapp 400g, sehr stabil, schwer und wertig. Was mir besser gefällt als bei meinem alten Sennheiser, ist der Mechanismus zum Anpassen für die eigene Kopfgröße: Statt einer Plastik-Schiene, die man ständig irgendwie umstellen muss und die gerne dazu führt, dass das Headset schief sitzt, findet hier ein selbst-anpassendes Kopfband seinen Einsatz, das mit einem Gummiband für einen sicheren Halt auf dem Kopf sorgt - ähnlich wie zum Beispiel bei dem Siberia 200 von SteelSeries. Das minimiert potentielle Bruchstellen und macht das Headset leichter für mehrere Personen im Haushalt nutzbar. Coole Sache und eine positive Überraschung, genau wie der gesamte Ersteindruck des Headsets.

Etwas Kopfzerbrechen bereiteten mir allerdings zwei Punkte: zum einen, dass der Audioregler recht weit unten am Kabel sitzt, und zum anderen die runden Ohrmuscheln. Doch dazu gleich mehr. Angeschlossen wird das Headset ganz einfach über das knapp zwei Meter lange USB-Kabel. Das ist ausreichend lange, um das Kabel ggf. auch etwas schicker hinter dem Tisch entlang laufen zu lassen, damit man nicht mit dem Stuhl ständig drüber rollt; ich spreche da aus Erfahrung. Kaum angeschlossen, leuchtet das Headset in einem dezenten, aber edlen Rot: Die äußeren Muscheln sind mit dem MSI-Drachen verziert, die das Logo satt, aber nicht aufdringlich erstrahlen lassen. Auch die Spitze des Mikrofons wird von rotem Licht geziert und symbolisiert: Ich bin bereit!


MSI DS502 Gaming-Headset


Guter Standard-Sound, bombastischer Gaming-Sound ... und die Software.



Ich nutze das Headset an zwei Geräten. Zum einen zum Videoschneiden auf meinem iMac, somit folglich unter einem OS X Betriebssystem, für das es keine Treiber-Software von MSI gibt. Ich muss hier also auf Software-Features wie virtuellen 7.1 Sound oder Bass-Verstärkung verzichten. Daher sind einige Knöpfe am Audioregler nutzlos: Während das Rad für die Lautstärkenkontrolle und das Muten des Mikrofons problemlos funktionieren, ist die "Bass"-Taste ohne Funktion. Sie soll eigentlich für ein stärkeres Vibrieren der Ohrmuscheln und somit mehr "Wumms" sorgen - doch ohne Software-Support merke ich hier keinen Unterschied. Schlimm ist das allerdings nicht, denn auch so klingt das Headset in seiner Standard-Version gut. Die Bässe sind etwas blass, aber gerade die Mittel- und Hochtöne sind klar und deutlich zu hören. Details aus Tonspuren beim Schneiden von Videos erkenne ich problemlos und auch Musik ist über einen längeren Zeitraum angenehm zu hören.

Volles Potential schöpft das DS502 natürlich unter Windows mit der Unterstützung der mitgelieferten Software-Treiber aus, deren aktuellste Version jedoch auf 2015 datiert ist. Entsprechend ist auch die Software zu verstehen: etwas antiquiert. Bedienung und Oberfläche sind funktional und benötigen ein wenig Einarbeitungszeit, bieten jedoch gute Optimierungen, wenn man sie mal gefunden hat. Am Wichtigsten ist die versprochene virtuelle 7.1 Lösung, die den Sound der Kopfhörer merklich auf ein neues Level hebt. Gerade in Spielen mit entsprechender Soundkulisse arbeitet das Headset in Kombination mit der Software am Effektivsten: Zischende Raketen, die am virtuellen Kopf vorbei rasen, sind genau so lokalisierbar wie die Fußtritte auf der anderen Seite des digitalen Raums. Präzise Aussteuerung, satte Bässe und klare Mittel- bzw. Hochtöne sorgen für eine rundum gelungene, akustische Immersion in Spielen. Lediglich Ingame-Stimmen gehen im Bass-Gewitter gerne mal ein wenig unter und wirken blass. Nutzt man parallel noch Discord dazu und hat auch andere Spieler auf den Ohren, vermischt sich oftmals vieles zu einem Soundbrei. Vor- und Nachteil von softwareseitigen Surround-Lösungen eben. Andererseits auch beeindruckend, was es benötigt, um das Headset an seine Grenzen zu bekommen - gerade auch in Betracht auf die Preisklasse.

Apropos Kommunikation mit anderen Spielern: Das Mikrofon ist grundsolide. Die Sprachqualität ist gut und filtert das Grundrauschen sehr gut raus, sodass die Stimme sehr klar abgebildet wird. Trotz aktiviertem Boost und maximaler Ausgangslautstärke ist mein stimmlicher Output aber manchmal etwas leise, was gerade in hektischen Spielsituationen für die ein oder andere mangelhafte Kommunikation sorgte. Insgesamt ist das Feedback der Mitspieler trotzdem sehr positiv. Achja: Einen großen Mehrwert der "Bass"-Taste an der Audio-Einheit habe ich auch hier nicht empfunden. Ich bilde mir ein, dass die Vibration bei Bässen etwas stärker ist. Wenn dem der Fall ist, ist der Unterschied marginal.




Individuelle Kopfformen und der Tragekomfort



Eingangs erwähnte ich zwei Punkte, die mir etwas Kopfzerbrechen bereiten. Nach einigen Wochen intensiver Nutzung des Headsets waren diese Sorgen für meine Nutzung - und meinen Kopf - teilweise berechtigt. Ich beginne mit dem Audio-Regler. Der sitzt, ausgehend vom Kabelstart am Headset, knapp 80cm weiter unten, also ca. in der Mitte der gesamten Kabellänge. Das ist zumindest bei meinem Setup zu tief. Oftmals liegt der Regler unter meinem Schenkel oder rutscht vom Stuhl, so dass ich intensiv fummeln muss, um das Mikro kurzfristig zu muten oder die Lautstärke zu ändern. Auch passiert es oft, dass ich das Headset abnehme und der Regler gegen das Tischbein knallt, weil er einfach zu weit unten am Kabel platziert ist. Hier finde ich die Lösung einiger Headsets, z.B. Muten durch Hochklappen des Mikrofons oder eine Platzierung der Lautstärke-Steuerung direkt in die Ohrmuschel, eleganter. Aus technischer Sicht dürfte das aber eben auch eine Preisfrage sein.

Viel störender empfand ich die Ohrmuscheln. Ich habe recht große Ohren (Mutti hat sie eben gerne lang gezogen), die die weichen und ovalen (!) Stoff-Muscheln des Sennheiser gewohnt waren. Die kreisrunden Muscheln am DS502 sind zwar ebenfalls sehr weich mit einer Art Kunstleder gepolstert, doch durch die permanente Spannung des Kopfbandes gibt es nach einiger Zeit einen sehr unangenehmen Druck auf den Ohren und die Gegend drumherum. Auch schwitzt der Bereich sehr schnell, weil der Stoff wenig atmungsaktiv ist. Bei einem Komfort-Test zusammen mit der Freundin mit kleinerem Kopf und kleineren Ohren gab es das Problem im gleichen Zeitraum nicht. Ich habe wohl einfach einen unförmigen Dickschädel. Schade. Dennoch sollte man womöglich erst im Elektronik-Laden um die Ecke testweise das Headset aufsetzen, sofern man etwas größer gewachsen ist.



HerrBeutel

Fazit von HerrBeutel:

Es muss eben nicht immer Kaviar sein. Auch für ein kleineres Budget bekommt man heutzutage solide Gaming-Hardware. Gerade mit Haptik und Verarbeitung kann das MSI DS502 Gaming Headset auftrumpfen: Das schicke Design, der angenehm leichte Tragekomfort und die Materialanmutung lassen vergessen, dass man hier ein ambitioniertes Gaming-Headset für "nur" 70€ in der Hand hält. Auch klanglich kann das Headset überzeugen: Kraftvolle Bässe und klare Mittel- und Hochtöne sorgen für entspanntes Kopfnicken bei der Lieblingsmusik sowie für einwandfreien Sound auf den virtuellen Schlachtfeldern. Schritte hinter dem virtuellen Ich sind genau so lokalisierbar wie herumfliegende Raketen oder Wettereffekte. Schade aber, dass wenig Energie in die DS502 Treiber-Software geflossen ist, die mich öfter mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf vor einigen Einstellungen hat versauern lassen. Auch einige Design-Entscheidungen wie die tiefe Platzierung des Audio-Reglers kann ich nicht ganz nachvollziehen. Dennoch: Für den Bedarf an einem preiswerten, aber nicht billigen Headset fürs Daddeln mit Freunden ist das DS502 Gaming-Headset genau richtig - sofern man keinen zu großen Kopf oder zu große Ohren hat.

Besonders gut finde ich ...
  • hochwertige Verarbeitung
  • elegantes Design
  • smartes Kopfband
  • klarer, virtueller 7.1 Sound
  • kraftvoller, immersiver Bass
  • viele Software-Einstellungsmöglichkeiten
  • gutes, rauschfreies Mikro
  • fairer Preis
Nicht so optimal ...
  • veraltete Treiber-Software
  • unangenehmer Druck bei großen Ohren
  • Audio-Regler zu tief platziert
  • Beleuchtung lässt sich nicht separat deaktivieren
  • gelegentliche Störgeräusche unter OS X

Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von MSI zur Verfügung gestellt.


Kommentare-Kommentier-Show


Folgenden Usern gefällt der Beitrag: Predator, ATeC, ... und 4 Gästen.
  • Fetzig
    #1 | 1. März 2017 um 13:17 Uhr
    Das Problem der gelegentlichen Störgeräusche beim OSX habe ich aber auch schon mit mehreren qualitativ hochwertigen Kopfhörern gehabt... egal ob Kabelgebunden oder per Blutooth.
  • HerrBeutel
    #2 | 2. März 2017 um 10:30 Uhr
    Ok, interessant zu wissen. Jetzt wäre die Ursache natürlich auch spannend ... Danke dir!
  • DarkRaziel
    #3 | 2. März 2017 um 22:35 Uhr
    Ich mag Kopfhörer lieber mit Stoffbezug an den Ohrmuscheln, denn im Sommer oder bei längeren Musikgenuss schwitz ich nicht so darunter.
    Was ich Suche ist ein gutes Mono Headset was offen ist für die Xbox-One, aber ich finde fast nur Ausschließlich nur Stereo oder höherwertige Kopfhörer.
    Denn ich will keine 300 Euro für Dolby Digital 5.1 oder 7.1 ausgeben, wenn ich eine 7.1 Soundanlage im Zimmer habe.
    So muss ich erst einmal mit einen preiswerten Mono Headset vorlieb nehmen, aber nicht das von Microsoft, denn der fummelige Stecker geht mir auf den Sack.

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