Vom Studio, das auszog, um Helden zu ruinieren 1

Nach dem großen Erfolg der "Dark Knight"-Trilogie von Christopher Nolan wollte Warner Bros. schnell in das Fahrwasser von Marvel springen, die mit ihrem Marvel Cinematic Universe bergeweise Geld an den Kinokassen verdienten. Warum also nicht die DC-Lizenz nutzen und ein eigenes Film-Universum aufbauen? Nun, jeder Fan weiß, dass die Filme bis heute zwar überwiegend finanziell erfolgreich waren, aber weder Kritiker noch Zuschauer ähnlich positive Reaktionen entlocken konnten wie die meisten Marvel-Filme. Nun steht mit Justice League das erste Mal in der Geschichte der DC-Kinofilme ein großer Teil der ikonischsten Helden des Comic-Universums gemeinsam auf der Leinwand. Eigentlich ein Selbstläufer. Oder?

Wer mich kennt, der weiß: Beim DC Extended Universe (kurz: DCEU) kämpfe ich oft an vorderster Front: Man of Steel ist für mich eine der besten Superheldenverfilmungen zum heutigen Zeitpunkt und Batman v Superman ist vor allem im Extended Cut ein überambitioniertes, aber kurzweiliges Superhelden-Spektakel, das sich weder am oberen, noch am unteren Ende der Filmskala platziert, sondern einfach irgendwo im Mittelfeld. Es hätte dem Film gut getan, Warner hätte auf Doomsday und das Justice-League-Setup verzichtet und Zack Snyder seine Geschichte erzählen lassen, die dank Drehbuchautor David S. Goyer eh schon viel zu überfrachtet war.

Wonder Woman ist ein guter Film, der aber - vor allem in der Zweitsichtung - rapide abbaut und gerade beim Finale in sich zusammenfällt. Und Suicide Squad? Nun, der Film zeigt, was passiert, wenn ein Studio wieder mal in das Handwerk anderer Leute pfuscht. Es sollte der Tiefpunkt des DCEU sein - bis heute.


Die ikonischsten DC-Figuren in einem Film - geiler wird es leider nicht. (Bild: DC Comics)


Ein bunte Ansammlung an Belanglosigkeiten



Ich mag auch gar nicht groß um den heißen Brei reden: Justice League ist ein 300 Millionen Dollar teures Debakel, das durchaus Potential hat, in Zukunft auf TELE 5 in der #SchleFaZ-Rubrik abgebildet zu werden - und mir blutet das Herz, so etwas sagen zu müssen. Ich wüsste auch gar nicht, wo ich mit meiner Kritik starten soll. Es fängt schon in den ersten Minuten an, wenn noch nicht einmal die Titelsequenz zu sehen war. Der Einstieg ist so zerstückelt und unrund, dass man sich fragt, was da wohl alles auf dem Schnittboden gelandet ist. Der Film springt von Beginn an so belanglos von Setpiece zu Setpiece, dass man sich an alte Krimiserien erinnert fühlt. Ikonische Charaktere werden kurz vorgestellt, Alfred und Batman zimmern sich eine merkwürdige Theorie über magische Steine zusammen und außerdem: Cyborg. Cyborg ist auch da.

Irgendwann schwenkt die Story dann kurz zu Themiskyra und zeigt Amazonen, die gegen einen grauenhaften CGI-Steppenwolf kämpfen, der in einer CGI-Sequenz ganz viele CGI-Dinge tut, um an besagte Steine, genannt Motherboxes, zu kommen. Was hier an CGI-Massaker aufgefahren wird, soll dann auch den Rest des Films bestimmen: Selbst wenn man nicht weiß, dass der Film zahlreichen Reshoots unterzogen wurde, merkt man, dass hier einfach keine richtige Post-Production stattfand. Das Bild ist viel zu hell und auf poppig getrimmt, was dazu führt, dass die Kostüme und Sets wie eben genau das wirken: Kostüme und Sets. Zack Snyder, der ursprünglich Regie führte, hat - Kritik hin oder her - eine gewisse Art, wie er Filme dreht und ausleuchtet. Das funktionierte in Man of Steel und Batman v Superman optisch gut und gipfelte oft in visuell großartigen Sequenzen. In Justice League hingegen wirkt alles wie das Theaterspiel einer Laienspielgruppe, die vom Faschingsladen um die Ecke kurz ihre Kostüme gekauft hat.


Visuell wirkt der Film oft unfertig und "Batfleck" ist nur noch ein Schatten seiner Selbst. (Bild: DC Comics)


Ein Bild des Schreckens



Das Color-Grading ist selten bis gar nicht auf das abgestimmt, was im Bild passiert, und so sieht man unseren Helden immer an, dass sie gerade vor gigantischen Greenscreen-Kulissen herumlaufen. Da hilft es nicht, dass JEDE Szene mit Henry "Superman" Cavill neu gedreht und sein Bart mit Hilfe von CGI entfernt wurde. Das Ergebnis ist schwer in Worte zu fassen. Superman wirkt wie eine Karikatur, die auf die Annoying Orange trifft. Es ist schlicht und ergreifend peinlich für eine Produktion dieser Größe. Je weiter der Film voran schreitet, umso schlimmer werden dann auch die Effekte: Was in den Trailern noch unfertig wirkte, ist genau so im Film gelandet. Teils unfertige Texturen, fehlende Schatten: Auch wenn man mit heftigen Schnitten versuchte, hier etwas zu retten, hilft es nicht, um darüber hinwegzutäuschen, dass vieles einfach unfertig und notdürftig geflickt aussieht.

Man kann von Snyder und Whedon halten was man will, aber als jemand, der jeden Film der Regisseure teilweise mehrfach gesehen hat, kann ich sagen: Das ist nicht Snyders Film - und auch nicht der von Whedon. Zack Snyder hat Justice League auch bis heute nicht gesehen. Solche Effekte würde Snyder nie und nimmer durchwinken. Selbst sein 90%-Greenscreen-Film Sucker Punch wirkt in seiner Künstlichkeit noch runder als das hier. Und Whedon? Auch der hinterlässt - mit Ausnahme 1-2 mehr oder minder gelungener Witze - keinen bleibenden Eindruck.


Ezra Miller als Flash ist eines der wenigen Highlights des Films. (Bild: DC Comics)


Warner Bros. und der schlechte Einfluss



Justice League ist das Produkt eines Studios, das keine Ahnung von Snyders Vision, Whedons Ideen oder den eigenen Helden hat. Es ist ein Produkt, das Anzugträger durch Markt- und Konkurrenzanalysen zusammengeschustert haben, weil sie panisch versuchen, das Desaster, das sie angerichtet haben, zu retten, nur um herauszufinden, dass sie sich noch weiter in die Scheiße reiten. Es tut mir leid um Snyder, der hoffentlich nun aus dem DCEU aussteigt und Warner einfach weiter identitätslose CGI-Massaker drehen lässt. Und auch um Whedon, der hier etwas flicken musste, das nicht einmal ein Scorsese hätte flicken können.

Die dümmste Entscheidung von Whedon - und der einzige Vorwurf, den ich ihm mache - war, JunkieXL durch Danny Elfman zu ersetzen: Egal wie man Man of Steel oder Batman v Superman fand, der Score von Zimmer und Junkie war einprägsam und trug den Film über viele Strecken. Elfmans Score ist einfach nur generisch und schlichtweg egal - was aber auch irgendwie zum Film und seinem generischen Antagonisten Steppenwolf passt. Nichts hat Gewicht, es ist einfach alles absolut belanglos und redundant: Mal ist er da, mal nicht und wenn er weg ist, vermisst man ihn nicht. Und ja, ich rede von Steppenwolf UND dem Soundtrack. Selbst der so starke Batfleck wird zum reinen Sprücheklopfer degradiert und wirkt, wie der Rest vom Cast, verloren im CGI-Massaker dieses Flickenteppichs, wenngleich die Lustlosigkeit in Afflecks Gesicht oftmals Bände spricht.

Ezra Miller als Flash und Jason Momoa zeigen Potential, haben aber außer wenigen ganz unterhaltsamen Momenten nicht viel beizutragen. So bleibt am Ende ein ärgerlicher Film, der irgendwo zwischen "bemüht" und "peinlich" herum mäandert und sogar Suicide Squad plötzlich aufwertet. Da können auch 1-2 gelungene Gags und eine ziemlich coole Post-Post-Credit-Scene nichts mehr retten.



HerrBeutel

Fazit von HerrBeutel:

Ich verteidige wirklich viel, was bisher im DCEU passiert ist. Beginnend bei der kontroversen Szene um Zods Genickbruch in Man of Steel bis zum "Martha!"-Moment von Batman V Superman: Mit Leidenschaft argumentiere und diskutiere ich über diese Szenen und versuche zu erklären, warum das alles gar nicht so schlimm ist. Bei Suicide Squad jedoch war auch meine Grenze erreicht und ich konnte das, was Warner Bros. veranstaltet hat, nicht groß rechtfertigen. Nachdem Wonder Woman wieder in die richtige Richtung ging, hatte ich nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet Justice League am Ende meine Hutschnur platzen lässt. Der Film ist ein Desaster, begonnen bei den Nachdrehs, über die schlechte Post-Production bis hin zum finalen Film, dessen Story so dermaßen zerfahren wirkt, dass man sich fragt, wieso so ein Film 300 Millionen Dollar Budget vernichtet. Justice League bildet den Tiefpunkt des bisherigen DCEU und so langsam wird die Luft dünn für das Helden-Universum von DC und seine geplanten Filme.

Wen übrigens interessiert, was noch alles hinter den Kulissen passierte und was langfristig mit dem Filmuniversum passieren könnte, das könnt ihr euch in unserem Podcast über das DCEU anhören.

  • Justice League
  • Regie:Zack Snyder
  • Schauspieler:Ben Affleck, Henry Cavill, Gal Gadot ...
  • Genre:Action, Abenteuer, Fantasy
  • Kinostart:16. November 2017

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