Stadt, Land, Tausch! 2

Als weltweit erfolgreichsten Anime-Film aller Zeiten bewirbt Universum Anime das Körpertausch-Drama Your Name., welches am 11. Januar 2018 erstmalig in einer deutschen Synchronfassung in unsere hiesigen Kinos kommt. Niemand geringeres als Makoto Shinkai, der sich schon für handlungstechnisch tiefgründige Meisterwerke wie The Place Promised In Our Early Days oder The Garden of Words auszeichnete, führte bei Your Name. Regie. Aber was steckt eigentlich hinter dem ganzen Hype um den Film, der in Japan alle Rekorde an den Kinokassen zu brechen vermochte?

Ein seltsamer Traum



Wenn ihr selbst in einem kleinen Kaff aufgewachsen und selten aus diesem herausgekommen seid, werdet ihr mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit schon früh den Drang verspürt haben, dem Alltagstrott des stark überschaubaren Dorflebens zu entfliehen und in die aufregende Großstadt zu ziehen. Der japanischen Oberschülerin Mitsuha ergeht es genau so. Seit Jahren ist sie ihrem Dörfchen und dem langweiligen Leben dort ohne jegliche Veränderung überdrüssig und wünscht sich, in ihrem nächsten Leben als ein gut aussehender Tokioter wiedergeboren zu werden. Gleichzeitig wird Mitsuha seit kurzem von regelmäßigem Gedächtnisschwund geplagt, sodass ihr die Erinnerungen an komplette Tage fehlen. Ihre Freunde sind dabei überaus besorgt um ihre Freundin, denn eben an jenen Tagen scheint sich Mitsuha äußerst ungewöhnlich zu verhalten. Zur gleichen Zeit beobachtet der junge Tokioter Taki einen spektakulären Sternschnuppenschauer und hat seitdem Nacht für Nacht seltsame Träume, in denen er im Körper eines jungen Mädchens auf dem Land gefangen ist. Auch Mitsuha hat diese seltsamen Träume und schlüpft plötzlich in den Körper eines von ihr so sehnlich herbei gesehnten attraktiven Jungen aus Tokio.

Wie ist dein Name?



Nach und nach wird den beiden vor allem durch die Erzählungen der Freunde klar, dass der vermeintliche Traum Realität ist und sie nachts für einen Tag in den Körper des jeweils anderen schlüpfen. Durch auf die Hand geschriebene und im Handy eingetippte Nachrichten versuchen die beiden dabei, über asynchrone Weise miteinander zu kommunizieren und den Namen ihres Alter Egos herauszufinden.

Your Name gelingt es meisterhaft, das schon oft in Hollywood umgesetzte Geschlechter- bzw. Körpertausch-Thema umzusetzen und sorgt nicht selten für einige Lacher, wenn sich Mitsuha als Taki beispielsweise im gigantischen Tokio auf dem Weg zur Schule verirrt oder Taki als Mitsuha den Morgen beginnt, indem er sich erstmal "selbst begrapscht" - oder wenn er mit altehrwürdigen japanischen Mädchentraditionen nicht klarkommt. Dabei wirkt die Handlung dennoch mit einigen Ausnahmen selten bis nie klischeehaft überzogen. Auch einige unerwartete Wendungen in der Handlung lassen bis zum Schluss mit Taki und Mitsuha mitfiebern.

Animierte Bildgewalt



Optisch macht Your Name ebenfalls einiges her, auch wenn bei den Charakteren ein typisch beliebter Zeichenstil herhalten muss, den man aus zahlreichen Shojo-Manga und -Animes in ähnlicher Form kennt. Die Umgebungen sowohl im ländlichen Itomori als auch in Tokio sind mit großer Liebe zum Detail gezeichnet worden. Besonders auf der großen Kinoleinwand weiß man oft gar nicht, welchen Teil man zuerst bestaunen soll. Mit Laura Jenni und Maximilian Belle hat Universum Anime außerdem einen tollen deutschen Sprechercast für die Hauptrollen gewonnen, von denen vor allem letzterer gerade als "weiblicher Taki" voll und ganz überzeugt. Dazu kommt schließlich der atmosphärische japanische Soundtrack, der dem Film noch mehr Leben einhaucht.



Fazit von Karimoto:

Ich hatte mit Your Name viel Spaß. Der gekonnte Twist aus Drama und Kömodie sowie einem tieferen Einblick in das Leben junger Japaner von heute einerseits auf dem Land und andererseits in der Großstadt bilden für mich einen ausgezeichneten Story-Cocktail. Auch wenn der eine oder andere Plotteil nicht ganz unerwartet kommt, weiß Makoto Shinkai den Zuschauer doch an einigen Stellen durchaus zu überraschen. Zwar reicht Your Name meiner Meinung nach im Animefilmbereich nicht ganz an Ghibli-Klassiker wie Chihiros Reise ins Zauberland oder Prinzessin Mononoke heran, dennoch reiht sich der Film mindestens in meine persönliche Animefilm-Top-5 ein. Wer Anime nur halbwegs etwas abgewinnen kann und sich von einer langsam aufbauenden Erzählweise nicht abschrecken lässt, der sollte sich Your Name unbedingt ansehen.

Wir danken Universum Film für die Einladung zur Film-Pressevorführung.


Tim

Fazit von Tim:

Your Name ist für mich einer der besten Anime-Filme, die ich bisher gesehen habe. Auch wenn der Film hier und da vielleicht eine Ecke zu kitschig daherkommt, sehe ich ihn auf Augenhöhe mit einigen der Werke von Studio Ghibli. Die Liebe zum Detail, die in jedem handgezeichneten Hintergrund und jeder Animation zu spüren ist, ist schlicht umwerfend und gepaart mit dem wunderschönen Soundtrack, den Wallpaper-würdigen Motiven und der spannenden Geschichte ergibt sich ein stimmungsvolles und immerzu stimmiges Werk, das beim Zuschauen und Zuhören einfach nur Spaß macht - auch später, wenn es durchaus ein wenig dramatischer wird. Die Geschichte von Mitsuha und Taki ist packend, herzerwärmend und tiefgründiger, als es der erste Eindruck vermuten lässt. Wer auch nur ein bisschen etwas für Anime übrig hat, sollte sich Your Name nicht entgehen lassen und ihn am besten auf der großen Leinwand genießen.


  • Your Name. - Gestern, heute und für immer
  • Regie:Makoto Shinkai
  • Schauspieler:Ryunosuke Kamiki, Mone Kamishiraishi, Masami Nagasawa, Etsuko Ichihara, Ryou Narita, Aoi Yuki
  • Genre:Liebesfilm, Animation, Drama
  • Kinostart:11. Januar 2018

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