Zurück in die Zukunft: Mein Besuch im BINARIUM 2

Seit ein paar Monaten haben "historische" Videospiele aus vier Jahrzehnten auch im Ruhrgebiet eine Heimat gefunden. Im Dezember 2016 hat Christian Ullenboom mit dem BINARIUM ein Museum für digitale Kultur eröffnet, das in den vergangenen Monaten permanent erweitert worden ist. Auf einer Fläche von mehr als 2.000 Quadratmetern gibt es neben alten Modulen und Disketten auch Konsolen und weitere Hardware zu sehen. Ich habe mir nicht nur die Sammlung angesehen, sondern auch den Bestand erweitert und ein paar "alte" Zeitschriften dagelassen.

Wer älter als 35 Jahre und in den 1980er-Jahren mit Commodore 64, Amiga 500 oder dem Nintendo Entertainment System aufgewachsen ist, der wird sicherlich mal in einer Powerplay oder ASM geblättert haben. Das Internet und YouTube lagen noch in weiter Ferne und anstelle von Unge, Dagi Bee oder Dner hießen meine Helden Heinrich Lenhardt, Michael Hengst oder Boris Schneider-Johne. Die Informationsvermittlung war genauso analog wie die Steckverbindung zwischen Heimcomputer und Röhrenfernseher. Wer unbedingt eine News oder die Komplettlösung zu einem bockschweren Adventure haben wollte, musste üblicherweise vier Wochen warten, sich mit Freunden auf dem Schulhof austauschen oder die scheinbar unlösbare Rätselnuss einfach selbst knacken. Früher war eigentlich alles "New Game +".


Das Museum der Digitalen Kultur existiert seit dem Winter 2016 im Dortmunder Norden.


Die Mini-Konsolen haben es vorgemacht: Retro ist wieder schick



Aber zurück zu den Printprodukten der Vergangenheit. Ich hatte derer viele: Kistenweise stapelten sich die Jahrgänge in diversen Kellern verschiedener Wohnungen. Selbst Umzüge von Flensburg (kein Witz!) bis Garmisch-Patenkirchen (OK, da habe ich nicht gewohnt) machten das Papier nicht mürbe. Ich konnte die lieb gewonnenen Zeitschriften einfach nicht in den Müll werfen. Hinzu kommt, dass die Retro-Kultur ja nicht erst seit der enormen Popularität der Mini-Konsolen von Nintendo & Co. wieder schick geworden ist und sich mit "Retro Gamer" oder "Return" eine lebendige (Print-)Nische erschlossen hat.

Doch obwohl die Pixel der 8-Bit-Ära allgegenwärtig sind und selbst vor einem Pokémon Go nicht mehr Halt machen, hatte der Erinnerungskult seinen Zenit, zumindest in meiner Wahrnehmung, überschritten. In diesem Sinne suchte ich lange nach einer Anschlussverwendung für mein kleines Zeitschriftenarchiv. So viel vorweg: Mit dem BINARIUM in Dortmund hatte ich es gefunden. Immerhin liegt das "Museum der Digitalen Kultur", das im Dezember 2016 seine Pforten geöffnet hat, in unmittelbarer Nähe meines Wohnorts. Wenn mich also mal die "Sehnsucht" nach meinen alten Zeitschriften überkommen sollte, hätte ich es nicht weit (aber lassen wir das).


Der Amiga hatte in den 1980er-Jahren ein fantastisches Spiele-Line Up, darunter die U-Boot-Simulation Silent Service.


Wenn ein Museum im Grunde aus Langeweile entstanden ist



So packte ich mehrere Umzugskartons voller Erinnerungen in den Kofferraum meines Wagens und machte mich an einem Sonntag auf dem Weg in Richtung Ruhrgebiet. Der Kontakt mit Museumsbetreiber Christian Ullenboom war schnell und unkompliziert hergestellt. Wie er auf die Idee kam, als Privatmann ein Museum zu gründen? Die Antwort verblüfft: im Prinzip aus Langeweile! Ähnlich dem Autor, begann auch bei Christian Ullenboom das digitale Erwachen mit einem Commodore 64, den er im Alter von neun Jahren von seinen Eltern geschenkt bekam. Der Haken: Der kleine Brotkasten hatte weder Floppy-Laufwerk noch Datasette im Gepäck. "Die einzige Lösung war, selbst Software zu schreiben. Basic, Assembler und Compiler: Das war von nun an meine Welt", so Ullenboom. Aus dem Informatik-Studenten wurde ein bekannter Autor von Java-Handbüchern und Gründer eines Unternehmens für IT-Schulungen: tutego. "Dann wurde es mir langsam langweilig und ich reiste um die Welt. Auch das verlor seinen Reiz und ich suchte mir mit dem Museumsprojekt eine neue Herausforderung." Ein Jahr verschlang die Suche nach einem passenden Gebäude. Am Ende fiel die Wahl auf eine ehemalige Zechenanlage im Dortmunder Norden.


FIFA und Populous: Klassiker von damals, die im Falle der Fußball-Simulation auch noch heute sehr beliebt sind.


"Ich wollte ein Museum und brauchte eine Sammlung"



Auch wenn auf einer Fläche von 2.000 Quadratmetern mehr als 700 Exponate, darunter Konsolen, Heimcomputer, Zeitschriften und jede Menge Spiele aus den vergangenen vier Jahrzehnten ausgestellt sind, sagt der Gründer von sich, dass er eigentlich kein Sammeltyp und eher minimalistisch aufgestellt sei. Dennoch: "Ich wollte ein Museum und brauchte eine Sammlung, auch wenn der Weg normalerweise umgekehrt ist". Der Aufbau des Bestandes begann bereits im Jahr 2011 und der Schwerpunkt war mit Computer- und Videospiel-Systemen und Telekommunikationsgeräten gesetzt. "Auch wenn das Spiele-Archiv OK ist, geht es eher um die Hardware und das Zubehör", so Ullenboom.

Das zeige sich auch darin, dass der Begriff "Computer- oder Videospiel" ja auch nicht im Namen des Museums auftauche. Dies sei eher Beiwerk und natürlich auch ein Nebenprodukt der digitalen Kultur. Und so findet sich ein Super Nintendo oder Apple II ebenso in der Sammlung wie das erste iPhone-Modell aus dem Jahr 2007. "Das Schöne an diesem Museum ist, dass es zwar einen Anfang, aber kein Ende hat", fasst Christian Ullenboom die Philosophie des BINARIUM zusammen. Meine liebgewonnenen Videospielmagazine sind nun ein Teil davon.

Wer übrigens mal ein großformatiges Modell eines Tie-Fighters sehen will: Ab dem 1. Mai und bis Mitte September ist eine Replica von Carsten Wirtz im Museum ausgestellt. Weitere Infos finden sich auf der offiziellen Website des BINARIUM - Deutsches Museum der digitalen Kultur. Zum Abschluss hier noch einige weitere Schnappschüsse meines Besuchs:


Kommentare & Likes


Folgenden Usern gefällt der Beitrag: Tim, ... und einem Gast.
  • Kithaitaa
    #1 | 26. April 2018 um 18:45 Uhr
    Hachja, damals[tm] =)
    Schön, dass deine alten Heftchen nach all den Jahren ein neues Zuhause gefunden haben, auch wenn selbiges bei deinem Besuch ziemlich leer erscheint - zumindest auf den Bildern.

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