ModNation Racers: Road Trip - Review
Der Motor stottert, die Bremsen quietschen, die PS Vita weint
Wenn Spiele unter Zeitdruck entwickelt werden, dann endet das in den meisten Fällen böse - manchmal sogar sehr böse. So auch beim PlayStation-Vita-Launchtitel ModNation Racers: Road Trip. War schon die PS3-Version im Mai 2010 keine Offenbarung und vor allem spielerisch sehr enttäuschend, zeigt sich die mobile Umsetzung in allen Belangen als noch schlechter. Sowohl die Technik als auch das Gameplay lassen in fast jeder Hinsicht zu wünschen übrig - noch nicht einmal Online-Rennen haben es in Road Trip geschafft, obwohl es die sogar in der Version für die alte PSP gegeben hatte. Eine echte Tragödie, wenn man bedenkt, dass Sony mit ModNation Racers einmal eine große neue Marke aufbauen wollte.





Mit Vollgas gegen die Wand: spielerisch, technisch und sonst auch überall
Eigentlich bietet Road Trip fast genau das gleiche wie die PS3- und PSP-Fassungen - ein paar Unterschiede gibt es aber doch und leider fallen diese alle zum Nachteil der Vita-Umsetzung aus. Der erste, offensichtlichste und mit Abstand nervigste Punkt ist die Technik, die auf der PlayStation Vita locker die der PSP übertreffen müsste. Doch weit gefehlt, denn im Gegensatz zur handwerklich gelungenen Version für Sonys alten Handheld ruckelt Road Trip ununterbrochen und vor allem bei viel Action auf dem Bildschirm so extrem, dass man die Übersicht verliert und sich berechtigtermaßen fragt, wie so etwas passieren kann. Zumal Road Trip grafisch keine Sprünge zu den anderen Teilen macht, sondern weiter auf PSP-Niveau stagniert. Dazu kommen gnadenlos lange Ladezeiten, die alleine schon wegen der schwachen Technik unverständlich sind und darüber hinaus auch deutlich länger dauern als beispielsweise in WipEout 2048 - obwohl jenes Spiel verdammt gut aussieht (und damit die Ladezeiten etwas rechtfertigt) und nicht nur spielerisch, sondern auch technisch mehrere Klassen über dem tragbaren ModNation Racers hausiert. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Steuerung des Menüs, denn im Gegensatz zu jedem anderen Vita-Spiel, das ich bisher ausprobiert habe, hatte ich hier ernsthaft meine Probleme. Man kann nur über Touch Dinge anklicken und muss über ein Auswahlrad umständlich erst das nächste Untermenü öffnen - eine absolute Qual! Qualitätskontrolle? Hallo? Kennt ihr das, Sony?
Ein weiterer signifikanter Unterschied zu den anderen Versionen ist zugleich der, der Road Trip endgültig den K.O. verpasst: Sony hat es sich allen Ernstes erlaubt, jegliche Online-Modi ersatzlos zu streichen! Richtig verstanden: Was auf der PSP noch einwandfrei funktioniert hat, ist auf der Vita nicht möglich. Rennen über Wi-Fi gegen andere Spieler auf der weiten Welt? Nicht so in Road Trip! Als kleine Entschädigung bietet Sony zwar die Möglichkeit, sämtliche 500.000 erstellte PS3-Kreationen auch auf der Vita zu nutzen, jedoch ist es hier das Gameplay, das Road Trip ein Bein stellt. Ich habe ja bereits in meiner Review zur PS3-Fassung dargelegt, warum ModNation Racers spielerisch sehr enttäuschend ist und auf Dauer auch langweilt - daran hat sich auch jetzt nichts geändert und demzufolge erwartet einen das gleiche öde Autofahren mit unsympathischen Mods, einfallslosen Items und einer aggressiven Gummiband-KI. Besser macht es da der Editor, in dem man seine eigenen Autos oder Strecken herstellen kann - das macht auch einigermaßen Spaß. Aber ist das wirklich ein Kompliment für ein Spiel, wenn man das Gameplay so gut es geht vermeidet und stattdessen seine Zeit im Editor verbringt?
Fazit von Tim:
Es ist bezeichnend, wenn man mehr Zeit mit dem Editor als mit dem eigentlichen Spiel verbringt - vor allem, wenn man bedenkt, dass selbst die Zeit mit dem Editor nicht gerade spannend ist im Vergleich zu dem, was LittleBigPlanet auf der PSP auf die Beine gestellt hat. ModNation Racers war 2010 ein enttäuschender Versuch Sonys, Mario Kart und LittleBigPlanet auf kreative Weise zu verbinden. Das Resultat war ein uninspiriertes, langweiliges, technisch und spielerisch unbefriedigendes Möchtegern-Rennspiel mit arroganten Mod-Figuren und einem Gameplay, das dem Begriff Funracer nicht wirklich entspricht. Und was ist mit der Vita-Version mit dem Untertitel "Road Trip"? Überraschung: Sie ist noch ein ganzes Stück schlechter! Sie ruckelt, sie hat noch längere Ladezeiten, sie wurde inhaltlich kastriert, sieht für Vita-Verhältnisse hässlich aus und leidet unter einer katastrophalen Menüführung. Kurz und knapp: Niemand braucht dieses Spiel. Lasst die Finger davon und wartet auf eine bessere Alternative. Little Big Planet Karting zum Beispiel. Dort muss man auch keine Mods ertragen!
Dieses Spiel musste rechtzeitig fertig werden - und das hat leider nicht so ganz geklappt. Road Trip ist uninspiriert, langweilig, hässlich und wirkt alles in allem einfach unsauber. So braucht das Spiel niemand. Es gibt genug Vita-Spiele da draußen, die ihr Geld wert sind.
- halbwegs funktionelles Gameplay
- ganz nettes Bauen von Strecken
- über 500.000 Kreationen online
- Technik weit unter Vita-Standard
- weiterhin hässliches Grafikdesign
- unsaubere Umsetzung mit Ruckeln
- sehr lange, nervige Ladezeiten
- gnadenlos schlechte Menüführung
- spielerisch langweilig und öde
- Online-Rennen wurden gestrichen
Tim hat ModNation Racers: Road Trip auf der PlayStation Vita gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Sony CEE zur Verfügung gestellt.


