Kid Icarus: Uprising - Review
Flieg, Engelchen, flieg! Und hol Nintendo die Sterne vom Himmel!
25 Jahre ist es her. 25 verdammt lange Jahre. Das ist länger, als ich überhaupt auf der Welt bin! Und obwohl ich nie wirklich etwas mit Kid Icarus zu tun hatte, habe ich mich wochen-, ja sogar monatelang auf das Comeback von Nintendos Serie gefreut. Auf dem 3DS sollte Pit zurück zu alter Stärke finden. Kid Icarus: Uprising sollte technisch und spielerisch das Maß aller Dinge auf dem System sein. Nach dem Anzocken auf der gamescom war ich bereits voller Vorfreude auf dieses Spiel, das ja mal zum Launch des 3DS erscheinen sollte. Nun hat Engelchen Pit also etwas länger gebraucht. Hat sich die Wartezeit gelohnt oder ist das neue Kid Icarus ein Tiefflieger geworden?





"That's the miracle of flight. But I can only maintain it for five minutes ..."
Jedes der 25 Kapitel der Kampagne besteht aus zwei Abschnitten. Der erste ist ein meist etwa 4- bis 5-minütiger Segel- und Ballertrip durch die Lüfte, welcher auf den ersten Blick verblüffend an Sin & Punishment: Successor of the Skies oder auch Star Fox 64 3D erinnert. Pit fliegt auf vorgegebenen Pfaden durch optisch fantastisch in Szene gesetzte Umgebungen, während man ihn mit dem Slidepad quer auf dem Bildschirm umherbewegt, um feindlichen Geschossen zu entgehen. Mit dem Touchpen dagegen navigiert man das Fadenkreuz, geschossen und geschlagen wird mit der linken Schultertaste. Es gibt zwei verschiedene Arten zu feuern: entweder das klassische Dauerfeuer durch Gedrückt-Halten der Taste oder den mächtigen Superschuss, indem man einige Sekunden lang nicht schießt. Dass diese Flugpassagen meist nur etwa vier Minuten dauern, liegt in der Story begründet: Protagonist Pit ist zwar ein Engel, allerdings nicht selbst dazu imstande, durch die Gegend zu flattern. Dafür bedarf er der tatkräftigen Unterstützung der Göttin Palutena, welche ihm für fünf Minuten die Fähigkeit verleiht, zu fliegen. Doch länger als diese kurze Zeitspanne sind nicht drin - denn sonst verbrennen Pits Flügel und er stürzt jämmerlich zu Boden. Damit dieses Horrorszenario nicht eintritt, lenkt Palutena seine Flugwege, während Pit sich auf die Gegner konzentriert. Der Beginn einer herrlichen Kooperation!
Obwohl die Flugpassagen wirklich nicht allzu lange dauern, sind sie für mich über weite Strecken die größten Highlights des ganzen Spiels gewesen. Das liegt zum einen natürlich daran, dass sie sich super-flüssig spielen und ich verdammt viel Spaß daran hatte - und habe -, die Gegner zu zerschießen und ihren Angriffen gekonnt zu entfliehen. Zum anderen sind diese linearen Sequenzen optisch grandios in Szene gesetzt! Und mit grandios meine ich wirklich grandios, denn das, was Kid Icarus: Uprising da auf den oberen Bildschirm zaubert, übertrifft meine höchsten Erwartungen bei weitem. Ich wurde richtig geflashed von einem Effektgewitter, das seinesgleichen sucht, und malerischen Umgebungen, die ich in dieser technischen Qualität nicht einmal auf der PlayStation Vita erwartet hätte - selbst Uncharted: Golden Abyss hat mich nicht ansatzweise so beeindruckt wie die grafische Stärke von Uprising. Egal, ob man nun durch höchst detaillierte Natur-Landschaften, feurige Magmakessel, staubtrockene Sandwüsten oder riesige griechische Städte fliegt - jedes Mal überraschten mich der Einfallsreichtum und die Liebe zum Detail aufs Neue. Hinzu kommt eine bis dato kaum vorstellbare räumliche Tiefe, die selbst den bisherigen Referenztiteln Super Mario 3D Land und Resident Evil: Revelations zeigt, wo auf dem 3DS der Hammer hängt. Rein technisch und in Bezug auf das Grafikdesign hat Kid Icarus meine Erwartungen um Welten übertroffen. Und spielerisch deutet ebenfalls alles auf einen Hit hin. Oder?





Zwischen Zelda und God of War: Kämpfen auf dem Boden der Tatsachen
Der zweite und insgesamt wesentlich umfangreichere Abschnitt eines jeden Kapitels findet auf dem Boden der Tatsachen statt - das bedeutet wiederum auch, dass die Steuerung durch die Navigation im dreidimensionalen Raum etwas anspruchsvoller wird. Ich habe in vielen Reviews gelesen, dass Tester nicht mit der Steuerung klar kommen und das Resultat daraus sind folglich schlechte bis durchschnittliche Wertungen. Eigentlich ist das unglaublich schade, denn meinen Eindrücken nach kommt man nach einiger Zeit prima mit der Handhabung zurecht. Ich musste mich zu Beginn zwar auch erst an die neue Steuerung gewöhnen, aber im Grunde geht sie recht flott von der Hand, sobald man den Dreh raus hat. Grundsätzlich gilt weiterhin, dass mit der Schultertaste geschossen und dem Touchpen gezielt wird - neu kommt allerdings hinzu, dass man mit dem Fadenkreuz gleichzeitig auch die Kamera dreht und dass sich Pit plötzlich nicht in einem zweidimensionalen, sondern in einem dreidimensionalen Raum bewegt. Durch schnelles Drücken des Slidepads in eine Richtung kann man zudem sprinten und Ausweichsprünge starten, was viel Fingerspitzengefühl erfordert - in den Hüpfpassagen, die leider nicht ganz mit dem Rest des Spiels mithalten können, kann das zu frustrierenden Zufallstoden führen. Aber, und das ist das Wichtigste, die Steuerung steht niemals dem Erfolg so stark im Weg, wie es manche Reviews durchscheinen lassen. Versucht es am besten selbst.
Die Abschnitte am Boden unterscheiden sich aber natürlich nicht nur in der Handhabung von ihren fliegenden Gegenparts, sondern auch im Spielgeschehen. So ist man zwar auch am Boden die meiste Zeit damit beschäftigt, die zahlreichen verschiedenen Gegner zu vernichten, allerdings kommen dabei neben Distanzangriffen auch Nahkämpfe ins Spiel. Diese sind zwar nicht kompliziert, müssen aber richtig getimed werden, um den vollen Schaden zu erzielen. Außerdem warten die teilweise wirklich großen Dungeons geradezu darauf, komplett erkundet zu werden. Obwohl der Spielverlauf und auch die Levelstruktur streng linear sind, gibt es nämlich immer mal wieder Abzweigungen oder separate Routen zu entdecken, in denen sich Schätze oder besonders starke Gegner verbergen - also Dinge, die sich kein würdiger Kid-Icarus-Spieler entgehen lassen möchte. Die Abschnitte am Boden dauern meistens so um die 15-20 Minuten und enden in einem fulminanten Bosskampf. Diese Bosskämpfe sind ebenfalls glorreiche Höhepunkte eines über weite Strecken optisch brillanten Abenteuers - teilweise raubten mir die riesigen Obermotze wie brennende Phönixe, dreiköpfige Hydras oder riesige Weltraumkraken den Atem. Spielerisch laufen sie zwar recht konventionell ab, aber mal ehrlich: Angesichts dieser saucoolen Präsentation ist mir das total egal. Ich habe sie einfach genossen, jeden einzelnen von ihnen.

Pit und Palutena, das sympathischste Zweiergespann der Nintendo-Geschichte?
Dass beim Spielen von Kid Icarus: Uprising nie Langeweile aufkam, liegt auch an den urkomischen Dialogen, die nahezu die komplette Spielzeit über im Hintergrund ablaufen. Wenn Pit mal wieder seine ungezügelte Begeisterung für die hübsche Palutena zum Ausdruck bringt, kann man sich ein Schmunzeln kaum verkneifen - vor allem dann, wenn diese seine grenzenlose Loyalität wieder einmal schamlos ausnutzt und ihn vor all den anderen Göttern, die in den Dialogen mitmischen, herzlich blamiert. Es ist klasse, dass alle diese Dialoge voll vertont sind - blöd wird es allerdings für diejenigen, die des Englischen nicht gut genug mächtig sind, denn die deutsche Übersetzung steht ausschließlich auf dem unteren Bildschirm. Da man angesichts der spektakulären Action auf dem oberen Screen so gut wie nie Zeit hat, mal durchzuschnaufen und nach unten zu blicken, entgehen einem viele witzige Sprüche und Story-Fetzen. Das ist schade, ich hatte aber glücklicherweise keine Probleme damit, die sehr gut gesprochenen englischen Texte zu verstehen. Gleichzeitig sorgen die Dialoge nicht nur dafür, dass stets etwas passiert, sie treiben auch die Story voran und ersetzen überflüssige Zwischensequenzen.
Die Handlung vom neuen Kid Icarus ist leider nicht ganz so spannend, wie es die brachiale Inszenierung und die fröhlichen Dialoge vermuten lassen, denn im Grunde spielt sie überhaupt keine Rolle. Die bösen Truppen der Unterwelt greifen die Menschen auf der Erde an - und wie es sich für die Götter des Olymps gehört, müssen sie sie beschützen. Palutena schickt zu diesem Zweck Engelchen Pit hinab und gemeinsam wollen sie dafür sorgen, dass wieder Ordnung einkehrt. Dass das nicht ganz so einfach wird, ist logisch, und schnell begegnet man neuen Finsterlingen wie dem dunklen Pit, der Göttin der Natur oder Hades, dem Herrscher über die Unterwelt. Sehr schön sind auch die verschiedenen Götter und Bossgegner in Szene gesetzt, welche alle ihre spezifischen Charakterzüge besitzen. Hier gilt aber erneut, dass die Dialoge die entscheidenden erzählerischen Elemente sind. Natürlich kann man Uprising auch genießen, ohne wirklich auf die Story & Co. zu achten - das macht zweifellos auch verdammt viel Spaß. Aber es entgeht einem dann ein großer Teil dessen, was das Spiel überhaupt auszeichnet. Während man sich in The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3D wünscht, Navi irgendwie aus dem Spiel werfen zu können, möchte man hier nämlich jedes Mal genauer hinhören. Sagt das nicht schon alles?





Alles drin, alles dran: Highscore-Hunger, Sammelfreuden & Multiplayer-Sessions
Für ein 3DS-Spiel bietet Kid Icarus: Uprising einen Umfang, der seinesgleichen sucht - kein Resident Evil: Revelations, das ich erst vor wenigen Wochen für seine lange Spielzeit gelobt habe, kann da mithalten. Alleine schon die 25 Kapitel der Kampagne sorgen für 10-12 Stunden sehr guter Unterhaltung. Und das war ja noch längst nicht alles, denn unzählige Zusatzelemente treiben die Spielzeit in Höhen jenseits der 30-Stunden-Marke. Eines davon ist das Intensitätsmeter, mit dem man den Schwierigkeitsgrad von 2.0 - 9.0 anpassen kann. 2.0 ist die Standard-Messlatte für Einsteiger, 9.0 dagegen die Hardcore-Herausforderung für alle, die Gefallen an Dark Souls, Ninja Gaiden (I & II) & Co. finden. Der Clou ist aber, dass man nicht etwa frei auswählen kann, sondern teuer erspielte Herzen, welche quasi die Ingame-Währung darstellen, investieren muss, um höhere Stufen spielen zu können. Als Belohnung winken dann natürlich stärkere Waffen, mehr Punkte und wertvollere Schätze. Kid Icarus: Uprising wird so zu einem wahren Highscore-Marathon. Man will das Spiel immer wieder von Neuem starten und seine Maximalpunktzahl steigern. Selten hat mich ein Titel derart motiviert - einfach großartig!
Doch damit noch nicht genug, denn es gibt noch viele andere Dinge in Uprising zu erledigen. Zum Beispiel warten Hunderte unterschiedliche Waffen darauf, von euch gesammelt zu werden. Diese erhält man nicht nur durch das Abschließen der Kapitel und Öffnen von Schatztruhen, sondern auch, indem man zwei Waffen zu einer neuen kombiniert, was am sogenannten Waffenaltar stattfindet. Alleine hier lassen sich Dutzende Stunden verbringen, denn das System ist sehr ausgereift und durchdacht. Sieben verschiedene Waffentypen, die wiederum je Dutzende Modelle aufweisen, sorgen dafür, dass sich jeder Durchlauf eines bereits bekannten Kapitels irgendwie doch frisch anfühlt. Was ebenfalls den Wiederspielwert erhöht, sind 350 sammelbare Ingame-Achievements, welche wiederum mit Belohnungen wie neuen Waffen, passiven und aktiven Effekten, Musikstücken, AR-Ikarons oder Herzen verbunden sind. Zu guter Letzt wartet ein kurzweiliger und sehr unterhaltsamer Multiplayer-Modus auf euch, der sowohl lokal als auch online angegangen werden kann und sechs Spieler auf einmal aufeinander loslässt. Zur Wahl stehen das klassische Deathmatch und eine Variation von Team-Deathmatch namens "Hell gegen Finster": Hier treten zwei Teams gegeneinander an, bis die gemeinsame Lebensleiste auf Null gesunken ist. Dann springt der helle bzw. dunkle Engel ein und muss als finaler Gegner besiegt werden. Ähnlich wie der Raid-Modus aus Resi: Revelations weiß auch der Multiplayer von Kid Icarus sehr gut zu unterhalten, wird aber auch etwas chaotisch.
Fazit von Tim:
Es gibt so viel über Kid Icarus: Uprising zu erzählen, dass ich selbst in diese knapp 12.500 Zeichen nicht alles hineinquetschen konnte. Habe ich eigentlich schon erwähnt, wie genial der Soundtrack geworden ist und wie technisch hervorragend er sich für ein mobiles System anhört? Oder habe ich schon über die mitgelieferten AR-Karten gesprochen, die auch als Sammelkarten angeboten werden? Habe ich den gratis mitgelieferten 3DS-Ständer thematisiert, der das Spielen wesentlich einfacher gestaltet und von nun an für jedes 3DS-Spiel bei mir verwendet wird? Das, was Kid Icarus: Uprising auf ein einzelnes Modul bringt, ist mehr, als ich mir je hätte ausmalen können. Ich habe lange auf dieses Comeback gewartet und meine Erwartungen waren hoch, aber das Spiel hat sie mit einer Leichtigkeit übertroffen, die selbst einem Zelda nicht gelingt. Trotz der gewöhnungsbedürftigen Steuerung wartet mit Kid Icarus: Uprising einer der besten Nintendo-Titel der letzten Jahre auf euch, der für mich qualitativ selbst Super Mario 3D Land schlägt. Lasst euch dieses Schmuckstück nicht entgehen! Achja, übrigens: Nintendo hat endlich seinen alten neuen Helden, der einen Platz neben Link, Mario und Samus einnehmen kann! Ich bin verdammt gespannt darauf, wie die vielversprechende Zukunft dieser Serie aussieht. Und bis dahin bin ich ja mit dem erstklassigen Uprising bestens versorgt.
Mit Kid Icarus: Uprising steigt Engel Pit in qualitative Höhen auf, die sonst nur Mario, Link & Co. vorbehalten sind - ein grandioses Spiel, das in allen Belangen, technisch und spielerisch, begeistert! Aber Vorsicht: Die Steuerung könnte manchen zu unbequem sein.
- durchweg überragende Inszenierung
- grafisch das schönste 3DS-Spiel
- spektakuläre Passagen in den Lüften
- aufregende Kämpfe gegen zig Gegner
- coole Bossfights gegen Hydras & Co.
- erinnerungswürdige Musikuntermalung
- Intensitätsmeter & Highscore-Hunger
- Suchtgefahr durch Waffensammeln
- netter Multiplayer, online & lokal
- mächtiger Umfang (über 20 Stunden)
- praktischer 3DS-Ständer mit dabei
- Steuerung evtl. mit Frustpotential
- Hüpfpassagen am Boden sind nervig
- Multiplayer artet in Chaos aus
Tim hat Kid Icarus: Uprising auf dem Nintendo 3DS gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Nintendo zur Verfügung gestellt.



#1 | 31. März 2012 um 21:45 Uhr
Weil 40 Euro sind mir jetzt zu viel bei meinen Zeitmangel
#2 | 1. April 2012 um 18:06 Uhr
DarkRaziel: Hoffentlich bringen sie eine Demo raus, denn sonst warte ich bis es mal günstiger zu bekommen ist. Weil 40 Euro sind mir jetzt zu viel bei meinen Zeitmangel
Bei Zeitmangel würde ich mir einen Kauf auch zwei Mal überlegen, aber ich sage dir: Für kein anderes 3DS-Spiel würde ich lieber 40€ investieren als für Kid Icarus. Es bietet verdammt viel für sein Geld
#3 | 2. April 2012 um 19:00 Uhr
Mal schauen wenn es in UK günstig ist und ich dann mal kaufe es sei denn ein Demo macht mich vorher heiß