
FIFA Football - Review
Auch ohne eine Zahl im Namen will FIFA auf der Vita begeistern ...
Gute Fußballspiele für die stationären Heimkonsolen gibt es zahlreich: Der eine spielt FIFA 12, der andere lieber Konamis Pro Evolution Soccer 2012 und der dritte mag die Arcade-Richtung mehr und greift zum neuen FIFA Street. Aber für unterwegs sind gute Fußballspiele Mangelware - bis jetzt konnte noch kein FIFA oder PES für Sonys oder Nintendos mobile Systeme oder die Smartphones von Apple, Samsung und so weiter wirklich überzeugen. Doch mit FIFA Football, das laut EA eigens für die neue PlayStation Vita entwickelt wurde, soll sich dieser Zustand ändern. Klappt das?





Optisch FIFA 12, spielerisch FIFA 11? Irgendwo habe ich das beides schon gesehen.
Die Menüstruktur ist nahtlos und fast ohne Änderungen aus FIFA 12 übernommen worden. Sogar das Toreschießen im Hauptmenü und während der Ladezeiten hat seinen Platz auf der PlayStation Vita gefunden - und auch sonst sieht alles genau so aus wie es auch auf der PS3 oder Xbox 360 der Fall ist. Selbst das Design der Karriere mit ihrem Transfermarkt und den Zeitungsartikeln ist das gleiche. Im Spiel dagegen macht FIFA Football nicht ganz den Eindruck des großen Bruders, sondern zeigt sich etwas schwächer als erwartet, aber immer noch als ein attraktives Spiel. Das ist sicherlich der Tatsache zuzuschreiben, dass dieses FIFA rechtzeitig zum Vita-Launch fertig werden musste, aber dennoch werde ich das Gefühl nicht los, dass da viel mehr drin gewesen wäre. Rein spielerisch entfernt sich Football jedoch von FIFA 12, denn weder die Player Impact Engine noch das neue Defensivsystem sind mit von der Partie - stattdessen scheint man einfach das Gameplay von FIFA 11 auf das Vita-Modul gepackt zu haben. Das Resultat ist immer noch ein überzeugendes Fußballspiel inklusive authentischer Physik und gutem Schuss-Feedback, aber es wirkt nicht ganz so frisch und damit auch etwas veraltet. Während der Inhalt also ganz dem Jahre 2011 bzw. 2012 entspricht, ist die Spielmechanik von gestern - das ist verschmerzbar, aber irgendwie schade. Vermutlich heißt das Spiel darum auch nicht FIFA 12.
Wofür man sich stattdessen Mühe gegeben hat, ist das Integrieren der aufregenden Vita-Features, die scheinbar in jedem Launch-Titel irgendwo mit hinein mussten. So ist das Schießen in FIFA Football auch möglich, indem man auf dem Rückseiten-Touchpad auf die richtige Stelle tippt - dort schießt der Schütze den Ball dann auch hin. Das ist in der Theorie cool, in der Praxis hat es mich aber genervt, da man die Hände unbequem weit an die Außenseiten des Handhelds schieben muss, was dem Komfort nicht gerade entgegenkommt. Und falls man doch irgendwie aus Versehen auf das Touchpad gelangt, wird der Ball eben ins Niemandsland oder direkt in die Arme des Torwarts geschossen - das ist lästig. Besser ist dagegen das an Pro Evolution Soccer auf Wii erinnernde Passen via Anklicken auf dem Touchscreen, was durchaus ganz gut funktioniert und das misslungene Rückseiten-Schießen wieder etwas ausgleicht. Insgesamt erreicht das Spielgefühl von FIFA Football ein solides Niveau und so hatte ich auch die ganze Zeit über meinen Spaß dabei, die gegnerischen Spieler auszutricksen und meine Konkurrenten vom Platz zu fegen - jedenfalls im Optimalfall, denn die KI ist wie auch bei den großen FIFAs wieder ganz schön gefährlich, sobald man den Schwierigkeitsgrad hinauf schiebt. Aber die Faszination eines richtigen FIFA-Spiels, so wie sie auf den HD-Konsolen stattfindet, konnte dieses Spiel bei mir nie entfachen.
Fazit von Tim:
Warum heißt das Spiel nicht FIFA 11? Weil es veraltet wäre! Warum heißt es nicht FIFA 12? Weil der Name nicht zum Produkt passen würde! Stattdessen heißt das erste FIFA für die PlayStation Vita also FIFA Football - böse Zungen könnten behaupten, EA musste fix improvisieren, um rechtzeitig zum Launch noch ein Fußballspiel auf den Markt zu bringen. Anders kann ich mir auch nicht erklären, warum alles, wirklich alles an FIFA 12 erinnert und das eigentliche Gameplay stattdessen ein Jahr alt ist. Doch trotz dieser Kritik bleibt ein solides Erlebnis übrig, das guten Fußball für unterwegs garantiert, aber niemals die Faszination eines echten FIFAs entfacht. Auch technisch wäre unter dem Strich etwas mehr drin gewesen, wenngleich die Grafik natürlich auf einem überdurchschnittlichen Niveau ist. Wer eine PlayStation Vita besitzt und unterwegs ein virtuelles Fußballspiel erleben möchte, findet derzeit sowieso keine Alternative - und erhält mit FIFA Football ein rundes, aber nicht zu 100% ausgereiftes Spiel.
Kein FIFA 12, kein FIFA 11: FIFA Football ist ein Hybrid aus moderner Menüstruktur und Technik sowie veralteter Spielmechanik. Es macht Spaß, sieht gut aus und ist sehr umfangreich, kann aber nicht wie die großen Brüder begeistern - für unterwegs reicht es.
- gute Steuerung, gutes Spielgefühl
- umfangreiche Auswahl an Spielmodi
- lizenzierte Ligen, Teams & Spieler
- ansehnliche Grafik, viele Details
- Anpassungen an die Vita-Features
- Menüstruktur aus FIFA 12 übernommen
- Rückseiten-Touchpad-Schüsse nerven
- Spielgefühl Mix aus FIFA 11 und 12
Tim hat FIFA Football auf der PlayStation Vita gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Electronic Arts zur Verfügung gestellt.

