Rayman 3 Hoodlum Havoc HD - Review
Der gliederlose Hüpfer ist zurück und will in HD erneut begeistern
Nachdem Ubisoft ihn über die letzten Jahre hinweg erfolgreich ignoriert hatte, wirkt das, was der französische Hersteller aktuell betreibt, fast schon wie ein zweiter Frühling für Rayman: Erst kam die grandiose Neuentwicklung Rayman Origins, die mich im November begeistert hat wie selten ein Jump-'n'-Run davor, danach die erstaunlich gelungene Umsetzung für die PlayStation Vita und jetzt auch noch ein Remake des dritten Teils der Hauptserie: Rayman 3: Hoodlum Havoc HD. Als alter Rayman-Fan und Freund des Originals habe ich mir natürlich auch die Download-Neuauflage angeschaut und analysiert, ob sich die Investition der 9,99 Euro lohnt.





Hilfe, die Hoodlums kommen! Kann einer mal bitte die Kamera reparieren?
Wie man es von einer Neuauflage erwartet, bleibt das Spiel auch im Jahre 2012 genau so, wie es schon 2003 war. Inhaltliche Erweiterungen sucht man vergebens. Man bekommt heutzutage eben in den meisten Fällen nur noch eine leicht aufgehübschte Version des Originals vorgesetzt - und auch Rayman 3 HD schlägt exakt in diese Kerbe. Die einzigen "nennenswerten" Verbesserungen sind wieder einmal die Integration von Erfolgen bzw. Trophäen sowie eine auf dem Papier deutlich höhere Grafikqualität, von der man im Remake eher wenig zu sehen bekommt. Natürlich macht Rayman 3 HD einen besseren optischen Eindruck als das Original von damals, aber man darf eben keinen Vergleich zu modernen Titeln ziehen. Auch der Sound wurde einen Tacken optimiert - klingt also im Endeffekt fast genauso wie 2003. Was nichts schlechtes sein muss, denn der Soundtrack ist nach wie vor sehr gut und die Sprachausgabe witzig. Jedoch bringt die mangelnde Anpassung an das Jahr 2012 auch negative Seiten mit sich, denn neben der Technik sorgt auch die Kameraführung für Ernüchterung. Viel zu oft musste ich mir hässliche Wandtexturen anschauen, anstatt die nächste Hüpfsequenz hinter mich zu bringen. Warum? Weil sich die Perspektive nur schlecht konfigurieren lässt und die Kamera gerne mal hinter Objekten verschwindet. Es ist nicht allzu viel verlangt, dass man sich bei einem Remake etwas mehr Mühe gibt.
Wie dem auch sei: Im Kern ist Rayman 3 HD auch heute noch ein gutes Spiel, wenngleich es längst nicht mehr so begeistern kann wie die Genre-Konkurrenz und schon gar nicht so wie das grandiose Rayman Origins. Das Leveldesign hatte ich zwar ebenso wie den Schwierigkeitsgrad der Kämpfe fordernder in Erinnerung, aber alles in allem wird man etwas mehr als zehn Stunden auf solidem Niveau unterhalten. Für die besondere Würze sorgen neben der fröhlichen Inszenierung vor allem die Bosskämpfe, allen voran die letzten - hier konnte der Funke von damals endlich wieder richtig rüberspringen. Leider ist das komplette Spiel aber viel, viel, viel zu leicht: Sowohl die Plattform-Passagen als auch die Kämpfe sind ein Witz und enden viel zu selten mal im Scheitern. Dafür bietet Rayman 3 immer noch viel Abwechslung, besonders durch die coolen Fähigkeiten-Anzüge, die Rayman im Laufe des Spiels erhält. Mal ist er extrem stark und kann feste Türen zerschmettern, ein anderes Mal kann er sich mit Greifhäken durch die Gegend schwingen und ab und an fliegt er auch dank eines Helikopter-Huts flugs in die Höhe. Die Kämpfe gegen die dümmlichen Gegner sind nett, aber keine Offenbarung. Positiv sticht dagegen erneut die hohe Vielfalt in grafischer Hinsicht auf, da man sowohl grüne Wälder als auch düstere Sumpfgebiete und verschneite Berggipfel bereist. Cool sind auch Rennspiel-Sequenzen und kleinere Rätsel.
Was es sonst noch so über Rayman 3 zu erzählen gibt ...
Die Story ist erwartungsgemäß nicht besonders aufregend, allerdings wird sie herrlich überzogen und lustig in Szene gesetzt - speziell die "Arztbesuche" mit Globox sind Highlights der gesamten Spielerfahrung. Es geht eigentlich nur darum, dass die bösen schwarzen Lums entkommen sind und Raymans großer blauer Freund einen von ihnen verschluckt hat - wie es der Zufall will, war es auch noch der fieseste von allen. Man versucht also, Andy (so der Name des Lums) irgendwie aus Globox' Bauch zu bekommen und die Bösewichte loszuwerden. Das war es eigentlich auch schon, denn erzählerisch bietet Rayman 3 nicht viel. Das war damals so, das ist heute immer noch so.
Fazit von Tim:
Rayman 3: Hoodlum Havoc bleibt auch durch das kleine "HD" am Ende immer noch das gleiche Spiel. Ubisoft hat sich keine Mühe gegeben, den Titel irgendwie inhaltlich zu erweitern, sodass einen eigentlich das originale Erlebnis erwartet - nur eben dieses Mal einen Tacken schöner und wohlklingender in den Ohren. Leider bleibt damit auch die teils missratene Kameraführung aktuell. Alleine diese kleine Verbesserung hätte dem Spiel bereits gut getan. Wer Rayman 3 bereits aus dem Jahre 2003 kennt, der sollte sich dieses Remake nur zulegen, wenn er dringend in Nostalgie schwelgen will - das Original erfüllt nämlich den gleichen Zweck. Für 9,99€ kann man jedoch nicht allzu viel falsch machen, weswegen ihr ganz für euch entscheiden müsst, ob sich die Investition lohnt oder nicht. Rayman 3 ist ein gutes Spiel, ob in SD oder HD, auch wenn es im Jahre 2012 selbstverständlich nicht mehr mit der starken Konkurrenz mithalten kann. Zu leicht ist es natürlich auch nach wie vor. Alles eben wie 2003!
Mehr Portierung als Remake, aber dennoch ein gutes Spiel: Rayman 3 sorgt trotz nerviger Mankos wie der unpräzisen Kameraführung für einige Stunden solider Unterhaltung. Das "HD" im Titel dient jedoch nur zu Vermarktungszwecken - toll sieht Rayman 3 nicht aus.
- gleiches Spielerlebnis wie damals
- minimale grafische Schönheitskur
- mit Trophäen für Perfektionisten
- günstiger Preis
- nach wie vor zickige Kameraführung
- wirkt nicht mehr wirklich taufrisch
- insgesamt nur wenige Veränderungen
Tim hat Rayman 3 Hoodlum Havoc HD auf der PlayStation 3 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Ubisoft zur Verfügung gestellt.




#1 | 27. März 2012 um 18:09 Uhr