Dragon's Dogma - Preview
Democheck: Das Monster Hunter der westlichen Welt kommt aus Japan?
Drachen, Greife, Chimären - was für uns fast schon alltägliche Begriffe in westlichen Fantasy-Rollenspielen sind, ist für die Japaner eher ungewöhnlich. Und doch spielen diese Kreaturen ausgerechnet in Capcoms "größtem Actiontitel aller Zeiten" eine wichtige Rolle! Mit Dragon's Dogma will man nicht nur die Tür für eine populäre neue Franchise neben Street Fighter, Resident Evil & Co. öffnen, man will den Titel auch speziell für das westliche Publikum maßschneidern und investiert dafür viel Geld. Bisher allerdings kamen westliche Spiele von Capcom mehr schlecht als recht an - gerade Dark Void oder Bionic Commando floppten finanziell total. Mit Dragon's Dogma soll sich dieser Status nun ändern. Ob das an Monster Hunter erinnernde Rollenspiel Potential zum Hit hat, kann man anhand der kürzlich veröffentlichten Anspielversion herausfinden ...





Aber egal, ein Spiel kann ja auch alleine viel Spaß machen - es braucht nicht immer unbedingt einen Multiplayermodus. Und außerdem ist Dragon's Dogma ja nicht wie Monster Hunter ein reines Action-Adventure mit unterschiedlichen Jagd- und Sammelquests sowie festen Umgebungen, sondern ein fettes Open-World-Rollenspiel. Allerdings bekommt man in der Demo recht wenig davon mit, weswegen ich mir keinen Einblick der RPG-Funktionen verschaffen konnte - schade. Immerhin darf man sich bereits jetzt seinen eigenen Helden bzw. seine eigene Heldin erschaffen und zusätzlich dazu auch seinen persönlichen Vasallen, sprich: Gehilfen, generieren. Der Charakter-Editor ist recht umfangreich und von Nasengröße über Haarfarbe bis hin zu Speckanteil und Oberweite lässt sich alles nach Belieben anpassen. Schon hier wird deutlich, dass Dragon's Dogma zwar aus Japan stammt, sich aber so gar nicht japanisch anfühlt. Und genau das ist auch Capcoms Hintergedanke: Mit diesem Spiel will man die westliche Zockergemeinde ansprechen und expandieren. Es erwarten einen also keine meterlangen Schwerter, keine grünen, blauen und rosaroten Haarprachten, keine seltsamen Kleidungsstile - westlich bedeutet für Capcom: Wir packen alle Klischees des westlichen Rollenspiels in einen Topf. Drachen, Abgesandte, Legenden, düstere Mittelalter-Fantasy, Kobolde. Es besteht dabei die Gefahr, dass Dragon's Dogma auf Dauer zu generisch, zu statisch, zu langweilig wird - aber das kann die Demo natürlich nicht beantworten, da man insgesamt zu wenig - und zu wenig Neues - zu sehen bekommt.
Zwei unterschiedliche Missionen kann man anspielen. Eine davon gab es bereits letztes Jahr auf der gamescom zu sehen: ein Kampf gegen einen riesigen Greif. Die Schlacht findet unter freiem Himmel statt, was uns auch erlaubt, einen genaueren Blick auf die Technik zu werfen. Die ist zumindest in der Demo ganz gut, aber weit entfernt von dem, was uns heutzutage grafisch umhauen könnte - auf den Konsolen bieten andere Spiele (z.B. TES V: Skyrim oder Kingdoms of Amalur: Reckoning) bessere Animationen und mehr Details. Trotzdem war der Kampf gegen den imposanten Greif irgendwie beeindruckend und fesselnd. Nachdem man ihn erledigt hat, stellte sich auch ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit ein - sehr schön. Aber das kennt man ja alles bereits aus der Demo von der gamescom, weswegen der zweite Abschnitt viel interessanter ist. In diesem ist man in düsteren Ruinen unterwegs und trifft nicht nur auf die große Chimäre, sondern auch auf zahlreiche kleine Feinde. Hier bietet sich ein Blick auf das Kampfsystem an: Fast ein Dutzend verschiedene Angriffstechniken stehen der Kriegerklasse zur Verfügung, was in vielfältigen Echtzeit-Kämpfen resultiert. Das Highlight in Dragon's Dogma werden aber natürlich die Bosskämpfe sein, mit denen Capcom das Spiel auch anpreist. Die Chimäre war jedoch erstaunlich einfach zu erlegen und forderte nur wenig Taktik. Es reichte, sich an ihr festzuhalten und auf sie einzuschlagen - hoffentlich ändert sich das in der Vollversion.
Mit knapp 20-30 Minuten Spielzeit ist die Demo nicht sonderlich umfangreich, aber sie reicht auf jeden Fall für einen kurzen Einblick in Dragon's Dogma. Mir hat das Anspielen gut gefallen, allerdings fehlte noch der Kick, das Besondere, das Einzigartige - für ein Projekt dieser Größe (laut Capcom) ist mir das momentan einfach zu wenig. Und hier und da besteht auch noch Nachbesserungsbedarf, was den Komfort angeht - man wird ja geradezu zugemüllt mit Nachrichten und Anzeigen! Andererseits weiß ich ja noch so gut wie nichts über das Rollenspiel, die offene Welt, das Missionsdesign, die restlichen Bosskämpfe und über die Story - hier könnte das Spiel dann doch noch seine Joker zücken. Wer sich einen ersten Eindruck von Dragon's Dogma verschaffen will, sollte sich die Demo auf jeden Fall mal anschauen, aber lieber nicht zu viel erwarten. Am 25. Mai wird die Vollversion veröffentlicht und ich bin gespannt, was mir Capcom dann serviert. Im besten Fall einen Rollenspiel-Geheimtipp mit der Faszination eines Monster Hunters, im schlechtesten Fall immer noch ein solides Action-Adventure.


#1 | 25. April 2012 um 21:29 Uhr