Paper Mario: Sticker Star - Review
Good Old Mario auf den Spuren von Papierfliegern und Origami in 3D!
Wenn der Nintendo 3DS von einem mehr als genug hat, dann von Mario-Spielen. Alleine dieses Jahr ist der muntere Klempner satte drei Mal in 3D unterwegs: Zuerst auf dem Court in Mario Tennis Open, dann im Pilz-Königreich in New Super Mario Bros. 2. Und am 7. Dezember startet er mit Paper Mario: Sticker Star zum letzten Mal in 2012 auf dem 3DS durch. Ist das zu viel des Guten oder hält die Faszination rund um Prinzessin Pfirsich, plappernde Pilze und Power-Ups immer noch an? Zumindest eines sei im Vorfeld dieser Review gesagt: Paper Mario war noch nie das gleiche wie andere Mario-Spiele und hat immer schon einen Sonderstatus eingenommen. Mit Sticker Star entfernt sich die Serie aber zunehmend von ihren Wurzeln. Was ursprünglich als Rollenspiel light begann, ist heute etwas ganz anderes. Die Frage ist nur, ob die neue Ausrichtung das Spiel besser macht oder ob Paper Mario in einer Identitätskrise steckt. Alles begann am Tag des Sticker-Fests ...





Dreidimensionalisierte zweite Dimension? Klingt komplex, sieht verdammt gut aus!
Durchgeatmet? Sehr schön! Dann können wir uns nun den vielen schönen Seiten des neuen Mario-Abenteuers zuwenden. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn Paper Mario: Sticker Star sieht schlichtweg umwerfend aus! Der Nintendo 3DS ist nicht das Hardware-Monster, das die PlayStation Vita ist, aber was Paper Mario hier auf den oberen Bildschirm zaubert, ist stellenweise atemberaubend und macht sich die 3D-Fähigkeiten des Handhelds nach Super Mario 3D Land endlich einmal sinnvoll zu Nutze. Paper Mario ist ja auch geradezu prädestiniert für den 3DS: Der charmante Mix aus 2D- und 3D-Grafik, den wir ja schon auf N64, GameCube und Wii zu Gesicht bekamen, wirkt in der dritten Dimension noch ein ganzes Stück liebevoller und ansehnlicher. Natürlich sieht das Spiel auch mit deaktiviertem 3D noch gut aus - allerdings ist Sticker Star eines dieser Spiele, bei denen man den Regler nur dann herunterschiebt, wenn der Akku langsam zur Neige geht. Auch der Regler für die Lautstärke war bei mir die gesamte Spielzeit über am Anschlag, da mir die stimmungsvollen Hintergrundmelodien und witzigen Sound-Effekte richtig gut gefallen haben. In technischer Hinsicht gibt sich Mario erneut keine Blöße.
So streife ich mit meinem platten Mario durch die verschiedenen Welten & Levels, die sich - wie man es erwartet - thematisch an dem orientieren, was man nun seit Jahren schon kennt. Man könnte es schon fast ein Ritual nennen, dass man zunächst in einer grünen Wiesen- und Waldlandschaft beginnt und anschließend die sandige Wüste durchquert. Auch eine Schnee- & Eis- sowie eine Feuerwelt werden erkundet. Das ist sicherlich ein Punkt, den man an New Super Mario Bros. U für die Wii U ankreiden könnte - bei Paper Mario: Sticker Star dagegen wirken die Umgebungen noch frisch und unverbraucht und sprühen innerhalb der Levels vor Kreativität. Wann zuvor musste man schon einmal einen gigantischen Ventilator vor einer Windmühle platzieren, um die Flügel von der Tür wegzudrehen? Oder einen riesigen Wasserhahn an einem Wasserkrug befestigen, um eine ausgetrocknete Oase wieder zu einem blühenden Paradies zu verwandeln? Zusätzlich zu diesen interaktiven und optisch toll in Szene gesetzten Puzzles ist auch das generelle Leveldesign weit besser als ich das erwartet hätte. Überall gibt es versteckte Truhen, geheime Routen, seltene Sticker und interessante Nebenbeschäftigungen zu entdecken - und die Kamerafahrten bei Bewegungen um's Eck erinnern angenehm an Mario Galaxy.
Soweit, so gut. Und es hätte noch besser werden können, wenn das Kampfsystem nicht so nervig wäre.





Ich hüpfe gern, ich sammle gern - aber das ständige Kämpfen bin ich leid. Sorry.
Wer Super Paper Mario auf der Wii gespielt hat oder kennt, der weiß größtenteils, was er vom 3DS-Ableger erwarten kann: Sticker Star ist kein "Rollenspiel lite" mehr. Stattdessen stehen Hüpfpassagen und Puzzle-Einlagen im Vordergrund. Kämpfe nehmen nur noch einen kleineren Teil des Gameplays ein - und genau hier stellt sich Sticker Star selbst ein Bein. Warum zwingt es mich immer und immer wieder zu langweiligen Kämpfen, ohne mir einen Anreiz dafür zu geben? Warum werde ich für erfolgreiche Kämpfe nur mit ein paar Münzen belohnt, von denen ich ohnehin schon mehr als genug habe? Weshalb sind die Kämpfe so einfach und so zahlreich, dass sie auf Dauer einfach keinen Spaß mehr machen? Paper Mario ist ein gutes Spiel, aber mit einem besseren Kampfsystem hätte es ein hervorragendes sein können.
Und das, obwohl die Idee dahinter eigentlich richtig gut ist: Mann sammelt überall in der Spielwelt Sticker und setzt sie in einem rundenbasierten Kampf strategisch gegen seine Feinde ein - jeder Sticker hat einen anderen Effekt und durch präzises Timing kann man den Schaden noch erhöhen. Doch selbst die beste Idee scheitert an einer mäßigen Umsetzung. "Nicht noch ein Gumba!", "Oh nein, schon wieder ein Flappflapp!" oder "Verzieh dich, du dämliches Stachelviech!" sind nur ein paar der Gedanken, die mir durch den Kopf schossen. Warum nur, Nintendo? Warum lasst ihr mich nicht selbst entscheiden?!
Doch es wird noch schlimmer. Während normale Gegner eine Trefferzahl von etwa 6 bis 20 Punkten haben, stecken die seltenen Bossgegner weitaus mehr Schaden ein. Besonders beim Bosskampf gegen eine riesige "Sandpflanze" in der zweiten Welt bin ich förmlich verzweifelt - das Monster hat allen Ernstes mehr als 300HP. So verschwendete ich Sticker für Sticker, große Sticker, kleine Sticker, schwache Sticker, starke Sticker, und stand am Ende mit leeren Händen da, als der Feind nur noch 20HP hatte. Ich habe über 20 Minuten lang mein gesamtes Repertoire an Stickern verfeuert, nur um am Ende zu verlieren, weil mir die Waffen ausgingen. In solchen Momenten macht Paper Mario: Sticker Star keine Freude, sondern sorgt für Frust und Unverständnis. Die Standard-Kämpfe sind unfassbar einfach, die Bosskämpfe unfair und blöd. Selbst die stärksten Sticker wie Scheren, Limonade, Staubsauger, Ventilator oder Baseballschläger richten nur eine begrenzte Menge an Schaden an. Trial & Error steht einem Spiel mit rundenbasiertem Kampfsystem und speziell Paper Mario extrem schlecht zu Gesicht.





Da, der Bunt-Glitzer-Wurfhammer! Das Blatt, die Feuerblume! Mehr Sticker, mehr!
Es ist schade, dass ausgerechnet das Kampfsystem nicht so gelungen ist wie ich es mir gewünscht hätte. Denn wofür sonst soll ich mein Sticker-Album mit Blumen, Blättern, Bomben, "Sprüngen" (die als Schuhe dargestellt werden), Hämmern, Stachelkugeln, Panzern und sonstigem Kram füllen? Zwei weitere Anreize gibt es schon: Zum einen kann man das umfangreiche Sticker-Museum mit Aufklebern füllen. Zum anderen werden viele besondere Sticker wie Ventilatoren, Trompeten oder Staubsauger für spezielle Puzzles benötigt, die manchmal jedoch an Logik vermissen lassen (Warum kann ich Wiggler nur mit der Trompete, nicht aber mit einem Presslufthammer aufwecken?) - zudem kam man hier auf die selten blöde Idee, einen falsch verwendeten Sticker nicht ins Album zurückzunehmen, sondern zu vernichten. Für beide dieser Elemente lohnt sich die Erkundung der Umgebung und die Suche nach noch größeren, noch stärkeren, noch selteneren Stickern zwar, ein ausgereifteres und anspruchsvolleres Kampfsystem hätte dem Spiel trotzdem viel mehr Motivation verliehen. Und nicht jeder mag Sammeln.
Wofür man Paper Mario: Sticker Star allerdings nicht kritisieren kann: für seinen schierer Umfang und die Menge an kreativen Ideen. Alleine für die ersten beiden Welten mitsamt Bosskämpfen und Geheimnissen gehen locker 7-8 Stunden Spielzeit drauf - und erst danach wird es so richtig interessant, wenn man in die nächsten Welten gelangt. Über eine zu kurze Spieldauer kann ich mich nicht beklagen und ebenfalls schön ist, dass das Spiel nie langweilig wird. Jedes neue Level verspricht frische Einfälle, coole neue 3D-Animationen, spannendere Sticker und anspruchsvollere Hüpfpassagen - Dinge, die man unbedingt kennen lernen will und für die man allen Ärgernissen zum Trotz bereit ist, sich durch so manchen schleppenden und nervtötenden Kampf zu klicken.
Bevor ihr selbst Hand an Paper Mario: Sticker Star anlegen und euch in das Papier-Abenteuer stürzen dürft, müsst ihr euch aber noch einige Zeit gedulden, denn Release ist nämlich erst am 7. Dezember. Warum es trotzdem schon eine Review gibt? Nintendo war so freundlich, dem lieben Team von pressakey bereits im voraus einen Download-Code auszuhändigen :-)
Fazit von Tim:
Paper Mario: Sticker Star ist ein gutes Spiel, welches das 3DS-Jahr 2012 mit einem kleinen Höhepunkt zu Ende führt und welches auch in Jahren noch als Showcase für die 3D-Technik des Handhelds funktionieren wird. Nintendo hat viel Kreativität, viele Ideen, viel Liebe zum Detail in dieses Spiel fließen lassen und sich sichtlich Mühe gegeben. Doch so schön die Grafik, so charmant das Design und so toll die Levels und Umgebungen auch sind, das alles reicht einfach nicht, um das schwache Kampfsystem zu kompensieren. Nichtsdestotrotz ist Sticker Star ein Garant für viele Stunden Hüpf- und Sammelspaß vor einer stellenweise sehr beeindruckenden Kulisse. Ich finde es nur unheimlich schade, dass ein im Grunde so gelungenes Spiel ausgerechnet von seinen Kämpfen heruntergezogen wird. Dass Sticker Star - ähnlich wie Super Paper Mario - spielerisch nur noch wenig mit den Wurzeln der Serie zu tun hat, ist dabei nur ein kleiner Wermutstropfen und spielt spätestens nach ein, zwei Levels keine Rolle mehr. Als Hybrid zwischen Puzzlespiel und Jump'n'Run funktioniert das Spiel ebenso gut wie als Rollenspiel light. Für eine uneingeschränkte Kaufempfehlung reicht das Dargebotene nicht - dazu sind die Kämpfe manchmal einfach zu nervig und frustrierend. Aber der Rest des Spiels ist so überzeugend und unterhaltsam, dass ihr dem Spiel mindestens eine Chance geben und euch selbst daran versuchen solltet. Es ist nicht so flach wie es aussieht.
Wären die Kämpfe nicht so nervig und die Bossgegner nicht so unfair, hätte Paper Mario einer der ganz großen Titel für den Nintendo 3DS werden können. So ist es "nur" ein gutes Jump'n'Run mit kreativen Ideen und tollem 3D, das aber unter seinen Möglichkeiten bleibt.
- detailverliebte Grafik-Kulisse, die in 3D (und 2D) einfach wundervoll aussieht
- erinnert oft angenehm an Mario Galaxy
- charmante & humorvolle Inszenierung
- tolles Leveldesign, viele Geheimnisse
- viele Sticker führen zu Sammeltrieb
- mächtiger Umfang, mehr als 20 Stunden
- theoretisch interessantes Kampfsystem
- Kämpfe sind zu leicht, selten spaßig
- zu viele Kämpfe sind unausweichlich
- z.T. Trial & Error bei Bosskämpfen
- Backtracking generell unerlässlich
- Sticker weg nach Falschnutzung
Tim hat Paper Mario: Sticker Star auf dem Nintendo 3DS gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Nintendo zur Verfügung gestellt.


#1 | 22. November 2012 um 09:58 Uhr
#2 | 7. Dezember 2012 um 12:37 Uhr