Anno Online - Preview

Im Jahre 1998 war es, als Anno 1602 das Licht der Welt erblickte, um etwas Abwechslung in das von Siedler und Civilization dominierte Aufbaugenre zu bringen. Seitdem hat sich viel getan, es folgten zahlreiche Ableger unterschiedlicher Epochen, bei denen der Spieler zuletzt in Anno 2070 die Welt in der Zukunft besiedeln durfte. Jetzt folgt von Ubisoft der nächste logische Schritt, denn nach dem erfolgreichen Siedler Online folgt nun auch Anno Online - und das kann sich mit bewährtem Mittelalter-Setting durchaus sehen lassen.


Die Komplexität liegt im Detail



Veteranen, die das Spiel zum ersten Mal starten, werden sich umgehend heimisch fühlen: Ein Kontor am Strand und eine Insel mitten im Ozean begrüßen uns und lassen sofort den Anno-Flair aufleben. Aber auch Franchise-Neulinge werden sich schnell einfinden, denn kurz nach dem Start begrüßt uns bereits das Tutorial, welches den Spieler fortan - wie bei Browsergames üblich - mit Aufgaben füttert und dadurch zeitgleich die Spielmechanik beibringt. Wie gehabt fangen wir klein an: ein Bauernhaus gilt es zu bauen. Prompt gibt es dafür eine Belohnung und die nächsten Aufgaben, denn Bauern haben Hunger und neue Gebäude verlangen nach Holz. Also bauen wir am Strand eine Fischerhütte und im nahegelegenen Wald einen Holzfäller. Dicker Pluspunkt: Ressourcen wie Stein, Holz und Getreide gehen nicht "leer" - man kann sich also sparen, Minen und Gebäude immer wieder abzureissen und neu aufzubauen. Wenn das fragile Ökosystem mal läuft, dann läuft es.

Was danach folgt ist obligatorisch und fügt sich perfekt in das Anno-Universum ein: Aus kleinen Produktionszyklen entwickeln sich nach und nach komplexe Strukturen, eine gut durchdachte Logistik ist das A und O jeder Siedlung: Ist der Bäcker nah genug an der Mühle, bekommt diese genug Getreide von den umliegenden Bauern und hat die Spinnerei genug Wolle von der Schaffarm? Wenn ja, habe ich genügend Marktkarren, die das Material transportieren? Wenn alles funktioniert, wollen die Bauern mehr. Denn anfängliche Bedürfnisse wie Nahrung und Milch werden bald steigen. Schutz ist gefragt und eine Kirche für den Glauben, während ein Marktplatz die Gemeinschaft stärkt. Wenn alles erfüllt ist, können die Bauern zu Handwerkern aufsteigen, die mehr Geld in die Staatskasse spülen, aber auch höhere Ansprüche haben. Nach und nach baut man sich so von einem Dorf in eine komplex geplante Stadt hinauf. Nettes Gimmich: Man kann sich selbst aus unzähligen Vorlagen einen Avatar zusammenbasteln und diesen auch individualisieren; egal ob Augenwinkel, Nasenhöhe oder Mundposition - man hat überraschend viel Auswahl, seinen digitalen Herrscher zu erschaffen.


Anno Online



Technik, die begeistert: So schön kann browsen sein ...



Das Spielprinzip ist also gleich geblieben und ist vom "Ur"-Anno mit einigen Modernisierungen in den Browser verfrachtet worden, nur eben in hübsch. Obwohl es sich um ein clientloses Browsergame handelt, kann sich die Technik wirklich sehen lassen - und das meine ich wörtlich. Während im Hintergrund ein angenehmer Soundtrack läuft, bekommt speziell das Auge Browserkost vom Allerfeinsten geboten: fast stufenlos können wir auf der Karte zoomen, die Meisten der sehr detaillierten und mit liebevollen Details gespickten Gebäude lassen sich fest in jeweils 90°-Schritten drehen und frei platzieren. Auch das umherscrollen erfolgt auf schwachen Rechnern ruckelfrei. Animierter Rauch aus Schornsteinen, dummfröhliche Schafe und umherwandelnde Bürger sorgen für Leben auf dem Schirm. Zwar sind die Animationen spärlich, fügen sich aber gut in den Retro-Charme ein und unterstreichen perfekt die Atmosphäre.

Übrigens: Wer Siedler Online gespielt hat, wird einige Parallelen erkennen, denn optisch orientieren sich beide Spiele sehr nah aneinander, auch wenn Anno natürlich realistischer daher kommt, als die bunte Knubbeloptik der Wuselfraktion. Dennoch: Ich möchte fast sagen, dass Anno Online das bist dato schönste Spiel ist, das jemals das Licht der Browserwelt erblickt hat.


... aber was sagt mein Geldbeutel dazu?



Natürlich teilt sich Anno Online mit anderen Browsergames ein Geschäftsmodell: Micro-Payment. Man möchte ja schließlich Geld verdienen. Anders als in den "normalen" Anno-Titeln gibt es daher natürlich keinen "Vorspulen"-Knopf. Wer also Zeit sparen will, muss in den Geldbeutel greifen, um sich später im Spiel Diamanten zu kaufen - oder eben Geduld haben. Mit den Diamanten kann man sich im Shop virtuelle Güter wie Holz, Stein, Gewürze & Co. kaufen. Trotz allem ist Anno für Browserverhältnisse - und vor allem im Vergleich mit dem hauseigenen Konkurrenten Siedler Online - sehr zügig. Das liegt vor allem daran, dass es keine Bauzeiten gibt. Gebäude auswählen, platzieren und läuft. So kann man binnen weniger Stunden schon eine ansehnliche Siedlung errichten. Gebremst wird man eher beim Rohstoff-Nachschub, weshalb man eben auch nur selbige im Shop kaufen kann. Wer allerdings seine Infrastruktur ordentlich plant, der dürfte in kürzester Zeit - zumindest am Anfang - immer volle Lager haben, insofern nicht, wie eingangs erwähnt, noch etwas drastisch am Balancing geändert wird. Auch essenzielle Dinge wie das Handeln mit anderen Spielern oder das anfertigen von Boostern, um z.b. mehr Marktkarren oder höhere Produktionsraten zu ermöglichen, fehlen noch in der Beta.

Wer jetzt übrigens gleich loslegen will, den müssen wir kurz ausbremsen. Aktuell läuft die geschlossene Beta von Anno Online und entsprechend ist es noch nicht möglich, einfach wild drauflos zu bauen, was für Spieler im Moment ohnehin nicht ratsam ist. Da Ubisoft und BlueByte fast täglich an dem Balancing schrauben und auch mal vor einem kompletten Reset aller Spielstände nicht zurückschrecken, sind im Moment vor allem die Bug-Jäger gefragt.



HerrBeutel

Fazit von Philipp:

So schön waren Browser-Games noch nie

Das hätte ich nicht erwartet: Anno Online ist nicht nur ein weiterer großer Name, der als Browsertitel vermarktet wird um den Spieler zu schröpfen, sondern eine liebevolle Portierung des "klassischen" Anno in die Online-Welt, das mit viel Liebe zum Detail alte Fans begeistern und neue gewinnen will. Natürlich erfordert die Beta noch einige Tweaks, hier und da müssen noch einige Schrauben angezogen werden (bei mir funktioniert z.B. das Spiel nicht in Chrome, dafür aber in Safari), aber alles in allem macht der Titel einen rundum gelungenen Eindruck. Es bleibt abzuwarten, wie das Spiel sich entwickelt und was es vor allem für Spieler bietet, die schon mehrere Wochen und Monate gespielt haben, aber ungern in den Geldbeutel greifen. Hier hat nämlich vor allem der hauseigenen Titel Siedler Online bei mir verspielt, da die Wartezeiten irgendwann einfach absurd wurden. Ich hoffe, Anno Online macht das besser.

Besonders gut finde ich ...
  • Einfacher Einstieg
  • Kaum Abstriche im komplexen Ökosystem
  • Bewährtes Anno-Feeling
  • Enormes Suchtpotential
  • Wunderschöne Präsentation
  • Viel Liebe zum Detail
Nicht so optimal ...
  • Die Frage der Langzeitmotivation, wenn man nicht gerne Geld investiert
  • Freunde und Interaktionen noch eher rudimentär
Anno Online - Boxart
  •  
  • Entwickler:Ubisoft
  • Publisher:Ubisoft
  • Genre:Aufbau-Strategie
  • Plattform:PC, Browser
  • Release:08.10.2012

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Kommentare & Likes

Folgenden Usern gefällt der Beitrag: Orlanda ... und 2 Gästen.
  • VanDeLordDon
    #1 | 17. Dezember 2012 um 18:00 Uhr
    Ich find den Test gut beschrieben das Fazit hat mich etwas heiß auf das Game gemacht aber ich kann es nicht spielen mir fehlt dazu ein sogenannter Beta key wo bitte bekomm ich sowas her
    würde mich un eine Antwort sehr freuen Danke
    Don
  • Tancred
    #2 | 23. Dezember 2012 um 20:46 Uhr
    @Vandelorddon: Beta-Keys gibts ja jetzt hier bei PAK  

    Habs jetzt mal angespielt und bin sehr positiv überrascht. Richtig gespielt hab ich eigentlich nur das Original 1602, und die Browservariante nun ist doch schon ziemlich ähnlich, was ich persönlich richtig toll find. Hat jedenfalls Potential.

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