The Walking Dead - Review
Decisions used to be easy, huh?! Die Sache mit den Entscheidungen.
Mit dem ersten Satz aus der Überschrift leitet Ashley Johnson, die Voice Actress von Ellie aus The Last of Us, den TV-Commercial für selbiges Spiel ein. Entscheidungen. Genau das ist auch ein dominierendes Thema im hochgelobten Adventure von Telltale Games, welches dieser Tage mit "400 Days" einen kleinen Zusatz-DLC für die erste Staffel erhalten hat. Darin werden euch fünf neue Charaktere vorgestellt, jeder mit seiner eigenen Story und Perspektive auf die Apokalypse, die in der ersten Staffel von The Walking Dead begann. Ich habe mir diesen recht kurzen DLC, der als Überbrückung bis zur zweiten Staffel dient, angeschaut und lasse hier nochmal das komplette Spiel Revue passieren - spoilerfrei, versprochen.
Kunterbunt ade - Let's get adult, dark and serious
Telltale Games wagt sich mit The Walking Dead endlich heraus aus dem knuffig-knuddeligen Charakterdesign seiner vergangenen Adventure und hat mich bereits mit der ersten Episode überrascht, auch wenn ich da noch skeptisch war. Ähnlich wie seinerzeit Heavy Rain, setzt auch TWD mehr auf Story und Inszenierung, als auf innovatives Gameplay - allerdings muss dies nicht immer etwas schlechtes bedeuten, wie uns u.a. Quantic Dream bewiesen hat. Natürlich kann man auch hier bedingt umherlaufen und muss diverse Objekte betrachten und benutzen und mit anderen Personen Gespräche führen, rückblickend betrachtet werden aber nun mal viele Animationssequenzen abgespielt, zwischendurch erwarten einen dann Passagen mit Quick-Time-Events und einem eher überschaubarem Gameplay. Zudem dominieren Dialoge, die man meist unter Zeitdruck führt und teilweise gar nicht alle Auswahlmöglichkeiten lesen kann, bevor der Timer abgelaufen ist - aber genau das, trägt auch wesentlich und positiv zur ganzen Atmosphäre bei.
Schließlich sind wir umgeben von Infizierten bzw. Walkern, jeder Schritt könnte unser letzter sein und auch wenn wir das ein oder andere gerne überdenken würden, manche Dinge muss man spontan, schnell oder aus dem Bauch heraus entscheiden - ob dies dann richtig oder falsch war, zeigt sich auch in The Walking Dead meist erst hinterher - wie im echten Leben. Dieses bedrückende Gefühl der Angst, der Hilflosigkeit und der Bedrängnis wird dem Spieler nicht zuletzt auch durch die großartigen Charaktere des Spiels wunderbar vermittelt.





The Dark Side of Telltale is good
Nicht nur das Charakterdesign ist düsterer geworden, auch die Thematik mit der sich das neueste Adventure das kalifornischen Entwicklerstudios beschäftigt, und vor allem wie dies umgesetzt wurde, ist großartig. Klar, man hat gemeinsam mit Robert Kirkman, dem Schöpfer von The Walking Dead, eine Story abseits der in der Comic- und TV-Serie gezeigten Überlebenden kreiert, und damit sicherlich eine tolle Basis geschaffen. Dies dann aber auch authentisch in ein Spiel zu packen, bleibt sicherlich eine Kunst für sich. Das ist Telltale Games auf jeden Fall gelungen, und auch die USK 18 Freigabe kommt nicht von ungefähr. Viele der Entscheidungen gehen buchstäblich unter die Haut und lassen den Spieler mit offenem Mund auf den Bildschirm starren - Emotionen, Gänsehaut und
An dieser Stelle kommt auch wieder der Zusammenhang zur Überschrift "Decisions used to be easy" zum tragen. Denn im besagten TV-Spot von The Last of Us gehen diese Fragen noch weiter: "Could you tell friend from foe?" (Kannst du Freund von Feind unterscheiden?), "Could you kill?" (Würdest du töten?), "Could you do worse?" (Oder gar Schlimmeres?), "If a loved one was infected, could you do the right thing?" (Wenn ein geliebter Mensch infiziert wäre, könntest du das Richtige tun?), "Could you put your life on the line for me, the way that I would for you?" (Würdest du dein Leben für mich opfern, genau wie ich meins für dich?) ...
Einige eurer Entscheidungen im Spiel haben unmittelbare Auswirkungen, andere werden sich im späteren Spielverlauf bemerkbar machen. Hier erlebt man auch wirklich teilweise ganz andere Spielabschnitte, wodurch sich euer Spielerlebnis komplett von dem eines anderen unterscheiden kann und auch ein Pluspunkt für den Wiederspielwert ist. Das wirklich tolle an dem Spiel ist, dass die Walker eher zu Nebendarstellern werden, so komisch das zunächst auch klingen mag, im Vordergrund stehen die Überlebenden und deren Umgang miteinander bzw. die Reaktionen auf etwaige Entscheidungen die man trifft. Recht schnell entwickelt man eine Verbundenheit zu den beiden Hauptcharakteren, Clementine und Lee, und wird selten die Sorge und Angst um das Schicksal des kleinen Mädchens los. Bei vielen anderen Überlebenden denen ihr im Laufe des Spiels begegnet, verhält es sich meist nicht anders, dramatische Wendungen, Enttäuschungen und blanke Not - sind nur einige Dinge, mit denen Robert Kirkman uns in seiner Geschichte aus der Reserve lockt.





Mein Game of the Year 2013?! Bis jetzt ja.
Theoretisch könnte man den o.g. TV-Spot für das neueste Naughty Dog Survival-Adventure auch nahezu 1:1 für Telltale Games' Meisterwerk verwenden - denn genau diese Fragen beschreiben das Spiel haargenau und auf den Punkt. Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, dass The Walking Dead eine weitaus interessantere Geschichte erzählt als The Last of Us, auch wenn dies nicht heißen soll, das letztere uninteressant oder gar langweilig ist. Für mich zumindest ist die des Episoden-Adventures die weitaus packendere und tiefgreifendere, im punkto Gameplay sind sicherlich beide eher auf dem gleichen Level, doch auch hier empfinde ich die Quick-Time-Events und die Sache mit den Dialogen in TWD wesentlich stimmiger für das Gesamtwerk.
Insgesamt erwarten euch mit allen fünf Episoden rund 10-15 Stunden Spielzeit, der "400 Days"-DLC bietet dann nochmals rund zwei Stunden on top - alles in allem also ein gutes Paket, dass man dank zahlreicher Sales auf allen möglichen Plattformen bereits günstig erwerben konnte und selbst zum offiziellen "Vollpreis" der Digital- oder Retail-Version noch ein ordentliches Preis-/Leistungsverhältnis erhält. Bei all dem Lob und der Begeisterung, würde ich mir für die zweite Staffel dennoch wünschen, dass sich Telltale Games in Sachen Technik verbessert. Nervige Ladezeiten und Ruckler/Lags, die trotz der relativ geringen Dateigröße ständig auftreten, lassen sich sicherlich optimieren. Ich bin schon sehr gespannt, ob Telltale Games das hohe erzählerische Niveau und die großartigen Charaktere, wie zum Beispiel Clementine, auch in der zweiten Staffel, die uns im nächsten Jahr erwartet, halten kann. Mittlerweile sind übrigens alle Versionen mit deutschen Untertiteln versehen, eine komplette Synchronisierung der Charaktere wäre sicherlich zu kostspielig gewesen, dafür sind die Original-Sprecher bereits großartig - und Rockstar Games macht es ja nicht anders. Und, wer nach diesem Abenteuer der zweiten Staffel entgegenfiebert, der sollte ggf. auch The Wolf Among Us, ebenfalls von Telltale Games, im Auge behalten.


#1 | 12. Juli 2013 um 01:12 Uhr