DmC: Devil May Cry - Review
Rebooted, Redesigned, Renamed! Schnetzelt sich Dante an die Spitze?
Was war das für eine Aufregung der Fans, als der "neue alte" Dante das erste Mal gezeigt wurde - dieser ... Milchbubi soll sich allen Erstes durch die feindlichen Horden schnetzeln und mächtige Bossgegner vermöbeln? Dieser jugendliche Möchtegern soll im Mittelpunkt von DmC: Devil May Cry stehen? Mittlerweile ist die Dramatik wieder etwas abgeflacht und die Leute haben sich an das Design gewöhnt. Gut so, denn dann können sie sich endlich auf das konzentrieren, was das neue Devil May Cry ausmacht. Nämlich auf Gameplay, Flow & Style - Dinge, die die Vorgänger schon im Überfluss boten und die Entwickler Ninja Theory (Enslaved: Odyssey to the West) mit dem Reboot auf die Spitze treiben will. Ich bin mit Dante losgezogen und verrate euch meine Eindrücke in der ersten großen Review des jungen Jahres.





Schärft die Klingen, ladet die Knarren - Waffenmeister Dante ist auf dem Vormarsch!
Mit verschenktem Potential meine ich natürlich nicht Dantes neue Haarfarbe und den neuen Kurzhaarschnitt - das ist mir als Serien-Neuling nie negativ aufgefallen. Mehr noch: Mir gefällt Dantes neues Auftreten. Mir gefällt sein leicht naives, jugendliches Verhalten und seine Wandlung während des etwa acht oder neun Stunden währenden Abenteuers. Mir gefällt es, dass man den alten Dante verändert und ihm ein frisches Bild verpasst hat. Und wer Enslaved oder Heavenly Sword gespielt hat, der weiß, dass Ninja Theory nicht nur optisch einzigartige, sondern auch menschliche und sympathische Charaktere zeichnen kann. So auch hier: Dante, sein Bruder Vergil und die junge, wehrlose Kat sind ein liebenswürdiges Trio, mit dem man gerne auf Weltrettungs-Tour geht. Es sind die kleinen Momente, in denen Ninja Theory sein Können ausspielt. Wenn Kat Dante nur einen flüchtigen Blick zuwirft und dieser sie anschließend verständnisvoll anlächelt, dann ist das - wie schon in Enslaved - einmal mehr ein Beweis dafür, wie gut die Briten ihr inszenatorisches Handwerk beherrschen. Rein inhaltlich könnte die Story sicher ein wenig spannender sein und mehr Höhepunkte bieten. Dass das nicht der Fall ist, liegt selbstverständlich am Konzept. Im Gegensatz zu Monkey und Trip, deren Beziehung der Mittelpunkt von Enslaved war, geht es in DMC um Kämpfe, Gemetzel, Geschnetzel und Geballere. Macht das Spaß?
Wenn sich ein Spiel gänzlich um Kämpfe und brachiale Action dreht, dann erwartet der geneigte Fan - logisch - ein vielseitiges Kampfsystem, das auch im zehnten, zwanzigsten, hundertsten und sogar tausendsten Gefecht noch Spielspaß verspricht. Vielseitig und tiefgründig ist das Kampfsystem auf jeden Fall: Mit vier verschiedenen Nahkampf- sowie drei unterschiedlichen Fernkampfwaffen ist Dante gut ausgerüstet und kann während der Combos zwischen dem Equipment wechseln, um noch mehr Schaden auszuteilen oder Stilpunkte einzusacken. Egal, ob man nun das Schwert Rebellion oder die schwere Axt Arbiter schwingt - wo Dante hinschlägt, da wächst kein Gras mehr! Combos und strategisches Mischen von Waffen und Angriffen sind dabei das A und O. Für lange und abwechslungsreiche Combos mit möglichst vielen Angriffen winken jede Menge Stilpunkte, die wiederum in Boni ausgezahlt werden. Gekämpft werden kann am Boden und in der Luft - und auf Knopfdruck zieht Dante Feinde zu sich oder sich selbst zu den Feinden hin, um die Combo dort weiterzuführen. Der fliegende Wechsel zwischen den Waffen, der dadurch entstehende Flow, die herrlich flüssigen Animationen und die vielen Möglichkeiten, das alles macht das Kampfsystem von DMC zu einem der besten im Genre. Lediglich Bayonetta ist dem jungen Dante in Hinsicht auf Abwechslung und Inszenierung im Kampf noch überlegen. Mal schauen, ob das auch im zweiten Anlauf noch gelingen wird.





Beleidigungsfechten im Limbus: Wort- & Waffengefechte mit den Bossdämonen!
Gekämpft wird natürlich nicht nur gegen eine breit gefächerte Riege an Standard- und Zwischengegnern (wobei das Design für meinen Geschmack etwas vielfältiger hätte ausfallen können; manche Gegner wirken recycelt), sondern auch gegen richtig fette Bossdämonen, die teilweise in einer Liga mit den Göttern aus God of War III spielen. Dabei ist reines Buttonmashing niemals der Schlüssel zum Erfolg, da man gegen die Giganten mit Taktik und Sorgfalt antreten muss. Dazu gehört auch das stetige Wechseln der Waffen - blaue Flächen können beispielsweise nur von Himmels- und rote Flächen nur von Dämonenwaffen beschädigt werden. Außerdem erfordern einige der Bosskämpfe, dass man immer und immer wieder die Arena verlässt und eine andere Plattform (zum Beispiel ein Häuserdach) zum neuen Schlachtfeld umfunktioniert. Extrem gut gelungen ist der Bosskampf im zehnten Kapitel gegen eine Art "TV-Dämon" - dieser ist einer der am coolsten inszenierten im gesamten Genre. Vor und während der Gefechte bekämpfen sich die Duellanten nicht nur mit Waffen, sondern auch mit Worten, was in "Beleidigungsfechten" (Monkey Island lässt grüßen!) gipfelt. "Ich werde auf deinen Leichnam kotzen und danach in deinen Schädel scheißen!" sind da noch Ausdrücke der harmlosen Art. In der Originalsprache klingt das sicherlich wesentlich besser als in der teilweise verkorksten deutschen Synchronisation. Speziell das Viech, das dieses Zitat von sich gibt, ist grauenhaft vertont und wirkt dadurch lächerlich.
Abgesehen davon hinterlässt die Soundkulisse und Musik einen hervorragenden Eindruck und der Soundtrack, der größtenteils aus Songs von Combichrist und Noisia besteht, untermalt das Geschehen absolut perfekt - ich hätte niemals gedacht, dass ich als gestandener Metal-Hasser mich mal von solcher Musik könnte mitreißen lassen. Doch in DMC ist die Musik wirklich wunderbar eingesetzt. Mal ist es laut und chaotisch, stellenweise gibt es aber auch leise Töne zu hören. Der Soundtrack und der grafische Style ergeben zusammen ein äußerst stimmiges und stimmungsvolles Gesamtbild. Vor allem im Limbus, einer Art Parallelwelt zur Gegenwart, in der die Dämonen hausen, gibt es einige herrliche Panoramen zu bewundern. Dort werden zusätzlich auch die Gesetze der Physik außer Kraft gesetzt - in einer Passage regnet es zum Beispiel "nach oben", was wirklich beeindruckend aussieht. Das Wechselspiel zwischen der Menschen- und der Dämonenwelt hätte man allerdings doch etwas interessanter gestalten können.
Dante wird zwar immer wieder in den Limbus gezogen, ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass ein manueller Wechsel auch seine Vorteile haben könnte - beispielsweise für Rätsel. Von denen gibt es ohnehin in der gesamten Spieldauer nur ein einziges, das dafür relativ knackig ist. Das einzige, was sonst noch rätselhaft ist, sind die Verstecke mancher geheimer Schlüssel, Türen und verlorener Seelen, die ich partout nicht finden konnte. Dabei hätte ich sie dringend gebraucht! Mit den Seelen kann man sich nämlich neue Angriffe und Combo-Ketten kaufen, während die Türen zu Geheimmissionen führen, für deren Bewältigung man mit Gesundheitsboni belohnt wird. Und die kann man immer gebrauchen.





Ninja Theory, was soll denn das? Ist euch gegen Ende etwa die Puste ausgegangen?
DMC ist kein besonders langes Spiel; nach acht oder neun Stunden hatte ich meinen ersten Anlauf beendet, wobei mir erst nach dem Durchspielen aufgefallen ist, dass ich den Schwierigkeitsgrad während der Kampagne versehentlich nach oben gedreht hatte - vielleicht wäre der Durchlauf also noch kürzer ausgefallen. Das ist an sich für ein solches Actionspiel eine solide Dauer. Was mir aber ganz und gar nicht gefallen hat, ist die Art und Weise, wie Ninja Theory die letzten zwei Stunden vor dem finalen Bosskampf aufgebaut hat. Ich habe ja echt nichts gegen actiongeladene Kämpfe, aber mich eine halbe Ewigkeit lang mit immergleichen Gegnern zu bombardieren ist schlicht eine Qual. Zumal einige Kombinationen (ein "Ninja" und eine Hexe) fürchterlich schwer zu knacken sind. Auch grafisch ging den Entwicklern im vorletzten echten Kapitel wohl die Puste aus, da jede Etage aussieht wie diejenige davor. Dort hätte man lieber ein paar Plattforming-Sequenzen mehr eingebaut, um das Geschehen aufzulockern. Immerhin entschädigt dafür ein großartiger Bosskampf und ein befriedigendes Finale. Und ganz so schlimm wie bei Dante's Inferno von Visceral Games (wer erinnert sich an dessen letzte halbe Stunde?) sind die letzten zwei Stunden nun auch wieder nicht. Trotzdem: Ich mag es nicht, wenn ich immer wieder auf die gleichen Gegner und Umgebungen treffe, nur damit die Spielzeit gestreckt wird.
Nach der erstmaligen Bewältigung der Kampagne kann man sich noch an allerlei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden versuchen. Besonders interessant ist dabei einer, bei dem sowohl die Gegner als auch Dante von einem einzelnen Angriff sterben - das ist nur was für die Spieler, die die Taktik von Ausweichen und sorgfältigem Attackieren verstanden haben. Wer mag, kann sich auch auf dem XBL-Marktplatz zusätzliche Kostüme kaufen. Halte ich für überflüssig, aber es soll ja solche Leute geben ...
Gratis erwerben könnt ihr auf dem Marktplatz oder im PlayStation Store dafür jedoch eine spielbare Demo zu DMC, in der ein kompletter Level und ein (gelungener!) Bosskampf enthalten sind. Tipp: Probiert sie aus!
Fazit von Tim:
Glückwunsch an Ninja Theory: Das neue Devil May Cry ist ein richtig gutes Spiel geworden - bei euch ist die Serie definitiv in den richtigen Händen! Und wer hätte nach diesem Shitstorm bei der Ankündigung schon gedacht, dass der "neue alte" Dante tatsächlich ein so sympathischer Kerl ist? Wie schon bei Enslaved beweisen die Briten erneut, dass sie sich mit Charakterzeichnungen auskennen. Besonders die wehrlose junge Kat ist mir richtig ans Herz gewachsen. Klar: Unter dem Strich erzählt DMC weder eine besonders spannende Story noch inszeniert es ein packendes Drama. Doch im Rahmen ihrer Möglichkeiten ist die Geschichte durchaus überzeugend. Aber es steht ja ohnehin nicht die Erzählung, sondern die Action im Mittelpunkt dieses Reboots. Auch hier hinterlässt DMC eine sehr gute Figur: Die Kämpfe gehen butterweich von der Hand, spielen sich herrlich dynamisch, sind vielseitig und präzise - vor allem die Auseinandersetzungen mit den gigantischen Bossgegnern sind ganz, ganz großes Kino! Und wenn ich, der eigentlich überhaupt nichts mit dieser Art von Musik anfangen kann, sogar zu den Songs von Noisia und Combichrist im Takt mit den Füßen wippe, dann ist das ganz klar ein Kompliment an die hervorragende Inszenierung von diesem Devil May Cry. Schade nur, dass Ninja Theory gegen Ende wohl die Ideen ausgegangen sind. Ich kann es echt nicht leiden, wenn man die Spielzeit auf Teufel komm raus durch nervige Gegnerwellen streckt - dann lieber ein kürzeres, dafür aber durchweg unterhaltsames Erlebnis. Und auch die deutsche Synchronisation hätte besser sein können. Ninja Theory ist trotz dieser Kritik ein tolles Actionspiel gelungen. Ich bin gespannt, wie sich Kratos & Bayonetta schlagen werden ...
Wer auf spektakuläre Action und rasante Kämpfe steht, sollte sich diesen Reboot nicht entgehen lassen! Devil May Cry ist dämonisch unterhaltsam und himmlisch inszeniert. Ninja Theory hat sehr gute Arbeit geleistet - und sich für einen "zweiten Teil" empfohlen!
- rasantes & vielseitiges Kampfsystem
- abgedrehte Inszenierung mit viel Style
- Dante "trotz neuer Frisur" sympathisch
- toller Soundtrack (Noisia, Combichrist)
- fette Bosskämpfe mit mehreren Runden
- stellenweise wunderschöne Panoramen
- hervorragende Animationen im Kampf
- teils unnötig in die Länge gezogen
- Grafik in manchen Cutscenes hässlich
- deutsche Synchro z.T. unterirdisch
Tim hat DmC: Devil May Cry auf der Xbox 360 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Capcom zur Verfügung gestellt.


#1 | 18. Januar 2013 um 16:00 Uhr
#2 | 19. Januar 2013 um 19:55 Uhr
Letztendlich ist es aber definitiv nicht die Entfremdung von der ursprünglichen Serie geworden, die ich zunächst befürchtet hatte (und die mich "vielleicht" auch ein wenig zu kritisch auf DmC haben blicken lassen ). Ich glaube sogar das es das Beste ist, was der Serie passieren konnte, nachdem sie mit Teil 4 so einen enormen Absturz erlebt hat (ohne den Bloody Palace Modus hätte ich das Game wohl kaum mehr angepackt). Auch dieses DMC werde ich mir daher bald zulegen, aber zunächst einmal noch die typische Capcom-DLC-Entwicklung abwarten.
Bin nun aber auch einmal gespannt, wie sich Metal Gear Rising im Vergleich schlagen wird.
#3 | 20. Januar 2013 um 16:58 Uhr
Somit lasse ich das Game erstmal links liegen egal wie gut es überall bewertet ist.
#4 | 20. Januar 2013 um 17:43 Uhr
CookieMonster: Habe es kürzlich auch mal abseits der Demo anspielen können. Finde spielerisch ist es über jeden Zweifel erhaben und meiner Meinung nach fast sogar schon das beste Devil May Cry (außer das die ersten Schwierigkeitsgrade etwas arg einfach wirken). In der englischen Sprachausgabe sagt mir Dante auch deutlich mehr zu, er wirkt darin weit weniger "gleichgültig" (was wohl einfach nur das Ergebnis unmotivierter Synchronisierung war).
Zu ersterem: Ich hatte irgendwann während der Kampagne (etwa zur Hälfte) den Schwierigkeitsgrad versehentlich auf "Schwer" hochgedreht und trotzdem so gut wie keine Probleme. DMC ist damit schon relativ einfach, die anderen Modi nach dem Durchlaufen sind dagegen bockschwe.
Zu zweiterem: Die deutsche Stimme von Dante finde ich eigentlich echt okay. Da hab ich schon viel schlimmere Lokalisierungen erlebt