Fire Emblem: Awakening - Review
Rundentaktik der Extraklasse: Bühne frei für einen weiteren 3DS-Hit
Wer hätte vor 1-2 Jahren schon gedacht, dass der 3DS aus seinem Absatztief herauskommen würde? Irgendwie hat es Nintendo tatsächlich noch geschafft, den Spieß umzudrehen - und nun rockt der Handheld seit Monaten die Charts. Kein Wunder: Die Liste an guten bis großartigen Spielen für den 3DS will und will einfach nicht abreißen. Gerade erst haben wir Luigi's Mansion: Dark Moon und Monster Hunter 3 Ultimate bekommen, schon steht der nächste Hit vor der Tür: Fire Emblem: Awakening. In den USA konnte das Strategie-Rollenspiel exzellente Wertungen einheimsen, bessere als jeder andere Teil der Serie zuvor. Meine Erwartungen waren dementsprechend hoch. Und wer hätte es gedacht: Ich wurde nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil!





Wer siegen will, muss Opfer bringen - oder "einfach" clever genug taktieren!
Was würdet ihr mir in dieser Situation raten? Kellam zu opfern und dafür mit der starken Zelcher den Bogenschützen zu erledigen, sodass sie aus der Gefahrenzone ist? Nein! Das kommt eigentlich gar nicht in Frage. Ich brauche Kellam für die kommenden Missionen - und Zelcher ebenso! Denn: Stirbt in Fire Emblem eine Figur, so ist sie für immer tot, verschwunden aus meiner Armee, verschwunden aus Story und Spiel. Wer möchte, kann zwar auch einen Einsteiger-Modus wählen, in dem die Charaktere nach der Mission wieder zum Leben erwachen, aber das steht für mich nicht zur Debatte. Ich habe Fire Emblem seit je her richtig gespielt und das ändert sich auch mit Awakening nicht. Also werde ich weiter überlegen - es muss doch eine Lösung geben ... ich könnte den Erzritter Frederick nach vorne ziehen, aber auch er ist empfindlich gegen den Hammer. Hm. Vielleicht ... wäre das eine Idee? ... könnte das ... ja! Ich habs! Ich lasse Frederick Kellam unterstützen und ziehe das Paar anschließend vor meine Wyvern-Ritterin. Dadurch wird die Treffer-Wahrscheinlichkeit des Gegners massiv reduziert - und ich habe sogar noch die Chance, dass Frederick ebenfalls mit angreift. Das ist es! Nun muss ich nur noch fest die Daumen drücken und hoffen, dass der Plan aufgeht. Und dann nicht leichtsinnig werden ...
Wenn ihr bis hierhin gelesen habt, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder könnt ihr alles ganz genau nachvollziehen, weil ihr bereits ein Fire Emblem gespielt habt. Oder aber ihr versteht nur Bahnhof. Gehört ihr zur ersteren Gruppe, könnt ihr gleich loslaufen und euch das Spiel kaufen. Gehört ihr zur letzteren, erkläre ich euch erst einmal, was Fire Emblem ist - und warum ihr es unbedingt spielen solltet.
Fire Emblem ist eine Mischung aus Strategie- und Rollenspiel und Awakening der neueste Spross der Serie, dieses Mal für den Nintendo 3DS. In 20 Kapiteln kämpft ihr euch mit eurer Armee durch - je nach Schwierigkeitsgrad - anspruchsvolle bis sehr schwere Fantasy-Schlachten auf zweidimensionalen Feldern. Dabei wird sich rundentaktisch abgewechselt: Zuerst seid ihr dran mit euren Zügen, anschließend übernimmt der Gegner die Führung. Das Ganze läuft so ähnlich ab wie Advance Wars: Dual Strike (ebenfalls von Intelligent Systems entwickelt) oder Disgaea. Ihr bewegt also nach und nach eure Charaktere im Kriegsgebiet, verwendet Items aus dem Inventar, greift Gegner mit unterschiedlichen Waffen und Angriffstypen an und sammelt Erfahrung, mit der die Kämpfer immer stärker werden. Kommt es zum Treffen zwischen zwei Parteien, so beginnt auf dem oberen Bildschirm eine Videosequenz, in der die Schwerter klirren, Äxte einschlagen oder Heiler heilen - je nachdem, welche Aktion eben gerade ausgeführt wird. Das Ganze wird in schickem 3D und mit einer im Raum bewegbaren Kamera auch erstaunlich hübsch präsentiert; wer möchte, kann diese Sequenzen aber auch einfach überspringen. Das Ziel einer Mission ist es entweder, den Boss zu erledigen, oder das ganze Gebiet von Feinden zu befreien - es gilt aber jederzeit darauf zu achten, die Sicherheit der eigenen Kämpfer zu wahren.





Fortschritt statt Stillstand: Fire Emblem geht mit Paarbildung & Co. neue Wege!
Die komplette Spielmechanik mit all ihren Feinheiten genau zu erklären, würde den Rahmen sprengen, daher verrate ich euch erst einmal nur so viel: Unter der Oberfläche verbirgt sich noch wesentlich mehr taktische Tiefe als es zunächst den Anschein hat. Die wichtigsten Dinge, die ihr wissen solltet: Kämpfe laufen nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip ab: Schwerter schlagen Äxte, Äxte schlagen Lanzen, Lanzen schlagen Schwerter - wobei die Beschaffenheit und Stärke der Waffen ebenfalls noch eine ganz elementare Rolle spielt. Hinzu kommen Licht- und Dunkelmagie sowie Bögen, außerdem gibt es kritische Treffer, die den angerichteten Schaden mehr als verdoppeln. Die verschiedenen Kämpfer-Typen haben ebenfalls eigene Stärken und Schwächen: Berittene Krieger sind empfindlich gegenüber dem Rapier, Flugwesen gegenüber Pfeil und Bogen - und manche Waffen wie der Hammer sind besonders stark gegen gepanzerte Einheiten. Es ist eine vielseitige und komplexe Schach-Mechanik, die man erst einmal verinnerlichen muss. Damit aber auch Einsteiger nicht überfordert und gleich von der KI über den Haufen gerannt werden, hat Nintendo in Awakening erstmals einen Modus eingeführt, in dem im Kampf geschlagene Einheiten nach der Mission zurückkehren. Wer es härter mag, der greift zum klassischen Tot-bleibt-tot-Modus und den höheren Schwierigkeitsgraden. Hier agiert die künstliche Intelligenz derart konsequent, dass auch Profis herausgefordert werden - auf Normal dagegen ist sie nicht immer schlau.
Aber das alleine wäre für mich als großer Fire-Emblem-Fan nicht genug. Schließlich habe ich mit Path of Radiance am GameCube, Radiant Dawn auf der Wii und Shadow Dragon am Nintendo DS schon mehr als genug "traditionelle" Ableger bekommen - irgendwann ist es Zeit für eine Evolution der altbekannten Spielmechanik, für ein wenig Risiko und Mut zum Fortschritt. Und genau das liefert Awakening nach all der Zeit endlich. Neu hinzugekommen sind zahlreiche taktische Kniffe, die das Spielgefühl neu definieren. Hierzu zählt vor allem die neue "Paarbildung": Man kann zwei Charaktere zusammensetzen und sie als ein Paar agieren lassen, wobei sich die Eigenschaften für den Kampf massiv verändern. So verliert man auf dem Schlachtfeld zwar effektiv eine Einheit, dafür wird eine andere aber deutlich stärker - manchmal sogar so stark, dass man selbst schwere Bossgegner problemlos umnieten kann. Bei mir ist das mit Gregor und Say'ri der Fall gewesen: Seit ich die beiden zusammengesetzt hatte, konnte ich fast mit einer One-Man-Armee über das Spielfeld rennen. Das birgt allerdings auch andere Gefahren, denn durch den Fokus auf wenige starke Einheiten bleiben die anderen fast ungeschützt zurück. Je mehr zwei Charaktere zusammenarbeiten, je stärker wird ihre Bindung - außerhalb der Kämpfe kann man dann in der Kaserne Unterstützungsgespräche führen, in welchen sich die Figuren immer besser verstehen. Das kann bis zur Heirat führen. Alleine schon dieses kleine Dating-Sim-Element verleiht enorm viel frischen Wind - zumal die Figuren tatsächlich sympathisch sind, obgleich die Dialoge nur in Textform stattfinden.





Viel Text, wenig Spannung - doch unter der Oberfläche steckt mehr, als man denkt.
Wider Erwarten hat es in Fire Emblem: Awakening sogar die Story geschafft, mich neugierig zu machen. Das liegt natürlich einmal mehr an den glaubhaften Figuren und weniger an den überlangen, teils sehr kitschigen und ab und zu sogar sehr inhaltsleeren Dialogen. Auch die generelle Weltrettungs-Geschichte rund um Prinz Chrom und den von euch zu Beginn erstellten zweiten Hauptcharakter ist sicher nicht das Beste, was das Genre zu bieten hat - aber die Inszenierung ist soweit gelungen und es gibt tatsächlich ein paar interessante Story-Twists. Extrem cool sind dagegen die Zwischensequenzen, die von einem externen Studio aufwendig produziert wurden und die besonders in 3D großartig aussehen. Hiervon hätte ich mir gerade gegen Ende ein paar mehr gewünscht, aber sie sind dennoch eine tolle Ergänzung, die die Handlung vorantreiben. Spannend sind auch die verschiedenen Hintergrundgeschichten der insgesamt über 40 Charaktere, die man erst durch die zahllosen optionalen Dialoge erfährt. Wie wurde Gregor zum Söldner? Was hat das 1000 Jahre alte Drachenmädchen Nowi in all der Zeit schon erlebt? Was hat es mit dem mysteriösen Bruder von Schwertmeisterin Say'ri auf sich? Wer sich tiefer in das Universum gräbt, kann sehr viele Geheimnisse aufdecken - was wiederum auch den Wiederspielwert massiv nach oben schraubt. Der auch generell dank Spielspaß und Experimentierfreude sehr hoch ist.
Neben den 20 Story-Kapiteln gibt es noch eine Fülle an Sidequests, sodass die grobe Spielzeit für einen Durchlauf bei 25-30 Stunden liegt; tendenziell dürftet ihr eher noch länger brauchen, da man viele Kapitel mehrfach durchspielt oder abbricht und neu startet, wenn eine Figur gestorben ist. Im Durchschnitt dauert eine Schlacht etwa 45-60 Minuten - Fire Emblem ist eben kein Spiel, das man "mal eben" für eine kurze Runde anwirft. Ohnehin ist die Suchtgefahr extrem groß: Ich habe mich in den letzten Wochen mehrfach dabei erwischt, wie ich nachts um 02:00 Uhr oder später noch mit dem 3DS im Bett lag, ohne überhaupt an Schlaf zu denken. Als ob dieser Umfang alleine noch nicht genug wäre, plant Nintendo, Awakening nach Release noch mit zusätzlichen DLC-Inhalten zu versorgen - leider aber nur gegen Bezahlung. Schauen wir mal, ob es sich lohnt, die Erweiterungen zu kaufen.
Der Sprung auf den Nintendo 3DS hat Fire Emblem inhaltlich weitergebracht, vor allem aber die technische Seite profitiert von den neuen Möglichkeiten. Die (endlich!) komplett dreidimensionalen Modelle in den Kämpfen und Videosequenzen sind hübsch anzuschauen und teilweise sehen selbst die Schlachtfelder idyllisch und detailliert aus. Etwas seltsam mutet allerdings an, dass jeder Figur die Füße fehlen - keine Ahnung, was sich Intelligent Systems dabei gedacht haben. 3D ist nett, aber bei weitem nicht so beeindruckend wie in Kid Icarus: Uprising & Co. - was natürlich aber am Genre und Spielaufbau liegt, der einfach nicht für visuell beeindruckende Kulissen geschaffen ist. Übrigens gibt es keine Möglichkeit mehr, den Touchscreen für die Steuerung der Truppen zu nutzen - stattdessen wurde diese Aufgabe ausschließlich dem Circle Pad übertragen, welches den Job auch sehr gut und präzise erfüllt, weil es angenehm "mitschwingt", anstatt sich statisch in die vier Richtungen zu bewegen. Auch der Soundtrack klingt wesentlich besser als noch in Shadow Dragon am DS, speziell dann, wenn man Kopfhörer verwendet. Die Stücke sind episch und das Titelthema einmal mehr höchst imposant! Sprachausgabe gibt es übrigens nach wie vor nicht, nur ab und zu geben die Figuren kurze Ausrufe wie "Ah!", "Gods!" oder "Right." von sich - alternativ auf japanisch, wem die originalen Stimmen lieber sind.
Fazit von Tim:
Mit dem 3DS gelingt Nintendo ein Glücksgriff nach dem anderen! Erst Luigi's Mansion und Monster Hunter, jetzt dieses fantastische Fire Emblem: Awakening, am Horizont sind schon Donkey Kong Country Returns 3D und Animal Crossing: New Leaf - wer den Handheld besitzt, kann sich aktuell definitiv nicht über mangelnden Nachschub beschweren. Dabei ist vor allem Fire Emblem ein Garant für wochenlangen Spielspaß. Solltet ihr auch nur einen Funken Interesse für Strategie- bzw. Rundentaktik-Spiele übrig haben, führt an dem neuesten Ableger der Serie kein Weg vorbei. Von Radiant Dawn auf der Wii und Shadow Dragon am NDS war ich noch etwas enttäuscht, von Awakening dagegen bin ich endlich wieder begeistert. Es verbindet die traditionelle Spielmechanik so gut mit neuen Kniffen und Gameplay-Elementen, dass ich mir kaum vorstellen kann, wieso mir das nicht schon in den Vorgängern gefehlt hat. Und dieses Mal haben Intelligent Systems auch an die Einsteiger unter euch gedacht, anstatt sie ins kalte Wasser zu werfen. Ich glaube nicht, dass es jemals ein besseres Fire Emblem gegeben hat!
Mit Awakening erwacht das etwas angestaubte Fire Emblem endlich wieder zu neuem Leben: Die frischen Spielmechaniken sind so gut integriert, dass ich mich frage, wie die Vorgänger nur ohne sie auskommen konnten, und Grafik & Inszenierung haben einen mächtigen Qualitätssprung hingelegt. Kurz: Rundentaktik deluxe - ein weiterer 3DS-Hit!
- nach wie vor komplexe Spielmechanik
- tolle neue Elemente, v.a. Paarbildung
- man denkt über jeden Spielzug nach
- einsteigerfreundlichster Teil der Serie
- 20 Story-Missionen & viele Sidequests
- sympathische Figuren trotz Textwüste
- aufwendig produzierte Rendervideos
- schicke Grafik, wirkt auch in 3D gut
- epische Musikuntermalung (Theme!)
- teilweise überlange/inhaltslose Dialoge
- KI stellt sich auf "Normal" gern blöd an
- Figuren in Videosequenzen ohne Beine?!
Tim hat Fire Emblem: Awakening auf dem Nintendo 3DS gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Nintendo zur Verfügung gestellt.



#1 | 20. April 2013 um 10:50 Uhr
Guter Testbericht !
#2 | 28. April 2013 um 13:23 Uhr
Die Grafik ist zwar für 3DS Verhältnisse Super gerate die Videos, aber das wars auch schon was mir gefallen hat.
Und wie auch schon angesprochen fand ich die Dialog oft Sinnlos da sie für meinen Geschmack zu oft kamen ohne einen wirklichen Sinn. Hier will man wol die Spiellänge künstlich in die länge ziehen.