Injustice: Gods Among Us - Review
Prügeln im DC-Style: das neue Spiel der Mortal-Kombat-Macher ist da
Batman bekämpft Superman, The Flash tritt gegen den Joker an, Harley Quinn fordert Deathstroke zum Duell! Das kann natürlich nur eines bedeuten: Injustice: Götter unter uns ist endlich da. Das zweite große Spiel von den Netherrealm Studios nach dem hierzulande indizierten Reboot von Mortal Kombat wirft uns in eine Schlacht der Superhelden. Nahezu alle großen und kleinen Berühmtheiten des DC-Universums haben sich in Injustice getroffen, um sich gegenseitig zu verklopfen. Ich habe mir angeschaut, was das Spiel so alles kann - und ob ihr es kaufen solltet!





"Wenn unsere größten Helden zu unserer größten Bedrohung werden würden ..."
Mit diesem Spruch in der Überschrift wird Injustice beworben - wieso eigentlich? Normalerweise ist es doch so, dass sich die Kämpfer aus dem Kader einfach nach Lust und Laune die Birne einschlagen, ganz ohne großes Story-Gedöns. Nicht so bei Injustice: Hier haben Netherrealm einen starken Singleplayer-Modus mit Kampagne und Geschichten entworfen, in dem die zahllosen Helden des DC-Universums allesamt tragende Rollen spielen und zu einem großen Ganzen verschmelzen. Superman hat die Stadt Metropolis vollständig zerstört, nachdem er versehentlich Frau und Kind umgebracht hat, und herrscht nun als machthungriger Diktator über die verbliebene Gesellschaft. In einer anderen Dimension wiederum plant der Joker einen atomaren Angriff auf Gotham City, den Batman in letzter Sekunde vereiteln kann. Dabei kommt es natürlich zum unvermeidbaren Zusammenprall der beiden Alternativwelten und fortan gilt es für alle Figuren, herauszufinden, was vor sich geht und wem man sich anschließen sollte. Dass die Kampagne von Injustice kein The Dark Knight in Videospielform ist, sollte sowieso schon klar sein, aber über die etwa 2-3 Stunden wird man doch sehr gut unterhalten. Besonders schön ist, dass die Story nie gestreckt wirkt, und dass jedem Helden genau so viel Zeit eingeräumt wird wie nötig. In zwölf Kapiteln schlägt man sich durch je vier Kämpfe und springt dabei zwischen Figuren wie Green Arrow, Batman, dem Joker, Deathstroke, Cyborg und Aquaman hin und her.
Bevor man aber bereit für die Kampagne ist, sollte man sich durch das Tutorial arbeiten, um zumindest die Grundzüge des eingängigen Kampfsystems zu meistern. Generell beginnt alles fast wie in Mortal Kombat: A, X und Y stehen auf der Xbox 360 für jeweils leichte, mittlere und schwere Schläge, durch Kombinationen mit den Richtungen von Analogstick bzw. Digipad können schwere Aktionen ausgelöst werden und über die L2- und R2-Tasten startet man die gewaltigen Superverbrenner-Angriffe - imposante Mega-Combos, die dem Gegenüber locker mal 25% der gesamten Lebenspunkte abziehen und die gewissermaßen den X-Rays aus Mortal Kombat ähneln. Doch schon nach wenigen Minuten geht das Tutorial in eine andere Richtung über: Geblockt wird nicht mehr per Knopfdruck, sondern im Street-Fighter-Stil durch das Neigen des Analogsticks nach hinten. Die größte und wichtigste Neuerung kommt allerdings erst danach. Injustice: Götter unter uns legt nämlich nicht nur Wert auf Combos - die Umgebung, also die Kampf-Arena, wird direkt mit in das Gefecht einbezogen. So kann man Schränke aus dem Hintergrund an sich nehmen und den Gegner damit K.O. schlagen, in Atlantis kann man eine Flutwelle aus dem Aquarium strömen lassen, man kann den Feind in Statuen und Mauern schmettern und so weiter und so fort. Mehr noch: Steht man ganz am Rand der Arena, kann man den anderen aus der Stage hinausschleudern und woanders weiterkämpfen. Das sieht gut aus - und das macht Spaß!





Von Green Lantern über Batman und Superman bis zu Solomon Grundy ...
Dass die Prügeleien in Injustice so herrlich spaßig sind, liegt neben dem guten Kampfsystem vor allem daran, dass Netherrealm alles Menschenmögliche getan hat, um der großen Vorlage gerecht zu werden. Egal, ob man nun in die Haut von Batman, Catwoman, Lex Luthor, dem Joker oder gar Wonder Woman schlüpft (wobei - wer mag schon Wonder Woman? ...), es fühlt sich wirklich so an, als ob man die jeweilige Figur aus dem DC-Universum lenken würde. Man hat eben nicht einfach nur das Kostüm von Sub-Zero gegen das von Bruce Wayne getauscht, sondern Kämpfer kreiert, die den Originalen in nichts nachstehen. Bats wirft die ikonischen Batarangs, der Joker verteilt Lachgas und Klappergebisse, Deathstroke wechselt zwischen Schwert und Schusswaffen hin und her und Green Lantern zaubert sich allen möglichen Quatsch herbei, der sich irgendwie als Todbringer verwerten lässt. 24 Kämpfer umfasst der Kader, der via DLC erweitert werden kann - Nummer 1 ist Lobo, der seit ein paar Tagen für 400 Microsoft-Punkte gekauft werden kann. Allerdings fühlt sich das Roster auch ohne diese zusätzlichen Fighter sehr "komplett" an und es ist auch groß genug, um für viele Stunden zu motivieren. Auch was die Balance angeht, haben Netherrealm in meinen Augen gute Arbeit geleistet; mir ist nicht aufgefallen, dass irgendein Charakter besonders stark bzw. besonders schwach wäre. Hier stimmt also alles.
Neben der Kampagne gibt es natürlich noch eine Vielzahl anderer Modi, in denen man sich gegenseitig auf die Rübe geben darf. Im lokalen Multiplayer verkloppen sich zwei Spieler an einem Bildschirm, online darf man selbstverständlich ebenso loslegen - in einer Reihe an Spielmodi, zu denen auch eine King-of-the-Hill-Variante gehört - und Solo-Boxer können sich darüber hinaus in den STAR Labs noch an 250 eigens angefertigten Herausforderungen versuchen. Injustice bietet vom Inhalt her quasi alles, was schon Mortal Kombat geboten hat: Die STAR Labs sind das DC-Pendant zum Challenge Tower, die Archive das Gegenstück zur Crypt. Der Spielumfang ist zwar insgesamt etwas kleiner als der von Mortal Kombat (was auch an der kürzeren Story liegt), aber immer noch gewaltig groß und genug, um für mehrere Wochen lang zu motivieren. Wer Achievements sammeln möchte, hat mehr als genug zu tun, da manche Erfolge zum Beispiel verlangen, mit jedem Kämpfer zehn Gegner nacheinander zu plätten.
Was die Technik angeht, hinterlässt Injustice einen rundum gelungenen Eindruck. Die Animationen der Kämpfer sind hervorragend, die Kulissen interaktiv und ansehnlich und alles läuft flüssig und sauber. Der Soundtrack erinnert ohne Zweifel an die Kompositionen von Hans Zimmer, kommt aber nicht an deren Wucht heran - macht aber nix, da man sowieso eher auf andere Dinge achtet als auf die Musik im Hintergrund. Ein großes Lob gebührt noch der wirklich guten deutschen Sprachausgabe. Die Stimmen passen perfekt zu den Figuren, was speziell während der Story-Zwischensequenzen positiv auffällt.
Fazit von Tim:
Wenn Injustice: Götter unter uns eines beweist, dann das: Die Jungs und Mädels von Netherrealm sind kein One-Hit-Wonder, sondern haben wirklich einiges auf dem Kasten. Auch wenn das Superhelden-Prügelfest auf den Fundamenten von Mortal Kombat aufbaut, so ist es doch ein eigenständiges Spiel, das sich durch ganz eigene Qualitäten und Ideen auszeichnet. Die Arenen interaktiv in das Gameplay zu integrieren, ist einer der besten Einfälle, die es im Genre bisher gegeben hat, auch wenn noch Luft nach oben besteht. Und auch wenn ich das Marvel-Universum mehr mag als das von DC, muss ich sagen, dass ich mich doch sofort mit dem Großteil der Kämpfer anfreunden konnte und so auch coole Figuren wie Deathstroke erst kennengelernt habe. Zu meckern habe ich an sich nur sehr wenig und deshalb hat mir Injustice auch über viele Stunden hochklassige Unterhaltung geboten. Also: Wenn ihr schon immer mal Aquaman oder Wonder Woman eins auf's Maul geben, euch mit dem Joker an Batman rächen oder mit Doomsday den Superman zerstören wolltet, dann seid ihr hier richtig!
Was auf den ersten Blick wie ein Mortal Kombat im Superhelden-Gewand aussieht, entpuppt sich beim Spielen als ein durchdachtes und eigenständiges Beat'em-Up, welches sich durch clevere Ideen vom Todesturnier abhebt - und die DC-Figuren würdevoll vertritt.
- durchdachtes Kampfsystem mit eigenen Ideen
- umfangreicher und ordentlich balancierter Kader
- Vielzahl an teilweise sehr interaktiven Arenen
- hervorragende Anpassung an das DC-Universum
- toll inszenierte Kampagne mit interessanter Story
- Unmengen an freispielbarem Zusatzmaterial
- Online-Multiplayer umfangreich und lagfrei
- Story-Modus ist insgesamt zu kurz geraten
- vielleicht etwas zu kleine Aktionspalette
- Multiplayer nicht so groß wie der von MK
Tim hat Injustice: Gods Among Us auf der Xbox 360 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Warner Bros. Interactive zur Verfügung gestellt.

