Lego City Undercover: The Chase Begins - Review
Das war nix: Manche Spiele sollte man nicht auf Handhelds quetschen
Was auf einem kleinen Bildschirm mit schwächerer Technik funktioniert, kann auf einem großen Bildschirm und mit besserer Leistung deutlich an Reiz gewinnen - das haben in der Vergangenheit schon die HD-Collections von God of War und andere Remakes bewiesen und Resident Evil: Revelations steht ebenfalls schon vor dem großen Sprung auf die HD-Leinwand. Umgekehrt macht die These allerdings viel weniger Sinn, wie LEGO City Undercover: The Chase Begins eindrucksvoll beweist. Hier wurde ein großes Wii-U-Spiel genommen und nach allen Mitteln der Kunst beschnitten, bis es auf das 3DS-Modul gepasst hat. Wenig überraschend ist auch der Spielspaß stark gesunken.







Welchen Sinn hat eine offene Welt, wenn es in ihr rein gar nichts zu tun gibt?
Der Grundaufbau von The Chase Begins und dem großen LEGO City: Undercover ist exakt der gleiche: In beiden kann man die riesige Stadt LEGO City frei erkunden und mit den vielen Fahrzeugen durch die Gegend fahren, die Story wird aber ausschließlich von den Hauptmissionen vorangetragen. The Chase Begins erzählt dabei die Vorgeschichte zum Wii-U-Bruder; folglich sind auch die Missionen verschieden. Während man auf der Heimkonsole nämlich sehr umfangreiche, sehr gute klassische LEGO-Quests bekommt, wie man sie von LEGO Fluch der Karibik & Co. kennt, darf man sich am Handheld durch knapp 60 todlangweilige und abwechslungsarme 5-Minuten-Aufträge schleppen. Rätsel gibt es so gut wie gar keine und im Mittelpunkt stehen zu 80% Kämpfe gegen immergleiche Gegner, die man auf die immergleiche Art erledigt: Man drückt A, dann A, dann nochmal A und dann war's das. Herausforderung gibt es keine, Nervenkitzel ebenso wenig. Auch auf der Wii U waren die Kämpfe leicht, keine Frage - aber dort nahmen sie nur einen kleinen Teil des Gameplays ein. Auf dem 3DS dagegen sind sie der wichtigste Spielbestandteil. Der Rest der Missionen besteht aus öden Parcours-Einlagen, unspektakulären Verfolgungsjagden oder ein paar nett gedachten, aber eintönigen Bosskämpfen.
Kurz: Die Story-Missionen sind hart am Rand der Erträglichkeit. Die meiste Zeit über hatte ich keinen Spaß am Spielen, es kam mir eher wie Arbeit vor, weil ich immer und immer wieder das gleiche tun musste und von mir keinerlei Können erwartet wurde. Egal, wie oft ich sterbe, ich wurde immer an die gleiche Stelle zurückgesetzt - wenn das überhaupt mal vorkam. Wer sich jetzt denkt "Na, dann geh halt mal auf Erkundungstour in LEGO City - das war ja schon auf der Wii U das Beste am ganzen Spiel!", auch den muss ich enttäuschen: Die Open-World auf dem 3DS ist lächerlich! Sie ist menschenleer und es gibt absolut keine Beschäftigungen abseits der Story. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht einmal, warum es sie überhaupt gibt bzw. wozu sie zu Nutzen sein soll. Gab es auf der Wii U noch an allen Ecken und Enden Dinge zu tun und zu entdecken, findet man auf dem 3DS nur einfarbige Blöcke, grauen Nebel und noch mehr einfarbige Blöcke vor. Man kann so gut wie nichts sammeln und Sidequests gibt es nicht.
Klar: Der 3DS ist ein deutlich schwächeres System als die Wii U. Aber auch aus dem Handheld kann man einiges herausholen, wenn man sich Mühe gibt, wie Luigi's Mansion: Dark Moon & Co. ja beweisen. Nur hat man sich bei The Chase Begins einfach keine Mühe gegeben, sondern LEGO City lieblos auf das Modul gequetscht und es so lange beschnitten, bis es halbwegs lauffähig war. Ein Armutszeugnis.
Es geht aber noch schlimmer, wenn man sich mal die Technik des Spiels anschaut. Egal, ob in 2D oder 3D, das Spiel scheint immer mal wieder extrem zu ruckeln. Und die Entwickler haben allen Ernstes darauf verzichtet, The Chase Begins jegliche Musik zu spendieren. Kein Witz: Außer während der Kämpfe hört man im Spiel nichts außer Vogelgezwitscher und das Brumm-brumm der Autos. Es gibt keinerlei Hintergrundmusik und darüber hinaus auch keine Sprachausgabe, was die ohnehin schon humorlosen und staubtrockenen Dialoge noch unerträglicher gestaltet. Schick sehen nur die wenigen Rendersequenzen aus, die vermutlich vom gleichen Studio produziert wurden wie die der Wii-U-Version. Und wer sich Hoffnung macht, wenigstens eine interessante Story zu erfahren, die ja immerhin die Vorgeschichte zu den Ereignissen von LEGO City: Undercover erzählt, der hat sich ebenfalls geschnitten. Der einzige wirklich relevante und halbwegs interessante Part der Handlung ist der Epilog, den man nach ca. 6-7 Stunden zu sehen bekommt, und das Ende ist selten bescheuert, selbst für LEGO-Spiele.
Fazit von Tim:
Lasst euch bloß nicht von dem Gedanken verleiten, mit The Chase Begins ein locker gleichwertiges Pendant zu LEGO City: Undercover für den Nintendo 3DS zu bekommen. Denn das, was auf diesem Modul steckt, ist eine lieblos hingeklatschte Billigproduktion, der Herz, Seele und Liebe zum Detail fehlen. Dass man das Spiel irgendwo beschneiden musste, damit es auf dem 3DS funktioniert, war klar und logisch, aber sowas? Nein, sowas hätte ich beim besten Willen nicht erwartet. Hier servieren uns Traveller's Tales und Nintendo kein optimiertes Handheld-Erlebnis, stattdessen setzen sie uns ein verkrüppeltes LEGO City vor, das nur noch aus Haut und Knochen, nicht aber aus Herz und Muskeln besteht. In den Adern dieses Spin-Offs fließt kein Blut. Alles wirkt tot: Die Stadt ist leer und langweilig, die Figuren sind uninteressant und allesamt stumm, Humor und Story haben Urlaub genommen und den Spielspaß mit in den Koffer gepackt. Bei allem Respekt, den ich für LEGO-Spiele und Traveller's Tales habe: Dieses Spiel hier ist eine Schande für den großen Namen. Vergesst es einfach ...
Stellt euch LEGO City: Undercover ohne Witz, ohne Ton, ohne Leben, ohne Herz und ohne jegliche Erkundungsreize vor und denkt euch noch technische Probleme hinzu, dann habt ihr The Chase Begins: eine lieblos hingeklatschte Billigproduktion ohne Charme und Spaß.
- einige nett gedachte Bosskampf-Mechaniken
- tote Stadt ohne Nebenbeschäftigungen und Leben
- abwechslungsarmes Design von Missionen & Levels
- viel zu viele geradezu lächerlich einfache Kämpfe
- keine Sprachausgabe oder Musik, nur Geräusche
- technische Probleme und erbärmliche Weitsicht
- völlig inspirationslose Story ohne Humor & Witz
Tim hat Lego City Undercover: The Chase Begins auf dem Nintendo 3DS gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Nintendo zur Verfügung gestellt.

