Fuse - Review
Ein Shooter, den die Welt nicht braucht, nicht will und nicht kauft
Verdunkelte Korridore in engen Forschungslabors. Ein böser Russe mit kriminellem Hintergrund. Ein psychopathisches Asia-Weibchen mit zwei einsilbigen Namen. Check, check, check. Zur absoluten Langeweile fehlen nur noch vier völlig uninteressante Söldner-Helden ohne Herz, Seele und Verstand, eine erbärmliche KI und eine Handlung, die so schlecht ist, dass man die Dialoge am liebsten wegklicken würde. Und dieses Fuse, dieser Shooter, den die Welt nicht braucht, nicht will und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht kaufen wird, das stammt also von Insomniac? Wow. Okay. Ich hätte es ja nicht zu glauben gewagt, aber auf dem Cover prangt tatsächlich das Logo von ebenjenem Studio, das zuvor fantastische Spiele wie Resistance oder Ratchet & Clank entwickelt hat. Was ist los mit euch, Leute? Könnt ihr es nicht mehr oder hattet ihr diesmal einfach keine Lust?





Kugeln fliegen, Headshots sitzen, die Spielmechanik stimmt - aber wo ist der Spaß?
Denn "funktionieren", das tut Fuse auf jeden Fall. Es ist sogar vergleichsweise gut spielbar. Es bietet ein ordentliches Deckungssystem, eine recht weiche und eingängige Steuerung und genug Treffer-Feedback, damit das "Rumms!" hinter dem Schuss spürbar ist. Fuse ist das Fundament für einen guten Third-Person-Shooter, aber es ist eben nur ein Fundament, auf dem man hätte weiterbauen müssen. Selbst die Geschichte rund um irgendwelche mysteriösen Energiequellen, mafiösen Konzerne und austauschbaren Antagonisten wirkt nur wie ein Platzhalter für eine eigentlich viel packendere Story, die Insomniac bei der Entwicklung aber irgendwo vergessen hat - war wohl keine Zeit mehr dafür, das Spiel musste ja auf den Markt. Obwohl es nicht einmal lange her ist, dass ich es durchgezockt habe, habe ich ehrlich gesagt keine Ahnung mehr, worum es eigentlich genau ging. Ich bin halt Kapitel für Kapitel durch lineare Umgebungen gewandert und habe die immer wiederkehrenden Wellen hirnloser Klonkrieger niedergemäht - mal vor tropisch-sonniger, mal vor frostig-verschneiter, meist vor grau-braun-schwarz-trister Kulisse. Fortschritte innerhalb dieser verwirrenden Story konnte ich keine erkennen, dafür musste dann der Kapitelzähler herhalten. Wie weit bin ich gerade? Genau, in Kapitel 5 - sieben an der Zahl sind es, also bin ich wieder etwas weiter gekommen. Alles plätscherte eben so vor sich hin, ganz unschuldig, ganz unbeteiligt, als ob es das Normalste der Welt wäre, wenn mich ein Spiel nicht im Geringsten packt.
Hier und da habe ich dann aber doch auch Spaß mit Fuse gehabt. Zum Beispiel dann, wenn ein paar andere Zocker bei mir eingestiegen sind und wir gemeinsam auf die Jagd nach Headshots gegangen sind. Die Partner-KI macht ihren Job zwar auch recht gut, aber mit Kollegen aus Fleisch und Blut zu spielen, ist einfach das bessere Erlebnis. Zumindest für den Moment - langfristig gesehen musste ich immer wieder eine lange Pause einlegen, sonst wäre ich irgendwann wohl noch eingeschlafen. Es ist wirklich so: noch ein Raum, noch eine Welle, noch ein Gegner, noch ein Raum mit noch mehr Gegnern ... stellenweise fühlt sich Fuse wie eine Endlosschleife an. Zum Glück gibt es zwischendurch auch Höhepunkte wie den Seilbahntrip über die verschneiten Gipfel, aber auch die sind so rar gesät, dass es einfach nicht reicht. Wenn ich nur daran denke, was Insomniac an kreativen Ideen hat einfließen lassen in die glorreichen Ratchet & Clank: A Crack in Time oder Resistance 3. Selbst diese alteingesessenen Serien bieten so viel mehr Einfallsreichtum als Fuse, was ja eine ganz neue Marke darstellt. Vielleicht erinnert ihr euch noch an die ursprüngliche Ankündigung auf der E3 2011, als EA das Spiel unter dem Namen Overstrike präsentierte. Damals überraschte der Trailer mit abgefahrenen Waffen, coolen Charakteren und einem tollen Humor. Heute sind die Waffen weniger crazy, die Charaktere stumpfe Abziehbilder der Helden aus jedem beliebigen Wald- und Wiesen-Shooters und der Humor wurde gleich ganz gestrichen. Für eine Seele, für eine eigene Identität, für so etwas war kein Platz mehr auf der Disc.





Kristallisierende Waffen und seichtes XP-Sammeln ... ja. Okay. Nett. Mehr nicht.
Das alles macht Fuse nicht zu einem schlechten Spiel, dafür aber zu einem, an das ich mich wohl kaum jemals wieder erinnern werde - es sei denn, ich schwelge in nostalgischen Erinnerungen an das, was aus Insomniac Games geworden ist. Okay, vielleicht kriegt das Studio mit Sunset Overdrive für die Xbox One nochmal die Kurve, vielleicht war Fuse nur eine billige Auftragsarbeit für das schnelle Geld. Vielleicht haben auch irgendwelche BWLer an der Vorstandsspitze entschieden, dass sich generisches Geballer von der Stange im Handel besser macht als das, was Overstrike einmal werden sollte. Aber ganz egal, an wem es schlussendlich hängen bleibt, Fakt ist, dass es die falsche Entscheidung war. Fuse kam und ging wieder, ohne dass es irgendjemanden groß interessierte - nicht einmal EA, die das Spiel ja kaum beworben haben. Acht Stunden meiner Lebenszeit habe ich mit der Kampagne verbracht, zwei weitere im Echelon-( lies: Horde-)Modus, und erinnern kann ich mich jetzt schon an kaum etwas davon. Alles war funktionell bis durchschnittlich, aber weit davon entfernt, interessant zu sein. Von der Musik blieb mir kaum was im Ohr, die Grafik war technisch okay, stilistisch durchwachsen. Fuse ließe sich auch einfach in einem kurzen Absatz beschreiben, ohne dass ich irgendetwas Nennenswertes auslassen müsste.
Okay, da sind die theoretisch interessanten Fuse-Waffen, von denen jeder der vier Charaktere eine einzigartige bei sich trägt: Die eine der beiden Damen kann mit ihrer Knarre Gegner "kristallisieren" und dann zerbersten, der Kerl mit den starken Oberarmen wiederum kann sich mit einem Magnetschild vor entgegenkommenden Projektilen schützen und sie zurükschleudern. Die Waffen sind interessant, aber auch ihr Potential wird nicht ausgeschöpft, da man sie durchgehend im Arsenal trägt und nur spartanisch miteinander kombinieren kann. Dann wären da noch der Fähigkeitenbaum, in dem man Heilgranaten und Bonus-Prozente auf Waffenschaden und HP-Regeneration freischalten kann, und .... nichts mehr. Das war es an sich auch schon - damit hätte ich Fuse jetzt endgültig zusammengefasst. Ihr seht schon: Auch die Waffen oder die mikroskopischen "Rollenspiel-Anteile" mit Level-Up-Funktion konnten mich nicht gerade begeistern. Von den Bosskämpfen mal ganz zu schweigen, die nicht mal am untersten Standard kratzen und sich sogar mehrfach wiederholen. Vor allem die Enforcer mit ihrem viel zu langen HP-Balken gingen mir gehörig auf die Nerven. Erst recht beim zweiten und dritten Mal.
Immerhin eines hat mich positiv überrascht: Fuse bietet auch die Möglichkeit, zu zweit im Splitscreen (sogar online!) zu zocken - früher noch eine Selbstverständlichkeit, heute ein in meinen Augen unterschätztes und zu Unrecht ignoriertes Feature. Aber das hilft Fuse leider auch nicht weiter.
Fazit von Tim:
Fuse ist ein Spiel, nach dem die Welt niemals gefragt hat, und es ist keines dieser Spiele, bei denen das für eine positive Überraschung sorgt. Es ist ein Shooter der Sorte "as generic as it gets", ein Spiel, das man für 'nen Zehner mal mitnimmt, um mit einem Kumpel die Zeit im Sommerloch totzuschlagen, falls man schon alles andere durchgezockt hat. Dass so ein Titel ausgerechnet vom Traditionsstudio Insomniac kommt, ist für mich das Schlimmste daran. Mit einem weiteren gewöhnlichen Shooter von der Stange könnte ich problemlos leben, dass es allerdings von den Köpfen hinter den tollen PlayStation-Serien Resistance und Ratchet & Clank kommt, ist eine unfassbare Enttäuschung. Dabei ist es nicht einmal ein schlechtes Spiel. Es ist einfach seelenlos, ideenlos, uninteressant, durchschnittlich und nicht motiviert, irgendwas sinnvolles zum Genre beizutragen. Tut euch selbst einen Gefallen und spart das Geld für andere Titel auf. Und wenn ihr nichts zu zocken habt, dann schaut euch zuerst mehr oder weniger vergleichbare Spiele wie Spec Ops: The Line oder, wenn es Coop sein muss, Borderlands 2 an. Fuse ist nur die Notlösung für Langeweile. Und das ist jammerschade.
Spielmechanisch und technisch ist Fuse genau das richtige Fundament für einen richtig guten Third-Person-Shooter mit Coop-Einschlag - nur hat man aufgehört zu bauen, nachdem die Grundlagen fertiggestellt wurden. Das Ergebnis ist ein Spiel, das vor sich hin plätschert und so tut, als sei es das Normalste der Welt, wenn sich der Spieler nicht die Bohne dafür interessiert, worum es eigentlich geht. Hauptsache, es wird geschossen.
- funktionelle, rundum solide Spielmechanik
- komfortables Deckungssystem auf Knopfdruck
- einige inszenatorische Stärken (Kapitel 4)
- online mit bis zu drei Freunden spielbar
- uninteressante Story, die zu wenig erklärt
- austauschbare Söldner ohne Herz und Seele
- völlig ideenloser Spielablauf der Kampagne
- KI der Gegner ist absolut zum Vergessen
- gelegentliche Bugs (Gegner bleiben stehen)
- sehr wenig Abwechslung in der Spielmechanik
- wiederholte Bosskämpfe gegen blöde Roboter
Tim hat Fuse auf der Xbox 360 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Electronic Arts zur Verfügung gestellt.


