Cloudberry Kingdom - Review
Wenn Mario auf Pilzen ist, landet er genau hier
Ich erinnere mich noch gut daran, als ich zum ersten mal Super Mario World gespielt habe. Damals war ich noch klein, unschuldig und voller Staunen darüber, dass mich ein recht niedlicher Gumba angreift. Schnell (nach mehreren First-Try-Toden) musste ich lernen, dass diese gefährlich sind und mir nichts Gutes wollen. Dank unzähliger Mario-Spiele habe ich das fast schon unschaffbare Gumba-Hindernis überwunden und lache nur noch darüber, wenn jemand meine Prinzessin klaut. Eigentlich würde ich ja lieber einen feschen Prinzen retten, aber das ist ein anderes Thema. Letztendlich ist es also kein Wunder, dass ich im Jump‘n‘Run-Bereich Herausforderungen suche, vor allem nachdem das knackige Rayman Origins durchgespielt war.
Dafür ist Titelheld Bob (gesprochen von Kevin Sorbo aka TV-Held Hercules) eigentlich nicht die richtige Person, erscheint er doch mit seinen kurzen Beinchen irgendwie nicht gerade in der Lage große Sprünge auszuführen. Dennoch kann er eine erfolgreiche "Ich habe die Prinzessin gerettet"-Vita vorweisen und befindet sich dementsprechend im Ruhestand. Wie es scheint muss Bob in Cloudberry Kingdom erneut zur Tat, da der fiese König die Prinzessin (oh Wunder) geraubt hat. Ein Teufelskreis aber auch, in dem Opa-Bob dieses Mal nicht allzu gut abschneidet. Schnell befindet er sich im Würgegriff, die gelangweilte Prinzessin lacht über seine Bemühungen und der König macht sich von dannen, nachdem er Bob in‘s Meer geworfen hat.





Hüpf-O-Bob
In der Rolle von Bob gilt es nun durch tropfende Höhlen und glühende Berge zu reisen, um die eingebildete Prinzessin doch noch retten. Dazu steht dem Spieler eine recht einfache Steuerung zur Seite: Generell wird nur das Steuerkreuz/Analogstick und die Taste zum Sprung benötigt. So bewegt man sich dann von Links nach Rechts, um zum Ausgang zu gelangen, welcher einen wiederum zum nächsten Areal bringt. Zu Beginn des Spiels ist wenig Geschick von Nöten, immerhin werden einem so die Basics beigebracht. Die Schwierigkeitsgrad zieht im Abenteuermodus aber schnell an, sodass weniger erfahrene Jump‘n‘Runler durchaus Frustmomente erleben können. Dabei sollte man aber beachten, dass Cloudberry Kingdom zu jeder Zeit fair ist und die Level mit ein bisschen Training gemeistert werden können, egal wie schwer es auf den ersten Blick erscheint.
Abgesehen von den schneller und vielzähliger werdenden Hindernissen, ändert Bob so oft seine Eigenschaften, wie manch einer seine Unterwäsche. Während es zu Beginn noch klassisch Auf und Ab geht, ist Bob schnell an ein rollendes Rad gefesselt, ein Jetpack steht zur Hilfe oder unser aufopfernder Recke wird größer und kleiner. Mein Persönliches Highlight war das Springen mit einem Springpferd unter sich, irgendwie hatte es Stil und etwas Heldenhaftes, die Prinzessin zu Pferd zu retten. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt, sodass das ewig gleiche Gameplay immer wieder neuen Input bekommt. Interessant wird der Abenteuer-Modus zudem durch die verschiedenen Gegenstände: Kristalle verlangsamen das Spielgeschehen für eine gewisse Zeit oder es gibt die Möglichkeit sich einen Idealpfad anzeigen zu lassen. Diese Möglichkeiten senken die Frustgrenze und fördern die Motivation, zusätzlich sollte an entsprechenden Toren gespeichert werden, um nicht zwingend das ganze Level zu wiederholen. Dies ist aber leider stellenweise der Fall, denn nicht immer bedeutet ein Stehen auf den angeblich sicheren Plattformen auch "Ruhe", viel zu oft steht man anscheinend doch einen Müh zu weit und fällt runter. Es ist einfach ärgerlich, wenn man im Eifer des Gefechts und neben Lasern, bewegenden Plattformen, Stacheln & Co. auch noch mit den Macken des Spiels auskommen muss.
Da jeder Held eine Pause benötigt, bietet Cloudberry Kingdom natürlich noch verschiedene andere Modi. So gilt es zum Beispiel die Zeit zu unterbieten oder man hat nur eine bestimmte Anzahl an Leben, die man erhalten muss. Für die Masochisten unter euch gibt es auch einen freien Modus, bei welchem ihr die Anzahl der Feinde und die Länge des Level einstellen könnt. Und falls das noch nicht reicht, kann Bob zudem im Multiplayer mit bis zu drei weiteren Bobs verschiedene Abschnitte lösen. Eine nette Idee, die leider nicht online funktioniert und innerhalb welcher schnell die Übersicht verloren geht. Ebenfalls ist die Steuerung manchmal nicht ganz so genau, wie man sie haben möchte, was ein nerviges Wiederholen des Levels nach sich zieht.





Techno und Ritter? Hm...
Zum schlichten Spielprinzip des Spiels passt es dann auch, dass Cloudberry Kingdom vor allem in einem minimalistischen Design auf die Konsole kommt. Dank passender Theme-Vorgabe ändern sich die Muster und Gegner, wirklich viel Spielraum bei den knalligen Farben gibt es jedoch nicht. Ansonsten sollte man nicht allzu viel erwarten, denn generell lebt das Spiel vom Gameplay und nicht von einer Hochglanz-Optik. Abgesehen von den Level zaubert Bob jedoch einen vollen Kleiderschrank aus dem Hut: Es ist einfach lustig wenn man dem tollkühnen Rächer nicht nur eine andere Kopfbedeckung, sondern auch ein Kostüm geben kann. Ihr wollt durchsichtig und mit Hasenohren loslegen? Kein Problem! Gerade im Multiplayer-Modus bieten sich sehr unterschiedliche Bob-Varianten an, um die Übersicht etwas zu wahren.
Immerhin was, schließlich dümpelt die Geschichte nur so vor sich hin, aber aus dem Plot kann man eben nicht allzu viel ziehen. Was ja auch nicht nötig ist, Mario schafft es ja schon seit Jahrtausenden abendfüllende Spiele mit der Peach-Rettung zu füllen. Dennoch werden die Zwischenszenen, die vom Computer eigenständig gerendet werden, gern gesehen. Zumindest lieber als die musikalische Untermalung des Spiels. Zu Beginn sind die sehr dynamischen Klänge noch unterhaltsam, aber mehr Abwechslung als immer die gleichen drei Bands mit ihren fünf Liedern in Endlosschleife wären schön gewesen.
Fazit von Lenela:
- große Levelanzahl
- Schwierigkeitsgrad passt sich der Spielweise an
- Individualisierungsmöglichkeiten
- verschiedene Spielmodi
- Schwierigkeitsgrad hoch, aber nicht so hoch wie gedacht
- Steuerung manchmal ungenau
- wenig Übersicht im Multiplayer
Lenela hat Cloudberry Kingdom auf der PlayStation 3 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Ubisoft zur Verfügung gestellt.


#1 | 13. August 2013 um 04:22 Uhr