Brothers: A Tale of Two Sons - Review
Die wundervolle, berührende und dramatische Reise zweier Brüder
Auch wenn der Xbox LIVE Summer of Arcade dieses Jahr gefühlt etwas mau ausfällt, kann der Eröffnungstitel Brothers: A Tale of Two Sons von den Starbreeze Studios, der auch im September für PC und PlayStation 3 erscheinen wird, durchaus überzeugen. Das hat der Titel bereits im Vorfeld, auch wenn man sich mit dem Gedanken der Entwickler, ein Koop-Gameplay als Singleplayer zu absolvieren, vielleicht noch nicht so recht anfreunden wollte. Aber, es funktioniert. Sehr gut sogar. Warum ihr euch das Spiel aber unabhängig davon auf jeden Fall anschauen und auch kaufen solltet, erzähle ich euch spoilerfrei in meiner Review.
Groß links, Klein rechts
"Du steuerst beide Brüder gleichzeitig und erlebst so Koop-Gameplay im Einzelspieler-Modus, wie du es noch nie gesehen hast." beschreiben die Entwickler selbst das Gameplay bzw. die Steuerung und ich kann bestätigen, ja, sowas habe ich noch nie erlebt und war anfangs auch skeptisch. Anfangs, das war irgendwann im März, als mir Josef Fares, ein libanesisch-schwedischer Filmregisseur und Drehbuchautor, der die Story zu dem Spiel geschrieben hat, in einem Video erklärt hat, dass ich den kleinen Bruder mit dem rechten und den großen Bruder mit dem linken Stick auf meinem Controller steuern werde. Aktionen führt man jeweils getrennt über die Schultertasten durch. Seinerzeit hatte ich die Befürchtung, dass ich das nicht wirklich hinbekommen würde - heute kann ich sagen: Es funktioniert!
Jeder der Brüder hat besondere Fähigkeiten, auch wenn man dies nun nicht überbewerten sollte. Im wesentlichen ist der eine größer und stärker, der andere kleiner und flinker. Dennoch wird man im Verlauf des Spiels nicht ohne einander und um die kombinierte Hilfe auskommen, damit man voran kommt. Ob das nun eine Räuberleiter vom Großen ist, damit der Kleine einen Fels hochklettern kann, das praktische Durchschlüpfen des Kleinen durch Gitterstäbe, oder eben das gemeinsame ankurbeln von mechanischen Apparaturen - die Brüder müssen gemeinsam agieren.





Präsentation hui, Gameplay so lala
Im obigen Screenshot habe ich es bereits angedeutet, optisch hat Brothers einiges zu bieten, und für einen verhältnismäßig günstigen Titel zaubert es sogar noch viel mehr Detailreichtum, großartige Panoramalandschaften und diverse Wow-Effekte auf den Bildschirm. Ganz groß: Die Perspektiven und Kamerafahrten. Dass man dann noch im Laufe seiner Reise unterschiedliche Vegetationsgebiete durchstreift, ist fast schon selbstverständlich. Die Umgebungen sind wunderschön und farbenfroh, selbst wenn man im winterlichen Eisgebiet oder auf dem Friedhof landet, man merkt an diversen Stellen die Liebe zum Detail und der Stil wird durch Ingame-Engine Zwischensequenzen nicht gebrochen - alles wirkt wie aus einem Guss.
Spielerisch ist leider alles strikt linear gehalten, es gibt nur einen Weg und man kann auch nirgends runterfallen oder sich verlaufen. Aktionen werden teils halb-automatisch durchgeführt, teils wird auch ohne zutun geklettert und gesprungen. Das ist leider ein Manko des Spiels, das sich vor allem zu Beginn der Reise zeigt. Die sogenannten Rätsel sind nun wirklich nicht schwer, einzig das Zusammenspiel der beiden Brüder liefert hier eine gewisse Herausforderung, wenn man es denn so sehen will. Im späteren Verlauf kommen zwar kleine Bosskämpfe und andere Tricks hinzu, allerdings ist alles sehr moderat ausgelegt, so dass man damit keine Probleme haben sollte. Wer in Brothers einen Puzzle-Plattformer sucht hat somit nicht sein Spiel gefunden, wer jedoch Präsentation und Story über dem Gameplay priorisiert, dürfte in dem Spiel ein kleines Highlight finden.
Aber nicht alles am Gameplay ist "so lala", denn viele Aufgaben, gehen sie teils noch so einfach von der Hand, sind von der Idee her einfach eine tolle Sache und machen das Spiel, neben der Story und der Präsentation, zu einem sehens- und spielenswerten Titel. Wenn ich mir in den Bergen Geißböcke schnappen muss, damit ich auf selbigen die Berge hochreiten kann, wenn ich zu zweit auf einem Papierflieger, wie ein Ikarus, durch die Winde schwebe - ja, dann macht das Spiel vieles richtig und lässt einen einfach tolle Momente erleben.





Großes Kino für wenig Geld
Ihr merkt, von der Story habe ich bisher nicht viel verraten, das ist auch gut so, denn davon lebt das Spiel - wie so einige. Die Reise der beiden Brüder beginnt eher harmlos, auch wenn man natürlich ein Heilmittel für den sterbenden Vater suchen soll. Doch die heile Blütenlandschaft mit einem scherzenden Zeitgenossen der uns Türen vor der Nase zuschlägt, wird schnell ernst. Sehr ernst. Das alles wird zudem nur visuell vermittelt, da sich Starbreeze dazu entschlossen hat eine Fantasysprache (?) in das Spiel zu integrieren, so dass man die beiden Brüder nie wirklich versteht. Das nervt anfangs auch ein wenig, legt sich aber im späteren Verlauf, da man sich sowieso wenig zu sagen hat.
Die komplette Geschichte ist wirklich sehenswert und entfaltet meiner Meinung nach erst im letzten Drittel sein wahres, dramatisches Potential, wobei auch das zweite Drittel bereits viele Andeutungen in eine ernstere Richtung macht. Alles in Allem kann ich das Spiel jedem weiterempfehlen, der nur halbwegs etwas mit guten Geschichten am Hut hat - auf XBLA gibt es ja auch eine Demo zum Spiel. Spielerisch muss man Abstriche machen und Rätselfreunde werden sicherlich nicht auf ihre Kosten kommen, keine Frage, aber ansonsten ist es einfach ein schönes Spiel.
Apropos, die Verteilung der Achievements gestaltet sich etwas ungewöhnlich. Diese werden nämlich nicht wie üblich über Wegpunkte oder diverse Aktivitäten während der Story verteilt, sondern sind allesamt nur über besondere Tätigkeiten erreichbar. Es mag daher irritieren, wenn man schon 2-3 Stunden gespielt hat, ohne ein einziges Achievement erreicht zu haben - ist hier aber völlig normal. Außerdem kann man im Anschluss bzw. während des Spielverlaufs jedes der sieben Kapitel (+ Pro- und Epilog) anspringen, um einen dieser Erfolge zu erfüllen.
Fazit von Darius:
Großartig! Das fällt mir nach dem Durchspielen und auch während meiner Spielsession zu Brothers: A Tale of Two Sons ein. Klar, spielerisch setzt es auf eher einfache, wenn nicht gar Pseudo-Rätsel und einen strikt linearen Weg, was nicht jeden begeistern kann. Auf der anderen Seite bietet es ein bisher nicht gesehenes Koop-Gameplay-Gefühl für Einzelspieler mit einer intuitiven Steuerung und damit verbundenen Spielideen. Darüberhinaus weiß das Spiel von Starbreeze optisch mehr als zu beeindrucken - und bei der Story würde ich von einem echten Highlight sprechen, die euch mehr bietet als ihr erwarten könnt. Insgesamt also ein schönes Abenteuer-Spiel, das ich nur weiterempfehlen kann.
- Präsentation & Grafik
- Story
- Intuitive Koop-Singleplayer-Steuerung
- Perspektiven & Kamerafahrten
- Spielideen like Geißböcke & Co.
- Spielzeit ca. 5-6 Stunden
- Preis-/Leistungsverhältnis
- Rätsel eher Beiwerk und mau
- Fantasysprache teils nervig
- Strikt Linear ggf. nicht jedermanns Sache
- Spielzeit ggf. etwas zu kurz
Darius hat Brothers: A Tale of Two Sons auf der Xbox 360 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von 505 Games zur Verfügung gestellt.


#1 | 18. August 2013 um 20:31 Uhr