The Legend of Zelda: The Wind Waker HD - Review

Langsam schippert der kleine Kahn über den großen, weiten Ozean. Rhythmisch schaukelt das Schiff mit den wogenden Wellen, die sich am roten Holz brechen, das Segel ist vom Wind aufgebläht, der in gleichbleibender Geschwindigkeit gen Süden weht. Weit und breit ist außer ein paar Möwen, Fischen und Treibgut nichts zu sehen, und man läuft Gefahr, sich in der Einsamkeit des Meeres zu verlieren. Doch wer The Legend of Zelda: Wind Waker kennt, der weiß: Hinter dem Horizont warten Feinde, Rätsel, Schatztruhen und Dungeons. Für Veteranen ist all das nicht mehr neu. Ich hingegen bin auf der Wii U das allererste Mal mit Link in See gestochen und ganz ohne Nostalgie an den Klassiker herangegangen, der nun in kernigem HD und dank diverser Tweaks in ganz neuem Licht erstrahlt. Was Link und ich auf unserer Reise erlebt haben, verrät die Review.


Wenn ich nicht wüsste, dass das hier ein Remake ist, hätte ich es nicht vermutet ...



Mittlerweile ist Wind Waker im Original bereits über zehn Jahre alt - zehn Jahre! Das klingt an sich schon nach viel und für die Videospielbranche ist es tatsächlich eine halbe Ewigkeit, doch keine Sorge, eines steht zu 100% fest: Wind Waker HD mag inhaltlich "alt" sein, doch fühlt es sich für mich als Neuling nicht veraltet an. Genau so wie dieses Remake heute aussieht und wie es sich anfühlt, genau so könnte auch ein ganz neues Zelda aussehen und sich anfühlen. Kurz: Wir mögen hier nur eine Neuauflage eines gefühlt steinalten Spiels vor uns haben, doch sie wirkt modern, taufrisch und im großen Ozean der Action-Adventures sticht sie angenehm hervor. Zum einen natürlich durch die extra für die Wii U aufgepeppte Grafik, die dank Full-HD-Auflösung und schnieken Licht- und Schatteneffekten schlicht eine Augenweide ist. Wirklich: Das Spiel sieht fabelhaft schön aus und wüsste man nicht, dass es ein Remake ist, dann würde man es auch an kaum einer Stelle vermuten - maximal die Rankentexturen mancher Wände stammen aus dem vergangenen Jahrzehnt. Zum anderen beeindruckt Wind Waker aber auch durch seine liebevoll designte, riesige Welt, die hier das erste Mal in der Seriengeschichte mit dem Schiff bereist wird. Von Minute 1 an hatte mich das Spiel fest im Griff und ließ mich erst dann los, als die unsägliche Triforce-Splitter-Suche (die trotz Kürzung auch hier noch nervt) begann - doch dann ging es wieder steil aufwärts. Und jetzt, nach den Credits, weiß ich: Das Ding hier ist zu Recht ein Klassiker!


The Legend of Zelda: The Wind Waker HD


Eine Schiffahrt, die ist lustig, eine Schiffahrt, die ist schön - naja, meistens.



Worum geht es? Ganondorf ist wieder auferstanden und hat dem Master-Schwert seine Kraft entzogen, Hyrule und die ganze Welt sind in Gefahr, Jüngling Link wird zum wiedergeborenen Helden der Zeit auserkoren und muss nicht nur die Waffe der Sagen an sich reißen, sondern auch die Dämonen bezwingen und verbannen - das Fundament ist in jedem The Legend of Zelda gleich, auch Wind Waker dreht erzählerisch nur an kleinen Schrauben. Die Geschichte ist dennoch wie fast immer charmant in Szene gesetzt, die Charaktere sind liebenswürdig und hier und da tauchen immer wieder neue Gesichter auf, die es in anderen Ablegern nicht gibt. Da wäre zum Beispiel das sprechende Schiff, der Rote Leuenkönig. Dieser hilft Link zwar durch das ganze Abenteuer und weiß immer, was zu tun ist, doch wer ist er eigentlich und was hat er zu verbergen? Die Antworten auf diese Fragen sind alles andere als vorhersehbar und so gibt es hier und da auch ein paar kleine Überraschungen. Und der größte Unterschied zwischen Wind Waker und den anderen Zeldas ist natürlich wie gewohnt das Szenario, in dem die Geschichte stattfindet. Spielt Skyward Sword beispielsweise sowohl auf der Welt am Boden als auch über den Wolken und Ocarina of Time fast ausschließlich auf der weiten Ebene von Hyrule, hat man sich bei Wind Waker dagegen für den weiten Ozean entschieden, ein riesiges Meer voller kleiner und großer Inseln, umrundet von hellblauem Wasser, die es zu bereisen und erkunden gilt.

Inmitten dieser schier endlosen virtuellen Badewanne existiert alles, was das Fan-Herz begehrt: Es gibt Dungeons - wenn auch vergleichsweise wenige gegenüber beispielsweise Skyward Sword -, die serientypisch mit Rätseln, Fallen, Gegnern und Bossen gespickt sind, manche Pflicht, manche optional, und es gibt viel Raum zum Erkunden. Auf der wirklich riesigen Weltkarte liegen ca. ein halbes Dutzend Inseln, die man nicht unbedingt besuchen muss, es aber als Nebenbeschäftigung machen kann. Ab und zu wird die Karte aber auch "zu groß", sodass das Hin- und Herfahren mit dem Schiffchen übermäßig lange dauert. Dem entgegengewirkt hat Nintendo im Remake durch ein rotes Segel, das die Bewegungsgeschwindigkeit des Kahns verdoppelt - eine coole Sache, die auf jeden Fall für mehr Komfort sorgt. Doof nur, dass das Segel ziemlich clever versteckt ist, doch wer sich mit der Welt und den Dialogen beschäftigt, der wird irgendwann auch darauf kommen. Besonders praktisch ist das neue Segel selbstverständlich für einen gewissen verhassten Part im Spiel, in dem man acht kreuz und quer verteilte Splitter des legendären Triforce sammeln muss. Denn zum einen ist der vergleichsweise öde Aufbau dieser Mini-Dungeons eine ziemliche Spielstreckung (Beispiel: Einmal muss man 30 Arenen voller Gegner abschließen!), zum anderen muss man sich die Karten, die zu den Splittern weisen, erst einmal mühselig erarbeiten und dann auch noch gegen teures Geld übersetzen lassen. das kann sich schon auf bis zu 3-4 Stunden ziehen, die einfach nicht so richtig Spaß machen. Bis man dort angekommen ist, dauert es aber gut 15-20 Stunden, in denen man eigentlich gar nicht genug vom Spiel haben kann.


The Legend of Zelda: The Wind Waker HD


Rätsel knacken, Kämpfe bestehen, Bosse bezwingen, Puzzles lösen - alles drin!



Denn das Design der Dungeons zeigt wieder einmal, warum es bis heute noch so gut wie kein Spiel (Ausnahme: Okami, mit Abstrichen Darksiders) geschafft hat, die hervorragende Zelda-Formel ansprechend zu kopieren. Link sammelt zwar während seiner Reise eine Menge cooler Gadgets in seinen Taschen - darunter alte Freunde wie Bogen, Bumerang und Bomben, aber auch exotischer Kram wie Hammer, Spiegel oder Eisenstiefel -, doch erst durch die Kombination all dieser Gegenstände wird die Spielmechanik interessant. Der Aufbau der Rätsel und Räume ist stets anders und die Dungeons unterscheiden sich auch stark in ihrer Thematik. Was Wind Waker fehlt, ist der klassische Wassertempel - dafür gibt es aber Verliese, in denen man clever mit dem Wind taktiert, sowie welche, in denen Licht und Schatten eine große Rolle spielen. Schalter, Schiebepuzzles, Spiegellabyrinthe, Verschiebung von Gewichten, Platforming-Passagen und so weiter und so fort, die Vielfalt ist groß und manche Puzzles sind alles andere als einfach. Trotzdem gehört Wind Waker unter dem Strich zu den eher einfacheren Zelda-Teilen, was Rätsel und Bosskämpfe angeht. Und das Kampfsystem? Nun, das ist so simpel wie eh und je, aber da die Balance stimmt, machen auch die meisten Gefechte mit den Standardgegnern Spaß.

Wie oben schon erwähnt, sieht The Legend of Zelda: Wind Waker HD gut aus, extrem gut sogar, wenn man bedenkt, dass es sich hier "nur" um ein Remake handelt. Wenn ich mir ansehe, wie wenig Mühe sich die meisten Entwickler heutzutage für Remakes geben (Beispiel: Prince of Persia Trilogy HD oder Ratchet & Clank: HD Collection) - speziell dann ist es einfach toll, ein echtes Remake zu spielen, das den Namen verdient, und nicht nur eine hochskalierte Portierung mit Texturen aus dem vergangenen Jahrtausend. Nintendo hat sich sichtlich Mühe gegeben und diese Mühe hat sich auch ausgezahlt. Auch die Soundkulisse ist große Klasse, Teile des Soundtracks wurden sogar neu aufgenommen - mit einem echten Orchester, wie es sich für moderne Zelda-Ableger gehört. Unterdessen ist die GamePad-Einbindung solide und praktisch für Dinge wie Inventar-Management und Karten-Verwaltung, aber revolutionär gut genutzt wird der Controller leider immer noch von keinem einzigen Nintendo-eigenen Titel. Wird Zeit, dass da mal was kommt - vielleicht ja mit dem ersten richtigen neuen Zelda für die Wii U, das allerdings noch etwas auf sich warten lassen wird. Immerhin: Off-TV-Play, also Zocken am GamePad ohne TV, ist uneingeschränkt möglich und das Miiverse wird auch anständig integriert. Über sogenannte "Tingle-Flaschen" kann man quasi Flaschenpost spielen und Nachrichten bzw. Screenshots "ins Meer werfen", die an Stränden anderer Spieler angeschwemmt werden. Nett, aber etwas unspektakulär.



Tim

Fazit von Tim:

Endlich mal wieder ein Remake, das den Namen auch verdient! Bei Nintendo weiß man wenigstens noch, dass man auch in Neuauflagen die inhaltliche und technische Qualität bekommt, die die Spiele verdient haben - das war schon bei The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3D so und The Legend of Zelda: Wind Waker HD ist da nicht anders. Da ich Wind Waker zuvor nie gespielt hatte, kam mir das Remake gleich doppelt recht, und ich hatte die 25-30 Stunden, die ich mit Link verbracht habe, verdammt viel Spaß - auch mehr als mit Skyward Sword auf der Wii. Vor allem aber grafisch und akustisch hat mir das Spiel wahnsinnig gut gefallen. Der Ozean ist schlicht wunderschön, der Cell-Shading-Stil sieht super aus und der Soundtrack ist abermals eine Wucht. Negativ aufgefallen sind mir lediglich Schwierigkeitsgrad und Quantität der Dungeons - 1-2 mehr hätten nicht geschadet und speziell die Bosse hätten ruhig etwas fordernder sein dürfen. Und dann ist da natürlich noch die lästige Triforce-Suche, die auf der Wii U zwar entschlackt wurde, aber immer noch nervt. Abgesehen davon habe ich jedoch nichts zu meckern und bin froh, endlich auch selbst in den Genuss von Wind Waker, zweifelsohne einem der besten Zeldas aller Zeiten, gekommen zu sein - und das in einer visuellen Pracht, wie es sie auf der Konsole bisher nur einmal gibt. Kurz: Wer das Spiel noch nie gespielt hat, hat jetzt die optimale Gelegenheit dazu, das nachzuholen. Setzt die Segel!

Jetzt oder nie: Wer Wind Waker bislang verpasst hat, kann es auf der Wii U in einer hochmodernen Grafikpracht nachholen. Spielerisch und inhaltlich bleibt es ein einzigartiges, höchst unterhaltsames Abenteuer und vor allem ein erstklassiges Zelda.

Besonders gut finde ich ...
  • farbenprächtige Kulissen auf Hochglanz
  • ein riesiger Ozean voller Geheimnisse
  • knifflige, abwechslungsreiche Dungeons
  • wenige, aber cool gemachte Bosskämpfe
  • fantastischer Soundtrack mit Orchester
  • GamePad super für Inventar, Map & Co.
  • kürzere Triforce-Suche, besseres Segel
Nicht so optimal ...
  • etwas zu leicht und zu wenig Dungeons
  • unnötiges Recycling gegen Spielende
  • Triforce-Suche nervt nach wie vor

Tim hat The Legend of Zelda: The Wind Waker HD auf der Nintendo Wii U gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Nintendo zur Verfügung gestellt.

The Legend of Zelda: The Wind Waker HD - Boxart
  •  
  • Entwickler:Nintendo
  • Publisher:Nintendo
  • Genre:Action-Adventure
  • Plattform:WiiU
  • Release:04.10.2013
    (Japan) 26.09.2013

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