Tomb Raider: Definitive Edition - Review
Lara Croft im Next-Generation-Überlebenskampf auf Yamatai
Nachdem uns Crystal Dynamics und Square Enix bereits im vergangenen Frühling den Reboot von Tomb Raider präsentiert haben, folgt nun, fast ein Jahr danach, nochmal eine technisch verfeinerte Konsolen-Version für die PlayStation 4 und Xbox One. Wer sich nun oder noch immer fragt, ob die Next-Gen-Neuauflage als Tomb Raider: Definitive Editon den Vollpreis wert ist, dem kann ich nach Durchspielen auf der PlayStation 4 ein klares "Jain" entgegnen. Warum das so ist, erzähle ich euch in meiner Review - in der kein einziges Mal der Satz "Was haben die mit dem Gesicht gemacht?!" fällt, obwohl das eine kleine Diskussion wert wäre.
Inhaltlich hat sich gegenüber dem ursprünglichen Tomb Raider nichts verändert, das heißt, es erwarten euch keine neuen Storykapitel, lediglich bisher erschienener Download-Content, u.a. die Singleplayer Challenge: Tomb of the Lost Adventurer, acht Multiplayer-Maps, sechs Waffenskins, sowie eine digitale Version des Dark Horse Comicbuchs, des Artbooks von Brady Games, und der Final Hours Entwicklertagebuch-Videos sind mit auf der Disc bzw. im Spielmenü enthalten. Daher könnte ich an dieser Stelle eigentlich schon direkt auf die Review von Kollege Haschi verweisen, aber das wäre wohl zu einfach.

Überleben.
Da es sich bei Tomb Raider um einen Reboot handelt, ist Lara Croft noch nicht die Lara Croft, welche wir schon aus unzähligen Videospiel-Abenteuern oder den beiden Filmen kennen. Sie befindet sich am Anfang ihrer Reise nach Geheimnissen und Schätzen und im aktuellen Spiel an Bord der Endurance. Dem Schiff, das die Crew rund um den britischen Schatzjäger Conrad Roth nach Yamatai bringen soll. Nach einem Kurswechsel ins Drachen-Dreieck (Teufelsmeer) gerät das Schiff in ein verheerendes Unwetter und die Besatzung strandet verstreut auf einer Insel. Noch bevor wir richtig zu uns kommen, gibt es auch gleich einen Schlag auf die Zwölf und das Abenteuer beginnt. Von nun an heißt das Motto: Überleben und die Crew finden.
Dabei streift Lara zunächst hilflos und verängstigt auf der Insel umher, wird jedoch recht schnell zur Actionfigur, die wir kennen und die einem Nathan Drake in nichts nachsteht. Obwohl wir uns in den einzelnen Arealen der Karte frei bewegen können, verläuft der Spielverlauf recht linear - die Story will schließlich vorangetrieben werden. Genretypisch sammeln wir Munition, Erfahrungspunkte und Bergungsgut, um unsere Fähigkeiten und Ausrüstung zu verbessern. Dies geschieht an Lagerfeuern, an denen wir uns erholen und zwischen denen wir im späteren Verlauf auch hin- und herreisen können, um versteckte Schätze und Rätsel eines Abschnitts zu meistern. Rätsel gibt es in der Kampagne leider so gut wie keine, wenn man die Frage, wen man nun zuerst erschießen soll, nicht dazuzählt. Vielmehr findet ihr hier und da verschiedene Gräber, in denen entsprechende Aufgaben auf euch warten, diese zu absolvieren ist jedoch nicht zwingend notwendig. Da euch dort keine Gegner auflauern, könnt ihr in diesem Bereich auch nach Herzenslust knobeln, bis ihr den Dreh raus habt. Eine Schatztruhe, die euch zusätzliche Erfahrungspunkte liefert, ist dann die Belohnung für eure Hirn- und Gamepad-Akrobatik.

Schleichen, Klettern, Töten.
Während wir die Geheimnisse der Insel und der eigenartigen, uns feindlich gesinnten Einwohner erkunden, beschränkt sich das Gameplay also auf Schleich-, Kletter- und Action-Passagen. Dabei können wir auf bewährte Technik und Mechanismen zugreifen, was uns den Spielfluss entsprechend erleichtert. Da wir unsere Ausrüstung langsam, aber beständig ausbauen, werden nach und nach neue Möglichkeiten freigeschaltet, die für das weitere Vorankommen notwendig sind. Konnten wir zum Beispiel zu Beginn unseren Bogen gerade einmal dazu verwenden, um einen Hasen die Löffel zu durchbohren, wird er uns später Seilbrücken zu sonst unerreichbaren Plätzen ermöglichen. Der Bogen und unsere Spitzhacke sind dabei die wirklich wichtigen Utensilien - Pistole, Maschinengewehr und Schrotflinte sind im Kampf gegen miesgelaunte Zeitgenossen aber auch nicht zu verachten. Die Gegner-KI sollte für geübte Spieler keine Herausforderung darstellen, auch die einzelnen "Bossgegner" sind ohne große Anstrengungen zu meistern. Den Schwierigkeitsgrad kann man dank drei verschiedener Stufen entsprechend seiner Spielweise und Erfahrung anpassen, dies funktioniert auch jederzeit während des Spiels. Mit unserem Instinkt-Modus, den wir auf Knopfdruck aktivieren, können wir zudem Objekte oder weitere Dinge in der Umgebung wahrnehmen, die uns voranbringen könnten - ähnlich wie der Detektiv-Modus bei Batman: Arkham City.
Sollte man doch mal einen Fehler machen oder sich überschätzt haben, bietet das automatische Speichersystem optimale Checkpunkte, um es noch einmal zu versuchen. Dank zahlreicher Zwischensequenzen mit der Ingame-Engine wird unser actionreiches Abenteuer immer wieder aufgelockert, um die Story zu vertiefen. Dabei hätte man jedoch die Begleiter der Crew etwas besser in Szene setzen können, diese werden zwar immer mal wieder gezeigt und auch angetroffen, bleiben aber schlussendlich etwas farblos. Lara hingegen bleibt das nicht, im wahrsten Sinne des Wortes. Ihr Äußeres verändert sich mit zunehmenden Spielfortschritt immer weiter, verschmiertes Blut gemischt mit Matsch, zerrisse Kleidung und die ein oder andere Wunde sind Spuren, die man im Verlauf des Abenteuers sichtlich wahrnimmt. Dies soll wohl die Intensität verdeutlichen und den Mitfieber-Faktor erhöhen, so richtig hat das bei mir jedoch nicht gewirkt. Ein wenig Mitleid hatte ich am Ende aber natürlich schon.
So schön kann Next-Gen sein.
Auch wenn an dieser Stelle die PC-Spieler nur ein müdes Lächeln übrig haben werden, muss man festhalten, dass Tomb Raider: Definitive Edition optisch das bisher schönste Spiel für die neuen Konsolen ist. Zumindest für die von mir gespielte PS4-Version trifft dies meiner Meinung nach zu, auch wenn ein Killzone: Shadow Fall natürlich auch seine Muskeln spielen lässt. Die PS4-Version läuft mit durchschnittlich 53FPS (30-60) während die Xbox One bei 30FPS (27-30) liegt, haben die Jungs von Digital Foundry analysiert. Die Frame-Schwankungen bei der PlayStation 4 haben sich jedoch beim Spielen nicht wirklich bemerkbar gemacht, auch wenn eine konstante Framerate sicherlich wünschenswert gewesen wäre. Der Unterschied liegt womöglich nicht nur an der Technik, sondern auch an der Tatsache, dass an den Next-Gen-Portierungen zwei unterschiedliche Studios gearbeitet haben. So zeigt sich Nixxes Software für die PlayStation 4 und United Front Games für die Xbox One verantwortlich.
Trotz aller grafischen Verfeinerungen des ohnehin schon technisch einwandfreien Spiels kratzt man damit hoffentlich erst an der Oberfläche des Machbaren. Denn auch wenn man bei Full-HD-Auflösung durch das Spiel streift, die Texturen und Effekte einen sichtbaren Sprung gegenüber der Xbox 360 und PlayStation 3 gemacht haben, Lara Crofts Haar mit der TressFX-Technologie nun noch realistischer wirkt, und man einzelne Sprachkommandos (sowohl auf Xbox One als auch über das Mikro der PS4) nutzen kann - all das ist wohl das mindeste, was Spieler heute von einer neuen Konsolen-Generation erwarten dürfen, die uns auch noch die nächsten Jahre Freude bereiten soll.
Fazit von Darius:
Das neue Tomb Raider mit Lara Croft bietet ein packendes Überlebens-Abenteuer, das man auf jeden Fall gespielt haben sollte. In punkto Inszenierung hat Crystal Dynamics tolle Arbeit geleistet und platziert über die komplette Spieldauer verteilt interessante Dialogszenen und Cinematicfilmchen, die direkt in Ingame-Grafik weiterlaufen und dadurch keinen großartigen Bruch zwischen den Gameplay-Passagen entstehen lassen. Die Story bleibt spannend. Spielerisch setzt man mehr auf Action-, Schleich- und Kletter-Passagen als auf Rätsel, die zwar vorhanden, aber nicht spielrelevant sind, insgesamt hält sich hier jedoch die Waage. Auch wenn die Handlung des Abenteuers recht linear verläuft, bietet sich in den einzelnen Abschnitten dennoch immer ein gewisser Freiraum für Erkundungen oder taktische Einlagen. Dank hervorragend verteilter Speicherpunkte ist man zudem auch nach Fehlern schnell wieder im Spiel, ohne nennenswert an seinem Fortschritt zu verlieren.
Insgesamt ein gelungener Reboot und ein gutes Spiel, das euch für 12-15 Stunden und darüber hinaus unterhalten kann. Technisch setzt sich die Definitive Edition deutlich von den bisherigen Konsolen-Versionen ab und bietet für mich optisch das bisher schönste Spielerlebnis auf der PlayStation 4. Crystal Dynamics und Nixxes Software haben hier gute Arbeit geleistet und liefern einen grafischen Leckerbissen, bei dem die Welt "dank komplexer physikalischer Simulation der Bäume, des Laubs, der Gewebe, des Wetters und der Beleuchtungseffekte" zum Leben erweckt wird.
- Tolle Grafik und Inszenierung
- Detailreichtum und Effekte
- Packende und spannende Story
- Mitfühlend authentische Anti-Heldin
- Intuitive Steuerung
- Spielzeit der Kampagne
- Gameplay, Cinematic und Dialogszenen aus einem Guss
- Freie Sprachwahl (Deutsch/Englisch) im Spielmenü
- wenige notwendige Rätsel
- wenig Abwechslung in der Umgebung
- viel Action, teils Wellen-Angriffe
- brutale und unnötige Mortal Kombat Fatality-Sterbeanimationen
- hässlichste Untertitel-Darstellung ever
Darius hat Tomb Raider: Definitive Edition auf der PlayStation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Square Enix zur Verfügung gestellt.


#1 | 28. Januar 2014 um 20:20 Uhr
Hier hätte man mit 39 Euro in meinen Augen einsteigen sollen statt der guten 60 Euro, aber ich denke mal das der Preis schnell fallen wird und dann Überlege ich es mir vielleicht noch einmal mit dem Kauf mit der Gewissheit das bis dahin genug andere Game für PS4 und XBO erhältlich sein werden.
#2 | 13. Februar 2014 um 13:43 Uhr